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DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

Donnerstag den 5. Juli 1883.

für den

«Kreis Herssew.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinnzahlung.

Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loos- antheilschein-Verkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder anf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres LoosebesitzeS erlaubt, oder endlich indem sie ihrer­seits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.

Zur Unterscheidung der Loosautheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letztere stets einen Stempel mit der inneren UmschriftKön. Pr. Gen.-Lotterie-Direkt." und die gedruckte UnterschriftKönigl. Preuß. General- Lotterie-Direktion" tragen.

Zur Unterscheidung zwischen den sich alsLotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als Lotterie-Einnahme" oderLotterie-Komtor" be­zeichnenden Privat-Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie-Einnehmern anderer­seits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein alsKönigliche Lotterie-Ein- ; nahmen" oderKönigliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.

Königliche General-Lotterie-Direktion.

Dammas. Lilienthal.

W^gS»"®» Bestellungen auf das Kreis- M^WW» blatt für den Kreis Hersfeld werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Ex­pedition angenommen.

Die Expedition.

flmtlicfjes.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 2. Juli 1883.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden daran erinnert, daß die Ge­meinde-Rechnungen pro 1882/83 in diesem Monat aufgestellt werden müssen.

8380. Der Königliche Landrath.

___I. V.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 2. Juli 1883.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung der Ver­fügung vom 15. April 1879 Nr. 4433 im Kreis­blatt Nr. 31, die Versicherung der Feldfrüchte gegen Hagelschlag betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 9. d. M t s. Nach­mittags 2 Uhr bei Meldung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

8435. Der Königliche Landrath.

_I. L.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 2. Juli 1883. -

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung der Ver­fügung vom 6. Juni 1880 Nr. 7650 im Kreisblatt Nr. 52, betreffend die von Privathengsten ab­stammenden Füllen, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 9. d. Mts. Nach­mittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Strafboten erinnert.

8436. Der Königliche Landrath.

I. V.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 2. Juli 1883.

Für die am 6. Juli 1866 geborene Anna Martha Fischer zu Oberneurode ist um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8450. Der Königliche Landrath. ___J. V.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 2. Juli 1883.

Für den am 27. Juni 1869 geborenen Conrad Anton Fischer aus Oberneurode ist um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbande be­hufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

8449. Der Königliche Landrath.

J. V.: Heeg, Kreissecretair.

Hersfeld, den 2. Juli 1883.

Für den am 23. Mai 1864 geborenen Heinrich Fischer zu Oberneurode ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswande­rung nach Amerika nachgesucht worden.

8447. Der Königliche Landrath.

J. V.: Heeg, Kreissecretair.

Gefunden: eine Kriegsdenkmünze von 1870/71. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Hilmes.

Berlin, den 8. Juli 1882. Warnung.

In Läden und Geschäften, welche als Lotterie- Komlor, Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie- Einnehmer resp. Collekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung alsAntheil- loose, für Preise angeboten, welche die im Lotterie­plan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den An- theilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Ge­winn-Abzüge für sich ausbedingen.

Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche

#Amerika, Du hast es besser." IV.

Dem Grundsatz der freien Koncurrenz entsprechend, ist der Eisenbahnbau vollständig der Privat-Unter- fiehmung überlassen. Nachdem sich die einzelnen Bahnen zu größeren Linien mit durchgehenden Frach­ten entwickelt hatten, folgten sie nur in den ersten Jahren der ihnen aufgegebenen Weisung ihre Ta­rife durch gegenseitige Konkurrenz, oder im Wege von Tarifkriegen, niedrig zu halten. Der durch Tarifstreitigkeiten bewirkte störende Einfluß auf das Geschäft des ganzen Landes und das Inter­esse der einzelnen Bahnen selbst bewogen sie bald, zum Zweck der Aufrechterhaltung fester Frachtraten und der Sicherung der in ihnen angelegten Kapi­talien zu größeren Koalitionen (pools) zusammen zu treten. Vor einigen Jahren noch beschränkten sich solche Abmachungen auf einzelne bestimmte Verkehrsgebiete der Vereinigten Staaten. Diesel­ben waren zu diesem Zweck in eine größere An­zahl verschiedener Distncte eingetheilt. Jetzt aber sind die einzelnen Bahnsysteme so sehr zu größeren Complexen entwickelt oder in größeren Vereinig­ungen aufgegangen, daß es sich nur noch darum handelt, welche der 3 oder 4 größeren Koalitionen schließlich das ganze Bahnsystem des norbamerita- nischen Kontinents monopolisiren wird. Diese Koa­litionen sind dabei nicht mehr wie früher Vereinig­ungen einzelner Bahngesellschafleu und ihrer Ver­waltungen znm Zweck gemeinsamer Eisenbahn-und Tarif-Politik. Sie bestehen vielmehr aus großen Kapitalisten-Konsortien an der New-Nort'er oder Boston'er Börse, welche die Lahnen nicht aus In­teresse an der Entwickelung des Frachtgeschäfts, sondern in erster Linie wegen des mit ihrem Be­sitze oder mit dem Einfluß auf ihre Verwaltung verbundenen Einflusses aus Anlage und speculative Manipulation der großen darin angelegten Kapi­talien erwerben und zusammenfügen. Der Schwer­punkt der Unternehmungen liegt nicht mehr im Frachtgeschäft, sondern in der Börse. Dort werden durch weitangelegte Kunstgriffe die Kurse der Actieu je nach Rücksichten des Vortheils und der ^pecu- lation gehoben oder geworfen, die ursprünglichen Actionäre und das mit Actieu specnlirende Pub­likum geplündert, die großen Vermögen gemacht, Bahnen künstlich entwerthet, dann aufgekauft und größeren Complexen wieder einverleibt. So bilden diese Eisenbahnwerthe eines der großartigsten Mittel zur Ausbeutung des Landes. Das dabei befolgte Verfahren ist ebenso entwickelt wie gewissenlos. Directoren und Beamte nehmen daran Theil, oft

