KreisMblatt
für den
Jtreis Hersseld.
*^ 15» Mittwoch den 19. Februar 1819»
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Kreis HerSfeld.
Die Kreisstände des Kreises Hersfeld werden hierdurch zu einem Kreistage aus
Mittwoch den 12. März d. J. Vormittags 10 Uhr
in den hiesigen Rathhaussaat unter Hrnweisung auf die unten abgedruckte Tagesordnung berufen.
Hersseid, den 17. Februar 1879.
2073. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Tagesordnung
für den Kreistag des Kreises Hersfeld am 12. März 1879.
1) Anschaffung der Rapet'schen Schrift „Volkswirthschaft für Jedermann" für sämmtliche Schulen des Kreises und die Ober- Schulinspectoren.
J) Beschlußfassung über das Gesuch des Schreiners Engelhard Buchbach zu Hersfeld um Erlaß des der Kreiskasse noch schuldigen Dariehnsrechtes von 52 Mark nebst Zinsen.
3) Berathung der Statuten über die Erhebung von Gemeinde- Umlagen in den Gemeinden Aua, Ausbach, Gittersdorf, Harn- rode, Heiniboldshausen, Herfa, Hillartshausen, Kemmerode, Kohlhausen, Landershausen, Lautenhausen, Malkomes, Reckerobe, Röhrigshof, Rotensee, Schenksolz und Untergeis.
4) Gesuch des Gutsbezirks Meisebach um Unterstützung aus com- munalständischen Fonds zum Bau des Hersfeld—Reckeroder Landweges.
5) Gesuche der Gemeinden Allmershausen und Unterhaun um Beihülfen zu den Kosten der Armenpflege.
6) Wahl der Mitglieder der Körungs - Commission. (Polizei- Berord. vom 17. Januar er. Amtsblatt Seite 40).
7) Feststellung des Kreishaushalts-Elats pro 1879|80.
Ausführliche Darlegung zu der pos. 1 der Tagesordnung. Zweck des Beschlusses.
Ich hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß über die, das ganze materielle Verkehrsleben beherrschenden volkswirlhschaftlichen Grundsätze auch im hiesigen Kreise im Allgemeinen noch eine große Unwissenheit besteht. Es drängte mich daher, zunächst mit den Herren Oberschulinspectoren des Kreises über die Frage in Verbindung zu treten, ob es sich nicht sehr empfehlen würde, dahin zu wirken, daß das oben genannte Werk für sämmtliche Elementarschulstellen des Kreises angeschafft werde, wie ich das auch in meinem früheren Wirkungskreise auf Kosten des beteiligten Kreises Malmedy zur Ausführung gebracht hätte.
Nicht als ob ich dabei, wie ich an die besagten Herren im Februar v. J. schrieb, von der Ansicht ausginge, daß der Elemen- larlehrer in der Schule Volkswirthschast treiben soll, was ja dem Zweck und Ziel der Volksschule, sowie dem Erkenntnißvermögen der Kinder fern liege, sondern der mich dabei leitende Gedanke ist, daß der Lehrer sich " mit dem durch das fragliche Buch gebotenen Stoff gehörig vertraut macht und nun die sich gewiß im Unterrichte selbst vielfach darbietende Gelegenheit benutzen soll, den Kindern und dadurch für die Zukunft auch den Eltern die Eingangs hervorgehobenen, auf sittlicher Grundlage beruhenden Principien in, dem klnd- lichen Standpunkte entsprechender Weise beizubringen, worin nach meiner Ueberzeugung für die Familie, den Staat und die menschliche Gesellschaft überhaupt ein großer Gewinn liege.
