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für den
«Kreis Hersseld.
Amtliches
derselben berichtigt. Im eigentlichen Arbeiterstande hat ■ sich die Auswanderungslust übrigens schon seit einigen Jahren vermindert, weil eine Ahnung von den auf diesem m i r x o Stande lastenden Schwierigkeiten bereits über den Ocean
Der Herr Ober-Präsident hat mittelst Erlasses gedrungen ist. Das Stichwort, einiges Kapital müsse vom 7. d. M. genehmigt, daß die Loose der von mitbringen, wer in Amerika vorwärts wolle, hört man in dem Herrn Ober-Präsidenten der Rheinprovinz zur Rord-Deutschland bereits feit Jahr und Tag in den mit Beschaffung der Mittel für die innere Ausstattung Auswanderungsgedanken beschäftigten Kreisen wiederholen.
” - — - ~ ■ ---- - An dieses für den Auswanderer erforderliche Kapital
(das noch vor sünsundzwanzig Jahren in ein Paar kräftigen Armen bestehen konnte) werden von Jahr zu Jahr größere Ansprüche gestellt. Die Abhängigkeit der kleinen Kapitalisten von den großen nimmt ebenso rasch zu, wie die Schutz» lofigkeit der Besitzlosen und der Gegensatz zwischen diesen und den Besitzenden. Einrichtungen, die diesen Gegensatz minderten und dem Armen eine gewisse Schutzwehr gegen den Reichen verleihen, haben in diesem Lande, wo es keine
der Pfarrkirche Groß-St. Martin zu Cöln gemäß dem Verloosungsplane vom 21. v. M. für den Umfang der Rheinprovinz gestatteten Lotterie auch in der Provinz tzeffen-Nassau abgesetzt werden.
Kassel den 14. Juli 1883.
Königliche Re g i e r ung ^Abtheilung des Innern. Nach Beschluß des Bundesraths vom ^^™ 1882 soll die im Jahre 1878 zum erstenmal vorgenommene Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung für das Jahr 1883 wiederholt und gleichzeitig eine sorgfältige Schätzung des durchschnittlichen, im Zeitraume von 1878 bis 1882 einschließlich vom Hektar gewonnenen Erndteertrags solcher Fruchtarten bewirkt werden, für welche nach Bundesrathsbeschluß vom 24. April 1882 in Zukunft eine alljährliche Erhebung des Erndteertrags nach den Erdruschergebnissen nicht mehr voxzu- nehmen ist.
Der vom Bundesrathe vorgeschlagene und seither befolgte Plan zu Erlangung der in Rede stehenden Bodenproduktions-Statistik beruhte im Wesentlichen daraus, daß sachkundige Männer, insbesondere die Mitglieder der landwirthschaftlichen Bevetne oder einzelne hervorragende Landwirthe bereit sein würden, durch ihre Erfahrung und OrtskeNntniß die angeordneten Ermittelungen thatkräftig zu fördern und auf einen so hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, daß sie sich von der Wirklichkeit nicht oder doch nur sehr wenig entfernen. Nur wenn dies der Fall ist, kann die Statistik dem Klein- und Großverkehr den erwarteten großen
Nutzen gewähren.
Daß die Landwirthe sich bei der Lösung auch dieser Aufgabe in hervorragender Weise betheiligen werden, ist ebenso lebhaft zu wünschen, wie zuversichtlich zu erwarten. Cassel den 5. Juli 1883. Königliche Regierun g, Abtheilung des Innern.
Der Herr Ober-Präsident hat unterm 5. d. M. genehmigt, daß der Termin zur Vornahme der dem Kirchenvorstande in Horas zum Zwecke des Neubaues einer Bonifacius-Kirche daselbst gestatteten Verloosung von Gold' und Silbersachen 20. auf den 1. Februar 1884 verschoben wird und der Vertrieb der Loose innerhalb der Provinz Hessen- Nassau bis zu diesem Zeitpunkte stattfinden darf. Eaffel den 14, Juli 1883. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Kreis Lersfeld.
Hersfeld, den 19. Juli 1883.
Der am 20. Juni 1862 geborene Gymnasiast Johann Friedrich West ermann von hier hat um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsver- bande behufs Auswanderung nach Amerika nach-
gesucht.
9098.
Der Königliche Landrath. I. V.: tzeeg, Kreissecretair
# „Amerika, Du hast es besser."
VIII.
