für den
«Kreis ^ersfesö.
Nr. 25.
Sonnabeud den 26. März
1881.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei de» Postanstalte» kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Lorpuszeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Aöonnements-Ginkadung.
Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf das „Kreisblatt". Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der vierteljährliche Abonnements- Preis beträgt 1 Mark excl. Postaufschlag sowohl bei allen kaiserlichen Postanstalten als auch bei der Expedition.
finden durch das „Kreis- blatt" nicht nur in hiesiger Stadt und hiesigem Kreise sondern auch in den benachbarten Kreisen weite Verbreitung und sichern Erfolg und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Die Expedition.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, am 24. März 1881.
Diejenigen Herrn Ortsvorstände des Kreises, welche noch mit Erstattung des durch meine Verfügung vom 19. Juni 1878 Nr. 6053 (Kreisdlatt Nr. 49) geforderten Berichtes, betreffend die Revision der Kirchen, Pfart- und Schulhäuser, im Rückstände sind, werden an Erledigung der Sache mit Frist bis zum 31. d. Mts. bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
3616. Der Königliche Landrath _____ Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 24. März 1881."
Die Dienstmagd Anna Maria Ludwig von Mengshausen, 21 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses zur Auswanderung nach Nordamerika nachgesucht.
3587. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
" ' Hersfeld, am 26. März 1881.
Um Entlassung aus dem Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika ist nachgesucht worden für:
1) Adam Happ el von Niederaula, 19 Jahre alt, 2) Georg Jakob Schmeermund von Niederaula, 17 Jahre alt.
3540. 3541. Der Königliche Landrath _______________Freiherr von Broich.
Hersfeld, am 21. März 1881.
Der Ackermann Friedrich Grau von HedderS- dors ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde bestätigt und eidlich verpflichtet worden.
3489. Der Königliche Landrath
_________•____________Freiherr von Broich.
Bremen, den 18. März 1881.
An sämmtliche Kaiserliche Ober-Postdirektionen.
Der Postagent Johann Wilhelm Diers aus Martfeld bei Hoya hat am 9. März seinen dienstlichen Wohnort verlassen und ist bis jetzt nicht dahin zurückgekehrt.
Es ist festgestellt worden, daß Diers Postan- weisungs- bezw. Kassengelder im Gesammtbetrage von M. 1020 unterschlagen hat.
Der rc. Diers ist 45 Jahre alt, aus Martfeld gebürtig, von großer und kräftiger Statur, in seinem Benehmen unbeholfen, hat einen hochblonden Schnurr- und Backenbart. Diers war bekleidet mit einem braunen Tuchüberzieher, schwarzen Tuchrocke, schwarzen Beinkleide, schwarzer Weste, schwarzwollener Mütze und kurzen Stiefeln.
Die Kaiserliche Ober-Postdirektion ersuche ich ganz ergebenst, die Polizeibehörden Ihres Bezirks mit dem Anträge auf Verfolgung des Diers und
auf Abnahme des etwa bei ihm vorgefundenen Geldes von dem Vorfälle gefälligst in Kenntniß zu setzen.
Es ist nicht ausgeschlossen, däß der 2C. Diers eine auf den Schneider Heinrich Ahlenstorf aus Martfeld ausgestellte Legitimation benutzt.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor gez. Schminke.
* * . *
Cassel den 19. März 1881.
Abschrift hiervon übersende ich dem Königlichen Landrathsamte zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor. In Vertretung: Wächter.
An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld.
Hersfeld, am 25. März 1881.
Wird den Ortspolize'verwaltungenund der Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachforschung mitgetheilt.
3579. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Unter dem Rindvieh des Johannes Mörmel zu Obergeis ist Die Maul- und Klauenseuche ausge- brochen. Obergeis, den 23. März 1881.
Der Bürgermeister Opfer.
160. Die unterzeichnete Königliche Kreishauptmannschaft hat das Flugblatt mitder Ueberschrift: Parteigenossen, Druck und Verlag des „Sozialde- mokrat" in Zürich, auf Grund des §. 11 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten. Dresden, den 24. Februar 1881.
>Königl. Kreishanplmannschaft. v. Einsiedel. i6i. Die unterzeichnete Königlich sächsischeKreis- Hanptmannschaft hat auf Grund von §. 11 und 12 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 die in Meerane verbreitete, ohne Angabe eines Druckorts oder Verlegers erschienene Flugschrift „An das arbeitende Volk", welche die Unterschrift trägt „Herausgegeben vom sozialdemokratischen Comite", verboten. Zwickau, den 24. Februar 1881. Königl. sächs. Kreishauptmannschaft. Dr. Hübel.
politische Nachrichten.
Deutschland.