I zum Nachtheil ihrer eigenen Bahnen und Actionäre. Tarifkriege werden von ihnen unternommen nicht um der Ausfechtung einer Concurrenz willen, sondern im Interesse von Börsen-Manövers, und in der Absicht das Publikum zu erschrecken und dieActien zu entwerthen. Ein Beispiel dieser Art war der i kürzlich beendete Tarifkrieg zwischen der Chicago Northwestern, der Chicago u. St. Paul und der St. Paul u. Omaha Linie, welcher mit der Ein­verleibung der letzteren Bahn in die erstgenannte endigte.

Bei solcher Sachlage darf es nicht Wunder nehmen, wenn die leitenden Börsengrößen in kürzester Frist Vermögen erwerben, die an das Fabelhafte grenzen und auch wieder die Schnelligkeit der Entwickelung i aller Verhältnisse Nordamerikas beweisen. Das Vermögen Vanderbilt's wird auf 150200 Milli­onen Dollars geschätzt. Vor etwa 67 Jahren erbte er ca. 30 Millionen. Seitdem hat er das Vermögen versechsfacht. Gould soll 6080 Milli­onen Dollars besitzen. Er vereinigt gegenwärtig das größte Bahnsystem unter sich. Auch sein Ver­mögen ist erst in den letzten Jahren entstanden. Es folgt danach eine Anzahl kleinerer Millionäre, welche zwischen 10-30 Millionen jeder besitzen und gemeinschaftlich in s. g. Syndicaten, Konsortien bei den verschiedensten Unternehmungen betheiligt sind. Die Fähigkeit des weiteren Anwachsens aller dieser neu entstandenen Kapitalmassen muß als unbegrenzt bezeichnet werden. Mit welcher Rücksichten gkeit von ihrer Seite das freiheitsstol^ Publikum dieser Republik behandelt wird, zeigte neulich eine Aeußerung Vanderbilt's bei Gelegen­heit einer Unterredung, die dieser Eisenbahnkönig in Chicago that und die er vergeblich abzuleugnen versuchte. Als man ihn nämlich an das Interesse des Publikums zu erinnern suchte, entfielen ihm Die bezeichnenden, später vergeblich abgeläugneten Worte, daß er mit dem verdammten Publikum Nichts zu schaffen habe und daß er seine Eisen­bahnen nicht zum öffentlichen Nutzen, sondern in seinem eigenen Interesse erworben habe. Dieselbe Anschauung ist bei nahezu all' den großen Börsen- leuten maßgebend, die auf dem Wege der freien Concurrenz jede Concurrenz todt- und sich selbst zu Herren des nordamerikanischen Verkehrslebens gemacht haben.

_ An und für sich betrachtet, bedeutet es einen Fortschritt, daß an die Stelle der früheren unbe­rechenbaren Einzel-Concurrenz und der von der­selben untrennbaren Tarif- und Preisschwankungen eine einheitlichere Verwaltung mit regelmäßiger innegehaltenen Frachten getreten ist. Die großen vereinigten Compagnien stellen ihre Beamten mehr und mehr dauernd an, entziehen daher deren Unter­halt den Launen des Lohn-Marktes und sichern ihnen Beförderung. An die Stelle des Lohnar­beiters tritt der Beamte, an die des Lohns der festere Gehalt. Es hat sich sogar ergeben, daß die Gehälter der Bahnbeamten an einzelnen größeren Bahnen des Ostens beträchtlich höher stehen als der Durchschnittslohn in anderen Industrien. Ge­hörig geleitet und beaufsichtigt, vermöchten die Monopole" und die durch dieselben bewirkten einheitlichen Organisationen vielleicht, ein Mittel zur Lösung der durch die bisherigen Verwickelungen gelassenen unheilvollen Zustände zu bilden. Ver­suche dazu, wenn auch noch ganz unbewußt, machten sich and) in^ den Anläufen der Gesetzgebungen ver­schiedener istaaten geltend, welche die Monopole unter die Kontrole staatlicher Kommissäre zu bringen versuchen. Noch weiter geht in Dieser Richtung Der immer häufiger geäußerte Wunsch, die Bahnen zum Eigenthum der Vereinigten Staaten zu machen. Schade nur, daß Die lose und schwache Partei-Re­gierung des, Landes keine Garantie für eine ehr­liche Verwaltung bietet, daß die Leute das wissen und daß selbst die Gegner der Monopolwirthschaft aus diesem Grunde von einer Verstärkung der Staatsgewalt nichts Gutes erwarten!

Aehulich wie bei den Eisenbahnen hat auch bei anderen Industrien die Bildung allmächtiger Ka-