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Nr. 50.

Sonnabend den 24. Juni 1882.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postaufschlag hinzu.

für den

«Kreis ßersfesb.

Bekanntmachungen aller Art werde« ausgenommen und die einspaltige Gar« mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Aöonnements-Ginladung.

Mit dem 1. Juli beginnt ein neues Abonnement auf das .,Kreisblatt". Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustel­lung eintritt. Der vierteljährliche Abonnements- preis beträgt 1 Mark excl. Postaufschlag sowohl bei allen kaiserlichen Postaustalten als auch bei der Expedition.

QRttftMfit^d» haben, da das Kreisblatt die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum

10 Pfg. Die Expedition.

dmtsicQes.

zur Erlangung ordentlicher Mädchen sehr stark in Anspruch genommen wird.

Cassel, den 16. November 1880.

Der Vorstand des Marthahauses.

Kreis Hersseld.

Hersfeld, am 20. Juni 1882.

In Folge gegebener Veranlassung mache ich die Herren Bürgermeister 2C. des Kreises unter Bezug­nahme auf meine Verfügung vom 8. Juni 1880 Nr. 6538 (Kreisblatt Nr. 46) die Bestimmungen der Civil - Proceßordnung für das deutsche Reich vom 30. Januar 1877 über das Armen recht betreffend, darauf aufmerksam, daß die Frage des §. 106 cit. Gesetzes, ob die beabsichtigte Rechtsver­folgung 2C. muthwillig oder aussichtslos erscheint, nicht der Beurtheilung der Ortspolizeibehörde, sondern des Gerichts unterliegt und ich daher fer­nerhin erwarte, daß die Herren Ortsvorstände in jedem Falle, wo ein Armenzeugniß erbeten wird, entweder, wenn die Voraussetzungen zur Ertheilung desselben vorliegen, dasselbe ausstellen, oder aber andernfalls, wenn nämlich der Betreffende nicht u nvermögend ist, statt des Armenzeugnisses eine diesbezügliche.Bescheinigung dem Antragsteller verschlossen unter der Adresse des betreffenden Amtsgerichtes aushändigen.

6824. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 23. Juni 1882.

Die Herren Ortsvorstände 2c. zu

Biedebach, Engelbach, Gersdorf, Holzheim, Kathus, Mengshausen,Gethsemane, Harnrode, Heringen, Leimbach, Röhrigshof und Un­terneurode werden hierdurch an die Einreichung des Materials über die am 5. Juni d. I. stattgefundene Er­hebung der Berufsverhältnisse der Einwohner, mit Frist bis zum 27. d. Mts. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.

4365. Der Königliche Landrath ______ Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 23. Juni 1882.

Für Adam Jäger (Lorenz S.) zu Hilmes, 16 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem preußischen Unterthanenverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8419. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

M a r t h a h a u s. Cassel. Sack I.

Mit guten Zeugnissen versehene, anständige Mädchen, die in Cassel einen Dienst suchen, finden daselbst im Marthahause Sack I freundliche Auf­nahme. Diejenigen Mädchen, welche sich im Mar­thahause den häuslichen Arbeiten unterziehen, zahlen täglich für Kost und Logis eine Entschä­digung von nur 20 Pfg. Wenn die Zeugnisse gut sind und das Verhalten eine Empfehlung erlaubt, können die im Marthahause weilenden Mädchen mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihnen die vor­stehende Schwester in kurzer Zeit und zwar unent­geltlich eine geeignete Stelle ermitteln wird, weil von den Herrschaften die Hilfe des Marthahauses

