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SonMbend den 4. November 1882.

Nr. 88.

AMS

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Jireis gersfell).

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

dmtridjes.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 25. October 1882.

Den Herren Bürgermeistern und Ortsverwaltern des Kreises werde ich in den nächsten Tagen das nöthige Formularpapier für die

Klaffen steuer-Beranlagung pro 1883 84 (Klassensteuer - Rollen und Einkommens - Nach- weisungen) sowie außerdem die nöthigen Formu­lare zu den Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten, Belegen, Abmeldebescheinigungen, vorläufigen Mit­theilungen an die Steuerlassen über Steuer-Zu- und Abgänge 2c. für das Rechnungsjahr 1883 84 mittheilen und zugleich, zwecks Benutzung bei Auf­stellung der neuen EinkommeuS-Rachweisung, die Einkommeus-Rachweisung pro 1882,83 beifügeu.

In Betreff der Vorarbeiten für dieKlassensteuer- Veraulagung pro 1883 84 verweise ich auf das Ausschreiben Dom 17. October 1877 Nr. 10576 (KreiSblatt Nr. 84 pro 1877) hebe aber dabeTnoch ausdrücklich hervor, daß als Norm für den Beginn bezw. die Vornahme der Per­sonenstandsaufnahme der

13* November bestimmt worden ist. Es bleibt den Herren Ortsvorständen überlassen, diese Personen­standsaufnahme auf die Ihnen am geergnrtsteu dünkende Weise zu bewirken; für größere Gemein­den wird es sich empfehlen, daß Seitens des Ortsvorstandes an die Haushaltungsvorstände und Einzelsteuernden schon vor dem 13. November entsprechende Formulare zur ordnungsmäßigen Ausfüllung und Rückgabe ausgehändigt werden.

Die Herren Ortsvorstände sind spe­ciell dafür verantwortlich, daß die Personenstands-Aufnahme richtig und vollständig erfolgt.

Sodann haben die Herren Ortsvorstände:

1) auf Grund des bei der Personenstands-Auf­nahme oder auf sonstige Weise gewonnenen Materials die Einträge in den Spalten 1 bis incl. 20 der Einkommens-Nachweisung bezw.

1 bis incl. 6 der beiden Klassensteuer-Rollen pro 1883|84 genau und sauber zu bewirken;

2) die Schulden-Nachweisung in vorgeschriebener Weise aufzustellen und deren Resultat in Spalte 17a und 17 b der Einkommens-Nach- weisung animierten, inzwischen auch

3) die Mitglieder der Einschätzungs-Commissiou wählen zu lassen (wegen deren Zahl cfr. das Allsschreiben vom 17. October 1877 (Kreis­blatt Nr. 84 pro 1877) und hierauf

4) noch vor dem 1. Dezember d. I. die Einschätzung zur Klassensteuer unter Aus­füllung der Spalten 7 bis 26 der Klassen­steuer-Rollen bezw. 21 und 22 der Einkom­mens-Nachweisung bewirken und die vorge­schriebenen Bescheinigungen auf dein Titelblatte vollziehen zu lassen resp, solche selbst zu voll­ziehen.

Bei der Einschätzung sind die den Ortsvorständen mitgetheilten Revisions-Bemerkungen der König­lichen Regierung zur 1882183er Klassensteuer-Ver- anlagung gehörig zu beachten; insbesondere aber muß ich erwarten, daß in den Einkommens-Nach- weisungen die Grundsteuer-, Gebäudesteuer- und Gewerbesteuer-Angaben richtig sind, daß die Größe des vorhandenen Grundbesitzes nach Hectaren ge­wissenhaft eingetragen und daß dieser Grundbesitz wieder nach Ackerland und Wiesen 2c. getrennt angegeben wird.

Bezüglich der Einschätzung selbst werden die Herren Ortsvorstände rc. des Kreises zufolge ergangener Verfügung höheren Orts angewiesen, so viel wie möglich dahin zu wirken, daß zwecks Vermeidung nutzloser Pfändungsversuche gegen die notorisch nicht im Besitze pfändbarer körperlicher

Sachen befindlichen Steuerpflichtigen eine mildere Einschätzung bezw. Freistellung der zu den untersten Stufen der Klassensteuer veranlagten, insbesondere der längere Zeit hindurch ohne Erfolg exequirten Personen erfolgt. Die in letzterer Beziehung hauptsächlich in Betracht kommenden Per­sonen, werden von den Königlichen Steuerem­pfängern noch bezeichnet werden.

