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für die

Amie tzcrsfcld und Hünfeld.

-^ 14. ^LVL^eLL, Mittwoch den 16. September 1814.

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 10 Sgr. pro Quartal per den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit Sgr. berechnet.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Obwohl die Instruktion vom 12. Dezem­ber v. I. über die Erhebung rc. der Klas­sensteuer eine Bestimmung über die Anfstel- lung der Zu- und Abgangslisten i n d u p I o, wie sie nach der Instruktion vom 19. Juni 1851 bestanden hat, nicht enthält, so ist es von der Königlichen Regierung in Cassel durch Verfügung vom 7. d. Mts. C. I. 5376 | 74 im Interesse der Steuererverwal- tung doch zweckmäßig erachtet worden, daß die Listen von den Gemeinden in der seit­herigen Weise in zweifacher Ausfer­tigung angefertigt werden und ein Exem- plar in den Händen des Kreislandraths verbleibt.

Den Herren Ortsvorständen von

Hersfeld, Allmershausen, Ei- tra, Friedlos,Heenes,Meckbach, Mecklar, Meisebach, Obergeis, Oberrode, Reilos, Rotensee, Sieglos, Sorga, Untergeis, Un- terhaun, Biengartes, Wilhelms­hof, Asbach, Hattenbach, Ober­stoppel und Bengendorf

werde ich daher die Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten pro I. Semester d. J. mit­theilen, um die Duplikate danach anzufer- tigenund mir die ersteren dann als­bald wieder zurückzusenden, wäh­rend ich den Herren Ortsvorständen der übrigen Gemeinden die gleichgestellten Dupli­kate remittiren werde.

Den Herren Bürgermeistern zu Hers- fetd, Niederaula, Frielingen, Solms und Wehrshausen werde ich gleichzeitig Auszüge aus der Revisionsver­handlung der Königlichen Regierung mit­theilen und mache im Allgemeinen darauf aufmerksam, daß die in den Listen wegen mangelnder Beläge gestrichenen Censiten durch dieAbgangsliste pro II. Semester d. I. in Abgang zu bringen, die Listen künftig reinlich und ohne Correkturen aufzustellen und die Ursachen der Zu- und Abgänge präciser darin anzugeben sind.

Hersfeld, am 14. September 1874.

Der Königliche Landrath Auffarth.

Der pro 1875 entworfene Landwegebau- Etat für den Kreis Hersfeld liegt vom 18. d. M. an 14 Tage lang in dem Bureau des unterzeichneten Landraths zur Einsicht der Ortsvorstände der Stadt- und Laudgemein- den des Kreises auf. Dieselben wollen den­selben während dieser Zeit einsehen und

sich bezüglich der für ihre Gemeinden rc. vorgeschlagenen Etatssätze schriftlich oder mündlich erklären, indem sonst angenommen werden wird, daß sie Einwendungen dagegen nicht zu erheben haben.

Hersfeld, am 12. September 1874.

Der Königliche Landrath Auffarth.

Oefsentliche-Aufforderung.

Der Reserve-Pionier-Unteroffizier Conrad Clausius aus Wippershain Kreis Hers­feld, welcher nach Amerika beurlaubt, jedoch nach Ablauf des Urlaubs nicht zurückgekehrt ist wird hierdurch aufgefordert, sich inner« halb 6 Wochen und zwar spätestens am 1. November er. Vormittags 9 Uhr auf dem Bureau des unterzeichneten Bezirks-Commandos zu sistiren, widrigenfalls gegen denselben das Desertions-Vefahren eingeleitet werden wird.

Rotenburg, den 14. September 1874. Königliches Landwehr Bezirks-Commando v. Hofe

Major und Commandeur.

Gesunden: zwei Wagen-Kapseln. Mel­dung des Eigenthümers bei dem Ortsvor­stand zu Rohrbach.

Tagesbegebenheiten.

Deutsches Reich.

