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JV 60» Sonnabend den 26. Juli 1^19»

DasKreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.

Tagesbegebenheiten.

Rosenheim, 22. Juli. Se. Majestät der Kaiser hat die Reise nach Bad Gastein heute Morgen um 8 Uhr fortgesetzt. Bei der Abfahrt wurde Se. Majestät von der zahlreich herbeigeströmten Bevölkerung mit den freudigsten Kundgebungen begrüßt.

Gastein, 22. Juli. Se. Majestät der deutsche Kaiser ist in offenem vierspännigen Extrapostwagen heute AböM, 6 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen. Der Badeort war" festlich geschmückt; am Eingänge deffelben wie am Kaiserwege waren Ehrenpforten errichtet. Der Kaiser wurde bei seiner Ankunft von dem Prinzen August von Württemberg, dem Statthalter Grafen Thun, dem Bot­schafter Grafen Beust, dem Fürsten Nohan, dem Landeshauptmann Grafen Lamberg, dem Landessorstmeister Ulrici, dem Grafen Wilhelm Bismarck und von den Ortsbehörden empfangen. Die Badegäste hatten sich zu Ehren des Kaisers mit Kornblumen geschmückt; die Damen brachten Blumenspenden dar; von der gesummten Bevölkerung wurde der Kaiser mit lebhaften Hurrahrufen begrüßt.

Gastein, 23. Juli Se. Majestät der Kaiser hat nach einer guten Nacht heute das erste Bad genommen und sodann in bestem Wohlsein bei schönem Wetter eine Promenade auf dem Kaiserwege gemacht..

Sr. Majestät dem Kaiser wurde am 18. d. Mts. Abends auf der Insel Main au von der aus 60 Mann bestehenden Kapelle des badischen Infanterie-Regiments Nr. f 14 eine Serenade ge­bracht. Zu derselben waren außer dem Musikcorps noch 700 Mann deffelben Regiments befohlen, von denen die eine Hälfte vor der Front des Schloffes derartig ausgestellt war, daß dieselbe ein latei­nisches W bildete, welches von den übrigen 350 Mann im Bogen umgeben war. Die in drei Gliedern aufgestellten Mannschaften waren mit weiß-, roth- und grünfarbigen Laternen versehen, welche auf ein gegebenes Signal bei Beginn der Serenade zugleich aufflammten und auch sofort wieder verlöschten, sobald der letzte Musikton ver­klungen war. Das Ganze war ungemein effektvoll und mit großem Geschmack angeordnet.

Dortmund, 24. Juli. DieWestfälische Zeitung" meldet, gestern Nach­mittag 6 Uhr habe in der Zeche Neu-Jserlohn bei Marten eine Gruben- explosion durch schlagende Wetter stattgefunden, wobei ein Arbeiter ge- tödtet, acht andere Arbeiter und ein Beamter theils schwer, theils leicht v e rl e tz t worden seien.

Burgsteinfurt (Wests.) 22. Juli. Die Bewohner unserer Stadt sind durch eine Ordensverleihung an einen ihrer beliebtesten Mitbürger recht angenehm berühr! worden. Dem Lehrer für Stotternde, Herrn Emil Denhardt sen., Begründer der hiesigen Heilanstalt für Stotterer, welche bereits 1099 Leidende, unter denen eine große Anzahl armer Personen, geheilt entließ, dessen Heilverfahren rationelle Gymnastik der Sprachweckzeuge schon durch Behörden und Autoritäten als ein vortreffliches gekennzeichnet war, wurde nunmehr auch von Sr. Majestät dem Kaiser, in Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um die Heilung des Stotterns, der Kronen- Orden verliehen. Möge diese Auszeichnung dem, wenn auch schon bejahrten, in seinem Forschen und Streben jedoch noch unermüdlichen Herrn Emil Denhardt sen. zur Aufmunterung dienen, noch recht lange den unglücklichen Stotterern nützlich zu sein.

Westhof en, 22. Juli. Gestern Morgen ereignete sich dahier ein recht bedauernswertster Unglückssall, welcher wiederholt daran erinnert, welche Vorsicht bei Maschinen nothwendig ist. Der Sohn des Besitzers einer Dampf-Dreschmaschine aus Brebesheim wurde heute Morgen, als dieselbe in der Hosraithe von Jakob Sponagel in Betrieb gesetzt wurde, von einem Riemen erfaßt und mit solcher Gewalt fortgerissen, daß dessen rechter Arm mehrmals gebrochen

und nahe au der Schulter total abgerissen wurde, so daß der Arm oben in der Riemenscheibe hing und der junge Mann am Boden lag, alles Fleisch von der Brust loSgerissen. Der Unglückliche wurde heute Morgen von seinen gräßlichen Schmerzen erlöst.

