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Sonnabend den 11. August 1883.

für den

Nr. 82.

DasKrcisblatt" erscheint wöchent» lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

ÄmiSMKS.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, den 8, August 1883.

Im Anschluß an meine Verfügung Dom 30. Mai er. Ar. 6951 (Kreisblalt Nr. 51) bezw. Dom 25. Mai er. Nr. 6779 (Kreisblatt Nr. 49) mache ich in Folge gegebenen Anlasses die Herren Orts- vorstände des Kreises zur entsprechenden War­nung der Schafhalter und strengsten Ueberwachung speciell darauf aufmerksam, daß nach §. 130 der Jnstruction Dom 12. Februar 1881 (Extra-Beilage zum Amtsblatt Nr. 17) die Aufhebung der Schutz- maßregeln hinsichtlich der Schafräude erst dann erfolgen kaun, wenn innerhalb 8 Wochen nach Beendigung des H e i l o e r f a h r e n s sich keine verdächtigen Krankheitserscheinungen gezeigt haben, und daß somit, bis letzteres durch den Herrn Kreisthierarzt Schmitt festgestellt sein wird, ohne meine einzuholende besondere Erlaubniß Schafe weder auf andere Weiden getrieben werden, noch sonstwie, sei es in Folge Verkaufes über aus an­deren Gründen, ihren Standort wechseln dürfen. 10007. Der Königliche Landrath

____Freiherr von Broich.

tzersfeld, den 8. August 1883.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welchen in diesen Tagen

a) Ausfertigungen über Klassensteuerermäßigun­gen pro 1883/84

b) bezügliche zurückweisende Bescheide an die be­treffenden Reklamauten

zugefertigt werden, haben die sub a erwähnten Ausfertigungen demnächst als Belag zu der Klassen­steuer- Abgaugsliste pro I. Semester 1883/84 zu nehmen, nachdem jedoch den Reklamauten schon jetzt bezügliche Mittheilung gemacht worden ist, dagegen die sub b gedachten Bescheide alsbald .au die Adressaten auszuhändigen.

Bis zum 15. Augu st d. I. erwarte ich von den betreffenden Herren Ortsvorständen bei Mei- dung der Zusendung eines Warteboten berichtliche Anzeige, daß und an welchem Tage den Recla- manten von den Ermäßigungen Kenntniß gegeben ist, resp, die zurückweisenden Bescheide an die Adressaten ausgehändigt worden sind.

10017. Der Königliche Landrath

___________Freiherr von Broi ch. ~ Hersfeld, den 7. August 1883.

Der Siebmacher Georg Stein weg dahier ist als Taxator für Justiz-, Finanz- und Verwaltungs­sachen bestellt und verpflichtet worden.

10037. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

tzersfeld, den 8. August 1883.

Für den am 26. Januar 1865 geborenen Konrad Philipp Malkmeß zu Lautenhausen ist um Ent­lassung aus dem diesseitigen Staatsverbaude behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden. 10107. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

# 3inn RaMel von der Unfallversicherung.

Die Unauskömmlichkeit der bestehenden Unfall- versicherungs-Einrichtungen gehört zu den Dingen, welche die Oppositionspresse immer wieder bestreitet. Während die Berichte der Sachverständigen mit geradezu beispielloser Uebereinstimmung hervorheben, daß auf dem Wege der privaten Versicherung gegen Unfälle schlechterdings nicht weiter zu kommen sei, versichern Organe des Manchesterthums mit der zuverlässigsten Miene von der Welt, daß die als Geschält" betriebene Unfallversicherung die einzige solide sei und die Aufrichtung eines büreaukratisch schwerfälligen" undkostspieligen" Apparats durch­aus entbehrlich erscheinen lassen.

Die schlagendsten Belege für die Unhaltbarkeit dieser Behauptung finden sich in den wiederholt von uns erwähnteil höchst lesenswerthen und inter-

i essauten Jahresberichten der Fabrikaufsichtsbe- i amten über das Jahr 1882, deren Veröffentlichung durch die Kortkampf'sche Buchhandlung in Berlin unmittelbar bevorsteht. Den uns vorliegenden

j Probebogen dieses Werkes entnehmen wir eine Reihe auf das Kapitel der Unfallversicherung bezügliche Bemerkungen.

