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Nr. 45.

Kreis

Donnerstag den 17. Mai 1883.

DasKreisblatt" erscheint wöchent» lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

Jireis ^jersfesö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho« lung entsprechender Rabatt gewährt.

ctmtl icfjes.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 15. Mai 1883.

Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises werden hierdurch angewiesen, dem Herrn Kreisthierarzt Schmitt öahier sofort die Zahl der sämmtlichen in dem Gemeinde- bezw. Gutsbezirk vorhandenen Schafe e i n s ch l i e ß l i ch der bis dahin noch nicht angegebenen Lämmer mitzutheilen. Nichtbefolgungoder ver­spätete Erledigung dieser zum Zwecke der Räudekur erlassenen Anordnung wird bestraft.

6245. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

~ Hersfeld, den 4. Mai 1883.

Das diesjährige Ober-Ersatz -Geschäft für den hiesigen Kreis findet am

Mittwoch den 30» Mai d. I. und Donnerstag den 31. Mai d. J.

jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:

a) am 30» Mai d. J.

1) die vom Dienst im Heere auszuschließenden Militairpflichtigen,

2) sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für dauernd untauglich befundenen Militair- pflichtigen,

3) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve II. Classe in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,

4) sämmtliche daselbst znr Ersatz-Reserve 1. Classe designirten Mannschaften,

5) diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist,

6) die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

7) die zur Zeit des Aushebungsgeschäftes noch vorläufig beurlaubten Recruten,

8) die von den Truppentheilen abgewiesenen Ein­jährig-Freiwilligen,

9) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ord­nung zu berücksichtigenden Reservisten ic.,

10) sämmtliche Zugänge.

b) am 31. Mai d. J. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, soweit sie nach Vorstehendem (a, Nr. 5) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelängen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Land­gemeinden des Kreises werden angewiesen, die ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Vorladungen alsbald den betreffenden Militairpflichtigen auSzu- händigen und mit den letzteren pünktlich in dem besagten Termine zu erscheinen, auch ihnen zu er­öffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslocale nicht anwesend sind oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 24 bezw. 65 der Ersatz-Ordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Dienstpflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Recla- matiouen, aus Grund deren taugliche Militair- pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht werden, sowie die Reclamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung dnrch die Ersatz- Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz-Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Fa­rn i l i e n g l i e d e r, auf deren A r b e i t s - oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei Beur- t h e i l u n g der R e c l a m a t i o n e n a tu kommt, (alsoauch die etwaigenjüngeren ober älteren Brüder des Recla m ir- ten) im Termin mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eineBerücksich-

tigung der betreffenden Reclama- tion nicht stattfinden kann.

Die Herren Ortsvorstände rc. haben das Vor­stehende in ihren Bezirken wiederholt veröffent­lichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit voll ständigreinem Körper undreiner Wäsche zu erscheinen haben.

Bis zum 18. Mai cr. ist mir von dem Ge­schehenen Bericht zu erstatten.

5772. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 16. Mai 1883.

Ich habe in Erfahrung gebracht, daß iu den Landgemeinden des hiesigen Kreises bei Leichenbe- stattungen vielfach von den Hinterbliebenen des Verstorbenen s. g. Trauermahle gegeben wer­den, wodurch sich die weniger Bemittelten, da Keiner gegen den Andern zurückstehen möchte, in nicht unerhebliche, unnötige Kosten stürzen. Es soll diese Unsitte sogar so weit ausgeartet sein, daß derartige Leichenschmäuse in Folge übermäßigen Genusses geistiger Getränke Seitens der Theilnehmer an denselben mit Streitigkeiten und Raufereien ge­endigt haben.

Dieses gibt mir Veranlassung, die das Veran- stalten von Trauermahlzeiten ausdrücklich ver­bietenden, bis jetzt ausdrücklich noch nicht aufge­hobenen Bestimmungen der kurheffischen Verordnung vom 9. Dezember 1748 nachstehend den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme, Beachtung und dem Auftrage mitzutheilen, dieselben in ihren Gemeinden wiederholt auf ortsüb­liche Weise bekannt machen zu lassen und jeden Uebertretungsfall zur gerichtlichen Bestrafung an-

zuzeigen. 6311.

Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.

Berordnung vom 9. Dezember 1748,

III. §. 5.

gwp g-rnnpr-Wnhlo M.M IlMäfte piniaer Sveisen dieser Richtung auch nicht die mindeste Berechtigung, Hoff.

ÄUe Kiauer-wcayte aua) "Mütze einiger Spillen uunaen ^ ,hr System hegen zu können. Der Sinn unseres oder Getränke vor, bey und nach der ^.eich-Be- deutschen Volkes ist in seiner ungeheuren Mehrheit zu ge» stattung sowohl vor die Träger als Leichen-Be- j fund, als daß es sich durch Vorspiegelungen und Phrasen gleitere, werden hiermit bey Zwanzig Rthaler solcher Art, wie sie oben angeführt worden, in seiner un» Straffe gäntzlich untersaget, jedoch ist auf dem wandelbar feststehenden Ueberzeugung auch nur -inen Augen. Lande denjenigen, welch? Über Feld znr Leiche bl.ck.rre machenKassen konnte,, daß Preußen und Deutsch, kommen, in dem Sterb-Hause die gewöhnliche Mid tags- oder Abend-Mahlzeit zu gemessen ohnver-

wehret. ________________________________

Gefunden: 1) eine Brille, 2) ein Paar lederne Handschuhe, 3) eine Kette. Meldung der Eigen­thümer bei dem Ortsvorstand zu Beiershauseu.

Gefunden: eine Hemmkette. Meldung des Eigen- thümerS bei dem Ortsvorstand zu Gitlersdorf.

# Die nahende Entscheidung.

Bon welchen Gefühlen Auffassungen, Absichten und Hoff­nungen die fortschrittliche Democcatie bei den gegenwärtigen parlamentarischen Kämpfen geleitet wird, davon giebt ein Artikel derVolkszeitung" überdie nahende Entscheidung" Zeugniß, der nicht etwa Berechnungen über pariamentarffche Abstimmungen bei dieser oder jener augenblicklich schweben- den Frage anstellt, sondern nicht mehr und nicht weniger als denZusammenbruch des herrschenden Systems" heran, nahen sieht.

Das herrschende System" besteht nach der Auffassung dieses Blattes darin, daßdie Formen deS erhabenen Prin­cips deS Selbstbestimmungsrechts des Volkes nur zur Deco- ration, zum Scheine, nur dazu benutzt werden, um mit ihnen die schlechte und unfähige bureaukratische Regierungs- form zu verhüllen ," aus diesem Systemvermaß sich eine unzulängliche Staatskunst, das deutsche Reich ausbauen zu wollen", der diesem System zu Grunde liegende Gedanke seinur in einem entweder sehr unfähigen oder von kläg­lichem Größenwahn ««rdrehten, in jedem Falle aber sitt» lichen Erwägungen nicht zugänglichen Kopfe entsprungen und konnte nur unter der Voraussetzung gelingen, daß sich

eine traurige Schaar von Leuten zusammenjand, die aus Eharacterschwäche dasjenige billigte» und förderten, was sie vermöge eines Durchschnittsmaßes von gesundem Ver- ---^ - . "- '.,.. . ., -,

stände als falsch, unsittlich, unmöglich erkennen mußten Franzosen Mit eifersüchtigen Blicken beobachteten,

und die es in ihrer byzantinischen Jämmerlichkeit noch als eine besondere nationale Errungenschaft, als ein herrliches Wahrzeichen des deutschen Volkes priesen und ansangen." Die Dinge, die sich in den letzten Tagen ereignet, seien die ersten Erscheinungen eines bereits eingetretenen Auf. lösungsprocefses."

