für die
Kreise Hersseld und Hünfeld.
| .^ 63.
HsrAfsld, Sonnabend den 5. August
187«.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabend. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei Den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet.
Amtliches
Kreis Hersfelv.
L Der der Fälschung und Unterschlagung dringend verdächtige Postassistent Gustav Heinrich Kube in Mühlheim a. d. Ruhr ist üü dem 28. Juli d. I. flüchtig. Unter Mitheilung der Personalbeschreibung des rc Kube weise ich die Königlichen Gendarmen und die Ortspolizeibehörden des Kreises an, auf denselben zu fahnden, Hn im Betretungifalle alsbald zu verhaften und an mich abzuliefern.
Hersseld, am 4. August 1876.
Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Personalbeschreibung des Kube.
Vor- und Zuname: Gustav Heinrich Kube.
Geburtsort: Blankensee bei Bernstein.
I Alter: 30 Jahre.
Größe: 5 Fuß 10 Zoll,
H Haare und Augendraunen: dunkel.
U Augen: bräunlich.
ä Nase und Mund: gewöhnlich.
K Etirn: flach.
Bart: dunkelblond, kurz geschoren, Sollbart.
g Statur: schlank,
■ Gesichtsfarbe: blaß.
Besondere Kennzeichen: Vornübergebeugte Haltung. Zwinkern mit den Augen und kurzsichtig.
| Bekleidet war Kube zuletzt mit hellgrauer Hose und Weste, mit schwarzem Rock und weißem Strohhut.
Bekanntmachung
; 1) Auf der Hersfeld-Homberger Straße ist in Folge der durch Wasserfluth am 24 v M zerstörten Brücke bei dem Orte Oberngeis jeglicher Verkehr darüber gesperrt, und führt letzterer vom 5. d M. ob, auf dem von der Straße abzweigenden Communicationsweg nach der Papiermühle über die dort hergestellte Nothbrücke, deren Maximalgewicht nur 100 Ctr. betragen darf.
M 2) Auf der Marburg-Hersfelder Straße ist vor dem Orte Hed- dersdorf, wie vor, durch dasselbe Naturereigniß ein Kanal zerstört, und führt die Communicativn dicht am Fuße des StraßeukörperS gelegenen Weges her.
Hersseld, den 3. August 1876
Der ständische Baumeister Xyland er.
Wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnißnahme und Veröffentlrchuug in ihren Gemeinden mitgetheilt.
; Hersseld, am 4. August 1876.
M Der Königliche Landrath Freiherr von Brorch.
Allgemeine Verfügung über Einrichtung, Aufgabe und Ziel der preußischen Volksschule.
(Fortsetzung.)
Bereits auf ber Unterstufe lernen die Kinder einige kurze und leichte Mittags- und Abendgebete, auf den oberen Stufen ist ihnen die Em- des öffentlichen Gottesdienstes zu erklären. Gedächtnißmäßige An- des allgemeinen Kirchengebetes, sowie andere Theile des liturgischen Gottesdienstes findet nicht statt.
22. Der Unterricht im Deutschen. ,
LL ~er Unterricht im Deutschen schließt die Uebungen im Sprechen, Lesen . schreiben in sich. Diese Gegenstände müssen auf allen Stufen, in or- Zusammenhänge mit einander bleiben, und soweit dies angcht, in ^flUiäßigrm Fortschritte gefördert werden.
2a. Die Uebungen im mündlichen Ausdruck».
Die Uebungen im mündlichen Ausdrücke erfordern keinen abgesonderten Unterricht. Sie bereiten vielmehr den Schreib- und Lese-Unterricht vor und begleiten ihn auf seinen weiterer: Stufen.
Ihre Stoffe nehmen sie auf der Unterstufe von den einfachsten und den Kindern zumeist bekannten Gegenständen, auf der Mittelstufe von Gruppenbildern u bergt, auf der oberen von den Sprachstücken des Lesebuches.
Ihr formelles Ziel ist, fortschreitend auf den verschiedenen Stufen, die Befähigung des Schülers zu richtiger und deutlicher Aussprache jedes einzelnen Wortes und zum freien Ausdruck seiner Gedanken im einfachen Satze, die Befähigung zum correcten und sicheren Ausdrucke im zusammengesetzten Satze unter Ueberwindung der gewöhnlichen Fehler im Gebrauche der Wortformen und in der Satzbildung, und endlich die Besähiguug zur freien und richtigen Wiedergabe fremder Stoffe, wie zur Ordnung und klaren Darstellung der eigenen Gedanken.
