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DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postansial- ten kommt der Postausschlag hinzu.

für den

Mittwoch den 6.Dezember 1882.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Bei der, dem Plane gemäß, heute vor Notar und Zeugen stattgefundenen Tosten Serien-Ziehung des vormals kurhessischen, bei dem Bankhause M. A. von Rothschild u. Söhne zu Frank­furt a. M. aufgenommenen Staats-Lotterie-An- lehens vom Jahre 1845 sind folgende 100 Serien- Nummern gezogen worden:

109 149 203 249 354 376 501 579 687 755 757 815 904 913 936 1009 1104 1125 1143 1169 1210 1238 1265 1300 1331 1380 1503

1506 1579 1675 1877 1910 1924 1927 2040 2160 2166 2250 2284 2295 2417 2457 2488 2507 2571 2685 2706 2809 2901 3043 3220 3263 3302 3487 3525 3633 3652 3800 3947 3972 4106 4128 4141 4263 4313 4321 4342 4392 4428 4739 4943 5072 5088 5091 5117 5249 5292 5366 5387 5399 5553 5852 5872 5881 5926 5946 5948 6031 6119 6278 6299 6311 6314 6346 6364 6421 6480 6504 6533 6674.

Wir bringen solches hierdurch zur öffentlichen Kenntniß.

Gaffel den 1. December 1882.

Königliches Regierungs - Präsidium, von Brauchitsch.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 4. Dezember 1882.

Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 7. September 1878 Nr. 8976 (Kreisblatt Nr. 73) werden die Herren Ortsvorstände von

Ausbach, Motzfeld, Sorga, Malko- mes, Rohrbach, Tann, Allendorf,^ Biedebach,Hilperhausen,Kalkobes, Rotensee, Oberrode, Unterneurode,

Gethsemane und Roßbach

davon in Kenntniß gesetzt, daß am Mittwoch den 13. d. MtS. von Morgens 8£ Uhr an die Prüfung der für die genannten Gemeinden bestellten neuen Feuerspritzen auf dem hiesigen Marktplatze in der unten angegebenen Reihenfolge vorgenommen und gleichzeitig die Ablieferung der­selben an die Gemeinden 2c., sofern das Ergebniß der Probe solches zuläßt, stattfinden soll.

Die Herren Oberbrandmeister, welche namentlich für den Fall meiner Verhinderung mit der Leitung des fraglichen Geschäftes hiermit betraut werden, ersuche ich zu der angegebenen Zeit auf der Prü­fungsstelle Sich gefälligst einfinden zu wollen, wobei ich, was die Prüfung selbst anbetrifft, auf das Reglement vom 20. Mai 1879 (abgedruckt im Kreisblatt Nr. 98) Bezug nehme.

Die übrigen Herren Commissions-Mitglieder sind von mir besonders eingeladen worden.

15261. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Broich.

Reihenfolge für die Prüfung der Spritzen:

Ausbach, Gethsemane, Unterneurode, Motzfeld, Malkomes, Allendorf, Hilperhausen, Roßbach, Biedebach, Tann, Rohrbach, Rotensee, Sorga, Oberrode, Kalkobes.___________

Hersfeld, den 4. Dezember 1882.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche noch mit Einreichung des Verzeichnisses über den Pferde- und Rindviehbestand pro 1882 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 15. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert. 1107311. Der Königliche Landrath ________Freiherr von Broich.

§er§felb, den 4. Dezember 1882.

Für den Georg Friedrich Glebe aus Nieder- aula, 18 Jahre alt, ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

15269. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Gefunden: ein Geldbeutel mit Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Recke- rode.

Jlussicöleii Des Deutschen Parlamentarismus.

(Fortsetzung.)

III.

Frankreichs parlamentarische Geschichte wird nächstens hundert Jahre alt sein. Wenn man, wie billig, von den revolutionären Convulsionen der ersten Republiken und von den kurzlebigen, innerlich verlogenen constitutionellen An­läufen der beiden Kaiserreiche absieht, so zerfällt diese Ge­schichte in vier Kapitel. Vier Mal: zur Zeit der restaurirten Bourbonen, unter dem Bärgerkönig Ludwig Philipp, unter der zweiten und endlich unter der dritten, auf den Trümmern des zweiten Kaiserreiches errichteten Republik ist Frankreich in der Lage gewesen, das parlamentarische Regime erproben und nach seinem Ermessen einrichten zu können.

Drei Mal hat dieses Regime Bankrott gemacht, der vierte Bankrott wird voraussichtlich noch von unserem Geschlecht und jedenfalls vor der Wende des Jahrhunderts erlebt werden.

