Nr. 24.
Jhw
Sonnabend den 24. März 1883.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchent» lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal- ten kommt der Postausschlag hinzu.
für den
Kreis Hersseld.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.
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Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf das
Kreisötatt für den Kreis ! Kersfeld.
Dasselbe erscheint mit Beginn des neuen Quartals wöchentlich
JE" dreimal "^M i und zwar Dienstags, Donnerstags und Sonnabends.
Der Abonnementspreis für das „Kreisblatt" : mit der Beilage,»Provinrial-Correspondenz" ’ beträgt pro Quartal 1 Mark 40 Pfg.
haben, da das Kreisblatt' ^Nferttre die „rößt- Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Die Expedition. ।
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Alsfeld, am 21. März 1883.
Betreffend: In der Strafsache gegen Johannes Weller von Ober-Sorg, wegen ^."iliS- Veräußerung.
Das Großherzogliche Amtsgericht Alsfeld an Königliches Landrathsamt in Hersfeld.
Der im anliegenden Steckbrief näher beschriebene Johannes Weller hat sich am 20. d. Mts. früh Morgens heimlich von Ober-Sorg entfernt und hat ein schon bejahrtes Pferd (braune Stute) sowie ein Schwein auf einem Wagen mitgenommen. Vermuthlich hat er die Richtung Lauterbach-Fulda i eingeschlagen um die genannten Gegenstände unterwegs zu veräußern und sodann — vielleicht nach dem Südens?) — zu flüchten.
Wir bitten die Verfolgung nach Möglichkeit zu beschleunigen.
Wahl.
* * *
Hersfeld, den 22. März 1883.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der[ Königlichen Gendarmerie des Kreises zur Recher- chirung und Verhaftung des 2c. Weller im Be- tretungsfalle mitgetheilt.
3923. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Steckbrief.
Gegen den unten beschriebenen Landwirth Johannes Weller von Ober-Sorg, Kreis Alsfeld ' welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Pfandveräußerung verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und tu das Haftloeal zu Alsfeld abzulieferu.
Alsfeld, den 21. März 1883.
Großherzoglich Hessisches Amtsgericht Alsfeld.
Beschreibung: Alter: 30 Jahre, Statur: kräftig, Größe: großgewachsen, Haare: rothlichblond, kurz gewachsen, Bart: keinen, Mund>: breit, Kinn: gewöhnlich, Gesicht: breit und. ordinär, Gesichtsfarbe : frisch, Sprache: Vogelsberger Mundart, Kleidung: grauer Kaisermantel von grobem Stoff, dünkte Hosen. Besondere Kennzeichen: 0.
Hersfeld, den 21. März 1883.
Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß das Königliche Amtsgericht I Abtheilung 84 zu Berlin unterm 9. October 1882 die Beschlagnahme aller daselbst zum Zwecke der Verbreitung im Jnlaude vorfindlichen Exemplare der in Wien 1882 bei dem Buchhändler Alfred Hölder erschienenen Druckschrift: I
„Zur Emancipation unserer Glaubensgenossen von Joseph Ritter von Werthheimer" beschlossen hat, daß die III. Strafkammer des Königlichen Landgerichts I zu Berlin am 17. Januar d. I. dahin erkannt: daß von den in Beschlag genommenen und sonst vorfindlichen Exemplaren der Brochüre: „Zur Emancipation unserer Glaubensgenossen" von Joseph Ritter von Werthheimer Wien 1882 die Seite 5 der Brochüre und die darauf bezüglichen Platten und Formen, soweit sie zu ihrer Herstellung bestimmt sind, unbrauchbar zu machen und die Kosten des Verfahrens außer Ansatz zu lassen, und daß das Urtheil am 9. d. Mts. die Rechtskraft erlangt hat.
3854. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 22. März 1883.
Die ledige Christine Elisabeth Mensel aus Kemmerode, 25 Jahre alt, hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
3934. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Festschrift zur Feier des 25zährigen Kestcheus der Versuchsstation des Landwirthschaftlichen Len- tratvereins für den Regierungsbezirk Lasset im Auftrage des Directoriums des Vereins verfaßt von ..Professor Dr. Th. Dietrich. .
