Jlf 95. ^es^^^iS, Sonnabend Den 28. November Z8»4.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich szweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 10 Sgr. pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 1 Sgr. berechnet
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Kreis Hersfeld.
Die Herrn Ortsvorstände sowie die Königlichen Gendarmen des Kreises werden davon in Kenntniß gesetzt, daß nachstehende Personen die Gewerbe- resp. Legitimationsscheine pro 1874 bis jetzt noch nicht ein gelöst haben:
1) Abraham Levi von Hattenbach, zu 16 Thlr.
2) Johannes Schneider von Kirchheim, zu 4 Thlr.
3) Seligmann Gottlieb II. von Grebenau, zu 16 Thlr. und
4) Salomon Oppenheim von Niederaula, jetzt in Fulda wohnhaft, zu.16 Thlr.
Zu 1 und 2 haben die Herrn Bürgermeister der betreffenden Wohnorte festzustellen, ob die genannten Personen nicht dennoch Hausirhandel betrieben haben und darüber binnen 8 Tagen zu berichten. Außerdem sind die sämmtlichen Personen von den Orls- vorständen und den Königlichen Gendarmen streng zu überwachen resp, überwachen zu lassen, und ist ein etwaiger Betrieb des Hausirhandels durch dieselben bei mir zum Zwecke der Einleitung des Strafverfahrens alsbald zur Anzeige zu bringen.
Hersfeld, am 25. November 1874.
Der Königliche Landrath Auffarth.
Die Herren Minister des Innern, der Finanzen und des Handels rc. haben durch Beschluß vom 17. October d. J. verfügt, daß den Beamten ihres Refforts die Genehmigung zur Annahme von Legltimationskarten zur freien Fahrt auf Privat-Eisenbahnen grundsätzlich nicht ertheilt werden darf, was hierdurch veröffentlicht wird. Hersfeld, am 25. November 1874.
Der Königliche Landrath Auffarth.
Kreis Hünfeld.
Hünfeld, am 25. November 1874.
Nach Mittheilung der Grogherzoglichen Bezirks -Direction zu Dermbach ist unter den Rindviehbestäuden in Motzlar die Lungen- scuche ausgebrochen, was hierdurch bekannt gemacht wird.
Der Königliche Landrath Götz.
Hünfeld, am 27. November 1874.
Unter dem Rind- und Schafvieh in der Gemeinde Mansbach ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, was hierdurch veröffentlicht wird.
Der Königliche Landrath Götz.
Hünfeld, am 27. November 1874.
Die unter dem Rindvieh in den Gemeinden Oberrombach und Rothenkirchen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen, was hierdurch veröffentlicht wird.
Der Königliche Landrath Götz.
Der Rekrut Adalbert Frank geboren am 1. April 1853 zu Oberufhaufen Kreis Hünfeld, Regierungsbezirk Caffel, dessen Aufenthaltsort bis jetzt nicht hat ermittelt werden können, wird hierdurch aufgefordert, binnen vier Wochen vom Tage des ersten Einrückens dieser Bekanntmachung in die öffentlichen Blätter ab gerechnet ent- weder bei dem unterzeichneten Bezirks-Commando oder bei den Be- zirksfeldmebeln in Fulda, Gelnhausen, Schlächtern oder Gersfeld
seine Anmeldung zu bewirken, widrigenfalls das Desertionsverfahren gegen ihn eingeleitet werden wird
Die resp. Orts- und Polizeibehörden werben ersucht, diese Bekanntmachung in ihren Verwaltungsbezirken zur allgemeinen Kenntniß bringen zu lassen, auch falls Ihnen über den zeitigen Aufenthaltsort des 2C. Frank etwas Näheres bekannt sein sollte, hierher gefälligst bezügliche Mittheilung machen zu wollen.
Fulda, den 17. November 1874.
Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.
Tagesbegebenheiten.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Nov. Den heutigen Morgenblättern zufolge ist die Haft des Grafen Arnim seit Sonntag dahin erleichtert, daß derselbe ohne Beaufsichtigung das Palais verlassen darf, welche Erlaubniß er reichlich benutzt.
— Für die Verhandlungen des Arnim'schen Processes sind die drei Tage vom 9. bis 11. December vom Berliner Stadtgericht angesetzt worden. Der Zudrang zu den Billets für den Zuhörerraum soll ganz enorm sein, und die Zahl der Meldungen aus den Kreisen der Aristokratie und Diplomatie um Eintrittsbillets soll schon jetzt ganz enorm sein. Ebenso mehren sich noch täglich die Anmeldungen von Berichterstattern, welche für diesen Proceß um Zulassung bitten, so daß man schon jetzt die.Befürchtung hegt, daß der für die Sitzungen der betreffenden Gerichts-Deputation bestimmte Sa.rl zur Aufnahme der zuzulaffenden Personen nicht genügen werde. Der Zustand des Grafen Arnim foll übrigens noch immer nicht ohne Bedenken sein und die Aerzte sogar die Befürchtung ausgesprochen haben, daß die Aufregung, welche für den Grafen durch sein Erscheinen im Audienztermin und durch die Verhandlungen des Processes selbst zu erwarten stehen, für denselben höchst gefährlich werden könnte.
— Der Abg. Schultze-Delitzsch beabsichtigt eine Interpellation über die Einführung der Gewerbe-, Hilfs- und Versorgungskassen für Arbeiter im Reiche einzubringen. Auch sollen Schritte gethan werden, um die gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten für d e wichtige Materie zu gewinnen.
— Nach dem neuesten Jahresabschluß des deutschen Jnvali- denfonds sind die Ausgaben pro 1875 um fast 9 Millionen Mark geringer, die Einnahmen dagegen um 4 Millionen Mark höher veranschlagt als für 1874, sonach die Differenz zu Gunsten des Fonds im Vergleich mit dem Vorjahre 13 Millionen Mark. Die Differenz zwischen Zinseneinnahme und Ausgabe beträgt jetzt schon circa 4 Millionen Mark, und da voraussichtlich in etwa 3 Jahren die Ausgaben so gesunken sein dürften, daß sie aus den Zinsen gedeckt werden können, so würde dem Fonds also in nicht allzu langer Zeit schon ein Ueberschuß an Zinsen zur Verfügung bleiben.
— Die Handelskammer von Leipzig hat das Projekt ventilirt, Leipzig mit der Elbe durch einen Kanal zu verbinden, der die Orte Bitterfeld, Jeßnitz, Raguhn und Dessau berühren würde. Die anhaltische Regierung hat ihre Genehmigung für die Vorarbeiten auf anhaltischem Gebiete bereits ertheilt.
C assel, 25. November. Der Kronprinz ist gestern Nachmittag zur festgesetzten Stunde hier eingetroffen. Da alle weiteren Empfangsfeierlichkeiten verbeten waren, hatten nur die beiden hier weilenden Söhne des Kronprinzen mit ihrem Civilgouverneur, außerdem mehrere höhere Militärs zu der Begrüßung feiner kaiserlichen Hoheit im