Nr. 6.
Areis
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal- ten kommt der Postaufschlag hinzu.
für den
Kreis yersfesh.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Lmlsiches.
Der Herr Ober-Präsident hat mittelst Erlasses vom 22. Dezember v. I. dem Vorstand der Än- stalt „Bethel" für Epileptische in Bielefeld in Berücksichtigung der fortdauernd stattfindenden unentgeltlichen Aufnahmen von zahlreichen unbemittelten Kranken aus der Provinz Hessen-Nassau in die gedachte Anstalt gestattet, zum Besten derselben auch in den Jahren 1883 und 1884 je einmalige Sammlungen freiwilliger Gaben beiden Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau veranstalten zu dürfen.
Die Berwaltungs- und Polizeibehörden unseres Bezirks werden hierdurch veranlaßt, dafür Sorge zu tragen, daß den zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden.
Wir bemerken, daß die Collectanten mit Seitens des Vorstandes der Anstalt ausgestellten und von der Polizeibehörde zu beglaubigenden Legitimationspapieren und paginirten Sammellisten bei den Ein- sammlungen versehen sein müssen.
Lasset, den 4. Januar 1883.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Der Herr Minister des Innern hat mittelst Erlasses vom 21 ften v. Mts. dem Vereine zur Förderung der Hannoverscheu Landes-Pferdezucht die Erlaubniß ertheilt, bei Gelegenheit der im Jahre 1883 zu Hannover stattfindenden Rennen eine öffentliche Verloosung von Pferden und für Pferdebesitzer brauchbaren Gegenständen 2C. zu veranstalten und die betreffenden Loose in dem ganzen Bs- reiche der Monarchie abzusetzen.
Die Berwaltungs- und Polizeibehörden unseres Bezirks werden hierdurch veranlaßt, dem Vertriebe dieser Loose ein Hinderniß nicht in den Weg zu legen.
Lasset den 9. Januar 1883.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
' Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 20. Januar 1883.
Die Herren Ortsvorstände zu:
Eichhof, Eitra, Friedlos, Frielingen, Goß- mannsrode, Holzheim, Kathus, Kirchheim, Kleba, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Rohrbach, Sieglos, Taun, Wippershain, Friedewald, Gethsemane,Harnrode, Heimboldshausen, Heringen, Kleinensee, Atotzfeld, Oberlengsfeld, Röhrigshof und Unterneurode werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 30. Dezember 1882 Nr. 16224 im Kreisblatt Nr. 1^83, die im Jahre 1^82 ohne Entlassung ausgewanderten Personen rc. betiMild, mit Frist bis unu 23. d. MtS. ^acp- mittagS 2 Uhr bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
16224; 82. Der Königliche Landrath
'__________________Freiherr von Broich.
HerSfeld, den 20. Januar 1883.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 5. Juli 1882 Nr. 8773 im Kreisblatt 3tr. 53, die Berichtigung des Verzeichnisses der in die Pflichtfeuerwehr einzureihenden Mannschaften betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 29. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.
8773 i 82. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.
HuslWcn öes Deutschen Parlamentarismus.
(Fortsetzung.)
Den „parlamentarischen" Gebrauch, die Thronrede mit einer sog. Adresse zu beantworten, sind wir einstweilen losgeworden: daß er demnächst wieder ausgenommen werden werde, scheint bei den Stimmungen, welche sich unserer liberalen Opposition zu bemächtigen beginnen, kaum zweisel- Haft. Von Ausnahmesällen (die wohl nicht erst aufgezählt zu werden brauchen) abgesehen, gehört auch dieser Brauch zu denen, „wovon der Bruch mehr ehrt, als die Befolgung."