(Fortsetzung.)
Vergleichende Untersuchung von Grün- und Braungrummet. (Ebendas 1862. no)
Vergleichende Untersuchung von Grün- und Braunheu von einem Schnitt und einer Wiese, (Landw. Anz. 1863.)
Dünger und Düngungsversuche.
Versuche zur Uebersührung der menschlichen Excremente in euren concentrirten Dünger und Analyse der sog. Thou'schen Poudrette. (Landw. Zeitschrift 1868. 353.)
Versuche über die Löstichteit verschiedener Phosphate in kohlensüurehaltigem Wasser. (Mitthl. des landw. Centrawer. 1871. 194.)
Dcsgl. in kohlensäurehaltigem Wasser, verdünnter Essig- säure und Humuslösungen. (Hoffmann's Jahresb. 1868—69. 385.)
Ueber schwefligsauren phosphorsauren Kalk. (Landw. Anz. 1870. 9 und 1873. 100.)
Ueber La Plata-, Bolivia-, Schwaneninsel-, Baker- und JarvisGuano. (Landw. Zeitschrift. 1862. 1870)
Ueber Seifensieberasche, Teichschiamm, Moder. (Landw. Anz. unv Zeitschrift 1863. 1866. 1867. 1873 K.)
Untersuchung von Düngesalzen aus Orb, Satzungen, Meerholz, Nauheim, Erfurt (Landw. Anz. 1862. 1863. 1869 u. 1881.)
Düngungsversuche mit Guano unter verschiedenen Zusätzen bei Winterroggen 1857—58. (Landw. Zeitschrift 1862.)
Desgl. mit verschiedenen käuflichen Düngemitteln bei Winterroggen 1859—60. (Ebendaselbst.)
Desgl. mit Knochenmehl in verschiedenem Grade der Zerkleinerung, unaufgeschlossen und mit Schwefelsäure oder Salzsäure aufgeschlossen im Vergleich zu Knochen- Phosphat ohne organische Substanz bei Mitteln 1»58, bei Winterweizen 1858- 59. (Ebendaselbst.)
Desgl. mit stickstoffhaltigen Düngemitteln unter Zusatz von schwefelsaurem Magnesium, ausgeführt 1858—1861 bei Winterweizen, Winlerroggen, Hafer und Kartoffeln. (Ebendaselbst.)
Desgl. mit Kochsalz als Zusatz zu Chilisalpeter und Ammoniaksalzen bei Sommergerste 1860. (Ebendaselbst.)
Desgl. über die Wirkung von Superphosphat und mineralischen Zusätzen bei Gerste 1861.
Desgl. über die Wirkung verschiedener Kalisalze des Handels als Beidünger zu Stallmist 1864 zu Winter- weizen, 1867 zu Ruuteln.
Desgl. über die Wirkung von Superphosphat unter Zusatz von Kalisalz, Ehilisalpeter und schwefelsaurem Magnesium.
Die Resultate der letzteren drei Versuchsreihen kamen nicht zur Veröffentlichung, weil dieselben Ref. zu unzuverlässig erschienen, resp, durch äußere Einflüsse gestört worden waren.
Düngungsversuche über die Einwirkung von Stickstoff, Kali und Phosphorsäure auf quantitativen und qualitativen Ertrag von Mais (Körnern) 1879.
Desgl. über die Wirkung des prücipitirten Kalkphosphats ini Vergleich zu Superphosphat, ausgeführt in Ver- bindung mit Herrn Burghardt, Inspektor der Irren- heilanstalt bei Marburg, 1880, 1881 und 1882 bei
Hafer und Kartoffeln. (Landw. Zeitschrift 1880. Fortsetz. folgt.)