Würzburg, 19. Juli. Im Juliushospital wurde vorgestern dem Gendarmen Volpert aus Mellrichstadt durch Dr. Riedinger eine Chassepotkugel glücklich herausgenommen, die er im Treffen bei Orleans am 2. Dezember 1870 erhalten hatte. Acht Jahre und sieben Monate war die Kugel im Beine, bis die heftigen L-chnrerzen, die sie in letzter Zeit verursachte, Volpert veranlaßten, Hilfe im Juliushospitale zu suchen.

Ostrowo, 21. Juli. Sonnabend den 19. d. M., ist in dem unweit von hier gelegenen Dorfe Sliwniki das dem ehemaligen Lehrer Lorenz Pichet daselbst gehörige Wohnhaus, wie man hört, in Folge Unvorsichtigkeit des Dienstpersonals niedergebrannt. Außer dem Genannten wohnte auch ein Schuster mit 2 Kindern im Alter von 5 und 8 Jahren in dem Hause, der jedoch zur Zeit des Brandes sich auf Feldarbeit befand. Das Haus war bereits dem Einsturz nahe; Jedermann wußte, daß die Kinder noch im Innern des Hauses waren, doch Keiner wollte retten. Da endlich tritt aus der hände- rmgenben Menge hervor ein zufällig besuchsweise in Sliwniki weilen­der Verwandter des abgebrannten Lehrers, der Gastwirth Wenceslaus Mielicki aus Ostrowo. Mit Gesahr seines eigenen Lebens stürzte er sich in das grausige Element und bringt nach wenigen Minuten auf seinen Armen die geretteten Kinder zu der jauchzenden Menge. Der hochherzige Retter ist nicht ganz unwesentlich verletzt worden. Doch sollte diese Feuersbrunst leider nicht ohne Unglück abgehen. Inzwischen war der Vater der Geretteten von der Feldarbeit heim- gekommen. Er sieht das brennende Haus, meinte seine Kinder seien noch darin, und stürzte sich verzweifelt in die Flammen, ohne daß Zeit gewesen wäre, den Unglücklichen über seinen Irrthum zu belehren. Man hat den Unglücklichen lebend nicht wieder gesehen, das zusam­menstürzende Haus begrub ihn unter seinen Trümmern.

Guben, 22 Juli. Ein gräßliches Unglück hat sich gestern in dem be­nachbarten Dorfe Mückenberg ereignet. Die Frau des Maurers Schneeweiß hatte ihrem in der hiesigen Stadt arbeitenden Manne Mittagbrod zugetragen und, um die beiden Kinder im Hause zu behalten, die Hausthür verschlossen. Das älteste der beiden Kinder, ein Mädchen von fünf Jahren, hat nun während Du- Abwesenheit der Mutter Streichhölzer genommen, damit gespielt und schließ­lich das Bett, in dem das kleinste einjährige Kind lag, angezündet. Die heim­kehrende Mutter fand ihr Kind bereits halbverkohlt, als Leiche, und das ganze Zimmer ausgebrannt vor. Das Mädchen, da es nicht zum Hause hinaus konnte, war nach dem Boden gelaufen und hatte sich da versteckt. Den Nachbarn ge­lang es bald darauf, das Feuer zu löschen.

Bern, 17. Juli. Gestern Morgen um 2 Uhr ereignete sich bei Roman! im Canton Freiburg ein großes Unglück. In Folge des langanhaltenven Regenwetters fand vor! an einem Bergabhange ein Erdrutsch statt, welcher zwei Häuser gänzlich verschüttete und mehrere andere bedeutend beschädigt hat. In den ersteren wurden sieben Personen unter den Trümmern begraben, von denen nach langer anstrengender Arbeit man zwei leider todt und die übrigen füns mehr oder weniger verletzt vorfand.

Imm e r b e tr ü b e u der lauten die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten von Amerika über die Ausbreitung, welche das gelbe Fieber dort nimmt. Fälle von Erkrankungen am gelben Fieber sind jetzt auch an anderen Punkten der Vereinigten Staaten eingetreten. Zwei Fälle sind in Louisville, ein anderer in Hoboken bei aus Memphis geflüchteten Personen vorgekommen. In Brooklyn, also in unmittelbarster Nähe von Newyork, ist eine Person, welche von Havanna dorthin gekommen war, am gelben Fieber erkrankt. Außerdem befinden sich mehrere am gelben Fieber erkrankre Personen auf Schiffen, welche aus den Antillen in Newyork angekommen sind. Diese Schiffe müssen sich gegenwärtig den angeordneten Quarantänemaßregeln unterwerfen.