Wo die Regierung wesentlich ein Ausschuß der Mehrheit ist, wo die Adresse das Verhältniß beider zu einander, die Adreßdebatte die Stellungnahme der in die Opposition gerückten ehemaligen Regierung zu dem Programm ihrer Nachfolgerin bezeichnet, erscheint diese Uebung durchaus zweckmäßig und sinnvoll, — wo diese Voraussetzungen nicht zulressen, findet das Gegentheil statt und tragen Adresse und Adreß. Debatte nur dazu bei, Ansprüche und Reibungen zu erzeugen, die entweder zu gar Nichts oder zur Steigerung der Begriffsverwirrung führen.
Das Nämlich» gilt von den meisten folgenden Acten dieser Kamödie der Irrungen; denn auf eine solche kommt es heraus, wenn ständische Vertreter, die mit den Geschäften der großen internationalen Politik niemals die leiseste Berührung gehabt haben, ihre Ansichten über die diplomatische Tagesordnung von der Tribüne herab zum Besten geben oder auf die Ertheilung von Auskünften dringen, die entweder zum Schein ertheilt oder rundweg verweigert werden. Ob das bei Gelegenheit der Adreß- oder der Budget-Debatte geschieht, ist völlig gleichgültig, weil auch diese letztere in nicht parlamentarisch regierten Staaten einen andern Sinn, als in parlamentaristischen hat. Kein Mensch wird bestreiten, daß der Volksvertreter, wenn er Auskunft über die Verwendung öffentlicher Mittel verlangt oder gewisse Arten dieser Verwendung beanstandet, nur seines Amtes wartet. Wird diese Gelegenheit dagegen zu principiellen Jnfrage- stellungen des von der Regierung befolgten Systems und zu Anpreisungen der Fractionssysteme ausgebeutet, so kann das nur dazu führen, das Mißverhäliniß zwischen Anspruch und Erfüllung, Können und Wollen, in das Licht zu rücken, die praktischen Gesichtspunkte zu verwirren und die Atmosphäre zu verderben, in der die Betheiligten sich bewegen. Unvermeidlicher Weise erzeugt diese Art der Sachbehandlung die falsche und regelmäßig ad absurdum geführte Vorstellung, als gelte es einen Kamps um die Regierung selbst und als müsse das Resultat der gelieferten Redeschlacht nicht nur lgr die behandelte Materie, sondern für die gesummte Zukunft der Theilnehmer an derselben entscheidend sein. Daher das immer wiederkehrende Gerede von „unvermeidlichen Krisen," die doch weder unvermeidlich noch kritisch sind — daher endlich die falsche und gemeinschädliche Vorstellung, als müsse jede Meinungsverschiedenheit zwischen Regierung und Volksvertretung zu einem „Conflict" führen. An dem einfachen Resultat, daß Vorlagen, über die eine constitutionelle Verständigung nicht erzielt wird, eben nicht zu Stande kommen, läßt man sich nicht genügen. Die Sache erhält — Dank der Vorstellung, daß wir eigentlich unter der Herrschaft des parlamentarischen Regimes lebten, eine tragische Drapirung, die das öffentliche Urtheil und schließlich das öffentliche Gewissen verwirrt: hätte dem Mißerfolge der Regierung doch „eigentlich" daS Opfer einer Abschlachtung der unterlegenen Minister gebracht werden müssen!
Diese aus lauter verlogenen Fictionen zusammengesetzte Kette ließe sich noch weiter verfolgen. Es ließe sich mühe, los Nachweisen, datz das Sträuben gegen die durch die doppelte Reihe unserer parlamentarischen Aufgaben geradezu unvermeidlich geworbene Verlängerung der Budgelperioden, der Hauptsache nach auf dieselben Fictionen zurückzuführen ist, und daß die w>se»llichne Ur;a^e des Rückganges der Autorität unserer Parlamente keine andere als das Miß- Verhältniß zwischen den Ansprüchen und den für unsere Volksvertretungen überhaupt möglichen Leistungen ist, — daß die Parlamente, wenn sie sich zu beschränken wußten, nicht verlieren, sondern gewinnen würden u. s w. Für das hier betrachtete Verhältniß genügt der Nachweis, daß der angebliche oder wirkliche 'Verzicht des Liberalismus auf die parlamentarische Regierungsweise ein inhaltsloses Wort, eine bloße Redensart ist, so lange man das in thesi aufgegebene Synem der gesummten politischen Praxis, — der parlamentarischen, wie der außerparlamentarischen — zu Grunde legt und von der Chamäleonsspeise körperloser Fictionen lebt. So lange daran festgehalten wird — und das wird voraussichtlich noch lange wahren, — erscheint ein gedeihliches Zusammenwirken von Regierung und Volks- vertretung nur als Ausnahme möglich und werden die unerquicklichen Zustände, die alle Welt als Abnormitäten beklagt, regelmäßig w ederkehren. Wahrheit ist die Grundvoraussetzung jeder gedeihlichen Ehe und diese Wahrheit fehlt der Ehe zwischen Regierung und Volksvertretung in Preußen und in Deutschland.
