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Nr. 88.

Arei

Sonnabend den 25. August 1883.

DaSKreisblatt" erscheint wöchcnt' lich dreimal, Dienstags, Donnerstag- und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.

für den

Jireis Zerssekd.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amltiches.

Kreis Hersfeld.

Der Herr Finanz-Minister hat mittelst Erlasses vom 1. August d. I. Nr. II8381 bestimmt, daß die nach §§. 39 bis 43 der Kataster-Anweisung II vom 81. März 1877 (für das Verfahren bei den Vermessungen behufs Fortschreibung der Grund­steuer-Bücher und -Karten in den östlichen und neuen Provinzen) zulässige Benutzung der von den Grundeigenthümern beigebrachten, nicht durch den Katastercontroleur, sondern anderweit beschafften Fortschreibungsvermessungsmaterialien fortan nur dann stattfinden darf, wenn dieselben in Ansehung der örtlichen Ausführung von einem geprüften und vereideten Feldmesser persönlich hergestellt sind. Die Vorschrift im letzten Absätze des §. 39 der obengedachten Anweisung, welche auch die Benutzung der unter der Verantwortlichkeit eines öffentlich augestellten Feldmessers von anderen Personen aus­geführten örtlichen Vermessungen gestattete, ist da­durch aufgehoben.

Dies bringen wir unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 19. September 1877 (Amts­blatt Nr. 64 de 1877) zur öffentlichen Kenntniß.

Cassel, den 10. August 1883.

Königliche Regierung,

Abtheilung für directe Steuern, Domainen und Forsten. *

Hersfeld,* den 21. August 1883.

Vorstehende Verfügung der Königlichen Regierung bringe ich mit dem Bemerken zum Abdruck, daß hiernach von der Verwendung zu Fortschreibungs­zwecken insbesondere auch alle derartigen Materialien, ausgeschlossen fiib, zu deren Herstellung die Ver­messungen an Ort und Stelle von einem Gehilfen eines öffentlich angestellten Feldmessers unter der Verantwortlichkeit eines solchen bewirkt sind.

Zur Verhinderung etwaiger Schädigungen der Grundeigenthümer durch Unkenntniß dieser Be­stimmung weise ich die Herren Ortsvorstände an, die Grundeigenthümcr ihrer Gemeinden auf dieselbe besonders aufmerksam zu machen.

10775. Der Königliche Landrath _______ Freiherr von Broi ch.___

Hersfeld, den 23. August 1883.

Die Ortspolizeiverwaltungen und die Königliche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch, daß die Strafkammer des Königlichen Amtsgerichts Pr. Stargardt durch vollstreckbares Urtheil vom 14. Juni er. aus ^Unbrauchbarmachung der im Be­sitze des Schuhmachers Joseph Breiske zu Ponschau, als Bibliothekar der Ponschauer Volksbibliothek betroffenen Bücher:

a)Pamietniki Sulerzyskiego dessen Druck- und Verlagsort nicht ersichtlich ist.

b) Tajemnice Talmuda czyli Zusady Kydow wzgledem Boga wiary i Chrzescian slli'os'lit August Rohling doktor i professor. Druck und Verlag von Karl Miarke zu Königs­hütte 1872, als gegen §. 131 bezw. §. 166 des Strafgesetzes verstoßend und der zur Herstellung erforderlichen Firmen und Platten erkannt hat.

10859. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Hersfeld, den 23. August 1883.

Der am 7. Januar 1845 geborene Tagelöhner Jacob Oetzel zu Reckerode hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem diesseitigen Staats- verbande behufs Auswanderung nach Amerika nach­gesucht.

10866. Der Königliche Landrath

Freiherr von Broich.

Die Kuh des Dienstknechts Nikolaus Schü- trumff dahier ist au der Maul- und Klauenseuche erkrankt, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.

Rotensee, den 22. August 1883.

Der Bürgermeister: Bolz.

# Zeitbetrachtungen.

(Schluß.)

Unaufhörlich wurde von fortschrittlich-secessioni- stischer ©eite von einerBedrohung der Rechte des Volks" gesprochen; unablässig wurden im Parla­ment und in Versammlungen, in Zeitungen und Flugschriften Angriffe gegen die Regierung und die ihr nahestehenden Parteien gerichtet und dem Volke vorgespiegelt, daß sie ihm die nothwendigsten Lebensrnittel vertheuerten, die Armen zu Gunsten der Reichen bedrückten, wohingegen die Bestrebungen auf wirkliche Entlastung der ärmeren Klassen von directen Steuern als werthlos hingestellt wurden. Als dann die Socialpolitik in Angriff genommen wurde, waren es wieder die Fortschrittler und Seces- sionisten, welche den Arbeitern vorredeten, ihre Freiheit werde bedroht, wenn man sie und die Ar­beitgeber in eine Organisation vereinige.

Es ist kein Wunder, wenn diese politische Me­thode nicht nur einen großen Theil des Volkes mehr und mehr mit Abneigung gegen alle Politik erfüllt, sondern vor allen Dingen auch die niederen Klassen in die Arme der Socialdemocratie treibt und sie in einen Gegensatz zum Staate selbst bringt, dessen Einrichtungen und Bestrebungen von jenen Parteien so verschrieen und gebrandmarkt werden. Diese Methode ist es, welche die Entwicklung des Staates schon deshalb hemmt, .weil sie die besten Kräfte zur Gegenwehr auffordert, statt daß diese in positiver Weise sich der Förderung des Allge­meinwohls widmen.

