AreisWblatt
für den
Jtreis HersfefÜ.
^ 91,
Mittwoch den 3. Dezember
1819,
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal bei den Postanstalten kommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die dreispaltige Zeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
HerSfeld, am 1. Dezember 1879.
Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreise- haben ein Verzeichniß derjenigen Personen ihrer Gemeinden bezw. Orts- verwaltungSbezirken, welche im Jahre 1879 ohne Entlassung aus dem Unterthanen-Verbande in das AuSland ausgewandert sind, sowie derjenigen Frauenspersonen, welche durch Verheirathung nach
§. 13 des Bundesgesetzes vom 1. Juni 1870 die StaatSangehörig' seit verloren bezw. nach §. 5 dieses Gesetzes erworben haben, und derjenigen Personen, welche nach §. 9 des erwähnten Gesetzes durch Anstellung im Staatsdienste die Staatsangehörigkeit.erworben haben, nach dem hierunter abgedruckten Schema aufzustellen und spätesten- bis zum 31. v. Mts. anher einzusenden, oder falls solche Fälle im Jahre 1879 nicht vorgekommen sein sollten, dieses alsbald berichtlich anzuzeigen.
13022. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
Gemeinde.
N a m e n der ausgewanderten Personen.
Bemerkungen über die örtlichen Ursachen und Veran- lassungen der Auswanderung überhaupt.
Namen und Geburtsort derjenigen Frauenspersonen
a)
welche durch Lerheirathung mit dem Angehörigen eines anderen Bundesstaates oder mit einem Ausländer nach §. 13 des Bundesgesetzes vom l. Juni 1870 die Staatsangehörigkeit verloren haben.
b)
welche durch Verheirathung nach §. 5 des BundesgesetzeS vom
1. Juni 1870 die Staatsangehörigkeit
erworben haben.
Namen und Geburtsort derjenigen Personen, welche durch Anstellung im Staatsdienste nach §. 9 des Gesetzes vom 1. Juni 1870 die Staatsangehörigkeit erworben haben.
Berlin W., 29. November 1879.
Briesbeförderung nach Australien.
Nach einer Mittheilung der Britischen Postverwaltung wird die Peninsular and Oriental Steam Navigation Company gegen Mitte des Monats Dezember aus Suez, nach Ankunft der aus Brindisi am Montag den 8. Dezember nach Alexandrien bz. Suez abgebenden Post, ein Extra-Dampfschiff nach Australien abfertigen lassen.
Briefsendungen nach den Australischen Kolonien und nach Neu- Seeland, welche mit diesem Dampfer Beförderung erhalten sollen, müssen so zeitig zur Post geliefert werden, daß sie in Brindisi spätestens am Abend des 7. Dezember eintreffen.
Kaiserliches General-Postamt. Wiebe.
Tagesbegebeilheiteir.
Aus Heffeu-Naffau.
Frankenberg, 27. November. Wieder hat der Wald ein Opfer ge-. fordert. Ein junger Mann aus Hainchen, der erst vor wenigen Tagen sich dahier zur Controlle gestellt hatte, wurde vorgestern beim Holzfällen von einem Baum erschlagen. Derselbe muß durch einen unglücklichen Zufall an dem zur Seitegehen verhindert worden sein, so daß den hoffnungsreichen Sohn in Gegenwart des bejahrten Vaters das grausame Schicksal ereilen konnte. Der Unglückliche verstarb nach einer Stunde, ohne zur Besinnung gekommen zu sein. Derselbe hinterläßt eine trauernde Wittwe, ob auch Kinder, ist uns unbekannt. (6. Tgbl.)
Witzenhausen, 29. November. Bei einer großen Treibjagd in der Nähe von Eisenberg am Donnerstag hatte der Kammerherr v. B. das Unglück, mit einem Schrotschuß seinen Reviersörster Zelle derart in den Kopf und in die Brust zu treffen, daß sofort ärztliche Hilfe herbeigeschafft werden mußte. Man hofft, daß der Unglückliche mit dem Leben davon kommen, jedoch den Verlust eines Auges zu beklagen haben wird. Zelle hatte das Amt gehabt, den Theilnehmern der Jagd ihre Plätze anzuweisen. Er beging jedoch selbst den Fehler, seinen Platz zu frühzeitig zu verlassen und so kam er in die Schußlinie.
Orschweiler (Elsaß), 22. Nov. Letzten Donnerstag fuhr der 15 Jahre alte Sohn des Försters Simon mit einem Wägelchen, welches mit einem Esel bespannt war, nach Sulzmatt. Da es kalt war, so wickelte er das Leitseil um den Hals, um so die Hände vor
Kälte zu schützen. Auf einmal nahm der Esel Reißaus, der unglückliche Junge fiel vom Wägelchen und wurde von dem scheu gewordenen Esel fortgeschleppt, bis dieser an dem Eingänge von Sulzmatt selbst anhielt. Herbeigeeilte Personen konnten aber nur einen gräßlich verschleiften Leichnam aufheben.
St. Lou.is, 10. Noobr. Bei St. Charles, Missouri, ist eine Eisenbahnbrücke eingestürzt. Wie die „Westl. Post" mittheilt, hieß es schon kurz nach Vollendung derselben im Jahre 1871, daß die Brücke nicht sehr solid gebaut sei und speciell der Oberbau sehr viel zu wünschen übrig lasse. Dann hatte sie aber dem Tornado, der vor mehreren Jahren St. Charles verwüstete, erfolgreichen Widerstand geleistet, was damals allgemeines Aufsehen erregte. Die Brücke war vollständig von Eisen, 2178 Fuß lang und ihr Bau dauerte 2| Jahre. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 1,800,000 Doll. Der Oberbau ruhte auf acht Steinpfeilern, zu deren Verbindung man ebenfalls Eisen verwandte, und über das Ganze legte man einen Rost hölzerner Balken. Ein von Kansas City kommender Viehzug, bestehend aus 18 Waggons, die alle mit Schweinen und Rindvieh beladen waren, passirte die Brücke, als der Einsturz des westlichen Bogens zwischen dem zweiten und brüten Pfeiler an der St. Charleser Seite erfolgte. Siebzehn ViehwaggonS.stürzten in die Tiefe hinab. Sobald der Ingenieur und Condukteur von ihrem Schrecken sich erholt, hielten sie es für das Beste, so schnell als möglich nach Ferguson Station zu fahren, um den Passagierzug, welcher St. LouiS um 9 Uhr 45 Minuten verläßt, dort aufzuhalten. Sie kamen glücklicherweise noch rechtzeitig dort an und setzten den Superintendent der Bahn telegraphisch von dem Einsturz der Brücke in Kenntniß. Dieser gab sofort die Ordre, den Passagierzug nach St. Louis zurückzusenden, was geschah. Die Nachricht von dem Einsturz der Brücke verbreitete sich sofort wie ein Lauffeuer in dem Städtchen St. Charles. Eine große Zahl von Nachen wurde flott gemacht, um den Verunglückten zu Hülfe zu eilen. Es gelang noch im Laufe des Abends, die Leichen derselben aus dem Flusse zu fischen. Im Ganzen befanden sich zehn Personen auf dem Zuge — der Locomotivführer, Konducteur, Heizer, zwei Bremser und fünf Viehtreiber. Von diesen fanden vier der letzteren und ein Bremser ihren Tod.