VIII.
Wer heut zu Tage gegen den „reinen" Parlamentarismus in die Schranken tritt, ist unvermeidlich dem Verdacht ausgesetzt, dem Absolutismus Handlangerdienste leisten zu wollen. Wenn nicht dem reinen, nackten Absolutismus, so dem verhüllten, „der noch schlimmer ist." Was bleibt denn — so. wird gefragt — für unsere Parlamente übrig, wenn man! ihnen noch engere, als die vorhandenen Grenzen ziehen, । wenn man der Volksvertretung Anspruch und Aussicht auf eine Erweiterung ihrer Sphäre bestreiten will. Sollen Reichstag und Landtag zu bloßen Steuerbewilligungsmaschinen Herabsinken, so thut man am besten „die Boutique ganz zu schließen" — und wie die für dergleichen Fälle herkömmlich gewordenen Redensarten sonst lauten.
„Alles oder Nichts" ist von jeher die Devise des Radica- lismus gewesen und darum mit dem Radikalismus über
haupt nicht zu reden. Die den Kopf klar behalten haben, missen, daß Credit und Einfluß einer Institution am besten ausgehoben sind, wenn sie sich zu beschränken wissen.
Unsere parlamentarischen Einrichtungen sollen bleiben was sie sind, — nur daß der Verzicht, den ihre Vertreter auf die Durchführung des sogen, parlamentarischen Systems stillschweigend geleistet haben, ausdrücklich geleistet und in der politischen Praxis bethätigt werden soll. Das dünkt uns würdiger, als ein Werben, das entweder nicht ernstlich gemeint oder dazu verurtheilt ist, aus unabänderlichen, von uns gar nicht abhängigen Ursachen unerhört und unerfüllt zu bleiben. — Wer den Beruf, an der Gesetzgebung Theil zu nehmen, das Volksbedürfniß zur Geltung zu bringen, das Staatsinteresse mit dem Interesse der Staatsbürger in Einklang zu setzen, — für der Würde des Volksvertreters nicht entsprechend ansieht, weil anderswo anspruchsvollere Parlamentsarbeit gethan wird, versteht den deutschen Staat ebenso wenig, wie das deutsche Volk und setzt sich dem Verdacht aus, die unfruchtbare und eitle Schönthuerei einer , hinter der Erfüllung ihrer wahren Aufgaben beständig iftr^ rückbleibenden Parlamentskomödie mit dem Wesen der Sache zu verwechseln, und das Parlament nicht für eine Arbeitsstätte, sondern für den Tummelplatz des Ehrgeizes anzu- sehen. Diese Anschauung zur herrfchenden machen und 2 Ehrenamt in ein yanbmerf, in eine „Carrläre" verwandeln, hieße die größte aller überhaupt möglichen Gefahren für die deutsche Entwickelung herausdeschwören. (Schluß folgt.)
Verbandstag der Darlehn-Kaffeu-Vereine.
