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Nr. 9.

Matt

Mittwoch den 31. Januar 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal­ten kommt der Postaufschlag hinzu.

für deu

«Kreis ^erstefö.

Bekanntmachungen aller Art werde« ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Tief gerührt durch die vielen Beweise der Liebe und Theilnahme, welche Uns am fünfundzwanzig­sten Jahrestage Unserer Vermählung erfreuten, fühlen Wir Uns zugleich durch das Bewußtsein beglückt und gehoben, daß in der Hauptstadt, wie im ganzen deutschen Vaterlande, ja weit über dessen Grenzen hinaus Unser Familienfest den Anlaß geboten hat, das Gefühl fester Gemeinschaft ohne Ansehen von Rang und Stand und ohne Unter­schied des Stammes oder Bekenntnisses in der Treue zu Kaiser und Reich uub in der Anhäng­lichkeit an den Träger der deutschen Krone und Sein Haus aufs Neue zu bekunden.

Beglückwünschungen in Briefen und Telegrammen, dichterische und sonstige künstlerische Gaben, reiche Blumenspenden und Huldigungen mannichfachster Art sind Uns in einer Fülle zugegangen, daß Wir darauf verzichten müssen, den Vertretern städtischer und anderer Gemeinwesen, den Körperschaften, den Vereinen, Anstalten und Privatpersonen im Ein­zelnen zu danken. Wir wählen diesen Weg, um alle Diejenigen Unserer herzlichen Erkenntlichkeit zu versichern, welche Un§ in der Nähe und aus weiter Ferne freundlichen Autheil bewiesen. Dabei geben Wir gern Unserer besonderen Genugthuung Ausdruck, daß Unsere Silberhochzeit Veranlassung geworden ist, durch wohlthätige Stiftungen und durch Sammlungen zu edlen und gemeinnützigen Zwecken dem Tage, an welchem Wir einst Unseren Ehebund geschlossen und mit Gottes Hülfe , das Glück Unseres Lebens begründet haben, durch Muü- thätigkeit und Wohlthun die schönste Weihe und eine Unserem Sinn und Wunsche zumeist ent­sprechende Bedeutung zu verleihen.

Berlin, den 28. Januar 1883.

Friedrich Wilhelm, Victoria, Kronprinz. Kronprinzessin.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Cassel, den 21. Januar 1883.

Wir machen Ew. Hochwohlgeboren darauf auf­merksam, daß auch in diesem Frühjahr wieder Baumwärterlehrlinge im Garten des hiesigen po- mologischen Instituts Aufnahme finden. Bezüglich der Bedingungen, unter denen die Aufnahme statt- findet, verweisen wir auf unsere Circular-Verfüg- ung vom 15. Dezember 1879, A II 12326.

Der Kursus wird den 2. April er. seinen An­fang nehmen.

Gleichzeitig theilen wir Ew. Hochwohlgeboren hierdurch mit, daß auch wieder Edelreiser der in unserer Verfügung vom 16. Dezember 1877 A II 13174 verzeichneten, für die klimatischen Verhält­nisse des hiesigen Regierungsbezirks besonders ge- eigneten Obstsorten an die sich deshalb bei der Administration des Pomologischen Instituts zeitig Meldenden gegen billige Berechnung der Verpackung unentgeltlich verabfolgt werden, soweit der Vorrath reichen wird.

Ew. Hochwohlgeboren wollen das hiernach Er­forderliche baldigst zur öffentlichen Kenntniß bringen, insbesondere auch dahin wirken, daß Seitens der Gemeinden geeignete Leute dem Lehrkursus für Baumwärter zugeschickt werden.-

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

K ü h n e.

Journ. A II Nr. 1128.

An die Königlichen Landräthe 2c. des hiesigen Re­gierungsbezirks.^

Hersfeld,"den 26. Januar 1883.

ZLird den Herren Ortsvorständen des Kreises unter Bezugnahme auf die im Kreisblatt Nr. 104 von 1879 'abgedruckten Bestimmungen zur Ver­öffentlichung in ihren Gemeinden mit der Weisung mitgetheilt, thunlichst dahin zu wirken, daß Seitens der Gemeinden geeignete Leute zwecks Theilnahme an dem betreffenden Lehrcursus entsendet werden

und ist mir zutreffenden Falles darüber entsprechendei Mittheilung zu machen.

1056. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 27. Januar 1883. " Für deu am 24. Mai 1865 zu Niederaula ge­borenen Ludwig Daube ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Aus­wanderung nach Amerika nachgesucht worden. 1107. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich. _ j Hersfeld, den 27. Januar 1883.

Für den am 26. Mai 1867 zu Tann geborenen Karl Heinrich Berk ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

1108. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.__

Hersfeld, den 30. Januar 1883.

