Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstalten kommt der Postaussch'ag hinzu.
für den
Kreis Zersfeld.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
$mtndxs.
Kreis Hersselv.
Hersfeld, den 24. November 1882.
Die nach meiner Bekanntmachung vom 25, v. M. Nr. 13454, (Kreisblatt Nr. 86) unter dem Rindvieh in der Stadt Sontra ausgebrocheiie Maut- und Klauenseuche ist erloschen, was ich hiermit veröffentliche.
14851. Der Königliche Landrmh
Freiherr von Bro ich.
Hersseld, den 23. Stovember 1882.
Zur Verzinsung und Amortisirung des zum Bau des Landkrankenhauses aufgenommeneu Dar- lehns wird hiermit für das Rechnungsjahr 1882 83 eine Kreissteuer im Betrage von 2880 M. ausgeschrieben.
Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises werden in den nächsten Tagen Nachweisungen der auf die 2C. Gemeinden repartirten Quoten zugehen und wollen dieselben dafür Sorge tragen, daß die Beträge alsbald und spätestens bis zum f. Mts. an den Rechuungsführer der Kreiskasse, Herrn Waisenhausverwalter Adams, dahier eingezahlt werden.
14842. Der Königliche LandrUh
Freiherr von Broich.
Äussichteit Öes DentfcQeii PartameMrirMls.
(Sortierung.)
Die Hauptsache soll aber gewesen sein, daß die liberalen Mitkämpfer des Kanzlers nichts für sich verlangten, daß sie ausnahmelos die Gebenden uno niemals die Empfangenden waren. Von einer directen Theilnahme der parlamentarischen Mehrheit an der Regierung (tote sie sich in jedem anderen eonstitutionellen Staate von selbst verstanden hätte) ist ja seit dem Jahre 1867 im Ernste nicht mehr die Rede gewesen! So vollständig ließ man sich an dem immerhin bescheidenen Einfluß genügen, welchen die liberale Mehrheit auf den Gang der Entwickelung übte, daß die Frage nach der Zusammensetzung der Regierung gar nicht aufgeworfen, der naheliegende und in der Natur der Sache begründete Wunsch nach einer Heranziehung der parlamentarischen Führer zu den Geschäften niemals zur Bedingung fernerer liberaler Unterstützung der Regierungspolitik gemacht — die saure Arbeit des Tages vielmehr ohne Aussicht auf entsprechenden Lohn verrichtet wurde. Man hat dem leitenden Staatsmanne in der Wahl seiner Gehülfen freie Hand gelassen und jede Combination gut geheißen, die sich mit dem Verlangen nach einer gewissen Uebereinstimmung zwischen Regierung und parlamentarischer Majorität irgend zusammenreimen ließ. Ja man ging noch weiter, man ließ nicht nur in praxis, sondern auch in thesi gelten, daß die Zeit für eine parlamentarische Regierung in Deutschland noch nicht gekommen sei und daß es zweifelhaft erscheine, ob das heutige Geschlecht eine solche überhaupt erleben werde. Nahezu widerspruchslos durfte der anerkannte Führer der nationalliberalen Partei vor einer Versammlung seiner Gesinnungsgenossen aussprechen, daß seine Partei den Anspruch auf ein parlamentarisches Parteiregiment niemals gestellt habe und daß er eine Partei, welche diesen Anspruch ernstlich erhebe, überhaupt nicht kenne. Wenig später wurde der nämliche Gedanke von einem hochgeachteten liberalen Staatsmanne des deutschenSüdens in einerbemerkensweasthen Flugschrift ausführlich erörtert und eine Schilderung des deutschen Parteiwesens entworfen, welche zu bar Schlußfolgerung gelangte,
„daß die Unanwendbarkeit des parlamentarischen Regie- ruiigsfyftems von der Mehrheit derjenigen, welche in parlamentarischen Dingen Erfahrungen gemacht haben . . . stillschweigend zugegeben worden sei."
Kann mel)r verlangt, kann deutlicher als es geschah, überhaupt bewiesen werden, daß die liberale Partei ebenso viel gelernt wie vergessen, und daß sie mit den Abstractionen gebrochen hat, welche bis zum Jahre der deutschen Entscheidung das vornehmste Hinderniß ihrer politischen Wirksamkeit bildeten?