Der Verbandstag der Hefsen-Kassel'schen Darlehnkaffen- Vereine fand am 23. November zu Messungen statt und halten sich trotz der ungünstigen Witterung und der Wasser- fluthen, welche den Besuchern mancherlei'Hinderniffe in den Wrg legten, 50- 60 Personen eingefunden, theils Vertreter von Vereinen, theils solche, welche für die Gründung und Äerbrei,>ng tMer Kassen Jnlereffe zeigen. Herr Landrath Freiherr von Broich von Hersfeld und der Generalsikretär des landwirthschaftlichen Zentralvereins, Herr Oberamtmann Thon von Kassel, beide eifrige Beförderer der Bestrebungen der Vereine, waren erschienen. Durch Delegirte waren vertreten die Darlehnkassenvereinezu Solz, Nieberaula, Melgers- Hausen, Stadt Hersfeld, Unterhaun, Guxhagen, Jba, Korke, Dagobertshausen und der Verein Tambach, Kreis Schmal- talben.
Bei dem Bestreben der Vereine möglichst bald den Geschäftsbetrieb beginnen zu können, konnte es nicht ausbleiben, daß die Vereine sehr von einher abweichende Bestimmungen in ihre Statuten aufgetr,mmen, wodurch nicht allein für eine einheitliche Leitung des Verbandes mancherlei Schwierigteilen entstehen dürften, sondern auch Fälle eintreten können, welche für die Vereine selbst und das Geld darleihende Publikum Unzulrägiichkeiten im Gefolge haben.
Bei dem Beginn der Verhandlungen wurde deshalb Diel« fettig anerkannt, daß unter Zugrundelegung der Raiffeisen'schen Normal-Statuten für sämmtliche dem Verband beigetretenen und noch beizuirelende Vereine gleiche Statuten erstrebt werden sollten, und wurde eine Kommission zur Ausarbeitung gleichlautender Statuten erwählt.
In der hierauf folgenden Besprechung über die Entwickelung der einzelnen Vereine, die Erfahrungen, welche im Geschäftsbetrieb gemacht worden sind, die Beschaffung der Geldmittel u. j w., zeigte sich, daß die jungen Vereine bereits schöne Erfolge aufzuweisen im Stande sind. Einzelne Vereine haben in einem Jahr einen Umsatz von 50—70,000 M. erzielt, ohne daß sie genöthigt waren, Geld von Personen zu entnehmen, welche nicht Mitglieder der Vereine sind. Es wurde vielseitig hervorgehoben, Laß die Abträge der Schuldner pünktlich und regelmäßig erfolgen, daß der wohlthätige Einfluß auf die Befriedigung des Geldbedarfs der Vereinsmitglieder und die Bewahrung der Bevölkerung vor wucherischer Ausbeutung deutlich zu Tage trete und die Vereinskassen keinerlei Einbuße erlitten haben, der Gemeinst nn der Bevölkerung werde gehoben und das Streben zu gegenseitiger Hülfeleistung trete immer deutlicher hervor.
In der weiteren Debatte wurde darauf hingewiesen, daß eine Verbindung unserer Darlehnkaffen mit den Kreis, und städtischen Sparkassen in der Weise erstrebt werden müsse, daß die Vereine nölhigenfalls ihren Geldbedarf aus diesen Kassen entnehmen und ein Konto-Korrent mit denselben eröffnen könnten. Eine Aenderung der Statuten der letzteren Kassen müsse erstrebt werden, was um so leichter ausführbar erscheine, da die Darlehnkaffen statutenmäßig solidarische Haftverbindlichkeit ihrer Mitglieder anordnen, deshalb vollständige Sicherheit böten, und in den Kreis- und stabilst . Sparkassen stets Geldvorräthe vorhanden seien, welche we. - mangelnder Verwendung zu niederem Zinsfuß in Siaatb- papieren angelegt werden mühten. Die Bestrebungen des Herrn Landrath von Broich, die ständische Schatzkaffe zur Verwilligung von Darlehn an die Vereine zu veranlassen, wären leider erfolglos geblieben, da die Verwaltung der Kasse diese Ausleihung als unausführbar bezeichnet haben.
(Schluß folgt.)