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Nr. 77.

AreisWblatt

Mittwoch den 27. September 1882.

DaSKreisblütt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Kreis ^ersfesö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Abonnements >-Einladung.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf dasKreisblalt." Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustel­lung eintritt. Der vierteljährliche Abonnements­preis beträgt 1 Mark exel. Postaufschlag sowohl bei allen kaiserlichen Postanstalten als auch bei der Expedition.

haben, da das Kreisblatt die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Die Expedition-

ctmtsidjes.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 26. September 1882.

Für den Valentin L u ck h a r d t aus Kerspen- Hausen, 19 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

! Landtag vorgelegt werden Man ist mit dieser | Absicht bereits im vorigen Jahre umgegangen und : die Vorarbeiten waren so weit gefördert, daß schon im Frühjahr die technischen Punkte des Entwurfes Steckbrief. zum Abschluß gebracht waren. Der finanzielle

Gegen den unten beschriebenen Taglöhner Hein- Aufwand, den das Gesetz erfordert, dürfte sich rich Roßbach von Untergeis, welcher flüchtig ist, auf vier bis fünf Millionen Mark belaufen.

ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls ver- " Oesterreich-Ungar».

. . , ., . . u V Die österreichische Regierung hat beschlossen, für ^selben zu verhaften und m die durch die Ueberschwemmungen Beschädigten staat- das Ämtsgerichts-Gefallgnlß zu Hersseld abzulie- Hilfeleistungen in ausgedehntestem Maße ein- kern, bei Nachricht zu den Akten 11.1601,82. Treten zu lassen. Sie wird den Beschädigten so- Cassel, den 21. September 1882. fort Darleben mit weit Gestellten Amortisations-

12353.

Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Königliche Staatsanwaltschaft, von Ditfurth.

Beschreibung: Alter: 45 Jahre. Statur: schlank.

Haare: blond. Augen: blau.

Potilische Nachrichten.

Deutschland.

# An den Pranger. Im Allgemeinen muß man anerkennen, daß die liberale Presse sich ihrer Aufgabe, des zwanzigjährigen Jubiläums des Fürsten Bismarck mls Ministerpräsidenten zu ge­denken, mit Anstand und Tact unterzogen hat. Aus manchen Artikeln über dieses seltene Ereig- niß leuchtete ein friedlicher versöhnlicher Ton her­vor: jedenfalls vergaßen die Blätter nicht des schuldigen Dankes und ließen nicht die Achtung vermissen, die man auch einem Gegner, zumal einem so großen, schuldig ist. Nur die liberale Magde- burgische Zeitung ließ an diesem Tage nicht mir nicht die Waffen ruhen, sondern tauchte sie auch noch in Gift und Galle. Für sie ist das Lob, welches dem Kanzler alsDiplomaten" zu zollen ist, so selbstverständlich, daß sie dafür netto sieben Zeilen verwendet. Um so beredter ist sie zur Feier des Tages in ihren Angriffen, die Alles übersteigen, was in dieser Beziehung denkbar ist. Fürst Bis­marck, der gefeiertste und größte Staatsmann der Jetztzeit, der sein ganzes Dasein der Sache .des deutschen Volkes gewidmet, dessen innere Politik man mag denken über sie, was man will doch auch nur auf das Wohl des deutschen Volkes gerichtet ist und der trotz aller Widerwärtigkeiten und Anfeindungen an dieser Politik nur deshalb festhält, weil er tief von der Ueberzeugung durch­drungen ist, daß sie dem deutschen Vater­lande zum Heil gereichen werde, für diesen Mann findet die Magdeburgische Zeitung keine passendere Bezeichnung als die, daß erein origineller Mann" sei. In seiner inneren Politik sieht sie nursprungweises Herumtasten" undbeständiges Experimentiren" und erklärt diese Unruhe mit einer Art geringschätzigen Wohlwollens fürbedauer­

lich", nämlich bedauerlich für ihn: denn sie zehre an dem historischen Ruhm des in der äußeren Politik wirklich großen Staatsmannes". Das Interesse, welches die Magdeburgerin hiermit in schlecht verstecktem Hohn für den Fürsten Bis- marck zur Schau trägt, ist um so widerwärtiger, als es wohl kein Blatt gegeben hat, Weichesseiner Zeit in höherem Maße ihm gegenüber die vermeint­liche Schwäche besessen, die es jetzt an seinen über­zeugten Anhängern tadelt. Wer sich des Artikels: Unser Percy" in jener Zeitung aus dem Jahre 1873 erinnert und damit ihre heutige Leistung vergleicht, der kann ein Gefühl tiefen Bedauerns über einen derartigen Grad von Gesinnungslosig­keit nicht zurückhalten. Das Blatt kann sich be­ruhigen: die beklagteUnruhe" zehrt nicht an des Fürsten Ruhme. Wohl aber darf es vvn sich sagen, daß es selbst wie kein anderes Blatt an diesem Ruhme herum zerrt, nach Art echter Re­negaten, die nicht Eifer genug anwenden können, um ihre frühere Gesinnung zu verleugnen.