Bis jetzt haben die großen Veränderungen, welche sich während des letzten Menschenalters im wirthschaftliche» Leben Nord-Amerikas vollzogen, die Anziehungskraft dieses Landes auf die Auswanderungslustigen nur wenig vermindert. Die Masse der Menschen lebt rücksichllich Amerikas in den Vorstellungen einer vergangenen Zeit — die durch bie geographische Lage der großen Union bedingte Entbchr- lichkeet einer bewaffneten Macht legt den Bürgern gar keine militärischen Pflichten auf, und daran, daß der kleine Kapi- talist jenseit des Weltmeers als landwirthschaftlicher Unternehmer leichter vorwärts kommt als in Europa, hat sich Wesentliches noch nicht verändert. Es wird voraussichtlich noch einiger Zeit bedürfen, bevor ein Verständniß der veränderten Lage in weitere Kreise dringt und das Urtheil
andere als Vermögensumerschiede giebt, niemals bestanden. Diese Unterschiede ließen sich ertragen, so lange Jedermann hoffen durfte, in der Klasse der Besitzenden einen Platz zu finden und so lange die durchschnittliche Gleichheit der Vermögensverhältnisse eine gewisse Gleichartigkeit der gesellschaftlichen Stellung bedingte.
Mit dem Allem ist es, wie wir gesehen haben, vorüber. Schneller wie sonst irgend wo hat sich in der nordameri- kanischen Union die Ansammlung des Capitals in einzelnen übermächtigen Händen vollzogen — unbarmherziger und rücksichtsloser, als sonst irgendwo, sind die Folgen davon zu Tage getreten. Das große Capital verschlingt das kleine; das Monopol tritt an die Stelle der freien Con- currenz und mit gespenstischer Eile bereitet sich ein Zustand der Beherrschung des gesammten Wirthschastslebens durch einige große Capitalistengesellschasten vor. Wo Geld zugleich Macht, staatlichen und gesetzgeberischen Einfluß bedeutet, wo die Herrschaft der Wählermehrheit eine unbegrenzte ist und die Rolle der Regierung sich auf die Ausführung der von den Reichen und Mächtigen dictirterr Mehrheitsbeschlüfle beschränkt, versteht die unbeschränkteste Ausbeutung der Schwächeren sich von selbst. Immer mehr Leute werden von den wenigen, die im Concurrenzkampfe Sieger geblieben, beherrscht und ausgebeutet, und es läßt, sich immer deutlicher absehen, daß eine allgemeine Auflehnung der Besitzlosen und Ausgebeuteten gegen die Besitzenden und Ausbcutenden eine bloße Frage der Zeit ist. Fehlt doch Alles, was in Europa die Uebergarge vermittelt, die Extreme abschwächt, die Selbstsucht und den Dünkel der Reichen bändigt und dem Armen die Empfindung giebt, äußersten Falls einen Schutz und Rückhalt an der Staatsgewalt zu besitzen. Beamtenthum und Aristokratie, die beiden Gegengewichte gegen die Capitalmacht, fehlen und diese letztere bringt ihre Herrschaft so rücksichtslos zur Geltung, daß ein Gegendruck geradezu erzwungen wird.
So ist es zugegangen, daß die jugendliche amerikanische Entwickelung die europäische bereits überholt hat und daß die Schwierigkeiten, welche uns im Wege stehen, jenseits des Atlantischen Oceans in verstärktem Maße vorhanden sind und den freien Ausblick in die Zukunft hemmen. Amerika hat es nicht mehr besser, weder für die Mittelleute, deren wirthschaftliche Selbstständigkeit durch die Borherrschaft der großen Gesellschaften immer ernster bedroht wird, noch für die Besitzlosen, die dort schlimmer wie irgend wo ! daran sind. Das viel gepriesene System der freien, unbeschränkten Concurrenz hat zu Consequenzen geführt, welche keine andere Wahl, als diejenige zwischen allgemeinem Um« sturz und Einschreiten der Staatsgewalt offen lassen. Roch fehlt eine solche und ihre Bildung wird sich schwerlich ohne Kämpfe vollziehen, die uns erspart geblieben sind, weil wir von jeher ein von der Herrschaft der Mehrheit und der Reichen unabhängiges Regiment gehabt haben.
Pofitisdje Nachrichten.
Sc. Majestät der K a i s e r hat die letzten Tage der vorigen Woche im Kreise der großherzoglich badischen Familie und im besten Wohlbefinden auf der Insel Mainan zugebracht. Bon dort wurden kleine Ausflüge gemacht, u. A. zum Besuch des Württembergischen Königspaares nach Friedrichshafen, während die alljährliche Fahrt nachKrauchen- wieS unterblieb, weil der dort residirende Fürst von Hohenzollern wegen Unwohlseins den Kaiserlichen Besuch nicht empfangen konnte. Alsdann wurde am Montag die Weiterreise nach Gastein angetreten, wo die Ankunft am Dienstag erfolgt ist. Der ganze Ort war festlich geschmückt und der hochverehrte Badegast wurde von den Einwohnern wie von den Badegästen mit jubelnden Zurufen empfangen. Am Mittwoch hat der Kaiser bereits das erste Bad genommen. Der Anfeuthalt in Gastein ist bis zu Ende der ersten Augustwoche in Aussicht genommen, woraus die Rückkehr nach Berlin ungefähr am 9. August erfolgen wird.
