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AreisWblatt

für den

Rreis Zersfesd.

a? 57. Mittwoch den 16. Juli 1879.

DaSKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Amtliches.

K reis Hersfeld.

HerSfeld, am 14. Juli 1879.

Der Tuchmacher Arnold Friedrich August Ziegler dahier, 24 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepaffes nach Amerika nachgesucht.

Der Königliche Landrath.

8150. J. V.: H eeg, Kreissecretair.

Gefunden: auf der Straße von Hersfeld nach Asbach ein Meter- Maaß. Meldung des Eigenthümers bei dem OrlSvorstand zu Mengshausen.

Berlin W., 5. Juli 1879.

Einführung besonderer Formulare zu Weltpostkarten mit Antwort.

Vom 15. Juli ab werden besondere, mit je 2 Frankostempeln von 10 Pfennig versehene Weltpostkarten mit Antwort eingeführt, welche bei sämmt­lichen Reichs-Postanstalten für den Stempelwerth verlaust werden. Diese Karten sind verwendbar für Mittheilungen nach Belgien, Frankreich, Helgoland, Italien, Luxemburg, Niederland, Norwegen, Portugal, Rumänien, der Schweiz, Spanien und der Argentinischen Republik.

Kaiserliches General-Postamt. W i e b e.

Tagesbegebenheiten.

AuS Hessen-Naffau.

Cassel, 14. Juli. Heute Morgen gerieth auf dem hiesigen Bahnhöfe, wie wir hören, durch eigene Unvorsichtigkeit, der Arbeiter Kümpel von hier bei einem Zuge zwischen die Puffer und erlitt so erhebliche Quetschungen im Leibe, daß er sofort in das Land­krankenhaus geschafft werden mußte. (C. Tgbl.)

Fulda, 14. Juli. Heute Morgen gerieth der Büreaudiener der Bau-Juspection II. dahier, Caspar Fröhlich, als er vom Wasser« holen zurückkehrend in das Bureau gehen wollte, zwischen die Puffer zweier Wagen, welche im nämlichen Augenblick von der einen Seite angestoßen wurden und wurde demselben dadurch der Unterleib gequetscht, so daß er, wenn die- überhaupt seinen Tod nicht zur Folge haben sollte, jedenfalls längere Zeit arbeitsunfähig sein wird. _____________________________________________________ ,(C. Tgpst.)

Ems, 14. Juli. Se. Majestät der Kaiser ist heute Nachmittag um 4 Uhr im besten Wohlbefinden von hier nach Koblenz abgereist. Auf dem Bahnhöfe hatten sich der Prinz Georg von Preußen, der Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen, der Prinz Alexander von Hessen mit seinem Sohne, die Spitzen der Behörden, der Badecom- missar Kammerjunker v. Lepel, sowie die Geistlichkeit und die Lehrer zur Begrüßung Sr. Majestät eingefunden. Der Kaiser fuhr in einem offenen Wagen durch die dicht gedrängte BolkSmenge zum Bahnhöfe überall mit enthusiastischen Zurufen empfangen.

Hildburghausen. Der Landtag des Herzogthums hat dem unter Aussicht des Staates stehenden Technikum Hildburghausen, welches eine Maschinenbau« und Baugewerkschule umfaßt, in Anbe­tracht der für die Industrie und das Gewerbe so wichtigen theore­tischen Ausbildung junger Techniker und der anerkannten Leistungen der Anstalt eine fortlaufende StaatS-Unterstützung bewilligt.

Bei einem am 4. d. Mts. stattgefundenen heftigen Gewitter fuhr der Blitz in die Werkstatt des Bauunternehmers Mayerhofer in Bulmke. Es ereignete sich hierbei der eigenthümliche Fall, daß ber Blitz einem in derselben beschäftigten Arbeiter ein Stück Holz aus der Hand schlug, ohne den Mann zu beschädigen.