Hannover, 14. September. Die Parade vor Sr. Majestät dem Kaiser hat heute, vom besten Wetter begünstigt, stattgefunden. Der Kaiser fuhr um 10 Uhr zu dem Pa­radeplatz Hinaus, wohin sich der Kronprinz, die Kronprinzessin, die anwesenden Fürstlich­keiten und die fremdherrlichen Offiziere be­reits vorher begeben hatten. Die Kron­prinzessin wohnte der Parade zu Pferde in der Uniform ihres Husarenregiments bei. Der Kaiser und der Kronprinz wurden von der zahlreich versammelten Zuschauermenge allenthalben mit lauten Zurufen begrüßt. Um 5 Uhr findet Galatafel im königlichen Schlöffe und heuteAbend um 7^-Uhr Gala­vorstellung im königlichen Hoftheater statt.

München, 14. September. Die hiesige Polizeidirektion hat unterm 12. d. M. die hier bestehenden sozial-demokratischen Zweig­vereine der Schuhmachergewerkschaft, des. allgemeinen deutschen Schneidervereins, des allgemeinen deutschen Töpfervereins, der Maler-, Lackirer- und Vergoldergewerkschaft, derMetallarbeiter-Gewerksgenoffenschaft und

der Holzarbeitergewerkschaft als selbststän- dige politische Vereine erklärt und geschlos­sen. Gleichzeitig erfolgte auch die polizei­liche Schließung des Arbeiter-Preßvereins. Jm Anschlüsse an diese Maßregeln wurde gestern bei den hervorragendsten Führern der sozial-demokratischen Partei eine poli­zeiliche Haussuch«g vorgenommen und das auf ihre Vereinslhätigkeit bezügliche Mate­rial mit Beschlag belegt. Ein gerichtliches Einschreiten gegen die genannten Vereine wegen Verletzung des Vereinsgesetzes ist bevorstehend.

Wohlau i. Schl., 12. September. Das hiesige Kreisgericht hat gestern den Appel­lationsgerichts - Präsidenten von Gerlach in Magdeburg wegen der von demselben heraus­gegebenen Druckschrift wider die Civilehe, auf Grund des §. 131 des Reichsstrafge­setzbuchs, in contumaciam zu einer Geld­strafe von 200 Thlr., event. 6wöchentlicher Haft verurtheilt, auch die Vernichtung der vorhandenen Exemplare der inkrimirten Druckschrift ausgesprochen.

Paderborn, 15. .September.Das Westphälische Volksblatt" meldet, daß dem Bischof Martin das Schreiben des Ober- Präsidenten vom 7., welches die Aufforde­rung enthält, binnen 10 Tagen sein bischöf­liches Amt niederzulegen, widrigenfalls beim Gerichtshöfe für kirchliche Angelegenheiten die Ankläge auf seine Absetzung ^werde er­hoben werden, gestern Abend zugegangen sei.

Meiningen, 11. September. Allmäh­lich beginnt doch die erste furchtbare Auf­regung, in welche unsere arme Stadt durch den Brand vom 5. und 6. September ge­setzt worden war, ruhiger Ueberlegung Platz zu machen. Der Blick, der zeither fast aus­schließlich rückwärts gerichtet war, richtet sich mehr und mehr in die Zukunft und wahrlich, es sind große, sehr schwere Auf­gaben, die uns für diese gestellt sind Die Komite's können mit dem besten Willen nicht allen Anforderungen genügen. Von 140 bis 150 Familien, die die Hülfe des Komite's zur Beschaffung von Wohnungen in Anspruch genommen haben, ist kaum die Hälfte nothdürftig untergebracht, und diese nur unter Zuhülfenahme der um Meiningen an den Bergabhängen stehenden zahlreichen Gartenhäuschen, die zu diesem Zweck heiz­bar gemacht worden. Es ist daher auch die Erbauung einer Baracke für 10 Wohnun­gen, sowie der schleunige Neubau einer Anzahl kleiner Wohnhäuser mit Doppel- wohnangen außerhalb der Stadt bereits akkordirt und werden weitere Baracken in Aussicht genommen werden müssen, da eine bis jetzt zur Verfügung gestellte kleine Kaserne