Wohl noch nie ist von fortschrittlich-democratischer Seite mit einem solchen Maß von Ueberhebung und in einer so alle patriotischen Empfindungen tief verletzenden Weise alles das in den Schmutz niedriger Denkungsweise gezogen worden, worauf Jeder, der sein deutsches Vaterland liebt, mit Stolz, Dankbarkeit und Genugthuung blickt. Ist es denn wahr, sollten denn wirklich die Jahre der großen na. tionalen Erhebung, der Aufrichtung und Begründung des deutschen Reichs ein Irrthum, eine Selbsttäuschung gewesen sein, sollte ganz Deutschland zu Unrecht dem großen Staats, mann, der die Sehnsucht nach der Einheit Deutschlands zu befriedigen wußte, zugejubelt haben, sollte die schöpferische Kraft, welcher der Reichstag sein Dasein verdankt, nur ein Blendwerk gewesen sein, waren die Männer, welche den Bau haben errichten helfen, wirklich Feinde des Volkes, sollte die glänzende Stellung, die wie wir erst seit zwölf Jahren mit Recht sagen dürfen das deutsche Vaterland jetzt im Rathe der Völker einnimmt, nur ein Spiel des Zufalls oder ein Produkt böser Kräfte sein, sollte daS deutsche Volk sich so lange im Wahn befunden haben, um jetzt erst von der fortschrittlichen Staatskunst zum 'Licht und zur Erkenntniß geführt zu werden?

Daß solche Auffassungen in Deutschland überhaupt mög­lich sind, ist tief zu beklagen und jeder Deutsche, deffen Herz noch auf dem rechten Flecke sitzt, wird dies mit tiefer Scham empfinden. Zugleich aber wird er daraus auch sehen, wo die Democratie hinauswill und wie sie es allein darauf abgesehen hat, dem Volke alles das, was ihm theuer und werth ist, zu rauben. Und was bietet sie hierfür zum Ersatz $ Trugbilder, politische Schlagworte und leere Br» griffe, die noch Niemanden glücklich gemacht haben, innren Consequenzen aber wie die Geschichte auf jedem ihrer Blätter mit eindringlichen Worten lehrt ein Land un» glücklich machen und an den Rand des Abgrunds führen können.

Gott sei Dank! ist zwischen diesem fortschrittlich. demo» erotischen System und dem herrschenden System, dem System einer macht- und kraftvollen Monarchie, eine Entscheidung, wie sie angekündigt wird, nicht nöthig. Diese Entscheidung ist längst zu Gunsten des letzteren gesprochen! Die Vor­gänge im Parlament, eine so verworrene Lage sie auch dem ferner Stehenden bekunden mögen, haben auch nicht im Entferntesten diejenige Bedeutung, welche ihnen v»n democratischer Seite beizulegen versucht wird, und geben den inerdrückender Minderheit" befindlichen Vertretern

land, wie sie Alles dem monarchischen System zu verdanken

haben, so auch in Zukunft hierin allein ihr Heil finden werden.

Posihjdje Nachrichten.

Neuesten Dispositionen zufolge soll Fürfl Bismarck geneigt sein, doch nach Kissingen zu gehen. Es wird dies auf den Rath des Dr. Frerichs zurückgeführt, der nach dem Verlauf des neuralgischen Gdsichtsleidens, das zuweilen mit so großer Heftigkeit auftritt, daß der Reichskanzler außer Stande ist, zu sprechen, eine Kur in Kissingen für sehr wünschenSwerth erachten soll.

In der am 11. d. Mts. stattgehabten Plenar­sitzung des Bund es rath es wurden der Ent­wurf einer Gebührenfreiheit im Verfahren vor dem Reichsgericht, sowie die am 19. April d. J. unter­zeichnete Uebereinkurfft mit Frankreich wegen gegen­seitigen Schutzes der Rechte an Werken der Litera­tur und Kunst, an die betreffenden Ausschüsse

überwiesen.

In dem Berichte des Referenten der Tonkin- Credit-Commission der französischen Depu- tirten Kammer, Blancsubch heißt es, die europäischen Nationen seien den Plänen Frankreichs im äußersten Osten durchaus nicht feindlich gesinnt, die Schiffe und Erzeugnisse derselben würden in Cochinchina und Tonkin ebenso wie die französischen Schiffe und Producte zugelassen und dieselben hätten kein In­teresse, das Vorgehen Frankreichs zu hindern. Wenn auch einige unruhige Gemüther in England die