AreisWblatt
für den
«Kreis HersselÄ.
Nr. 95.
Sonnabend den 26. November
1881
DaS „ÄrtiSMatt“ erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postausschlag hinzu. Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Corpuszeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 24. November 1881,
Diejenigen Herren Ortsvorstände rc. des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. März 1880 Nr. 3135 (Kreisblatt Nr. 24) die Ausräumung der Fluthgräben sowie Ent- und Bewässerungs-Anlagen betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2. Dezember c. beiMeidungderZusen- dung eines Strafboten erinnert.
3135. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 24. November 1881.
Die Herren Standesbeamten des Kreises werden angewiesen, die Standes-Haupt- nnd Ne- ben-Register für das Jahr 1882 durch einen schriftlich bevollmächtigten zuverlässigen Boten bis zum 15. Dezember d. I. hier abholen zu lassen.
Da voraussichtlich der in Ihren Händen befindliche Vorrath an Reserve-Formularen zum Nachheften in die Standesregister noch für das Jahr 1882 ausreichen wird, so werden diesmal seine bezüglichen Formulare mitgetheilt. Sollte dennoch ein Bedarf eintreten, so können die betreffenden Formulare s. Z. vom Landrathsamte bezogen werden.
Denjenigen Herren Standesbeamten, welche um Mittheilung von Formularen zu Registerauszügen nachgesucht haben, habe ich das betreffende Quantum pro 1882 den Standesregistern beigefügt.
13157. Der Königliche Landrath ____Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 24. November 1881.
Der Sebastian Nuhn zu Obergeis, 21 Jahre alt, hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
13198. Der Königliche Landrath _ _____Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 25. November 1881.
Der Bauer Christoph Klump zu Reilos, 21 Jahre alt, hat um Entlassung aus dem preußischen Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
13215. Der Königliche Landrath
_________ Freiherr von Brohch.
Hersfeld, den 24. November 1881.
Die 12 jährige Maria Scharmann, Tochter des Tagelöhners Wilhelm Scharmann zu Rothenkirchen, Kreis Hünfeld, hat sich seit einigen Monaten von Haus entfernt und soll sich vermuthlich in den Kreisen Hünfeld und Hersfeld bettelnd umhertreiben. Dieselbe ist von kräftiger Statur und hat schwarzes Haar.
Die Herren Ortspolizeiverwalter sowie die Königliche Gendarmerie des Kreises werden beauftragt, die 2c. Scharmann im Betretungsfalle zu verhaften und den Eltern zuführen zu lassen.
13118. Der Königliche Landrath _________Freiherr von Broich.
Bekanntmachung.
Die Verwaltung der Zahlstelle der Kaiser Wil- Helms-Spende in Friedewald ist von dem Herrn Cantor Hassenpflug auf den Agenten Herrn Adam übergegangen.
Derselbe nimmt Einlagen an, ertheilt Auskunft und verabfolgt Prospekte und Anmeldeformulare.
Unsere Anstalt wird erst durch Aushändigung der von uns ausgestellten Versicherungs-Urkunden, Einlage-Quittungen und Rückgewährscheine ver
pflichtet. Diese Urkunden werden in längstens 8 Wochen nach der Einzahlung von der Zahlstelle gegen Rückgabe der von ihr ertheilten Quittungen über die Einzahlung ausgehändigt.
Berlin W. Mauerstr. 85 im November 1881. Direktion der Kaiser Wilhelms-Spende.
Stammler.
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Hersfeld, den 25. November 1881.
Wird veröffentlicht.
13232. Der Königliche Landrath __ Freiherr von Broich.
Steckbrief.
Der in dem nachstehenden Signalement näher bezeichnete am 16. Juli 1860 zu Friedlos, Kreis Hersfeld, geborene Rekrut Anton Strüber, hat seinen seitherigen Aufenthaltsort Fulda ohne Abmeldung verlassen. Es hat ihm daher die Ge- stellungs-Ordre zum Antritt des Militairdienstes nicht behändigt werden können und ist er als Fahnenflüchtiger zu betrachten.
Alle Militair- und Civilbehörden werden ersucht, nach dem 2c. Strüber zu fahnden, ihn im Betretungsfalle zn verhaften und an die nächste Mili- tairbehörde abzuliefern.
Fulda, den 24. November 1881.
Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.
Signalement: Familienname: Strüber, Vorname: Anton, Geburtsort: Friedlos, Gewerbe: Schlosser, Alter: 21 Jahre 4 Monate, Größe: 1 m 65 cm, Gestalt: gesetzt, Haar: blond, Kinn: gewöhnlich, Nase: gedrückt, Mund: gewöhnlich, Bart: 0, Zähne: gesund. Besondere Kennzeichen: 0.
politische Nachrichten.
Deutschland.
Das Befinden des Kaisers ist noch immer nicht derart, daß er das Zimmer verlassen kann und muß sich daher der Monarch auf Erledigung der dringendsten Regierungsgeschäfte und Entgegennahme der nothwendigsten Vorträge beschränken. Die Kaiserin ist am Montag Abend wohlbehalten von Baden-Baden in Coblenz eingetroffen wo die hohe Frau den Rest dieses Monats zu verbringen gedenkt, um sich dann nach Berlin zurückzubegeben.