24. Der Unterricht im Schreiben und Lesen.
Der Unterricht im Schreiben und Lesen ist nach der im Seminare des betreffenden Bezirks eingeführten Methode zu ertheilen; die Anwendung der Buchstabirmethode ist ausgeschlossen.
Ziel ist: für die Unterstufe die Befähigung der Kinder, zusammenhängende Sprachstücke richtig lesen und kurze Sätze nicht nur ab-, sondern auch selbst- ständig aufschreiben zu können, für die Mittelstufe diejenige, ganze Sprachstücke in gebundener und ungebundener Rede, in deutscher und lateinischer Schrift phue Anstoß Uwd^suurxichlig zu lesen, ein einfaches Dictat richtig aufzuschreiben und ein nach Form und Inhalt leichtes Sprachstück selbständig niederzuschreiben. Auf der Oberstufe sind die Schüler dahin zu führen, daß sie schwierigere Sprachstücke, deren Inhalt ihrem Lebenskreise nicht zu fern liegt, leicht und mit Ausdruck vom Blatt lesen, Dictate dieser Art fehlerfrei niederschre:ben und auch größere Sprachstücke richtig wiedergeben können.
Für die Uebung im Schreiben ^werden besondere Schreibstunden auf der Mittel- und auf der Oberstufe der Schule mit einem oder zwei Lehrern, sowie in den Mittelklassen der mehrklassigen Schule eingerichtet. In den Oberklassen der letzteren kann die Uebung außerdem zum Gegenstand häuslicher Aufgaben gemacht werden. Ziel des Unterricht ist die Aneignung einer saubern, deutlichen und gewandten Schrift in allen auch in schnell gefertigten Schriftsätzen.
Die Resultate eines guten Unterrichtes müssen demnach in allen Heften der Schüler zum Vorschein kommen.
Als Inhalt der Vorschriften empfehlen sich volkstümliche Sprüchwörter, gute und zeitgemäße Muster von geschäftlichen Formularen und Aufsätzen.
25. Der Unterricht in der deutschen Sprachlehre.
In den Oberklassen mehrklassiger Schulen sind für Unterricht und Uebung in der deutschen Sprachlehre besondere Stunden anzusetzen; in der Schule mit einem oder zwei Lehrern ist derselbe mit dem übrigen Sprachunterrichte zu verbinden.
Ziel ist für die Mittelstufe: Kenntniß des einfachen Satzes und der einfachsten Verhältnisse aus der Wortlehre; für die Oberstufe: der erweiterte Satz und weitergehende Belehrungen aus der Wort- und Wortbildungslehre.
26. Das Lesebuch.
Dem gesammten Unterrichte im Deutschen liegt das Lesebuch zu Grunde.
Bei der Behandlung desselben ist womöglich der gesammte Inhalt desselben nach und nach zu verarbeiten.
Das Lesebuch ist nicht nur zur Erzielung der Lesefertigkeit, sondern auch zur Einführung in das Verständniß der in dcmsclaen enthaltenen Musterstücke zu benutzen. Die Auswahl der Stücke ist so zu treffen, daß jährlich wechselnd ungefähr 30 zur Behandlung kommen.
Geeignete Sprachstücke poetischer Form und zwar in Schulen mit einem oder zwei Lehrern besonders Volksliedertexte, werden auf allen drei Stufen nach Dorangegangener Besprechung memorirt
Auf der Oberstufe mehrklassiger Schulen wird das Lesebuch auch dazu benutzt, den Kindern Proben von den Hauptwerken der vaterländischen namentlich der volkstümlichen Dichtung und einige Nachrichten über die Dichter der Ration zu geben; doch beschränken sich diese Mittheilungen auf die Zeit nach der Reformation.
Die Auswahl der einzusührcmen Lesebücher ist aus denen zn treffen, welche ein volkstümliches Gepräge tragen und durch ihren gesammten Inhalt den erziehlichen Zweck der Schule fördern.
Unter diesen aber verdienen diejenigen den Vorzug, welche in ihrer Form correct sind und auch in den geschichtlichen nnb realistischen Theilen nicht eigene Ausarbeitungen der Herausgeber, sondern Proben aus den besten populären Darstellungen der Meister auf diesem Gebiets geben und welche sich von kirchlichen und politischen Tendenzen freihalten. Für Schulen, welche von Kindern verschiedener Consessionen besucht werden, sind möglichst nur solche Lesebücher zu wählen, welche -einen eigentlich consessionellen Character haben.