Se. Majestät der Kaiser hat an seinem Geburtstage zuerst die Glückwünsche des Hausdienstes in seinen, sodann diejenigen der Kaiserin in deren Gemächern entgegengenommen. Um 10 Uhr erschienen zur Gratulation die ganze Kronprinzliche und die Großherzoglich Badische Familie; mit der ersteren waren auch Prinz und Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein gekommen. Um 11 Uhr brachten ihre Glückwünsche dar: Prinz Karl, die Grotzherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin' Prinz und Prinzessin Friedrich Karl, Prinz Friedrich Leopold, die Erbgroßherzogin von Oldenburg nebst Töchterchen, Prinz und Prinzessin Albrecht, Frau Herzogin Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin mit Tochter, die Prinzen Alexander und Georg v. Preußen, August v. Württemberg, der Erbprinz sowie die Prinzen Friedrich und Eduard von Anhalt, der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg- Schwerin, der Prinz von Holstein und Prinz und Prinzessin Friedrich v. Hohenzollern. Im weiteren Verlauf des Tages empfing der Kaiser den Hof und die landsässigen Fürsten. Von allen Höfen waren Glückwunschtelegramme eingelaufen, eines der ersten kam vom Kaiser Alexander. Dieser hat auch den drei Regimentern, deren Chef Kaiser
Wilhelm ist, befohlen am Geburtstage des Kaisers die Trauer abzulegen, und den Großfürsten Wladimir auf die deutsche Botschaft, wo übrigens sämmtliche Großfürsten des Kaiserlichen Hauses erschienen, mit seinen speciellen Glückwünschen entsandt.
Der Kaiser hat anläßlich seines Geburtstages den Ministern Dr. Lucius und v.Bötticher den Rothen Adler-Orden II. Classe mit Eichenlaub, seinem Leibarzt Professor Dr. v. Lauer den Rang eines Generallieutenants mit dem Prädicat „Excellenz" verliehen.
Der deutsche Kronprinz hat sich am 22. Nachmittags nach Petersburg begeben; gleichzeitig sind dorthin abgereist Prinz Hermann von Sachsen- Weimar, der seinen Schwager, den König von Württemberg bei den Beisetzungsfeierlichkeiten vertritt, der Prinz von Wales und die militairischen Deputationen.
Die nationalliberale Fraction wird, wie die vorläufigen Besprechungen derselben schließen lassen, dem Umfallversicherungsgesetze nicht nur keineniprincipiellen Widerstand entgegensetzen,sondern im Gegentheil das Möglichste dazu beitragen,^daß das Gesetz auf der gegebenen Grundlage zu Stande komme. Dagegen beabsichtigen Mitglieder!'der Fortschrittspartei, einen Entwurf über die Abänderung des Haftpflichtgesetzes ausznarbeiteu, der eventuell als Gegenentwurf zu dem Unfallversicherungsgesetz im Reichstage eingebracht werden soll.
Rußland.
Es wird gemeldet daß der Jngenieurgeneral Mrawnisky, der technische Sachverständige der Stadthauptmannschaft, gegen den wegen nachlässiger Untersuchung der bekannten Milchbude in der Gartenstraße die Untersuchung eingeleitet worden war, sich vergiftet habe. Das Nämliche soll der entlassene Polizeimeister General Feodoroff gethan haben.
Die Nihilisten haben eine neue Proklamation ausgegeben. Dem Kaiser Alexander III. soll darin eine Frist von drei Monaten gesetzt sein, um dem Lande eine Verfassung und freie Einrichtungen zu geben, auch warnen ihn die Nihilisten vor der Unterzeichnung des Todesurtheils gegen die ergriffe- neu Staatsverbrecher. Der „W. A. Z." schreibt man über diese „Proklamation": Man erzählt sich, daß Alexander III. eine „Zustellung" des Petersburger Nihilistenkomitäs erhalten hätte, in welcher ihm mitgetheilt wird, daß die Todesstrafe über ihn verhängt sei, falls er nicht binnen sechs Wochen, vom Tage seines Regierungsantrittes gerechnet, eine liberale Konstitution proklamire. Der Czar soll angeblich dieses mit dem nihilistischen „Amtssiegel" versehene Dokument auf seinem Kopfkissen gefunden haben.
Oesterreich-Ungarn.
An der russischen Botschaft in Wien wurden angeblich von Nihilisten herrührende Plakate ange- klebt gefunden mit Attentatsandrohung gegen die Botschaft. Das Polizeipräsidium hat die Bezirksleiter streng angewiesen, verdächtige Individuen, namentlich solche, die sich herumtreiben, zu verhaften und zur Ausweisleistung aufzufordern.
Der ungarische Justizminister hat einen Gesetz- enttouri über die Ehen zwischen Christen und Jsraeüten sowie über die im Auslande geschlossenen Civilehen eingebracht.
Rumänien.
Petraru, der Mitte Dezember ein Attentat gegen den Ministerpräsidenten Bratiano verübt hat, ist zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit, seine Mitschul-