Nr. 30.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
für den
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
M^MW^m» Bestellungen auf das „Kreis- freilich zu den Ausführungen des vortrefflichen Blatt" werden noch fortwährend : Militärschriftstellers den Vorbehalt macht, daß sich von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief- dieselben nicht überall mit seinen (des Tageblatts) hör f&rtaöhtftnrt nnnönnmmö»! ' Mföhnitit m/iöh hör^on nhör
trägern, sowie von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 6. April 1883.
Der am 16. Juli 1857 zu Asbach geborene Schreiner Adam August Ries hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
4501. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Berlin W., 27. März 1883^ Verpackung der Drucksachen-Sendungen nach dem Auslande.
Die zur Versendung nach dem Auslande bestimmten Drucksachen (Bücher, Zeitschriften 2c.) werden noch vielfach in mangelhafter Beschaffenheit zur Post geliefert. Die zur Aufschrift der Adresse dienenden Streifbänder sind theils zu dünn und schmal, theils zu locker umgelegt, so daß sie bei der geringsten Reibung sich ablösen und ihren Inhalt als herrenloses Gut zurücklassen- In Folge solcher Mängel haben z. B. in New-Iork während eines Jahres mehr als 4000 Drucksachen-SendMen aus Europa den Adressaten nicht zugestellt weisen können.
Den Versendern solcher Gegenstände wird deshalb in ihrem eigenen Interesse wiederholt angerathen, Drucksachen nach entfernten, insbesondere überseeischen Ländern mit breiten, gut befestigten Bändern aus festem Papier, nöthigenfalls auch mit einer Umschnürung zu versehen, welche letztere so angebracht sein muß, daß sie eine Prüfung des Inhalts der Sendung ohne Schwierigkeit gestattet. Außerdem empfiehlt es sich, den Adressaten nicht nur auf dem Streif- oder Kreuzband, sondern auch auf den darin eingeschlossenen Drucksachen selbst zu bezeichnen, damit, falls die Umhüllung der Sendung während der Beförderung von dem Inhalte sich loslöst, die Möglichkeit doch noch geboten sei, die einzelnen Stücke dem Adressaten zustellen zu lassen.
Der Staatssecretair des Reichs-Postamts. Stephan.
# Die Vertheidigung unserer Heereseinrichtungen.
Die Art und Weise, mit welcher die Militärverwaltung und das gesammte Heer letzthin von demokratischer Seite' im Parlament behandelt worden sind, hat einer Reihe von Freunden und Sachverständigen des Heeres die Feder zur Vertheidigung und zur Abwehr der Angriffe in die Hand gedrückt. Wir haben bereits eine dieser Schriften, welche in der Hellwig'schen Buchhandlung zu Hannover erschienen ist und sich „bte Angriffe des Herrn Richter auf die Armee" betitelt, gebührend hervorgehoben. Ebenso sei hier auf eine andere, jüngst in Potsdam erschienene Brochüre „contra Richter und Genossen" hingewiesen, die demselben Zwecke dient und die Grundlosigkeit der erhobenen Anklagen in ruhiger sachlicher Weisewiderlegt. Auch das „Militärwochen- blatt" hat in einem Artikel über „Politik und Kriegführung", der in dem Satze gipfelt: „die Wünsche der Parlamente können und dürfen sich nicht bis zur Vorschrift über Mittel zur Erfüllung politischer und kriegerischer Zwecke durch die Diplomatie und Kriegführung steigern", das Wort zur Vertheidigung genommen.
Mit dem Auszuge einer demnächst (in R. v. Deckers Verlag, Marquardt und Schenk) erscheinenden Schrift des Majors im Großen Generalstabe, Freiherrn C- von der Goltz: „das Volk in Waffen" macht uns das Berliner Tageblatt bekannt, welches
Anschauungen decken, aber doch zugiebt, daß man auch vom Gegner lernen könne.
