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Jl/ I». Mittwoch den 17. September 18VS
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Der, der Theilnahme an einem von zwei Russischen Postgehülfen in Kulno (Rußland) verübten Diebstahle amtlich anvertrauter Gelder verdächtige französische Staatsangehölige, Charles Louis Lacombe, zuletzt in Kulno ist flüchtig geworden.
Die Kaiserlich Russische Regierung hat demzufolge beantragt, in Deutschland Nachforschungen nach dem Genannten zu veranlassen.
Zudem wir bemerken, baß der rc. Lacombe durch einen von dem französischen Consulale zu Genf unterm 12. November v. I. für ihn ausgestellte Reisepaß als französischer Staatsangehöriger Legitimut ist, weisen wir die VerwallungS- und Polizei-Behörden unseres Bezuks an, nach dem rc. Lacombe durch das Aufstchtsper- sonal recherchireii und denselben im BelretungsfaUe unter Beschlagnahme der etwa in seinem Besitze befindlichen Gelder uhö Effecten vorläufig festnehmen zu lassen, von der etwaigen Ergreifung aber telegraphisch dem Herrn Minister des Innern sowie uns schleunigst Anzeige zu machen.
Signalement des rc. Lacombe: Aller 18 Jahre, Größe 1,72 M., Haare schwarz, Stirn gewöhnlich, Augenbrauen schwarz, Nase und Mund mittelmäßig groß, Kinn rund, Gesichtsvildung oval, Gesichtssarbe natürlich.
Cassel, am 7. September 1879.
Königl. Regierung, Abth. des Innern. Kühne.
1191. Das durch meine Bekanntmachung vom 17. Januar d. J. (Amtsblatt Nr. 6) erlassene Verbot der vom kommumstrschen Arbel- tecblldungsvecein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Die innere Mission" zur Ausgabe gelangen.
Berlin, den 1. September 1879.
Der Reichskanzler. Im Auftr.: v. Moeller.
1206. Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat, auf Grund von §. 11 und §. 12 des Reichsgesetzes vom 21. Ottober 1878, die Nummern 202 bet unter dem Titel „Muldenthai - Bote" und „Planitzer Nachrichten und Tageblatt" in Druck und Verlag von R. v. v. Chevallerie in Wilkau erscheinenden periodischen Druckschrift verboten und dieses Verbot auch auf das fernere Erscheinen der genannten Zeitschrift erstreckt. Zwickau den 2. September i87y.
Kömgl. Sächsische Kreishauptmannschaft. Dr. $ übel. . 1216. Das durch meine Bekanntmachung vom l'ten Januar d. I. (Amtsblatt Nr. 6) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiterbildungsverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Was nun?" zur Ausgabe gelangen. Berlin den 8. September 1879.
Der Reichskanzler. Im Austr.: v. Moeller.
1217. Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmanuschaft als Landespolizeibehörde hat die Nummer 79 der allhier erscheinenden periodischen Druckschrift: »Dresdner Presse" und zugleich das fernere Erscheinen dieser Zeitschrift aus Grund §. 11 des Neichsgesetzes gegen die gemeingesährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten.
Dresden den 4. September 1879.
Königliche Kreishauptmannschaft. v. Ein s i edel.
1218. Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat aus Grund von §. 11 und §. 12 des Gesetzes gegen die gemeingesährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die Nummer 82 der in Chemnitz erscheinenden periodischen Druckschrift: „Chemnitzer Nachrichten und Geschäfts- Anzeiger" verboten und dieses Verbot auch aus das fernere Erscheinen dieser Zeitschrift erstreckt. Zwickau den 5. September 1879.
Königl. Sächsische Kreishauptmannschaft. Dr. Hübet
Cassel, den 8. September 1879.
Bei dem Postamte in Schwarzensels wird am 11. September 6. I s. eine Telegraphenanstalt in Wirksamkeit treten.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung: zur Linde.
Tagesbegebenheiten.
Aus Heffen-Naffau.
* HerSseld, 17. September. Heute wurde uns von Herrn Johannes Hebig zu Oberhaun als Naturseltenheit ein blühender Zweig von einem voll reifer Frucht hängenden Apfelbaum übersandt.
Cassel, 13. September. Gutem Vernehmen nach wird der Communal- landtag in diesem Jahre nicht vor Beginn des Monats November zusammentreten und zwar jedenfalls am 3. des genannten Monats. (C. Tgbl.)