Der gemäßigte, die Anschauungen der großen gebildeten Mittelklasse darstellende Liberalismus erkennt die Grenzen seines Berufs ausdrücklich und ohne Rücksicht auf die sich daraus für ihn selbst ergebenden Consequenzen an, und die vorgeschrittenen, den in der deutschen Natur einmal begründeten Idealismus repräsenlirenden Elemente lassen von sich das „qui tuest consentire videtur“ gelten, ohne mehr als die Ossenhaltung einer entfernten, zunächst noch gar nicht in Betracht kommenden Zukunft zu verlangen! Wer darf, wer kann bestreuen, daß das Fortschritte unserer politischen
Entwickelung einschließt, welche, alle billigen Erwartungen Tag dringender Die wachsende Ueberfüllung, namentlich übertressend, die Gefahr eines Rücksalls in die Irrungen auch in den höher» Berufszweigen, die Notwendigkeit der der Vergangenheit nahezu ausfchl ießen ? Mit gutem Ge- Erweiterung unseres Absatzgebietes, die steigende Bedeutung wissen dürfen die Parteien, die so weises Maß, so weit- des M-zcheeischen Handels, das nationale Interesse an der gehende Sclbstverläugnung zu üben gewußt haben, das Erhaltung einer dauernden und festen Verbindung der über- Zeugniß politischer Reife in Anspruch nehmen und die Ver- schüssigen Kräfte mit dem Vaterlande haben in immer größerm antwortung für die Zwistigkeiten von sich abweisen, welche Umfange die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Frage
ihr früheres Verhältniß zu dem Leiter der Regierung ge- gelenkt. Durch den rastlosen Eifer anderer Völker werden trübt und es mit sich gebracht haben, daß die alten, an- mit jmm Jahre, ja, mit jedem Tage die geeigneten Ge» scheinend längst überwundenen Gegensätze einander in der I
früheren Schärfe gegenüberstehen. —
Hat diese angebliche Wandlung und Ausreifung der die große gebildete Mittelklaffe der Nation repräsentirenden Parteien wirklich und in dem behaupteten Umfange statt» gefunden?
So lange zwischen dem leitenden Staatsmanne und den die Mehrheit der Gebildeten repräsentirenden liberalen Parteien Uebereinstimmung bezüglich der zunächst zu lösenden I Aufgaben bestand, fehlte zu einer eigentlichen Probe auf das Exempel die Veranlassung. Daß die praktischen Er- j folge unserer Gesetzgebungsarbeit Früchte einer gereiften Erkenntniß der Liberalen seien, galt der Mehrheit unserer Gebildeten für ausgemacht und traf mit der herrschenden; optimistischen Stimmung zusammen. Länger als ein Jahr- zehnt ließ man die eigentlich entscheidende Frage, die Frage nach der Grenze der parlamentarischen Machtsphäre unberührt, weil dieselbe nicht praktisch wurde. „Beurtheilt uns nach unsern Thaten" hieß es auf der liberalen Seite, — „thatsächlich beanspruchen wir für die parlamentarische Mehrheit kein Herrichaflsrecht. Damit beweisen wir am besten, daß wir Männer der politischen Realität sind, die zwischen theoretischen und praktischen erfüllbaren Forderungen den gehörigen Unterschied zu machen wissen. Ihr selbst habt uns aus der Theorie auf die politische Praxis verwiesen — laßt Euch an den Fortschritten genügen, die unser thatsächliches Verhalten aufzuweisen hat."