In der That scheinen die Ausführungen des Freiherrn von der Goltz ganz dazu geeignet zu sein, auch den Gegner zu gewinnen, die Schwankenden zu befestigen und Alle, die sehen wollen, davon zu überzeugen, mit wie falschem und kleinlichem Maßstab (um nichts anderes zu sagen) der eigentliche Urheber der Angriffe das §eer und insbesondere das Officiereorps gemessen hat. Lassen wir dem Verfasser in einigen Sägen über das Officiereorps selbst reden; er sagt:
„Das Offizierkorps muß den besten Theilen des Volkes entnommen werden, denen eine natürliche Autorität über die Massen auch im gewöhnlichen Leben schon zur Seite steht. Aber man soll sich dabei nicht ausschließlich an die wissenschaftliche Bildung halten, sondern auch die des Herzens und des Charakters gebührend berücksichtigen. Von dem Offizier wird verlangt, daß er im Interesse seines Dienstes auf persönliche Vortheile, auf Erwerb und Wohlergehen verzichte. Es werden daher alle diejenigen Bruchtheile der Bevölkerung geeignet sein, den Ersatz für das Offizierkorps zu stellen, welche durch ihren Beruf darauf verwiesen sind, nicht ihrem persönlichen Vortheil, sondern dem Nutzen einer größeren, gemeinsamen Sache zu dienen. Hier werder: die Söhne schon, durch das Beispiel der Väter zum Gefühl der Pflicht erzogen. Der ärgste Feind der Tüchtigkeit des Offizierkorps ist unstreitig der Egoismus; jede Beschäftigung, welche geeignet ist, diesen zu fördern, ist jenem feind. Es war deshalb auch sehr zweckmäßig, dem Offizierkorps den Charakter eines Standes zu geben, in welchem jedes Mitglied dem andern gesellschaftlich gleich gestellt ist, welcher gemeinsame Pflichten hat und in welchem die Gemeinschaft für den Einzelnen verantwortlich gemacht wird Dadurch erhält das Offizierkorps Eigenthümlichkeiten, welche an die alten Ordensbrüderschaften aus ihrer besten Zeit erinnern. Es soll ein echtes Ritterthum darstellen.
Ein idealer Zug muß seinem ganzen Wesen eigen sein, sonst kann es seine Aufgabe nicht erfüllen. Man vergegenwärtige sich, worin diese besteht. In der schwierigsten Lebenslage, die es giebt, nämlich angesichts der Todesgefahr, soll es die Menge führen und feinen Einfluß auf diese bewähren. Der Offizier darf das Leben nicht achten. Nur um seine Leute anzufeuern, muß er sich oft der Gefahr anssetzen, als es der Gefechtszweck sonst im Augenblicke erheischen würde. Dadurch, daß er sich'ungewöhnlich furchtlos und aufopfernd zeigt, soll er die edlen Triebe im Herzen der Soldaten anregen; denn nur durch diese sind große Leistungen zu erreichen.
Es gebührt dem Offizierstande deshalb aus innerer Nothwendigkeit eine bevorzugte Stellung im Staate. Wer gewöhnt ist, für etwas Besonderes zu gelten, wird sich auch im Kriege verpflichtet halten, Besonderes auszurichten. Wer sich hingegen stets in gedrückter unscheinbarer Stellung befand, wird nur in seltenen Fällen den Hang spüren, plötzlich her- vorzutreten. <sklaven sind immer feige. Aber die Sklaverei einer traurigen Lebenslage ist nicht minder drückend, als irgend eine andere. Sie beraubt den Menschen des Selbstgefühls, und dieses ist dem Offizier unentbehrlich, wie das tägliche Brod, um unter den erschwerenden Umständen des Feldlebens Autorität zu üben.
Muß nun der Offizier ferner darauf verzichten, ein Vermögen, ja selbst eine dauernde Heimath zu erwerben, die Zukunft seiner Familie sicher zn stellen, wie es dem Grundbesitzer, dem Kaufmann, dem Gewerbetreibenden möglich ist, so erscheint es nur recht und billig, für diesen Verzicht ihn durch äußere Auszeichnungen zu entschädigen. Gerade diese sind es, die dem Staube am häufigsten den Neid Anderer zuzichen, und doch sollte man nicht
vergessen, daß sie nur einen gerechten, ja einen bescheidenen Entgelt für große Opfer bilden. Von keinem anderen Stande wird von Amts wegen verlangt, daß er sein Leben herzugeben jederzeit bereit sein soll.
