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Nr. 26.

Hm

Sonnabend den 31. März 1883.

DasKreiSblatt" erscheint wöchcnt» lich zweimal, Mittwochs u. Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark pro Quartal, bei den Postanstal- f rn kommt der Postaufschlag hinzu.

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Jüreis ZerssM.

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Dasselbe erscheint mit Beginn des neuen Quar­tals wöchentlich

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Die Expedition.

flmlsidjes.

Verordnung, betreffend das Verbot oer Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten ame­rikanischen Ursprungs. Vom 6. März 1883.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutsch^

Kaiser, König von P reu neu rc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Lundesraths, was folgt:

§. 1. Die Einfuhr von Schweinen, von schwei- nefleisch, einschließlich der Speckseiten, sowie von Würsten aller Art amerikanischen Ursprungs ist bis auf weiteres verboten.

§. 2. Der Reichskanzler ist ermächtigt, Aus­nahmen von dem Verbot unter Anordnung der er­forderlichen Kontrolmaßregeln zu gestatten.

§, 3. Die Verordnung vom 25. Juni 1880, betreffend das Verbot der Einfuhr von Schweine­fleisch und Würsten aus Amerika (Reichs-Gesetzbl. S. 151), ist aufgehoben.

4. Gegenwärtige Verordnung tritt mit dem Ablauf des dreißigsten Tages nach ihrer Verkun-

dung in Kraft.

Urkundlich unter Unserer yochsteigenhandlgcn Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jufiegel. Gegeben Berlin, den 6. März 1883.

(L. 8.) Wilhelm.

__Fürst v. Lismar ck.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 27. März 1883.

Nachdem der Herr Lehrer Schwarz zu Nieder- ioffa sein Amt als Sachverständiger zur UiUer- suchung des Schweinefleisches auf Trichinen nieder­gelegt hat, wurden:

1) der Ackermann Johannes.Meckbach

2) der Ackermann Johannes Nuhn 2r _ daselbst als Sachverständige in bezeichneter Hinsicht bestellt und eidlich verpflichtet. ,

4073 Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.-

Hersfeld, den 29. März 1883.

Der am 10. Oktober 1857 zu Rothenkircheu Kreis Hünfeld geborene Handelsmann Elias S t e r n dahier hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Ame­rika nachgesucht.

4162. Der Königliche Landrath ______Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 30. März 1883.

Der Webcryeschirrmacher Carl West er man n dahier hat für sich und seine Familie um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

4217. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 30. März 1883.

Für den am 18. September 1867 zu Cassel ge­borenen Wilhelm Daniel Hohmann von hier ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staats­verbande behufs Auswanderung nach Amerika nach gesucht worden.

4195. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 29. März 1883.

Der am 13. Juli 1859 zu Kerspenhausen gebo­rene Tagelöhner Adam Heinrich Roos hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 4161. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

# Zeitbetrachtung.

Die Verbrechen, mit deren Kunde die Welt fort­während, und namentlich in letzter Zeit, in steigen­dem Maße in Aufregung versetzt wird, Verbrechen und Verschwörungen gegen Herrscher, gegen die be­stehende Staatsordnung und ihre Vertreter, wie auch Mordanfälle aus rein persönlichen Gründen, aus Rachsucht oder Habgier, sie sind für den ernsten Beobachter nicht nur ein charakteristisches Zeichen der Zeit, welches ihn zuerst erschreckt, um nachher Gegenstand gleichgültiger Betrachtung zu werden, sondern sie fordern ihn auch auf, über die Mittel nachzudenken, wie diese sich häufenden traurigen Erscheinungen bekämpft und vermindert werden können.

Auch dieNatiollalzeitung" macht dieselben zum Gegenstand einer ernsten Untersuchung und kommt zu dem Schluß, daß die Menschen, wie unvollkommen sie auch sein mögen und wie wenig auch davon eine Besserung zu erwarten sei, doch die Pflicht haben, mit Festigkeit und Ruhe die Heilmittel anzuwenden, von denen sie sich eine Wirkung versprechen, und den Erfolg dem Geschick anheimzustellen. Als Heilmittel nennt sie die Religion, das Wirken der Schule und der Familie; aber auchdie Staats­gewalt so schreibt sie kann viel thun, nicht nur durch das ernste Streben nach jeder möglichen Verbesserung in der Lage der untersten Klaffen, sondern vor allem durch eine Gestaltung des öffent­lichen Lebens, welche die Gerechtigkeit als den Leitstern des menschlichen Lebens erscheinen läßt."

Wir würden derNationalzeitung" unbedingt beiftimmen können, wenn wir sicher wären, daß sie mit den von ihr ausgestellten Begriffen dieselben Vorstellungen verbindet, wie wir. Wohl bedarf es keiner besonderen Hervorhebung, daß die Mitwelt sich wieder mehr von Religion durchdringen lassen muß, wenn wir auch keineswegs der iRetnung sind, daß dieselbe sichdem Geist der Zeit anpassen" müsse. Ebenso ist durch die Erziehung in Schule und Haus eine Stärkung des Pflichtgefühls noth­wendig, welches die Achtung vor dem Nebenmenschen und vor den Verhältnissen, in die der Einzelne ge­stellt ist, erhöht und somit die Unzufriedenheit und die Lust, die Welt und das Schicksal in andere Bahnen zu zwingen, unterdrückt.