Der Fabrik-Juspector des gewerbreichen rheini­schen Bezirks Düsseldorf schreibt u. A.:

;Ueber die Wirkung des Haftpflicht-Gesetzes und ' der darauf beruhenden Versicherungen vermag ich : auch in diesem Jahre Gutes nicht zu berichten. ; Es ist mir kein einziger Fall bekannt geworden, in welchem eine rasche und gleichzeitig sachlich be­friedigende Lösung eines Haftpflichtstreites erfolgt wäre; wohl aber liegen, wie früher, Fälle vor, welche die im Gesetz, .in der Beweisform und in der Handhabung des Gesetzes und in der Versiche­rung liegenden Harten für arme Arbeiter illustriren." In dem Berichte aus dem Bezirke Minden-Münster wird darauf hiugewiesen, daß ins Besondere die übliche Versicherung nur gegen haftpflichtige Un­fälle immer wieder zu kostspieligen und häufig nutz­losen Processen führe.Es scheint" so lesen wir a. a.O.förmlicher Grundsatz zu sein, die Processe so lange als möglich hinzuhalten. Wird die Sache noch ein oder mehrere Male von der höheren In­stanz in die Vorinstanz zurückgewiesen, so vergehen mehrere Jahre bis zum endgültigen Bescheid. So ist z. B. jetzt endlich ein Proceß, welcher über 5

Jahre geschwebt hat, wegen Zahlung einer jähr- lichen Rente von 180 W. zu Gunsten der Klägerin, welche inzwischen verstorben ist, entschieden. Das - einzige Mittel hiergegen ist, gegen sämmtliche Un- ! fälle zu versichern, wie es hier auch immer mehr geschieht; freilich muß man nicht, wie es in einer Fabrik geschehen ist, bei zwei verschiedenen Gesell- I schaften versichern. In letzterer Fabrik wurde ein Arbeiter getödtet. Beide Gesellschaften, bei denen die Arbeiter gegen hast- und nichlhaftpflichtige Fälle versichert find, verweigern Entschädigung, und je nachdem die Arbeiter bei der einen oder andern Gesellschaft gegen Haft- oder nicht haftpflich­tige Unfälle versichert sind, wird dieser Unfall als nicht haft- bezw. haftpflichtig angesehen." (Schl. f.)

politische Nachrichten.

Deutschland.

# Die Kaiserbegegnung in Jschl. Auch in diesem Jahre hat Kaiser Wilhelm den öster­reichischen Boden, wo er in dem ihm lieb gewordenen Gastein Erholung gesucht und gefunden, nicht verlassen wollen, ohne vorher seinem erhabenen Freund und Verbündeten, dem Kais er Franz Joseph, in Jschl einen Besuch abzustatten. Die Welt ist an die jährliche Begegnung der beiden Monarchen chon so sehr gewöhnt, daß die Unterlassung der- elben zu ben weitgehendsten Schlußfolgerungen lezüglich der politischen Lage im Allgemeinen und der Beziehungen der beiden Kaiser und ihrer Reiche im Besonderen führen würde; in der Wiederholung der Znfammenknnft erblickt sie kein außergewöhn­liches Zeichen mehr, und nur vereinzelt knüpfen sich daran politische Commentare und Combinationen, die auf irgend welchen Werth keinen Anspruch machen können. In der That sind hinter der diesjährigen Zusammenkunft in Jschl auch keinerlei besondere Beweggründe politischer Natur zu suchen: Kaiser Wilhelm folgt dem Bedürfniß seines Herzens, wenn er nach kurzem Aufenthalt auf österreichischem Gebiet den Herrscher dieses Landes persönlich begrüßt, mit dem ihm enge Bande der Freundschaft verbinden. Und doch, wer wollte leugnen, daß in der abermaligen Begegnung der beiden Monarchen ein Ereigniß zu erblicken ist, welches hoch hervorragt über Alles, was sich seit Langem auf politischem Gebiete ereignet hat? Die Jschler Kaiserbegegnung kündet von Neuem den unveränderten Fortbestand des Friedens- und