Sache einer summarischen Betrachtung kann es nicht sein, auf die elf Verfassungen einzugehen, die seit dem Jahre 1789 erlassen wurden und die hundert Mal erzählte Ge- schichte der drei ersten parlamentarischen Experimente Frank­reichs zum hundert und ersten Male zu erzählen. Daß der erste, hoffnungsvollste und ehrlichste dieser Versuche an der Unfähigkeit der Parteien zur Begründung solider ministerieller Mehrheiten und an der Unbelehrbarkeit des Radicalismus scheiterte, und daß die verbrecherische Thorheit vom Juli 1830 mit den Thorheiten im engsten Zusammen­hang stand, deren die liberalen Parteien sich dem Mini­sterium Martignac gegenüber schuldig gemacht hatten, steht in jedem politischen ABC-Buch; die Geschichte des parla­mentarischen Elends unter dem Julikönigthum hat K. Hille, brand neuerdings so vortrefflich erzählt, daß ohne Weiteres aus seine Darstellung exemplificirt werden kann. Vielleicht das merkwürdigste dieser vier Bücher französischer parla­mentarischer Geschichte ist das dritte. Die Unfähigkeit, welche die Parlamentarier der Jahre 1848 bis 1851 dem Präsidenten Napoleon gegenüber bewiesen, übertraf diejenige ihrer Vorgänger aus der Zeit des Bürgerkönigthums um ein ebenso Beträchtliches, als der Parlamentarismus der Jahre 1830148 hinter demjenigen der Restaurationszeit zurückgestanden hatte. Die Entwickelung war eine rückläufige, die Erfahrung der einen Generation anscheinend nur dazu dagewesen, das Urtheil und die praktische Umsicht der salzenden zu verwirren und zu vermindern. Der parla­mentarischeWille zum Leben" nahm so rasch ab, daß das Vaterland der festländischen Constitutionen säst ein halbes Menschenalter lang absolutistisch regiert wurde.

Wenn es mit der Absage, welche unsere Liberalen dem Glauben an das parlamentarische System und dessen An­wendbarkeit auf Preußen und Deutschland gegeben zu haben behaupten, halbwege seine Richtigkeit hätte, so könnten an dieser Stolle alle Ausführungen über die dritte französische Republik gespart werden. Eine leidlich unbefangene Beur­theilung der neufranzösischen Entwickelung würde sich an der einfachen Thatsache genügen lassen, daß das erste der drei seit der Septemberkatastrophe gewählten französischen Parlamente acht Veränderungen im Vorsitz des Ministeriums, das zweite fünf, das dritte (im Verlauf von acht Monaten) drei solche Veränderungen herbeigeführt hat, daß binnen zwölf Jahren zwei ultramontane und drei republikanische Perioden über Frankreich hinweggegangen sind, daß während des aus den Commune-Aufstand folgenden Jahr­zehntes kein einziges socialreformatorisches Gesetz zu Stande gekommen ist*), daß alle Versuche zum Abschluß von Alliancen und zur Wiederherstellung von Frankreichs europäischer Stellung gescheitert, endlich die unzweifelhaft großen und wichtigen ägyptischen Interessen des Landes in einer Weise preisgegeben worden sind, die in der Geschichte der neueren Zeit beispiellos dasteht. Diese Thatsachen sind unseren Liberalen ebenso gut bekannt, wie anderen Leuten: aus denselben ein Facit zu ziehen, hat man indessen bis zur Stunde unterlassen, weil man demPrincip," nämlich dem parlamentarischen, nichts vergeben zu dürfen glaubte.

*) Alle Anträge während der letzten Jahre zu socialen Reformen find von der Mehrheit der republikanischen Linken unter nichtssagenden Gründen aus die lange Bank geschoben worden. Wir nennen hier nur die Vorlage zur Errichtung von Arbeitskammern und die beiden Vorlagen von Haft­pflicht- und Unfallversicherungsgesetzen. Letztere beiden waren noch von Felix Faure, dem derzeitigen Unterstaats­sekretär im Handelsministerium, ausgearbeitet; aber als sie von dem Kabinet Freycinet in der Kammer vorgebracht wurden, mußten die Gambettisten gegen das eigene Mach­werk ihrer Führer stimmen, nur um der Regierung keinen positiven Erfolg zu lassen. Endlich wurde auch die Vor­lage über die Rechte der kleineren Associationen und Syndicate zu Fall gebracht.

Das ist um so merkwürdiger und bedeutsamer, als keinem Verständigen in den Sinn kommen kann, der liberalen deutschen Presse Vorliebe für Frankreich vorzuwerfen oder in Abrede zu stellen, daß diese Presse in der Beurtheilung internationaler Fragen im Laufe der Jahre gewisse, wenn auch immer noch ziemlich bescheidene Fortschritte gemacht hat. Wenn man im liberalen Lager nichtsdestoweniger bis zur Stunde Bedenken trägt, das Ergebniß der neu­französischen Entwicklung bei seinem Namen zu nennen, so ist das allein daraus zu erklären, daß Präjudizien gegen die Ersprießlichkeit des festländischen Parlamentarismus um jeden Preis aus dem Wege gegangen werden soll.