Was aber die an die Staatsgewalt gestellten Anforderungen anbetrifft, so ist es erfreulich, daß nun auch die Nationalzeitung derselben eine erhöhte Wirksamkeit zumeist und die Nothwendigkeit aner- kennt, daß die Staatsgewalt die Verbesserung der Lage der unteren Klassen sich zum Ziele setzen, wie auch das öffentliche Leben nach dem Grundsätze der Gerechtigkeit zu gestalten suchen muß. Es fragt sich nur, was man unterGerechtigkeit" versteht.

Von jeher haben fanatische Menschen angebliche Ungerechtigkeiten im politischen Leben zumVorwand und zur Entschuldigung für verbrecherische Thaten gemacht, und wenn Englands öffentliche Einrich­tungen heute von der irischen Revolutionspartei bedroht werden, wenn in Frankreich Arbeiter sich regen, um eine Verbesserung ihres Looses durch Ge­walt zu erzwingen, wenn in Spanien und überall unruhige Köpfe an den bestehenden Staatseinrich-

taugen rütteln, so berufen sich dieselben sämmtlich auf ihre Pflicht, derGerechtigkeit" zum Triumph zu verhelfen, wiewohl die politischen Verfassungen insbesondere von Frankreich und England unserem vorgeschrittenen Liberalismus gerade als Ideale der Gerechtigkeit erscheinen. Die politischen Zu­stände, welche irgend einem Parteiideal der Ge­rechtigkeit entsprechen, führen weder die Menschen ' zur Vollkommenheit, noch mindern sie die Zahl der Verbrechen. Das hat uns die Geschichte aller Zeiten bewiesen. Diepolitische Gerechtigkeit" schützt weder ; vor politischen noch vor socialen Verbrechen. Wohl aber giebt es eine Gerechtigkeit, die über den Par­teien steht und welche in richtiger Erkenntniß und Abwägung der Zustände und Bedürfnisse eines Landes dahin strebt, die Wohlfahrt und das Glück der dem Staate Angehörigen auf jede Weise zu fördern. Wenn die Bestrebungen des Staates hierauf gerichtet bleiben und sich alle Parteien hierin vereinigen, so wird, wenn auch nicht das Verbrechen überhaupt verschwinden wird, so doch der öffentliche Sinn sich mehr und mehr in ruhige : Bahnen lenken. Die Entwicklung der letzten Jahre i in Deutschland bestärkt uns in dieser Ueberzeugung.

Diese Ziele wurden von jeher im Staate der Hohen- zollern verfolgt; zu wünschen ist nur, daß die Parteien der Staatsgewalt hierin mehr und mehr zu Hülfe kommen. Wenn die Nationalzeitung mit ihren oben angeführten Worten dieses Streben meint und unter­stützen will, so kann das nur willkommen geheißen ! werden. Dazu ist aber auch nöthig, daß die Lösung bicer Ausgabe nicht von Bestrebungen durchkreuzt wird, welche angeblich im Sinne der Gerechtigkeit - auf eine Vervollkommnung der politischen Rechte ausgehen und durch Angriffe auf die politiWn Einrichtungen das Vertrauen in die Absichten der Regierung erschüttern.

Politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaifer hatte sich in Folge der ungünstigen Witterung zu Anfang der Char- woche eine Erkältung zugezogen, welche ihn eine Reihe von Tagen an's Zimmer fesselte und ihn vom Charfreitag ab sogar nöthigte, das Bett zu hüten. Erfreulicherweise ist jedoch seit einigen Tagen eine entschiedene Besserung eingetreten, so : daß se. Majestät am zweiten Osterfeiertage das Bett wieder verlassen konnte. Bei dem hohen Alter des Kaisers ist jedoch noch längere Vorsicht noth­wendig. Aus diesem Grunde haben and) feste Be- , stimmungen über eine Frühjahrsreise Sr. Majestät noch nicht getroffen werden können.

Am 1. April vollendet der Reichskanzler Fürst L i S m a r ck sein 68. Lebensjahr. Schon leit langen Jahren pflegt man überall, wo deutsche Herzen schlagen, an diesem Tage in Dankbarkeit des Staatsmannes zu gedenken, dessen Politik und Thatkraft den Deutschen die Einheit, Ehre, Ruhm und Ansehen im Rathe der Völker hat erringen helfen. Der Wunsch, daß es ihm noch lange ver­gönnt sein möge, seine Dienste dem Kaiser usw dem Baterlande zu widmen, ist heute aber um so allgemeiner und aufrichtiger, als einerseits die Anstrengungen seines arbeitsreichen Lebens seinen Gesundheitszustand beeinträchtigt haben, und als ; er sich andererseits neue große Aufgaben der inneren Politik gestellt hat, mit deren Lösung er die wirth- schaftliche Erstarkung und gesunde Weiterentwick­lung des Deutschen Reichs austrebt. Wie auch einzelne Parteien zu den von ihm angeregten Fragen sich stellen mögen, darüber kann auch bei ihnen kein Zweifel sein, daß bei diesem Streben sein einziger Compaß das Wohl des Staates ist, und daß es ein Glück für das deutsche Volk ist, daß der Kanzler eS auf den Weg geleitet hat, den wirthschaftlichen Fragen eine erhöhte Auf­merksamkeit zuzuwenden, weil hierin die Grund­bedingung für die Erhaltung, Gesundung und Befestigung des in heißen Kämpfen Errungenen liegt. Alle Diejenigen aber, welche davon überzeugt