Um dieselbe Zeit gedenkt auch Ihre Majestät die Kaiserin, welche bis dahin in Koblenz ihre Residenz behalten wird, nach der Reichshauptstadt zu- rückzukehren.
Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz machte am Montag einen Ausflug nach Bielefeld, um die in der Nähe dieser Stadt gelegene Arbeiterkolonie Wilhelmsdorf in Augenschein zu nehmen. Die ■ Aufnahme, welche dem Hohen Gast Seitens der Stadt Bielefeld bereitet worden, war eine ebenso herzliche wie glänzende. Am nächsten Tage erfolgte die Rückkehr nach dem Neuen Palais.
Das Befinden der Prinzessin Wilhelm und des neugeborenen Prinzen ist andauernd ein vorzügliches, so daß Bulletins nicht mehr ausgegeben werden.
Im Maiheft der Monatshefte zur Statistik des deutschen Reichs werden auf Grund der vorläufigen Ergebnisse der Berufszählung interessante Mittheilungen über die Vertheilung der Erwerbs- thätigen nach dem Geschlecht gemacht. Von den 17,6 Millionen Erwerbsthätigen in Deutschland (39 Procent der Bevölkerung,, us deren geistiger und körperlicher Arbeit die Entwickelung unseres Volkswohlstandes wesentlich beruht) ist im Ganzen fast ein Viertel weiblichen Geschlechts — nämlich 4,258,405. Dies Verhältniß ist aber in den einzelnen Gruppen sehr verschieden. In der Landwirthschaft ist, da unter den Dienenden und Arbeitern (4,935,301) das weibliche Personal (2,130,290) dem männlichen (2,805,011) an Stärke nahe sammt, fast ein Drittel der Selbstthätigen weiblich. In verschiedenen anderen Gruppen über- steigt der weibliche Antheil sogar ein Drittel. Er beträgt nämlich bei der Gruppe „Lohnarbeit wechselnder Art" 46 Procent, weil in dreser Gruppe die vielen weiblichen Dienstboten, Arbeit verrichtende Personen, welche nicht im Hause der Herrschaft leben, vorkommen. Bei der Bekleidungsindustrie
43 0 0, weil hier die Näherinnen, Putzmacherinnen, Wäscherinnen sehr stark vertreten sind; bei der Gast- und Schankwirthschaft 39 %, da hier zwar unter 143,373 Selbstständigen nur 29,900, unter den 134,250 Personen des Dienstpersonals aber 77,820 weibliche sich befinden; bei der Textilindustrie, wo 38 % weibliche Selbstthätige sind, erscheinen dieselben fast in allen Zweigen, als Selbstständige namentlich im Hausbetrieb, stark vertreten. Daß einzelne Berufsgruppen der Industrie, z. B. Baugewerbe (noch nicht 1 */ö), sowie des Handels und Verkehrs (19 %) nur eine geringe Betheiligung des weiblichen Geschlechts aufweisen, kann nicht befremden, viel eher, daß einzelne davon einen nicht ganz unbeträchtlichen Bestand weiblicher Arbeitskräfte haben, so namentlich die Gruppe Bergbau 3°io, die Industrie der Metalle sogar fast 14%. Letzteres rührt namentlich von der häufigen Verwendung von Arbeiterinnen bei der Verarbeitung edler Metalle (worunter z. B. auch Bijouterie- waaren-Fabrication) her. — Auf 1000 Erwerbs- thätige fallen 467,1 in der Land- und Forstwirthschaft Erwerbsthütige, 362,8 in der Industrie und 89,1 im Handel und Verkehr Erwerbsthätige. Im Ganzen kommen etwa 93 Procent aller Er- werbsthäligen auf Urproduction, Industrie und Handel und Verkehr; etwa 7 Procent kommen auf die nicht unmittelbar an der Schaffung, Veredlung und Vertheilung von Sachgütern betheiligten Be- rufszweige. Hier erscheint nun die Gruppe „Oeffent- lieber Dienst" welche allein gegen 6 Procent ein- mmmt, verhältnißmäßig groß (1,031,125): doch ist hierin die gesammte Armee mit 451,826 Personen enthalten, so daß auf den Staats-, Gemeinde-, L>chul-, Kirchendienst und die sog. freien Berufsarten (einschließlich Musik 2c.) 579,299 Personen zu rechnen sind.
Der Bund es rath hat in seiner Sitzung vom 28. Juni Folgendes beschlossen: A. Das Betriebs- reglement für die Eisenbahnen Deutschlands wird wie folgt abgeändert: Der Absatz 1 des §. 57 erhält folgende Fassung: „Jede Bahnverwaltung