Bis zum 1. Dezember d. I. sind sodann die ordnungsmäßig summirten beiden Klassensteuer- Rollen und die Einkommens-Nachweisung pro 1883 84, welche sämmtlich mit den vorgeschriebe­nen starken Pappumschlägen und entsprechender Ausschrift versehen sein müssen, nebst der Schulden- Nachweisung, einem amtlich als richtig bescheinig­ten Verzeichniß der Mitglieder der Klassensteuer- Einschätzuugs-Commission und den vorgeschriebenen Bemerkungen zur Klassensteuer-Rolle" zur Prüfung und Vorrevistou unter Wiederbeifügung der Ein- kommens-Nachweisung pro 1882 83 an m ich eiuzureichen.

In Betreff der Schulden-Nachweisung und der von den Ortsvorständen auf besonderem Bogen aufzustellenden Bemerkungen zur Klassensteuer-Rolle verweise ich auf die §§. 33 und 44 der Anweisung zur Aufstellung der Klassensteuer-Rollen und Ein- kommens-Nachweisungen vom 19. Juli 1875 ab­gedruckt in Nr. 34 des Amtsblatts pro 1875.

13536. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, Den: 3. November 1882.

Die Herren Bürgermeister zu:

Allendorf, Aua, Friedlos, Frielingen, Gers­dorf, Hattenbach, Heenes, Hilperhausen, Kal- kobes, Kerspeuhausen,Kleba, Kohlhausen, Meck- lar,Mengshausen, Niederaula, Obergeis, Reim- boldshauseu, Rohrbach, Roßbach, Rotterterode, Sieglos, Tann, Untergeis, Unterhaun, Geth- semane, Herfa, Hillartshausen, LampertSfeld, Landershausen, Leimbach, Motzfeld, Ober­lengsfeld, Röhrigshof, Schenklengsfeld, Wehrs­hausen, Widdershausen, Wölfershausen und Wüstfeld

werden hierdurch an die Erledigung meiner Ver­fügung vom 1. October 1880 Nr. 11469 im Kreis­blatt Nr. 79, den Erlös für im Jahre 1882 ver­kauftes Gemeinde-Obst betreffend, mit Frist bis zum 13. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert. 13894. Der Königliche Landrath __Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 2. November 1882.

Der Oeconom Wilhelm Gercke zu Hattenbach ist heute als Sachverständiger zur amtlichen Un­tersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen bestellt und eidlich verpflichtet, und wurde demsel­ben der die Häuser Nr. 1 bis 40 umfassende Schau­bezirk des seitherigen, inmittelst weggezogenen Sach­verständigen Heinrich Boß zu Hattenbach über- wiesen.

13829. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Äuszüge aus der RrochüreHerr oon Ri8mark und die -fortschrittspartei."

Erste« Blatt.

Preußen und Deutschland. Die Hohenzollern. Oesterreich. Führung in Deutschland Moralische Eroberungen. Der Deutsche Bund. Turner- und Schützenseste.

Der Preußische Staat ist durch den Geist und durch das mit Geist geführte Schwert der Hohenzollern entstanden. Von den besonderen Herrschergaben, welche diese Dynastie auszeichnen, sind hervorzuheben: Seltene Pflichttreue; Cyaraktergröße; der stets bethätigte Wille, selbst zu regieren, und die Liebe zur Armee.

Einst aus schmalem Grunde bauend, haben die Preußischen Fürsten den Staat durch diese Tugenden unverwandten Blickes dem Ziele wachsender Ehre und Größe zugeführt.

Anderseits hat auch das Volk die ruhmreichen Errungen­

schaften, welche es seinem Herrscherhause verdankt, zu würdigen gewußt, und durch die herzliche Vereinigung in Freud' und Leid haben sich zwischen Fürst und Volk innige Beziehungen herausgebildet. welche sich unmöglich in den engen Rahmen einer konstitutionellen Theorie einzwängen lassen; die Hin­gebung des Preußischen Volkes an seine Dynastie kann durch keine Verfassung, durch kein Parlament ersetzt werden: ein unmittelbares, unzerreißbares Band vereint die Hohen» zollern mit dem Geist des Preußischen Volkes.

Dieser Preußische Geist ist zugleich ein echt deutscher. Von jeher hat Preußen deutsche Interessen verfolgt, dat germanische Element geschützt und dasselbe gegen alle Romanisirungsversuche mit Gut und Blut vertheidigt.

Außerdem war Preußen der größte reindeutsche Staat beim Bunde, während von den 35 Millionen Einwohnern des Oesterreichischcn Staates nur I2j Millionen zum deutschen Bunde gehörten, welch letztgenannte Zahl sich wieder zum großen Theile aus Slaven, Zechen, Slovaken, Kroaten und wie die Völkerschaften olle heißen möge», zusammensetzte.