Lasset, 15. Sept. Auf beklagenswerthe Weise fand in der vorigen Nacht ein hiesiger Bürger, der Delicatefsen - Händler Herr L. W ip p lin g er in der obersten Gasse seinen Tod. Derselbe stürzte von einer die Verbindung mit dem Hinterhause herstellenden Altane so unglücklich herunter, daß er das Genick brach. Das jähe Ende des rüstigen Mannes, welcher Frau und Kinder hinterläßt, erweckt die allgemeinste Theilnahme in allen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft. (C. Tgbl.)
Fulda, 12. Sept. Zu Ger srod, Amtsgericht Großenlüder, hat sich nach dem „Hess. Beob." am 6. b. M. folgender Unglücksfall ereignet: Der Bauer Amand Schmidt daselbst fuhr mit einem mit zwei Stieren und einem Pferde bespannten Wagen Nachmittags aus, um Grummet zu holen. Etwa 30 Schritte vom Hofe des rc. Schmidt wurden die beiden Stiere — wahrscheinlich in Folge vieler Jnsectenstiche — wild, ließen sich auch nicht vom Schmidt beruhigen, sondern stießen diesen sammt dem Pferde über'n Haufen und rannten mit dem Wagen davon, wobei Schmidt übersatten wurde. Nachbarn fanden denselben regungslos auf der Straße liegen und trugen ihn in seine Wohnung, wo er Nachmittags 4 Uhr, noch ehe der von Großenlüder herbeigerufene Arzt in Gersrod eintraf, wahrscheinlich in Folge erlittener innerer Verletzungen, verstarb. Derselbe war 36 Jahre alt und hinterläßt eine Wittwe mit 4 Kindern, von denen das älteste erst 7 Jahre alt ist.
Roten bürg, 12. September. Heute fand ein junger Mann Namens Craß, der einzige Sohn einer Wittwe, von hier auf beklagenswerthe Weise seinen Tod in der Fulda. Derselbe bemerkte, vorübergehend, wie beim Ackern der Ochse eines Andern in die Fulda stürzte und durchgehen wollte. Schnell entschlossen sprang der junge Mann hinter her, gerieth jedoch in eine tiefe Stelle und war nach kurzem Hilferuf schnell verschwunden. Erst nach einigen Stunden gelang es, den Leichnam aufzufinden. Die Mutter verliert in dem Sohne, der die Bäckerei betrieb, die einzige Stütze.
Spangenberg, 14. Sept In Pfiefe ging gestern Abend ein an der Eisenbahn beschäftigter italienischer Arbeiter mit einem geladenen Gewehre an« geblich auf Die Saujagd. Unweit des Dorfes, in einem Haferfelde, hat sich das Gewehr entladen und der Schuß ging dem Arbeiter in die Brust. Der Getroffene versuchte aufzustehen und sich nach Hause zu schleppen, aber nach kaum 30 Schritten stürzte er hin und gab seinen Geist auf. Er wurde heute Morgen aufgesunden. Der Verunglückte hatte sich in Pfiefe verheirathet und hinterläßt drei Kinder.
Berlin, 13. September. Der „Aeichsanzeiger" meldet: In dem an den Regierungsbezirk Oppeln grenzenden Kreise Bendzin ist zu Bendusch (Russischpolen) die Rinderpest ausgebrochen; die erforderlichen Schutzmaßregeln sind getroffen.
— In Lindau ist am 5. d. M. ein entsetzliches Unglück durch die Explosion einer Petrolaumkanne verursacht. In einem Zimmer saßen 11 Personen, als die Magd aus der Petroleumkanne die brennende Lampe auffüllen wollte, was, wie schon so häufig, zu einer Explosion führte. Mehreren Personen floß das brennende Oel sofort über den ganzen Körper. Während einige sich retten konnten, theils verletzt, theils unverletzt, verbrannte ein Mann sofort. Drei andere Personen sind am nächsten Tage ihren Wunden erlegen, eine fünfte liegt im Sterben. Das Feuer selbst wurde nach wenigen Minuten gelöscht.
Zahna. (Petroleum-Explosion.) Am 8. d. Mts. Abends, ereignete sich hier ein grausiger U n g l ü ck s f a l l. Am Tage war Jahrmarkt abgehalten worden und die junge Welt belustigte sich vor der Heimkehr mit Tanzen Auch in Der Restauration des Stadtmusikus Träger war der im ersten Stockwerke gelegene Tanzsaal gut gefüllt. Gegen 6 Uhr wollte in einer Kammer des Erdgeschosses ein Knabe eine eben auSgegangene Lampe wieder mit Petroleum füllen, wobei diese cxplodirte. Um einer größeren Gesahr vorzubeugen, versuchte man einen in der Nähe stehenden Ballon mit Petroleum zu entfernen. Dieser kam aber mit den Flammen in Berührung und cxplodirte gleichfalls, woraus sich der brennende Leuchtstoff in die nächsten Hausräume, namentlich