. Eine Weile ist es mit diesem Verzicht auf eine principielle -'Ausr-uanders-tzunjz c.ga: /.n. Wie eir- - -n Busches qat, wird es damit aber nicht weiter gehen. Gerade in jüngster Zeit ist zu Zweifeln daran, daß in Erkenntniß und politischer Taktfestigkeit unserer Liberalen der gerühmte große Fortschritt wirklich gemacht worden, überreichliche Veranlassung dagcwesen. In benfelben Tagen, welche Zeugen eines Bankrotts der parlamentarischen Regierungsweise gewesen sind, wie die Welt ihn kaum niemals erlebt hat, ist die Nothwendigkeit einer Uebernahme der Regierung durch die Führer der liberalen Mehrheit von zweien unserer liberalen Fractionen direct verkündet, solche Verkündigung von der dritten, politisch wichtigsten Fraction dadurch gut geheißen worden, daß dieselbe Namens des „Gemeinsamen" der liberalen Parteien in Wahlcompromisie gewilligt hat, welche nur wiederholt zu werden brauchen, damit unser Parteiwesen in Zustände zurücksinkt, von dem noch vor Kurzem behauptet wurde, sie seien — Dank den „großen" seit dem Jahre 1866 gemachten Fortschritten — für alle Zukunst unmöglich geworden. Aufs Neue — so hat es den Anschein, — sind wir vor Fragen gestellt, von denen es hieß, sie seien gegenstandslos geworden, weil sie von Niemand mehr aufgeworfen würden. Der Verzicht auf die Forderungen der Doctrin und das Bekenntniß,^ daß die parlamentarische Regierungsweise in Preußen und Deutschland unmög^ch fei, haben aufgehört die Erkennungszeichen derjenigen ©(erneute zu sein, weiche in der Befestigung der Institutionen des Reichs ihre Ausgabe sahen. Geht es in der bisherigen Weise weiter, so erscheint eine beständige Verschärfung per Gegensätze unvermeidlich und die Herstellung einer Mittelpartei, welche bisher an praktischen Schwierigkeiten scheiterte, droht zu einer moralischen Unmöglichkeit zu werden. — Möglich sind diese Irrungen aber nur dadurch geworden, daß das Verhältniß der liberale» Parteien zu der parlamentarischen Do.trin trotz wiederholt dazu genommener Anläufe niemals vollständig ins Klare gesetzt worden ist und daß man auch da, wo der Verzicht auf dieses System aufrichtig gemeint war, nicht den Muth besaß, aus demselben die nöthigen Consequenzen zu ziehen. Nur die klare Erkenntniß der Gründe, die die Verwirklichung des parlamentarischen Systems in Deutschland für alle Zeit unmöglich inachen, — nur der feste Entschluß, diese Erkenntniß in die politische Praxis zu übersetzen und gewisse aus den Tagen der theoretischen Geltung dieses Systems hinübergenommene Fictionen des Parlamentarismus auszugeben, kann der Verwirrung ein Ende machen, welche der Zusammenfassung der zu einander gehörigen Eleniente und einer den realen Interessen entsprechenden Parteibildung hindernd im Wege steht.
Aus den nachstehenden Blättern soll derVersuch gemachtwerden die äußeren und inneren Gründe, welche die Möglichkeit einer parlamentarischen Regierungsweise für Gegenwart und Zukunft ausschließen, zusammenzusassen;
das Verhältniß der einzelnen Fractionenzu dieser Forderung zu bezeichnen;
die sich aus dieser Betrachtung ergebenden Consequenzen zu ziehen., _______ (F. b) _
Aufruf zur Bildung eines Deutschen Colonialvereins.
Die Frage der deutschen Colonisation wird von Tag zu
biete spärlicher, an denen die deutsche Colonisation landen
kann. Unter dem Gewicht dieser Erwägungen ist in Frank- surt a. M. die Bildung eines
Deutschen Colonialvereins beschlossen worden. Der^ Verein, welcher sich über ganz DeutschLsnd erstrecken soll, wird sich die Aufgabe stellen: Das Verständnis der Notwendigkeit, die nationale Arbeit dem Gebiete der Colonisation zuzuwenden, in immer weitere Kreise zu tragen, für die darauf gerichteten und in unserm Vaterland e bisher getrennt austretenden Bestrebungen einen Mittelpunkt zu bilden und eine praktische Lösung der Colonialfrage anzubahnen.
Zunächst wird der Verein die Errichtung von Handelsstationen als Ausgangspunkte für größere Unternehmungen i fördern. Der Verein rechnet nicht auf die materielle Unter» i stützung des deutschen Reichs, wohl aber wird er sich bemühen, im geeigneten Falle den Reichsschutz für deutsche Niederlassungen zu erwirken, und denselben so durch Sicherung gegen fremde Eingriffe die erste Bedingung einer erfolgreichen Thätigkeit und einer größern Entwicklung zu ver- schasf-n. Als Sitz des Vereins ist wegen seiner centralen Lage vorläufig Frankfurt a. M. mit jährlich wandernden Generalversammlungen und einer jährlichen Beitragspflicht von mindestens 6 M. bestimmt worden.
