für den
Kreis HersfM.
Nr. 90. Mittwoch den 9. November 1881.
Das „Kreisblvtt" erscheint wöchentlich ;weimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten tommt der Postaufschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Corpuszeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 8. November 1881.
Die Erledigung der Schulstelle zu Goßmanns- rode wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß Bewerber um dieselbe ihre Meldungsgesuche unter Beifügung der nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnisse innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspector, Herrn Pfarrer Nolde zu Kirchheim, oder bei dem unterzeichneten Königlichen Landrathe einzureichen haben.
12565. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Politische Mchrichten.
Ungarns stehen nicht unwichtige Veränderungen bevor. Der bisherige österreichische Minister-Resident in Belgrad, von Herbert-Rathkeal, geht als Vertreter nach Dresden, der Botschaftsrath in Constantinopel, Kosjek, ist zum Geueral-Conful in Alexandrien ernannt, an Stelle des zum Vertreter Oesterreichs in Washington ernannten v. Schäffer. Der Botschaftsräth beim Vatican, Seiller, ist zum Gesandten in Rio Janairo an Stelle des Pensio- nirtett Fretherrn von Schreiner ernannt worden und der Botschaftssecretair in London, von Bie- geleben, geht als General-Consul nach Sofia, der Hauptstadt Bulgariens.
Frankreich.
In der französischen Deputirtenkammer hat am vergangenen Sonnabend ein Vorspiel zu der von allen Seiten mit äußerster Spannung erwarteten Verhandlung über Tunis stattgefunden. Es waren drei Interpellationen über die tunesische Expedition eingebracht und erklärte der Ministerpästdent Ferry vorläufig, daß das Ministerium, wenngleich entschlossen, zurückzutreten, collectiv die Verantwortlichkeit für die tunesische Affaire übernehme. Mit Verachtung wies er die gegen den Ministerresidenten Roustan und andere hochgestellte Persönlichkeiten 'erhobenen Verläumdungen zurück und erklärte ferner, daß die Expedition nationale Gründe gehabt und patriotischen Nothwendigkeiten entspräche, und erinnerte dann daran, daß die alte Kammer die Expedition und dcn Vertrag vom 12. Mai ja auch gebilligt habe. Die Regierung habe sich übrigens stricte innerhalb des Geistes des von der Kammer ratificirten Protectorats-Vertrags gehalten. Schließlich widerlegte Ferry dieEinwürfe, daß die Expedition den Verlust von Allianzen und die Desorganisation der Armee herbeigeführt habe und schloß mit einer Aufforderung an die Kammer, nichts zu thun, was die Interessen Frankreichs und der Armee schädigen könne. Die Erklärungen Ferry's haben in den gemäßigt-republikanischen Kreisen eine nicht ungünstige Aufnahme gefunden. — Der General- Gouverneur von Algier, Albert Grevy, hat feine Demission gegeben.
England.
Der für Irland eingesetzte neue agrarische Gerichtshof, welcher über die schwebenden Pachtprocesse zu eutscheiden hat, wird von den irischen Pächtern in ganz unerwartet starker Weise in Anspruch genommen. Im Ganzen sind bereits 12,000 Fälle angemeldet, wenn aber alle unter das neue Landgesetz fallenden Pachtprocesse angemeldet würden, so dürften 50 Gerichtshöfe in 20 Jahren nicht hinreichen, um die Processe sämmtlich zu erledigen. Die Befürchtung, daß die neue Landacte sich als ein todter Buchstabe erweisen würde, hat sich demnach als eine grundlose herausgestellt, daran, daß die irischen Pächter sich so zahlreich an den Landgerichtshof wenden würden, hat die englische Regierung freilich nicht gedacht; es wird behauptet, die Pächter hätten auf Anrathen desCentral-Comitä's der Landliga den Landgerichtshof deshalb so zahlreich in Anspruch genommen, damit der Regierung hieraus eine Quelle neuer Verlegenheiten erwachse.
Nußland.
Die russischen Nihilisten schmieden fort und fort ihre geheimen verbrecherischen Pläne, dies beweist die Entdeckung einer Werkstatt der Nihilisten in St. Petersburg. Zwei Personen, ein Mann und eine Frau, waren gerade mit der Anfertigung der gefährlichsten Sprengstoffe beschäftigt, als sie von der Polizei überrascht und verhaftet wurden; der männliche Arrestat soll Student an der Petersburger Bergakademie sein.
Deutschland.
Der Kaiser ist am 5. d. Mts. wohlbehalten von der Jagd in der Schorshaide nach Berlin zurückgekehrt und will nun noch mehreren Jagden, so namentlich im Letzinger Forst, beiwohnen. Die Kaiserin gedenkt Ende d. Mts. daselbst einzu- treffen.
Die nun definitiv auf den 17. November anbe- raumte Einberufung des Reichstages bringt auch die Frage nach den Aufgaben der Session wieder in Fluß. So viel bis jetzt verlautet, wird der Arbeitsstoff, welcher den Reichstag in der ersten Hälfte seiner Session beschäftigen soll, vorzugsweise aus dem Etat bestehen. Daneben wird noch die Hamburger Zollanschluß- Vorlage erwartet, von anderweiten wichtigeren Gesetzvorlagen hat bisher nichts verlautet. Insbesondere scheinen die steuer- und socialpolitischen Gesetzentwürfe auf eine spätere Zeit vertagt zu sein, so daß der erste Theil der Session ohne besondere Zwischenfälle sich erledigen dürfte.