Ein Lehrerpensionsgesetz soll »um doch, wie mehr­fach versichert wird, vom Cultusministerium dem

fort Darlehen mit weit gestellten Amortisations- terminen gewähren und zu diesem Zwecke mit Aufnahme einer Art von Nothstandsanleihe vor­gehen, für welche die Genehmigung des Reichsrathes nachträglich eingeholt werden soll.

England.

Die Königin hat, wieW. T. B." meldet, den General Wolseley und den Admiral Seymour wegen ihrer in Aegypten geleisteten Dienste unter Verleihung des Baronettitels in den Pairsstand erhoben.

Rußland.

Die Vermuthung, daß die Kaiserreise nach Moskau ausschließlich der Ausstellung gegolten habe und mit der Krönung in keinem Zusammen­hang stehe, findet durch ein Telegramm aus Pe­tersburg Bestätigung, daß der Kaiser und die Kaiserin mit den kaiserlichen Kindern am 25. d. wohlbehalten in Peterhof eingetroffen sind.

Aegypten.

^DemStandard" wird von seinem Correspon- denten in Kairo gemeldet:Ich erfahre, daß Arabi und seine Helfershelfer militärische wie bürgerliche, vor ein Kriegsgericht gestellt werden solle. Die­selben haben wenig Gnade zu erwarten. Ein hoher Beamter sa te mir gestern:Wenn Arabi würdevoll oder weise gewesen wäre, würde er Selbstmord verübt haben" Die Beamten und Truppen im ganzen sudan, in Darpur und allen andern Theilen Ober-Aegyptens haben den Khe- dive auf telegraphischem Wege ihre Treue ver­sichert. Scherif Pascha hat ein Circular an die Generalconsuln erlassen, worin er die Bildung eines Kriegsgerichts anzeigt, welches den Rebellen den Prozeß machen soll. Abdurrayman Ruchdy Bey ist Präsident des Gerichtshofs.

# Die conservativen Wahlaufrufe.

Beide konservative Parteien des Landtags haben für die bevorstehenden Wahlen ihre Aufrufe erlassen. Da diese Parteien in den wichtigsten Fragen schon während der ver. ......... ,_ , ^^ »wuueu um, wuwiym ve.

gangenen Legislaturperiode Schulter an Schulter gekämpst, fürchten. Es wird in ihrem Interesse sein, diese Punkte so ist es nur natürlich, daß sie auch, in ihren Ansprachen i im Wahlkamps besonders hervorzukehren und damit den«

an die Wähler im Großen und Ganzen Uebereinstimmung bekunden. Ihr Unterschied liegt vornehmlich in der Stellung gegenüber den anderen Parteien: während der freiconservative Wahlaufruf lebhaft für den Gedanken der Mittelpartei eintritt, betont der eonservative Aufruf mehr den Gegen­satz zu dem Liberalismus. Sie unterscheiden sich also in einer Frage der praktischen Politik, nicht in grundsätzlichen Dingen.

Die eben gekennzeichnete Stellung, welche der eonservative Wahlaufruf gegenüber dem Liberalismus einnimmt, kann angesichts der Stellung, zu welcher sich diegroße ver» einigte liberale Partei" nun schon seit Wochen entschlossen hat, nicht Wunder nehmen, ja sie muß als berechtigt und begründet anerkannt werden.

Die liberalen Parteien wollen einig sein, sie haben sich zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Conservativen verbunden, sie erkennen Niemanden mehr als liberal an, der einen Conservativen wählt. Ob das alles bei den Wahlen und in der Praxis wirklich so sein wird, bleibe dahin gestellt, man hat wohl Grund, daran zu zweifeln.