(Fortsetzung folgt.)

Festschrift zur Frier des WMrigen Destehens der Versuchsstation des Landwirthschaftlichen Cen­tratvereins für den Regierungsbezirk Lasset im Auftrag des Direktoriums des Vereins verfaßt von Professor Dr. Th. Dietrich.

Unter den Anstalten, welche der landwirthschaftliche Central- verein für den Regierungsbezirk Kassel (das ehemalige Kurfürstenthum Hessen) Dank seiner fortwährenden trefflichen Leitung ins Leben gerufen hat, ist die landwirthschastlich- chemische Versuchsstation die älteste; dieselbe blickt heute auf ein 25jähriges Bestehen zurück, heute vor 25 Jahren, am 1. Oktober 1857, begann sie ihre Thätigkeit.

Wir wollen diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne einen wenn schon nur flüchtigen Blick zurückzuwerfen auf die Entstehung der Station, ihre Entwicklung und ihre Thätigkeit, ohne der Männer zu gedenken, denen sie ihre Entstehung verdankt.

Die Versuchsstation Kurhessens zählt zu den älteren ihrer Schwesteranstalten, ihre Gründung fällt in die Zeit der Entstehung der ersten deutschen Stationen und ist ein ehrendes ^Zeugniß von dem Verständniß, welches bereits danials unter den hesiischen Landwirthen und den Leitern ihrer Vereine von der Wichtigkeit dieser Anstalten vor­handen war.

Wenn man aus die Entstehung der deutschen agrilultur« chemischen Versuchsstationen zurückblickt, so darf man nicht eines Mannes vergessen, der bereits zu Anfang unseres Jahrhunderts den Einfluß der Naturwissenschaften auf den Betrieb der Landwirthschaft würdigte und für deren Be­rücksichtigung eintrat. Albrecht Thär, den die deutschen Landwirthe in dankbarer VerehrungVater Thär" nennen, war es, dem der Gedanke vorschwebte, der 40 Jahre später in der Errichtung agrikulturchemischer Versuchsstationen seine Verwirklichung fand. Wir können uns nicht versagen, die bezüglichen Worte Thüre, mit welchen er feine 1809 erschienenenGrundsätze der rationellen Landwirthschaft" einleitete, hier wiederzugeben und voranzustellen. Sie lauten:

Die Wissenschaft des Ackerbaues beruht auf Erfahrung, Erfahrung aber aus Ergründung der Ursachen der Er­scheinungen.

Erfahrungen machen wir durch Beobachtungen von selbst zusammentreffender Körper und Potenzen und deren Einwirkung auf einander, oder durch Versuche, indem wir wohlbekannte Dinge in genau bestimmten Verhältnissen zu­sammenbringen, ihre Wechselwirkung beobachten und dabei möglichst verhüten, daß nichts Fremdes oder Unbekanntes, was Einfluß auf den Erfolg haben kann, sich einmische.

Auf die Kunst, Versuche anzustellen, gründet sich vor­züglich die Gewalt des Menschen über die materielle Welt, und er kann diese um so weiter ausdehnen, je mehr er jene Kunst vervollkommnet und in Ausübung bringt.

Ganz vollkommene und reine Versuche sind fast nur in einem isolirten Raume, unter der Glocke des Naturforschers und im Laboratorium des Chemikers möglich. Sie liegen außer dem Wirkungskreise des eigentlichen Landwirths; ihre Erforschung, Kenntniß und genauere Anstellung ist jedoch von höchster Wichtigkeit für die Lehre vom Ackerbau.

Besonders wichtig aber auch sind für die Landwirth« schast, wie sür jede andere Erfahrungswissenschaft die comparativen Versuche unter freiem Himmel, bei welchen die einwirkenden Dinge selten nach Willkür herbeigeschafft und entfernt, ebensowenig gemessen und gewogen werden können, weshalb, um die Wirkung eines in unserer Gewalt stehenden Dinges zu erforschen, nur dieses einzige in ver­schiedenen, zugleich und neben einander angestellten Ver­suchen zugesetzt und weggelassen, quantitativ und qualitativ verändert, alles übrige aber möglichst gleich erhalten wer­den muß. (F. f.)

WMische Nachrichten.

Deutschland.

# Das Abgeordnetenhaus erledigte am 1. De­cember den Justizetat vollständig und begann auch die Berathung des Etats des Finanzministeriums. Obgleich die vorgeschlagenen Summen bei den ein­zelnen Titeln keine Aenderung oder Abstriche er-