Zu reger Teilnahme an der constituirenden Generalversammlung, welche am 6. Dezember, vormittags 11 Uhr, zu FraiHurt a. M. im Saale der Polytechnischen Gesellschaft, ; ä7ui 'A»inz«Kraße 35, stattstndew. wird und in welcher der Statutenentwurf endgültig zu genehmigen und die Wahl des Vorstandes vorzunehmen ist, laden die Unterzeichneten hierdurch ergebenst ein. Dieselben sind bereit, schriftliche Beitrittserklärungen entgegenzunehmen.
Hofrat G. Ackermann, Mitglied des Reichstags, Dresden; Graf Arnim-Boitzenburg, Oberpräsident a. D.; Geh. Commercienrat Baare, Präsident der Handelskammer zu Bochum; R. v. Bennigsen, Landesdirector, Mitglied deS Reichstags, Hannover; Dr. F. Böttcher, Mitglied des Reichstags, Freiburg i. B.; Generalsekretär H. A. Bueck, Düsseldorf-; Ernst Freiherr von der Brügge»; Dr. A. Brüning, Frankfurt a. M.; Prof. Dr. Brugsch-Pascha, Charlottenburg bei Berlin; Dr. med. E. Cohn, Corr. Schriftführer des Vereins für Geographie und Statistik in Frankfurt a. M.; Friedrich Colin, Oelfabrikant in Besighenn a. R.; L. Colin, Direktor der Würtembergischen Vereinsb ank, Stuttgart; Prof. Dr. Rudolf Credner, Vorsitzender der geographischen Gesellschaft zu Greifswald; Clemens Denhardt, Berlin; Bernhard Engelhard, Mitglied der Handelskammer zu Frankfurt a. M.; Dr. F. Fabri, Vorsitzender des Westdeutschen Vereins für Colonisation und^port, Barmen; Dr. T. Fabri, Düsseldorf; Consul Julius Federer, Stuttgart; Dr. Theobald Fischer, Professor der Erdkunde zu Kiel; Prof. Dr. Oskar Fraas, Stuttgart; Fr. Graf Krankenberg Tillowitz, Mitglied des Provinzial-Ausschusses undProvinzial-Rates von Schlesien; Dr. Gustav Freytag, Geh. Hosrat, Siebleben bei Gotha; Dr. Friedenthal, Königl Staatsminister, Gießmannsdors; Karl Friederichs, Remscheid; L. Friederichsen, Erster Secretär der geographischen Gesellschaft zu Hamburg; Prof. Dr. G. Gerland,. Straßburg i. C.; A. Haarmann, Hüttendirector, Osnabrück; Vr. Hammacher, Mitglied deS Reichstags, Berlin; Aug. Haurand, Mitglied der Handelskammer zu Franksurt a. M; Rudolf Hausier, Mitglied der Handelskammer zu Frankfurt a. M.; Freiherr Heereman v. Zuydwyck, Mitglied des Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses, Münster; Geh. Commercienrat Heimendahl, Präsident der Handelskammer zu Crefeld; Friedrich v. Dellwald, Stuttgart; Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, Würtemberg; Julius Hofmann, Frankfurt a. M ; Dr. jur. Hübbe-Schlcide», Hamburg; Jantzen u. Thormählen, Hamburg; Geh. Hosrat Dr. I. v. Jobst, Präsident der Handelskammer zu Stuttgart; Dr. Emil Jung, Leipzig; Prof. F. Keller-Leuzinger, Stuttgart; Prof. Dr. A. Kirchhofs, Vorsitzender des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S.; Regierungsrat Dr. Königs, Düsseldorf; A. Lammers, Herausgeber des „Bremer-Handelsblattes und des „Nordwest" in Bremen ; Dr. Oskar Lenz; Dr. v. Löher, Königl. Geheimer Rat, Reichsarchiv-Direktor und Professor, München; Friedrich Lösener, Schiffsreeder, Hamburg; Commercienrat Lotichius, Präsident der Wiesbadener Handelskammer, St. Goars« hausen a. Rhein; Hermann Freiherr v. Maltzan, Franksurt a. M.; Freiherr v. Marschall, Mitglied der I. badischen Kammer; H. H. Meier, Mitglied des Reichstags, Bremen; Geheimer Regierungsrat Melbeck, Solingen; Hosrat Dr. A. B. Meyer, Direktor des Königl. Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museums, Dresden;