Nachdem die mehrerwähnten Herren sich mit Vorstehendem voll
ständig einverstanden erklärt hatten, unterbreitete ich unter dem 31. Mai v. I. die betreffenden Verhandlungen der Königlichen Regierung um Erwirkung des Einverständnisses mit meinem besagten Vorgehen, sodann aber auch damit, daß ich die in Rede stehende Anschaffung aus Kreismitteln herbeizuführen suchte und hob in meinem bezüglichen Berichte noch hervor, daß nach meiner Ansicht ganz besonders auf diese Weise den (damals) vor Kurzem auf das Schmachvollste zum Ausdrücke gelangten verderblichen communistischen und socialistischen Vorurtheilen und Irrlehren mit dem erwünschten Erfolge entgegengearbeitet werde.
Die Königliche Regierung hat daraufhin nicht nur das beantragte Einverständniß ausgesprochen, sondern das Buch auch durch das Amtsblatt Nr. 77 v. I., wie folgt, empfohlen:
Wir empfehlen das im Verlag von Bernhard Simion zu Berlin bereits in 5. Auflage erschienene, auf Veranlassung der Königlich Württemberg'schen Central-Stelle für Handel und Gewerbe nach dem preisgekrönten französischen Werke von Rapet frei bearbeitete Volkslesebuch „Volkswirthschaft für Jedermann" hierdurch nachdrücklich.
Das treffliche Buch ist in jeder Beziehung geeignet, über die Grundlagen einer gesunoen Volkswirthschaft im Gegensatz zu den socialdemokratischen Irrlehren aufzuklären und den auf Umsturz der bürgerlichen Gesellschaft abzielenden Bestrebungen auf dem Wege vernünftiger Belehrung entgegenzutreten. — Der Preis ist ein sehr billiger. — Cassel, den 6. Dezember 1878.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Art der Ausführung. Von dieser Schrift würden für die sämmtlichen Elementarschulstellen einschließlich dreier Exemplare für die Oberschulinspectorate — ich halte eS nämlich für sehr förderlich, daß diesem Gegenstände in den Lehrerconferenzen eine thunlichste Berücksichtigung zu Theil wird — also für den ganzen Kreis 86 Exemplare
erforderlich sein.
Kostenbetrag Die Kosten hierfür würden sich, da die betreffende Buchhandlung mir mitgetheilt hat, daß sie bei Entnahme von 100 Exemplaren einen Rabatt von 25 Prozent gewähre und da durch die gefällige Vermittlung des Fabrikanten Herrn Adam Rechberg dahier die Unterbringung von noch 42 Exemplaren in hiesiger Stadt
gesichert ist, auf 96 Mark 75 Pf. belaufen.
Aufbringung. Der Stand der Kreiskasse pro 1878179 ist gegenwärtig folgender:
a) Einnahmen . . . . • 6814 M. 92 Pf.
b) Ausgaben einschließlich der Diäten und
Reisekosten für die auswärtigen Kreisstands- niitglieder von der im obigen Etatsjahr
noch abgehalten werdenden Sitzung . . 5773 „ 2„
Es ergibt sich hiernach ein Uederschuß von . 1041 „ 90 „ wovon 1000 Mark in hiesiger Sparkasse bereits verzinslich angelegt sind.
Aus diesem Ueberschuß kann nun die obige Ausgabe von 96 Maik 75 Pf. bestatten werden, ohne daß hierzu eine besondere Erhebung für das Etatsjahr 1879,80 erforderlich wäre, zumal da die übrigen Ausgaben für dieses Etatsjahr exclusive der Kosten der Oberbraiidmeister, welche ihre Vergütung aus den im hiesigen Vor- schußvere,n für Die Kreiskasse noch befindlichen Kapitalrest von 250 Mark 36 Pf. (aus Ersparnissen bestehend) ausgezahlt erhalten, zum größten Theil aus dem Erlös für Jagdscheine bestatten werden können.
Hersfeld, den 19. Februar 1879.
Unter Bezugnahme aus meine vorstehende Darlegung zu dem ersten Gegenstände der Kreisstandssitzung vom 12. März c. veranlasse ich hierdurch sämmtliche Herrn Bürgermeister des Kreises, sich den thun-