Herr von Bennigsen giebt die Antwort, weiles jetzt nothwendig sei, in der Abwehr der Rec' wn auf politischem und kirchlichem Gebiete zusammen- ,zustehen." Herr von Bennigsen ficht gegen Wind­mühlen. Wo ist die Reaktion, gegen die er sich zum Kampfe rüsten zu müssen glaubt? Ist die Eisenbahnverstaatlichung einereactionäreMaßregel? sie kam mit Hülfe der Nationalliberalen zu Stande. Ist die gegenwärtige Kirchenpolitik reaktionär? sie ist dieselbe, wie unter dem Minister von Puttkamer, und wurde damals von den Nationalliberalen gut geheißen. Ist die Steuerreform reactionär? Bennigsen bekennt selbst, daß seine Parteidem Grundge­danken der Reform ursprünglich nicht feindlich gegenübergestanden." Ist in der Verwaltungsreform eine reactionäre Wendung eingetreten? Bennigsen's entschiedenes Eintreten für die von dem Minister von Puttkamer vorgelegte Kreis- und Provinzial- ordnung für Hannover ist Allen bekannt. Ist die Socialreform oder der Versicherungszwang reactionär? Beides hat die volle Zustimmung der Nationalliberalen gefunden. Ist das Tabaks­monopol, welches in Ländern mit viel freisinnigeren Verfassungen seit Menschenaltern besteht, reactionär? Oder ist etwa eine Politik, weil sie von einem konservativen Ministerium ausgeht und von Konser­vativen unterstützt wird, schon deshalb allein reactionär? Dann möge sich doch Herr von Bennigsen daran erinnern, daß gerade in der Zeit, in welcher die Gesetzgebung am fruchtbarsten war, streng konservative Männer die Leitung der Regierungs­geschäfte in der Hand hatten. Wozu also der Zu­sammenschluß mit dem Fortschritt und der ihm nahe stehenden Secession, der stark nach dergroßen liberalen Partei" schmeckt? Herr von Bennigsen ist ein viel zu einsichtiger Politiker, als daß er nicht wüßte, daß eine solchegroße liberale Partei" unter unsern deutschen Verhältnissen ein Ding der Unmöglichkeit ist, und daß dies das verkehrteste Mittel sein würde, um den Nationalliberalen, die von dem Tage an, als sie in Gegensatz zu der echtnationalen" Wirthschaftspolitik des Fürsten Bismarck traten, mehr und mehr an Einfluß und Stärke eingebüßt haben, zu der verloren gegangenen Stellung wieder zu verhelfen. Wir können daher nur annehmen, daß sein Vorschlag wie auch die Begründung desselben allein von tactischen Gründen eingegeben war, um durch scheinbare Schwenkung nach links eine entsprechende Gegenwirkung zu er­zielen. Eine solche Tactik, welcher die Thatsachen nicht zur Seite stehen, ist aber immer ein Fehler, der sich früher oder später rächen muß. Der Führer der Nationalliberalen Herr von Bennigsen wird denselben bei den Wahlen bald erkennen. Er holt die Kastanien aus dem Feuer, und Fortschritt und Secession werden sie verzehren. Mit vollem Rechte muß man daher ihm und seiner Partei ' von Neuem das Wort zurufen, was einst Fürst Bismark ihm zugerufen hat:Laß' dich vom Linken nicht umgarnen."

# Der Reichstag hat den Antrag der Reichsregie­rung, eine Vertagung bis Ende November eintreten zu lassen, mit großer Mehrheit angenommen. Die Regierung hatte sich zu diesem Antrag nicht aus eigener Steigung entschlossen, denn ihr Vertreter erklärte noch bei der Berathung darüber, daß die Regierung nichts dagegen einzuwenden habe, auch noch länger an den Verhandlungen theilzunehmen; aber die Unlust, in den Sommermonaten, welche in früheren Jahren vielfach und ohne Widerspruch zu parlamentarischen Verhandlungen benutzt worden sino, die Pflichten der Volksvertretung zu erfüllen, hatte sich auf allen Seiten des Hauses so deutlich kundgegeben, daß auf ein ersprießliches Weitertagen nicht zu rechnen war und daher die Pause gerecht­fertigt erschien. Da nicht ein Schluß der Session stattgefunden hat, werden die bisherigen Arbeiten der Kommissionen nicht hinfällig. Die zur Vor- berathung der sozialpolitischen Entwürfe sowie für die Gewerbeordnungsnovelle niedergesetzten Kom-

Politische RachriHten.