Der Reichstag genehmigte am Donnerstag zunächst die Anträge auf Aufhebung des Strafverfahrens gegen die Abgeordneten Kräcker und Ha- senclever und ging dann zur Berathung des Etats über. Staatsfecretair Scholz gab eine Uebersicht über die Finanzlage des Reiches, aus der wir Folgendes hervorheben: Die Rübenzuckersteuer ist mit 18 Millionen hinter dem Voranschläge zurückgeblieben, doch verringert sich das Deficit durch die Mehreinnahme bei der Post- und Eisenbahnverwaltung. Die Mindereinnahme bei der Rübensteuer ist dadurch entstanden, daß Export- vergütungen gezahlt wurden, ehe die entsprechenden Steuern eingegangen waren. Immerhin ist der rechnungsmäßige Abschluß des verflossenen Etatjahres relativ günstig, da ein Ueberschuß von ca. 15 Millionen verbleiben wird. Von dem Ertrage aus den Zöllen und der Tabakssteuer, wovon das Reich 130 Millionen für sich behält, soll den Bundesstaaten pro 1880,81 ein Ueberschuß von 38 Millionen überwiesen werden. Im laufenden Etat ist für die Bundesstaaten ein Ueberschuß von 66 Millionen in Anschlag gebracht. Die Erhöhung der Matricularbeiträge refultirt vorwiegend aus einer Mehrausgabe von 8 Millionen für das Reichsheer. Scholz sprach schließlich die Hoffnung aus daß die Finanzreforin des Reiches bald zur
vollen Durchführung gelangen werde.
Der Bundesrath hielt am Montag und Dienstag Plenarsitzungen ab; in der Sitzung an letztgenanntem Tage wurde unter Anderem ein Antrag Preußens wegen Erneuerung der Anwendung des §. 28 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokraten vom 21. Oc- tober 1878 auf Berlin und dessen Umgebung angenommen. ,
Voraussichtlich wird in diesen Tagen der Reichstag die Wahl der Fachcommissionen vollziehen, über deren Mitgliederzahl man sich bereits verständigt hat, ebenso wie über die Vertheilung derselben über die fünf großen Fractionen. Danach stellen für die Commissionen von 14 Mitgliedern: das Centrum 4 bezw. 5, die Conservati- ven 3, die Fortschrittspartei 3 bezw. 2, die Secessionisten und die Nationalliberalen je 2 Mitglieder. Bei den Commissionen von 21 Mitgliedern kommen auf das Centrum 6 bezw. 7, auf die Conservativen 5 bezw. 4, auf den Fortschritt 4, auf die beiden andern Fractionen der Linken je 3. Endlich kommen für die Commissionen von 28 Mitgliedern, also für die Budget- und Petitionscommission, auf das Centrum 9, auf die Conservativen 6, auf den Fortschritt 5, auf die Secessionisten und die Nationalliberalen je 4 Mitglieder.
Der bayrische Landtag ist durch Königliche Botschaft bis zum 31. Januar 1882 verlängert worden; dagegen hat sich der badische Landtag bis Mitte Januar vertagt.
Oesterreich-Ungar«.
Die definitive Neubesetzung des österreichischen Ministeriums des Auswärtigen durch den seitherigen Vertreter Oesterreich-Ungarns in Petersburg, Graf Kalnoky, ist nunmehr eine vollendete Thatsache und wird Graf Kalnoky Anfang nächsten Monats die Leitung der Geschäfte übernehmen. Derselbe, geboren 1832 und einem mährischen Adclsgeschlechte entstammend, gehört seit 27 Jahren der österreichischen Diplomatie an und erfreut sich in diplomatischen Kreisen großer Sympathie. Graf Kalnoky soll bereits die gemessensten Jn- structionen erhalten haben, an der Politik seines Vorgängers, des Barons v. Haymerle, festzuhalten und namentlich die guten Beziehungen Oester« reich-Ungarns zu Deutschland zu pflegen. — Der Aufstand in Süd-Dalmatien gewinnt täglich an Ausdehnung und soll bereits auch einen Theil der benachbarten Herzegowina und Bosniens ergriffen haben. Die militärische Situation der Oesterreicher in den aufständischen Gebieten wird als eine sehr bedenkliche geschildert.
Frankreich.
Das neue französische Ministerium Gambetta steht gleich am Beginn seiner Laufbahn vor einer wichtigen Entscheidung. Am 27. November finden in Frankreich die Wahlen der Gemeindedelegirten statt, welche im Januar 1882 bei der Ernennung der 75 neuen Senatoren den Ausschlag zu geben haben. Von höchster Bedeutung ist es nun, ob die Wahl der Gemeindedelegirten und hierdurch die Ernennung der neuen Senatsmitglieder im Sinne des neuen Cabinets, also radical, oder mehr in gemäßigtem-republikanischem und monarchistischem Sinne ausfällt. In ersterem Falle würde Gambetta die von ihm so lange erstrebte Majorität im Senate erhalten, in letzterem Falle würde die jetzige, Gambetta wie früher feindlich gegenüberstehende Senatsmajorität, nur noch verstärkt werden und dies wäre eine empfindliche Demüthigung für Gambetta. Hat doch der neue französische Ministerpräsident gleich bei Beginn seiner ministeriellen Thätigkeit durch