Als sich daher die Erkenntniß immer mehr Bahn gebrochen hatte, daß die deutsche Nation nur durch eine Centralgewalt die ihr gebührende würdige Stellung zu erringen im Stande sei, war die Frage, welcher von beiden Großmächten des Bundes die Führung in Deutschland zukomme, von vornherein zu Gunsten Preußens zu entscheiden. *)

Allein nach den Freiheitskriegen war ein Rückschlag er- folgt, welcher die Politik Preußens aus abschüssige Wege zu lenken und dasselbe der Erjüllung seines deutschen Be­rufes zu entrücken drohte.

Man hätte nämlich zu viel Zeit mit moralischen Erobe­rungen bei den Mittelstaaten vergeudet, während es an sich viel näher gelegen hätte, daß bie machtlosen Kleinstaaten die Sympathien des mächtigen Preußens zu erwerben trachteten. So hochherzig die Gesinnung der Preußischen Monarchie den deutschen Stämmen und Fürsten gegenüber geu^se^ sein mag: an dem drastischen Dünkel der Kleinstaaten und an »m sehr ausgeprägten Pteuhenhasst in Süvdeutschland ist das ideale Ziel der Preußischen Politik vollständig gescheitert. Hätte Preußen, auf seine reale Stärkung bedacht, im Jahre 1850 eine ansehnliche und schlagfertige Truppenmasse in wenig Tagen aufzustellen vermocht, nimmermehr wäre dieser lebenskräftige Staat in seinen wichtigsten Fragen von den Mittelstaaten und Oester» reich beim Bunde majorisirt worden, Fürst Schwarzenberg, der österreichische Minister, hätte sein hochtönendes Wort:

Erst müsse man Preußen erniedrigen, um eS dann zu vernichten"

nicht aussprechen dürfen, und der Canossa-Gang nach Olmütz, mit welchem Preußen damals alle seine nationalen Pläne für Deutschland begraben mußte, wäre vermieden worden.

Es war ein beklagenswerther Fehler, welchen die öfter» reichische Politik dadurch beging, daß sie jede Machterweiterung Preußens und die Entfaltung feiner Stellung in Deutschland zu verhindern bestrebt war: denn beiden Großmächten stand und steht noch die große gemeinsame Aufgabe bevor, zum Schutze des mitteleuropäischen Gebietes einen unüberwind­lichen Damm gegen etwaige feindliche Strömungen deS Ostens und Westens zu bilden. (F. f.)

*) Von Interesse ist der Irrthum Robert v. Mohl'S, Pol. I. S. 55:Das Vorhandensein zweier Großmächte sei ein unlösbares Hinderniß für jede einheitliche Gestaltung, und sei sowohl die Unterwerfung der einen unter die andere, als die völlige Ausschließung einer von beiden aus Deutschland ein halsbrechendes Unternehmen, dessen Versuch einen dreißig­jährigen Krieg zur Folge und doch schließlich kaum eine Aussicht aus Erfolg habe."

Die Steuerreform.

tAus der Landwirthschastlichen Zeitung.)

(Schluß.)

Wir erheben an Klassensteuer und klassificirter Einkommen­steuer nach dem Erlaß, der oben angegeben ist, pro Jahr 54 Millionen M.

An Grundsteuer und Gewerbesteuer werden erhoben 86 Millionen M.

An direkten Steuern im Ganzen also 140 Millionen M.

Diese ganze Summe muß dann durch die Einkommen­steuer allein ausgebracht werden. Will man den Weg der Menschenfreundlichkeit und Staatsklugheit, welchen, wie oben mitgetheilt ist, das Abgeordnetenhaus bereits beschritten hat, weiter wandeln, bis zu dem Punkt, daß die Klassen­steuer wegfällt mit ihren 40 Millionen M., so würde die klassificirte Einkommensteuer, die jetzt 33 Millionen Mark einbringt, in vierfacher Höhe erhoben werden müssen. Ein solcher Vorschlag von Seite derer, welche nicht wollen, daß ein Theil der direkten Steuern durch indirekte ersetzt werde, wäre durchaus richtig, denn bleiben kann diese Ungleichheit nicht, es ist kein Schein von Grund vorhanden, weshalb die Grundbesitzer, die Hausbesitzer und die Gewerbtreibenden 86 Millionen M. Staatssteuer extra bezahlen sollen, an denen die Kapitalbesitzer ihren Antheil nicht mittragen. Bei einer derartigen Erhöhung der Einkommensteuer mühten