Deutschland.

# Die Aufgabe der nationalliberalen Partei. Auf einem nationalliberalen Parteitage der Provinz Hannover hat Herr von Bennigsen jüngst eine Rede gehalten, welche sich über die politischen Zustände der Gegenwart und die Auf­gaben der Zukunft verbreitet. In erster Beziehung erklärte der Redner, daß die jetzigen Zustände nicht den Wünschen der nationalliberalen Partei ent­sprechen ; dieselbe sehne sich vielmehr nach der Zeit von 18671878 zurück, wo eine große liberale Partei vorhanden gewesen, welche im Verein mit den gemäßigten conservativen Elementen eine Mehr­heit bildete, auf welche die Regierung und besonders der Reichskanzler sich stützen konnte. Die Mehr­heit, mit welcher der Kanzler sich genöthigt gesehen oder angemessen gefunden habe, die wirthschaftlichen und steuerpolitischen Fragen zu erledigen, habe in weiterer Folge nichts Positives schaffen und so zu der Weiterentwicklung der mit nationalliberaler Hülfe geschaffenen Zustände nichts thun können. Um eine derartige fruchtbringende Thätigkeit von Neuem zu ermöglichen, müßten sich alle Fractionen der Liberalen zusammenschließen zur Abwehr gegen reactionäre Versuche auf politischem und kirchlichem Gebiete und dafür sorgen, daß den Liberalen wieder die Mehrheit im Parlamente zufalle. Man wird den Ausführungen des Herrn von Bennigsen stets mit der Achtung begegnen, die einem Manne ge­bührt, welcher unbestritten große Verdienste um das Zustandekommendes deutschen Reiches aufzuweisen hat. Dies darf uns aber nicht abhalten, die inneren Widersprüche und irrthümlichen Auffassungen seiner Rede näher zu beleuchten. Im Ganzen kann die Rede des nationalliberalen Parteiführers als eine Bestätigung dafür gelten, daß in der That in ge­mäßigt liberalen Kreisen das Bedürfniß nach Ver­ständigung sowohl mit der Regierung, wie mit den Conservativen vorhanden ist, anders Hütte der Wunsch nach Erneuerung der vor 1878 vorhanden gewesenen Verhältnisse keinen Sinn. Aber der Weg, welcher zur Erreichung dieses Zieles empfohlen ist, muß als ein seltsamer, aus dem Munde dieses be­sonnene!: Politikers fast befremdlich klingender, jedenfalls überraschender Vorschlag bezeichnetwerden. Würde dieser Weg wirklich betreten, so würden die Nationalliberalen nicht nur mit ihrer ganzen Ver­gangenheit brechen, sondern auch ihrer Auflösung mit sicheren Schritten entgegengehen. Ihre Stärke hat von jeher darin beruht, daß sie mit Entschieden­heit den liberalen Radicalismus bekämpft und im Gegensatz zu dem rein negativen Verhalten desselben ihre Aufgabe in einem positiven Zusammenwirken mit der Regierung und den derselben nahe stehen­den Parteien gesucht haben. Wird diese Position von ihnen verlassen, so ist die unausbleibliche Folge, daß sie sich auf der schiefen Ebene nach links immer weiter bewegen und schließlich dem Fortschritte, als dem Stärkeren und dem Energischeren, als gute Beute zufallen müssen. Oder hat Herr von Bennigsen vergessen, daß die Verfassung des deutschen Reichs gegen die Fortschrittspartei zu Stande ge­kommen ist? daß bei der Militärorganisation, daß bei der Justizreform, der Verwaltungsreform und neuerdings bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen der Fortschritt stets der erbittertste Gegner der nationalliberalen Partei gewesen ist? daß auch in Bezug auf Wirthschafts- und Steuerreform die Stellung der nationalliberalen von der der Fort­schrittspartei grundsätzlich verschieden ist? Wes­halb also die Annäherung an die Fortschrittspartei?