Freundschaftsbundes an, der sich für die beiden Reiche so segensreich erwiesen und darüber hinaus zu einer festen Grundlage der europäischen Politik geworden. Ohne Mißtrauen und Mißgunst blicken die fremden Staaten auf diesen Bund, dessen Friedenspolitik über allen Zweifel erhaben. Jn- sonderheit aber hat sich der Bund an den beiden Völkern selbst bewährt: sie sind unberührt von dem Gange der Entwicklung geblieben, den andere Länder gerade in den letzten Jahren genommen, und anstatt hiervon in Mitleidenschaft gezogen zu werden, hat sich mehr und mehr das allgemeine Vertrauen in die Erhaltung des Friedens befestigt, dessen Handel und Gewerbfleiß zu ihrer Blüthe so dringend bedürfen. In Deutschland wie in Oesterreich-Ungarn hat das Volk ungestört den Arbeiten des Friedens leben und sich der Aufgabe widmen können, mehr und mehr auch den inneren socialen Frieden anzubahnen und zu befestigen. Das Wohl der arbeitenden Klassen ist hier wie dort ein hervorragendes Ziel geworden, welches nur zu erreichen ist unter dem Schutz eines ge­sicherten äußeren Friedens. Indem die beiden Monarchen sich jetzt wieder die Hand reichten, haben sie von Neuem das Verhältniß bekräftigt, welches ihren Völkern Schutz nach außen gewährt und der inneren Friedensarbeit Gedeihen bringt. Für Deutschland und Oesterreich ist daher die Jschler Kaiserbegegnung ein neuer Anlaß, sich der Pflicht des Dankes zu erinnern für die unablässige Fürsorge ihrer Monarchen für das Wohl ihrer Völker. Das deutsche Volk insbesondere wird aus diesem Anlaß von Neuem wieder daran erinnert werden, wie viel Dank es seinem erhabenen Kaiser schuldet, der nach glänzenden Kriegen das deutsche Reich wieder aufgerichtet und nun für des Reiches Sicherheit, Wohl und Frieden unablässig wirkt und sorgt.

Für Sonntag den 19. ist die Taufe des zwei­ten Sohnes des Prinzen Wilhelm in Aussicht ge- nommen und wird die Königliche Familie zu die­sem Fest fast vollzählig versammelt sein. Am Tage darauf wird sich der Kronprinz nach Süddeutschland begeben, um dort wie alljährlich Trappendesichtigungen vorzunehmen.

In den letzten Tagen hat die Frage desJnkraft- setzens des spanisch-deutschen Handelsver­trags eine lebhafte Erörterung in der Presse hervor­gerufen. Zahlreiche Handelskammern haben sich im Interesse der Industrie für die sofortige Ratification des Vertrags ausgesprochen. Dieselbe ist aber formell nur nach Genehmigung des Bundesraths und des Reichstags möglich. Diese beiden Körperschaften sind aber gegenwärtig nicht versammelt, und es dürfte seine Schwierigkeiten haben, den Reichstag in gegenwärtiger Jahreszeit einzuberufen oderwe- nlgstens ein beschlußfähiges Haus zusammenzu- bringen. Wie die Nordd. Allg. Ztg. mittheilt, hat Die Regierung mit Spanien Verhandlungen eingeleitet wegen provisorischer Inkraftsetzung der Zollsätze nach Maßgabe des Vertrages. Wenn diese Verhandlungen nicht zum gewünschten Ziele führen sollten, dürfte die Regierung um der deutschen Industrie die Wohlthäter! des Vertrages baldigst zuzuführen doch noch die sofortige Einberufung des Reichstags beim Kaiser beantragen. Es wird sich dann zeigen, ob das Parlament ein gleiches Interesse für die deutsche Industrie hegt und dasselbe durch zahlreiche Anwesenheit seiner Mitglieder bethätigt.

Herr v. Slosch hat dieser Tage in seiner Villa in Oestrich im Rheingau eine Deputation von Ver­tretern der Großindustrie empfangen, welche ihm als Anerkennung seiner Verdienste um die Hebung der deutschen Industrie bezüglich des Schiffbaues, der Stahl-, Eisen- und Maschinen-Jndustrie, sowie des deutschen Steinkohlenbergbaues eine Dankadresse überreichten.

Bezüglich der Stellung der einjährig­freiwilligen Militärärzte sind neuerdings,