Ein in seiner socialen Position gedrücktes Offiziercorps kann treffliche, friedfertige und fleißige Bürger liefern, aber es wird arm an unternehmungslustigen und kühnen Soldaten sein.
Gewährt das Vaterland seinem Offizierstande eine ansehnliche und auskömmliche Stellung, so erfüllt es ein Gebot der Klugheit und Selbsterhaltung. Von der Thatkraft und Tüchtigkeit dieses Standes hängt mehr als von der eines anderen ab, nämlich die Ehre und Freiheit des ganzen Volks."
Der hier mit so großer Beredsamkeit trefflich geschilderte Geist des Officiereorps wird bekanntlich von den Fortschrittlern als „Kastengeist" bezeichnet werden, und die mancherlei Vorrechte, die in der natürlichen Stellung des Heeres begründet sind, werden Ungerechtigkeiten und Ueberreste aus „feudaler" Zeit genannt, welche vor der bürgerlichen Gleichheit verschwinden sollen! Vielleicht erscheinen alle diese Dinge jetzt auch den Fortschrittlern in einem anderen Lichte, wenn sie sich in den Geist der obigen Ausführungen hineinzudenken vermögen.
Wenn es freilich erst dahin gekommen sein wird, daß man Verdienste, Tugenden und Stellungen mit der Elle mißt, dann wird nicht nur im Heere, sondern auch in der ganzen bürgerlichen Gesellschaft jede?/Hervorragen als eine Beleidigung und als eine Verkürzung der Rechte Anderer anfgesaßtwer- den und niedere Mittelmäßigkeit wird dann die Quelle.aller Leistungen bilden. Aber das Heer dahin zu bringen, dazu werden der Fortschritt und seine Helfershelfer sicherlich nie die Macht erhalten!
politische Zkochrichte«.
Nachdem Se. Majestät der Kaiser von seinem neuerlichen Unwohlsein fast gänzlich wiederhergestellt ist und auch die Witterung sich allmählich günstiger gestaltet hat, ist jetzt eine Reise des Kaisers zu der gewohnten Frühjahrskur in Wiesbaden fürdiezweite Hälfte des Aprilmonats in Aussicht genommen. Einstweilen hat der Kaiser die Regierungsthätigkeit in vollem Umfange wieder ausgenommen und auch den neuen Chef der Admiralität, von Caprivi, welcher bei Uebernahme des Amtes sich er. Majestät nicht vorstellen konnte, in Antrittsaudienz empfangen.
Der Reichstag setzte seine Berathung der Gewerbeordnungsnovelle am Sonnabend, den 7. April, bei dem § 33 c. fort, wonach die Abhaltung von Tanzlnstbarkeiten von den landesherrlichen Bestimmungen abhängig gemacht wird. Der Artikel wurde ohne Debatte angenommen. Eine längere Verhandlung entstand über den §. 35, der den Betrieb von Badeanstalten, den Trödelhandel, gewerb- mäßige Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten, Geschäfte von Auctionatoren betrifft. Seitens bet Fortschrittspartei lagen hierzu eine ganze Reihe von Abänderungsanträgen vor, welche der Abg. Munckel vertheidigte. Alle diese Gewerbebetriebe sollen der behördlichen Genehmigung unterworfen sein. Die Fortschrittspartei dagegen will die Ver- sagnng zu dem bezüglichen Gewerbebetriebe davon .abhängig machen, ob der Nachsuchende schon wegen Vergehen, Verbrechen gegen die Sittlichkeit bezw. gegen das Eigenthum bestraft ist.
In K o p e n h a g e n hat im Laufe der letzten Woche eine Versammlung der Führer der deutschen ; Socialdemokratie stattgefunden, in welcher ; es sich angeblich um die Stellungnahme zu den im ' Jahre 1884 stattfindenden Reichstagswahlen handelte. Bei der Rückkehr derselben nach Deutschland sind mehrere Verhaftungen erfolgt, die aber nach einem kurzen Verhör und nach Beschlagnahme ; von Schriftstücken alsbald wieder aufgehoben worden sind. Da von dieser Maßregel auch zwei Mit-