Buchen, 6. Juli. Vorgestern Nachmittag wurde ein Soldat der Mannheimer Garnison, aus Seckach gebürtig, von einer Fliege in die Hand gestochen. Hand und Arm schwollen bald fürchterlich an und mußten an demselben Tage abgenommen werden. Der Zustand des unglücklichen jungen Mannes war gestern noch ein bedenklicher. Angesicht dieses traurigen Falles mahnt man wiederholt daran, daß in jeder Haushaltung ein Fläschchen Salmiakgeist, der sehr billig in der Apotheke zu haben ist, vorräthig sein sollte, womit meistens die schlimmen Folgen eines giftigen Fliegenstiches abge- wendet werden.

Mitten a. d. Ruhr, 10. Juli. Große Sensation errregt hier die seit heute Morgen bekannt gewordene Flucht des evangelischen Kirchenkassen Rendanten. Seit Montag unter dem Borgeben, nach Essen a. d. Ruhr zu müssen, abgereist, wurde derselbe bis heute Morgen vergeblich zurückerwartet. Eine in seiner Wohnung vorge- nommene Revision ergab, daß er die Kaffe mitgenommen, deren Be­träge um so bedeutender gewesen sein werden, als zum 1. Juli be­deutende Steuerbeträge bezahlt werden mußten und thatsächlich auch eingegangen sind. Zugleich verwaltete der Rendant die Kaffe des evangelischen Krankenhauses. Natürlich ist sofort nach allen Richtungen der Windrose depeschirt worden, um des Flüchtigen hab­haft zu werden. Hoffentlich gelingt die Festnahme in nicht allzu- langer Zeit. Die von dem Flüchtigen mitgenommene Summe soll mehr als 12,000 Mark betragen. (B. Tgbl.)

Das verschluckte Goldstück. Der Commis eines Geschäft- in Dortmund hat kürzlich ein Zwanzigmarkstück verschluckt. Dasselbe war ihm zur Bezahlung entnommener Waaren von einer Käuferin übergeben worden. Der junge Mann machte mit dem Goldstück allerhand Kunststückchen und ließ daffelbe auch auf der Zunge tanzen. Die Anwesenden brachen über dieses Kunststück in ein Gelächter aus, in welches der junge Mann schließlich selbst mit einstimmte, wobei er das Goldstück verschluckte. Bis jetzt hat er, nach derW. Z.", noch keinerlei Beschwerven gespürt.

Käse gift. Ein Vergiftungsfall, wie ein solcher glücklicherweise selten vorkommt, -hat in der vergangenen Woche eine Familie in Dortmund in Angst und Schrecken versetzt. Es erkrankten in dersel­ben nämlich neun Personen, was darauf schließen ließ, daß eine Vergiftung vorliegen müsse, die nur auf den Genuß von holländischem Käse zurückgeführt werden konnte. Bei mehreren der erkrankten Per­sonen war die Wirkung des Giftes eine äußerst schwere, die sich durch fortwährendes heftiges Erbrechen, starken Durchfall und voll­ständige Ermattung äußerte. Nur durch die Bemühung mehrerer Aerzte und durch Eingeben bon Gegengift war es möglich, den Erkrankten einigermaßen Linderung zu verschaffen. Sieben derselben sind bereits wieder so weit hergestellt, daß sie das Bett verlassen konnten, zwei hingegen, schreibt die D. Z., liegen noch schwer danie­der. Das Käsegift ist bis jetzt noch nicht rein dargestellt worden und der Nachweis auf chemischem Wege noch nicht zu führen gewesen.

Der Brand von Jrkutsk. Die Stadt Jrkutsk ist (wie schon ermähnt) am 4. und 5. b. fast vollständig niedergebrannt. Drei Tage vor dem Brande sind in der Stadt von unsichtbaren Händen Brandbriefe an dem Negierungsgebäude und mehre­ren Privalhäusern affichtrt worden. Es hieß in denselben, daß die Stadt 500,000 Silberrubel anKontribution" demsozial-revolutionä­ren Komitee" leisten müsse, ansonst dieselbe mit Feuer vernichtet werde. Es ist selbstverständlich, daß derartige Drohbriefe die ganze Bevölkerung von Jrkutsk, der das schreckliche Schicksal der Einwoh­ner von Orenbarg, Jrbit, Uralsk und Perm vor Augen schwebte, in ungeheuere Aufregung gebracht haben. Sowohl die Behörde, als auch die Einwohner verdoppelten ihre Wachsamkeit, und Tag und