Der bisherige Verlauf der Stichwahlen ist den liberalen Parteien günstig gewesen und namentlich ist es der nationalliberalen Partei gelungen, alte Wahlkreise, wie Heidelberg und Lahr, gegenüber den Ultramontanen zu behaupten und einen an dieselben früher verloren gegangenen nationalliberalen Wahlkreis, Offenburg, wieder zu gewinnen.
Die von mehreren Blättern gebrachte Nachricht, der preußische Etat werde im Ordinarium wie im Extra-Ordinarium in Einnahmen wie in Ausgaben balanciren, wird von der „National-Zeitnng" nur insoweit als zutreffend erklärt, als alle Ausgaben, welche aus den laufenden Einnahmen nicht gedeckt werden können, auf ein Anleihegesetz angewiesen werden. Der Unterschied zwischen dem jetzigen und dem nächsten preußischen Etat sei also nur der, daß das Anleihe-Extraordinarium neben dem Etat als besonderes Gesetz eingebracht werde.
Wie die Augsburger „Allg. Ztg." erfährt, ist der bisherige apostolische Jnternuntius in Brasilien, Msgr. Angelo di Pietro, znm Nuntius in München designirt.
Die Stände des Großherzogthums Baden sind auf den 15. November einberufen, ferner ernannte der Großherzog das Präsidium und acht neue Mitglieder zur ersten Kammer. Da indessen der Großherzog erkrankt ist und das Bett hüten muß, so erscheint es fraglich, ob er die Kammern persönlich eröffnen wird.
Bei der am Sonnabend in Worms stattgefun- denen engern Wahl siegte der frühere preußische Cnltusminister Dr. Falk mit großer Majorität über seinen demoeratischen Gegen-Candidaten.
Oesterreich-Ungar«..
In der diplomatischen Vertretung Oesterreich-^
Spanien.
Die von dem spanischen Finanzminister Camacho geplanten Reformen zur Hebung der spanischen Finanzen haben die volle Zustimmung des Budget- Ausschusses derCortes gefunden. Diese Reformen gipfeln in der Convertirung der spanischen Staatsschuld und sind die hierzu nothwendigen Operationen nach den Mittheilungen, welche der Finanzmimster der Budget-Commission machte, gesichert.
Orient.
Die Uebergabe des letzten Abschnittes des Griechenland zugesprochenen ehemalig türkischen Gebietes, welcher die Stadt Volo und deren Bezirk umfaßt, steht unmittelbar bevor. Die Mitglieder der mit der Uebergabe betrauten europäischen Commission sind bereits am 5. November von Constantinopel nach Volo abgereist und soll die Uebergabe der Stadt am 14. November erfolgen. Die ganze Grenzstreitigkeitsfrage zwischen der Türkei und Griechenland beschränkt sich sonach nur noch auf einige Details bezüglich des Laufes der neuen griechischen Grenze bei Kritiri, doch steht auch hierin ein völliges Einverständniß in Kürze zu erwarten.
Nord-Amerika.
Die dmtstzen und französischen Delegirten zur Jubelfeier der Einnahme von Dorktown werden in Nord-Amerika mit großer Auszeichnung behandelt. Am 5. November gab ihnen zu Ehren die New- Iorker Handelskammer ein großes Banket, welches äußerst glänzend verlief.
Aus Heffen-Nafsa«.
Hersfeld, 9. November. Die unerwartet und auf allen Preußischen Staatsbahnen eingetretene erhebliche Verkehrssteigerung hat die Königliche Eisenbahn-Direction Frankfurt a. M. veranlaßt, im öffentlichen Verkehrs - Interesse bis auf Weiteres die Ent- und Beladefrist gleich wie bei den offenen Güterwagen auch für die bedeckten Wagen auf 6 Tagesstunden herabzusetzen. Da jedoch auch bei den bedeckten Wagen die zweistündige Mittagszeit, während welcher die Be- und Entladung der Wagen sowie die Auslieferung der Wagenladungen ebenfalls stattfindet, nicht eingerechnet wird, so besteht also auch bezüglich dieser thatsächlich eine 8 stündige Frist für Be- und Entladung. Die eingeführte Expreßavisirung findet ebenfalls auf bedeckte Wagen Anwendung sowie auch die generelle Anordnung, daß in allen denjenigen Fällen, in denen mit Rücksicht auf die Lage der Fahrpläne die Ueberschreitung der festgesetzten Ladefristen eine Verzögerung der Absen- dung bezw. Rücksendung der Wagen nicht zur Folge hat, von Erhebung einer Wagenmiethe auf Antrag Abstand genommen werden soll. Endlich hat die Königliche Eisenbahn-Direction Frankfurt für diejenigen Stationen, für welche es die Be- triebsverhältnisse gestatten, angeordnet, daß auch bereits vor 8 Uhr Morgens undMber 7 Uhr Abends hinaus die Wageu be- und entladen werden können, und daß diese Frist in die miethsfreie Be- und Entladezeit nicht eingerechnet wird, so daß also den Frachtinteressenten die Möglichkeit geboten ist, letztere angemessen zu verlängern. Nähere Auskunft hierüber ertheilen die Stationen und Expeditionen.
— Prinz Friedrich Ferdinand zu Schleswig- Holstein-Glücksburg, Hoheit, Sec.-Lt. ä la suite des 1. Garde-Regts. z. F, ist zum 2. Husaren- Regiment Nr. 14 ä la suite desselben versetzt.
— Dem Kirchenkastenprovisor Friedrich August Wolff zu Ziegenhain ist der Königliche Kronen- Orden vierter Classe verliehen worden.