Aber da die Liberalen absolut einig sein wollen, werden sie es sich auch gefallen lassen müssen, nach ihrer leitenden Partei der Fortschrittspartei beurtheilt zu werden. Sie werden sich nicht beklagen dürfen, wenn nun die Conservativen ihnen gegenüber eine gleich schroffe Stellung einnehmen, und wenn die Conservativen die Liberalen als das nehmen, was sie sein wollen, als eine einige Partei, welche grundsätzlich den Conservatismus bekämpft.

Der eonservative Wahlausruf stellt ihnen nun eine Quittung aus, indem er die Liberalen als seine Gegner proclamirt.

Richt genug hiermit, bekämpft er den Liberalismus auch mit derselben Methode und denselben Mitteln, die dieser nun schon seit Wochen anzuwenden sich gestattet hat. Und gerade deshalb erscheint uns der Aufruf der Conservativen sehr zeitgemäß: er beweist, daß sie von den Liberalen endlich etwas gelernt haben.

Was nutzen die vorsichtigen Haarspaltereien, gedrehte und gewundene Sätze, welche sich nach Belieben dehnen lassen, was nützen Ankündigungen, wie sich die Fraktion zu einzelnen Entwürfen stellen wird. Von dieser Küchenzettel-Manier hat der eonservative Ausruf glücklicherweiseAbstand genommen.

Er packt vielmehr derb und kräftig zu, indem er aus Hunderten von Kundgebungen und Anzeichen die richtigen Schlüsse auf die Ideale und Ziele des Liberalismus zieht, und diese in ihrer Nacktheit den Wählern zur Wahl und Entscheidung vorhält:Herrschaft des Parlaments, konfessionslose Volksschulen, kein Schutz den wirthschaftlich Schwachen, keine Erleichterung der unteren Volksklassen und der produeirenden Stände von dem harten Druck der direkten Steuern, keine Herabminderung der schwer empfundenen Volksschullasten, keine Maßregel zur Erhaltung eines krästigen Bauernstandes und des ehrlichen soliden Handwerks."

Das sind alles freilich schwere Anklagen, aber sie bilden den Extrakt von Allem, waS in liberal-fortschrittlichen Reden im Parlament und in Volksversammlungen, in Zeitungen und in Flugschriften gepredigt worden und tagtäglich noch gepredigt wird: man muß nur zu lesen und zu hören ver­stehen. Alle jene Anklagen können mit Dutzenden von Bei­spielen belegt werden.

Die fortschrittlich liberalen Blätter sind außer sich über die Art und Weise, wie ihre Partei hierdurch öffentlich charakterisirt worden ist. Sie hätten doch lieber in einem anderen Lichte erscheinen mögen. Man könnte ihnen ant­worten:Wie Du mir, so ich Dir." Die Schlag­worteReaction" undconservativ-klerikale Coalition," mit der die Liberalen bisher ihre ganze Wahlagitation unter» halten haben, werden eben einfach mit gleicher Münze wiederbezahlt. Aber mit diesem Vergleich würde man den Conservativen Unrecht thun. Denn so wahr die Anklagen sind, welche sie vor dem Volke gegen den Fortschritts- Liberalismus erheben, so unwahr ist der Vorwurf von dem Streben nachReaction" und dem Vorhandensein einer conservativ-klerikalen Coalition."

Noch ein Punkt erregt den Mißmuth der fortschrittlich« liberalen Blätter, daß nämlich die Conservativen auch ihre Stellung in der Wirthschafts-, Gewerbe- und Socialpolitik bei den Wahlen zu verwerthen gedenken. Man hält ihnen entgegen, daß der Landtag mit diesen Fragen nichts zu schaffen haben werde. Run, vor drei Jahrm wollten die Liberalen auch den Streit um wirthschaftliche Fragen aus der Wahlagitation fernhalten, weil sie hierin Bortheil für sich erblicken. Und doch haben diese drei Jahre Landtags« arbeit fast in jeder Sitzung bewiesen, wie tief jene Fragen auch in die preußische Gesetzgebung eingreifen. Die Stellung zu den übrigen Hauptfragen des politischen Lebens läßt sich heute gar nicht mehr von der Stellung trennen, die die Parteien zu der Wirthschafts-, Gewerbe- und Socialpolitik grundsätzlich einnehmen: vor Allem in der Steuerpolitik ip diese Stellung von Ausschlag gebender Bedeutung.

Aus der Ausnahme, welche der eonservative Wahlausruf bei den Liberalen gefunden, werden die Conservativen er» sehen, in welchen Punkten die Liberalen besonders empfind­lich find und für ihre Sache Schaden und Nachtheil be-