Die Witwe des Fabrikarbeiters Jacob Schäfer i Elise geb. Grenzebach von hier hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

1196. Der Königliche Landrath

______Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 30. Januar 1883.

Die Ehefrau des Fabrikarbeiters Friedrich: Christian Leining von hier hat für sich und ihre Kinder um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

1197. Der Königliche Landrath

_____Freiherr von Broich.

Gefunden: ein Portemonnai mit Geld. Mel­dung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Niederjossa.

Zugelaufen: ein gefleckter Hund. Der Eigen­thümer kanndeuselben gegen Erstattung der Futter­kosten bei dem Ortsvorstand zu Lautenhausen in Empfang nehmen.

Hersfeld, den 29. Januar 1883.

Die Hausbesitzer hiesiger Stadt werden hiermit aufgefordert, die für das Jahr 1883 festgesetzte Brandsteuer, welche von je 3000 Mark (1000 Thir.) Versicherungskapital 5 Mark beträgt, in den Tagen vom 2. bis incl. 8. Februar c. unter Vorlage der in Händen habenden Steuerzettel pro 1882 i 83 anher einzuzahlen.

Nach Ablauf des obigen Termins wird gegen die Restanten das Executionsverfahren eingeleitet werden.

Königliche Steuerkasse. Wiskemann, Königlicher Rechnungsrath.

Marthahaus.

Cassel. S a ck I.

Mit guten Zeugnissen versehene, anständige Mädchen, die in Cassel einen Dienst suchen, finden daselbst im Martha- Hause Sack I. freundliche Aufnahme. Diejenigen Mädchen, welche sich im Marthahause den häuslichen Arbeiten unter­ziehen, zahlen täglich für Kost und Logis eine Entschädi­gung von nur 20 Psg. Wenn die Zeugnisse gut sind und das Berhalten eine Empfehlung erlaubt, können die im Marthahause weilenden Mädchen mit Sicherheit darauf rechnen, daß ihnen die vorstehende Schwester in kurzer. Zeit und zwar unentgeltlich eine geeignete Stelle ermitteln wird, weil von den Herrschaften die Hülse des Martha- Hauses zur Erlangung ordentlicher Mädchen sehr stark in Anspruch genommen wird.

Cassel, den 1 6. November 1880.

Der Vorstand des Marthahaujes.

Das Sommer-Semester am Königlichen pomologischen Institute zu Proskau in Schlesien beginnt Anfang April.

Der Unterricht umfaßt während des zweijährigen Cursus aus dem theoretischen und praktischen Gebiete:

a) Hauptfächer: Bodenkunde, Allgemeiner Pflanzen- bau, Obstkultur, insbesondere Obstbaumzucht, Obstkenntniß (Pomologie), Obstbcnutzung, Lehre vom Baumschnitt, Wein- bau, Gemüsebau, Treiberei, Handelsgewächsbau, Land- schaslsgürtnerei, Gehölzzucht und Gehölzkunde, Planzeichnen, Zeichnen und Malen von Früchten und Blumen, Felsmessen und Nivelliren. b) Begründende Fächer: Mathe­matik, Physik, Chemie, Mineralogie, Botanik, Krankheiten j der Pflanzen, mikroskopische Uebungen, c) Nebenfächer: l Buchführung, Encyclopädie der Landwirthschaft.

Anmeldungen zur Aufnahme haben unter Beibringung der Zeugnisse schriftlich oder mündlich bei dem unterzeichneten Director zu erfolgen. Derselbe ist auch bereit, aus porto­freie Anfrage weitere Auskunft zu ertheilen.

Proskau, im Januar 1883. ____Der Director. Stoll.

In der Sitzung des Direktoriums des landwirthschaft- lichen Zentralvereins für den Regierungsbezirk Kassel am 16. Jan. 1883 wurden zu den nach dem Gesetz vom 1. Juni 1882 zu errichtenden Bezirkseisenbahnräthen die nach­genannten Herren als Vertreter des landwirthschastlichen Zentral-Vereins bezüglich als Stellvertreter gewählt.

1) Für den Bezirk der Kgl. Eisenbahn - Direktion zu Hannover in Hannover: Die Herren Oldenburg zu Wilhelmshof, Souchay zu Künzell, Löbbecke zu Marz- hausen. Zu deren Stellvertretern: die Herro-r Do- mänenpachter Plaß zu Mönchehof, Kammerherr von Oer zu Birstein.

2) Für den Bezirk der Kgl. Eisenbahn - Direktion zu Frankfurt a. M. in Frankfurt a. M.: Dieselben Herrn und auch dieselben Stellvertreter.