Culrur« und Anbauversuche.
von zahlreichen Kartoffelsorten in den Jahren 1860 und 1866—1870. (Landw. Zeitschrift. 1862. 1866 und 1868.J
von Kartoffeln nach Pinto'scher Methode. (Landw. Anz. 1867. 188)
Den verschiedenen Futter- und Körner-Maisarten. (Landw. Anz. 1868. 185.)
von verschiedenen Mohnsorten zur Ermittelung des Samen« und Opiumertrages (aus Anordnung Königl. Preuß. Ministerium für Landwirthschaft.)
von Topinambur, Schwedischer Trespe, Pastinak. 1867. Vegetationsoersuche in Kästen, unterbrochener Anbau von Hafer 1867—1873 unter verschiedenem Ersatz der dem Boden entnommenen Nährstoffe. (F. f.)
# Ostern I
Das Osterfest mahnt die Christenheit von Neuem, ; über die Sorgen des Tages und über die Alltäglichkeit des politischen und practischen Lebens nicht der Heilsgüter zu vergessen, welche die Menschheit durch oas Leiden und die Auferstehung des Gottessohnes erhalten.
Die Kunde, die einst vom Grabe Christi aus durch alle Welt erschallte: „Christus ist aufer- stand-nl", erhebt auch heute noch' die Christenheit aus dem Wirrsal des irdischen Treibens zu der ; Hoffnung des Glaubens an eine bessere Welt und ! zu dem Ziele, die irdischen Handlungen nach den ; Grundsätzen einzurichten, welche der Stifter mn'Mr ; AMgsi ) auf Erdeu gepredigt. Diese Or»srdsätze r MMfK auch heute 'noch Sir W^> sÄer—die Menschen lassen es in ihrer Unvollkommenheit vielfach an der Verwirklichung derselben fehlen: darum mahnt unK alle Jahre von Neuem däs Fest der Auferstehung an die Ewigkeit und Unsterblichkeit des Gottessohnes und seiner Lehren, welche die Menschheit von den Fesseln der heidnischen Weltanschauung befreit haben und immer von Neuem wieder im Stande sind, denjenigen, der sich diesen Lehren zugänglich erweist, wahrhaft sittlich frei zu machen.
Keine Handlung im Leben kann sich dem Rich- terstuhle der christlichen Wahrheit entziehen, und am wenigsten diejenigen der Politik. Wie würde es mit unserem Vaterlande gut bestellt sein, wenn die politischen Parteien in ihren Handlungen meljr , von den christlichen Grundwahrheiten und von dem I aufrichtigen Bestreben, sie nach Möglichkeit zur Erfüllung zu bringen, durchdrungen wären! Es ist keine „Errungenschaft", sondern eine Erfindung, auf die unsere Zeit nicht stolz zu sein braucht, wenn sie es ängstlich meidet, Politik mit Religion in Berührung zu bringen, und wenn die Forderungen der letzteren mit dem Gefühl einer gewissen Ueberlegenheit als für das praktisch-politische Leben des.19. Jahrhunderts unhaltbar betrachtet werden. Der Streit und Hader der Parteien, welche uns den Genuß der gewonnenen Einheit und Freiheit verkümmern, entspringt der Selbstsucht und dem nur auf das eigene Ich gerichteten Selbstinteresse, : dem Gegenstück zu dem Geiste der christlichen Religion, und führt uns in Zustände, deren Ueberwindung nur durch eine Auferstehung der Macht des christlichen Geistes möglich.
Aber das Bewußtsein von der Nothwendigkeit der Rückkehr zu einer Bethätigung der Lehren des Christenthums in der Politik ist erfreulicher Weise heute doch lebendiger wie noch vor wenigen Jahren. Seitdem der Kaiser die Worte sprach: „Meinem Volke soll die Religion erhalten bleiben", und seitdem die schlimmen Folgen deS Eigennutzes und der Selbstsucht und der nur diese Interessen m Auge haltenden wirthschaftlichen und politisLen Lehren die Regierung veranlaßt haben, die Bethätigung des practischen Christenthums als die oberste Aufgabe des Staates und der Parteien hinzustellen, sind breite Schichten des Volkes wieder an den Werth christlich-religiöser Ideen erinnert und zu ernsterer Bethätigung derselben gefährd i worden.