3) Für den Bezirk der Königl. Eisenbahn-Direktionen zu Köln (rechtsrheinische und linksrheinische) und zu Elbe» seid in Köln : der Generalsekretär, Oberamtmann Thon zu Kassel. Zum Stellvertreter desselben: Guts- und Zuckerfabrikbesitzer Wilhelm Vaupel von Niederhone.

4) Für den Bezirk der Kgl. Eisenbahndirektion zu Erfurt - und der Kgl. Direktion der Berlin-Anhaltinischen Eisen­bahn zu Berlin in Erfurt: Derselbe Vertreter und der­selbe Stellvertreter.

Das Direktorium

des landw. Zentral-Vereins für den Reg.-Bez. Kassel.

W e nd e l st a b t_______

Vertilgung der Blutlaus.

Schizoneura lanigera.

Die Blutlaus oder wolltragende ApselbaumrindenlauS war zu Anfang unseres Jahrhunderts nur auf England be­schränkt; fie erschien 1810 in Jersey, 1814 in der Normandie, Bretagne, und heute ist sie über ganz Frankreich verbreitet, sowie über einen großen Theil Deutschlands, namentlich am Rhein, Baden, Württemberg und Hessen, und scheint allmälig immer mehr nach Osten vorzudringen.

Die Blutlaus, wegen ihres rothen Farbstoffs so genannt, welcher durch Zerdrücken des Körpers zu Tage tritt, kündigt ihre Gegenwart an jungen, noch glatten Rinden der Apsel- bäume durch einen weißen wolligen Streifen oder breiten Fleck schon aus einiger Entfernung an, denn der Körper der einzelnen ist mit einer weißwolligen Ausschwitzung über­zogen, und nach Art aller Pflanzenläuse sitzt immer eine große Gesellschaft saugend beisammen. Diese Laus nun saugt nach Durchstechung der jungen Rinde den Splint aus. Die verderblichen Folgen zeigen sich bald. Während der ange­griffenen Stelle fortwährend Saft entzogen wird, fließt ihr neuer zu, erzeugt durch die Arbeit der Zellen unter der Rinde, und diese veranlassen letztere zum Reißen. An den Rändern der Risse sammelt sich immer mehr Bildungssaft an, dieselben schwellen krankhaft an und die Stelle erhält immer mehr ein grindiges, krebsartiges Aussehen. Weil sich hier aller Nahrungssaft übermäßig ansammelt und höheren Theilen entzogen wird, so kränkelt und vertrocknet das Obere schließlich ganz. Aus dem eben Gesagten geht hervor, daß Baumschulen in Zwergbäumen den Blutläusen die genehmsten Saugstellen bieten und durch sie am meisten gefährdet sind. Aber auch ältere Bäume gewähren ihnen Angriffspunkte, namentlich an schadhaften, von Rinden ent­blößten oder an wunden Rindenstellen, die ihnen den Zu­gang zum Splint gestatten. Hier bringen sie dieselben grindigen Wucherungen zu Wege, verhindern das Vernarben der Wunden und schaffen sich Vertiefungen und Verstecke, in denen man ihnen ohne Entfernung der Wucherungen und Glätten der Oberfläche absolut nicht beikommen kann, An diesen Schlupfwinkeln sitzen sie klumpenweise in allen Größen, als eine schmierige, grauweiße formlose Waffe, welche sich immer wieder ausdehnt, wenn der sorglose Be­sitzer der Bäume sie unbeachtet läßt. Auch an den Wurzeln hat man sie gefunden, wo die Wirkungen ähnliche, wie an den oberen Theilen, sind; hier oben oder in der Erde am Fuße der Bäume überwintern sie vorzugsweise. Mit dem Erwachen des thierischen Lebens finden sich auch die Blut­läuse an den obenbezeichneten Stellen ein als Larven und als erwachsene flügellose Geschlechtsthiere. Nach mehreren Häutungen werden sie geschlechtsreif und zeigen bei 1.5 Millimeter Länge einen gewölbten Körper von röthlich» brauner Grundfarbe, welche durch weiße und bläuliche Woll» säden mehr oder weniger verdeckt wird. Jede Laus bringt, sobald erwachsen, lebendige Junge zur Welt. Es finden sich 3040 Eier im Mutterleibe, und ebensoviel Junge können geboren werden. In der Regel finden 8 Bruten in einem Jahre statt, wodurch sich die schädliche und so rasche Aus­bildung dieses Jnsectes erklärt, denn nimmt man im Durch­schnitt 30 Junge an, so gibt dies bei der ersten Brut 30, bei der zweiten 900, bei der dritten 27,000 und so fort, bei der achten Brut 57 Milliarden Läuse.

Bei den beiden letzten Generationen werden auch Larven geboren mit Flügelansätzen. Aus ihnen entstehen bei der