Wenn aber an dieser Entwicklung der Dinge der vorgeschrittene Liberalismus schuld ist, so mögen die liberalen Blätter, welche diese Zustände be­klagen, ihre Mahnung an ihre Parteigenossen richten; es seipolitische Pflicht jedes Mannes, die Würde und Sittlichkeit unseres öffentlichen Lebens zu bewahren" und von demselbstsüchtigen und unsittlichen Parteigezänk" abzulassen, damit dem Volke Vertrauen, Zuversicht und Lust an unseren staatlichen Verhältnissen wiederkehren." Der Umfang der Aufgaben, die vom Staate zu lösen sind, hat sich so erweitert, daß es im höchsten Maße der Eintracht der Parteien mit der Regie­rung bedarf, um jenen Aufgaben gerecht werden zu können. Wer statt dessen die Partei- und Par­lamentsherrschaft auf seine Fahne schreibt, den Parteihader fördert und das Parteileben vergiftet, zieht den Staar von seinen Aufgaben ab, schwächt seine Macht, schädigt sein Ansehen und bedroht seine Existenz. Dies mag von denen beherzigt werden, welche die socialdemocratische Bewegung mit Besorgniß erfüllt!

politische liadjridjleii.

Deutschland»

Se. Majestät der Kaiser und König hat für die Abgebrannten in Gaudernbach im Ober­lahnkreise 500 M. aus seiner Privatschatulle zu bewilligen geruht, welche bereits dem betreffenden Landrath durch den Geh. Hofrath Bork übermittelt worden sind.

Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kron­prinz begab sich den 22. d. Mts. früh 7 Uhr mit Sr. K. Hoheit dem Großherzog von Darm­stadt nach Frankfurt a. M., um dort das 1. hes­sische Infanterieregiment Nr. 81, dessen Chef der Großherzog ist, zu besichtigen. Von Frankfurt aus setzte der Kronprinz seine Juspektionreise nach Offen- bach und Hanau fort. Nach Abhaltung der Truppen- inspektionen in Offenbach und Hanau begab sich der Kronprinz nach Aschaffenburg, besichtigte die dortige restaurirte Stiftskirche und trat Nachmit­tags 3</r Uhr von dort die Rückreise nach Darm­stadt an. .

Als hervorragendstes politisches Ereigniß der Woche ist die durch Allerhöchste Verordnung vom 21. erfolgte Einberufung des Bundesraths und des Reichstags zu verzeichnen; der Bundesrath! wird Montag, den 27., der Reichstag Mittwoch

den 29. August zusammentreten. Zweck der Ein­berufung ist, wie angenommen werden darf, allein die Berathung des spanisch-deutschen Han­delsvertrags, um bezüglich des Waarenver- kehrs zwischen Spanien und Deutschland einen von allen Einwendungen freien Zustand zu schaffen. Indem die Regierung sich zu diesem Schritt ent­schlossen hat, giebt sie sich der Hoffnung hin, daß der Reichstag vollzählig erscheinen werde, um die Angelegenheit möglichst schnell zu erledigen. Es wird sich hierin das Interesse documentiren können, welches der Reichstag für die deutsche Industrie hat: die Regierung hat dasselbe ihrerseits durch Einführung des Provisoriums vom 14. August schon längst bethätigt.

Wie es heißt, steht in Kürze die Beförderung des Oberst v. K r o si g k, Kommandeurs des Garde- Husaren-Regiments, zum Generalmajor und gleich­zeitig die Ernennung desselben zum Chef des Mi- Utär-Reit-Jnstituts in Hannover bevor. Der jetzige Chef dieses Instituts Generallieutenant v. H e n d u ck, welcher auch in diesem Jahre wieder die größeren Kavallerie-Manöver in den östlichen Provinzen leiten wird, soll, wie man hört, seiner Zeit zum Inspek­teur der in den Ostprovinzen zu errichtenden Ka­vallerie-Division ernannt werden.

A Ein höherer Beamter der Kaiserlich Bra­sil! a Nischen Po st Verwaltung hat vor Kurzem die Hauptländer Europas zu dem Zwecke bereist, um deren Posteinrichtungen zu studiren. Die bei dieser Gelegenheit gewonnenen Eindrücke hat er in einer dem Kais. Brasilianischen Ministerium für Ackerbau, Handel und öffentliche Arbeiten vorge­legten Druckschrift zusammengestellt. In derselben zollt der Verfasser den Einrichtungen der deut­schen Postverwaltung eine sehr warme Aner­kennung. Er faßt beispielsweise den Gesammtein- druck, welchen das Postwesen Deutschlands auf ihn gemacht hat, in folgende Worte zusammen: Wenn die Ausbildung des Postwesens eines Lan­des als Prüfstein für seine Größe und Fortent­wickelung gelten kann, wie dieses seitens einer Anzahl von Socialpolitikern der Gegenwart be­hauptet wird, wenn das postalische Gedeihen die höhere Aufklärung und den größeren Wohlstand einer Nation bezeichnen, so würde ich kein Land kennen, welches weiter vorgeschritten wäre, als Deutschland." Als Resultat seiner Studien unterbreitet der genannte Beamte seiner Regierung eine Anzahl von Vorschlägen zu Reformen und organischen Einrichtungen, bei welchen er überall das deutsche Muster empfiehlt.

Wie das D. Tgbl. hört, werden sich in kurzem zwei preußische Verwaltungsbeamte nach Japan begeben, um dort als Instrukteure thätig zu sein.

Frankreich.

In betreff der inneren Vorgänge in Frankreich wird berichtet, daß der Justizminister Martin- Feuillee gar kein Hehl hat, daß er das Gesetz über den Richterstand nach Verlauf der verfassungs­mäßigen Frist verkündigen werde, also in vierzehn Tagen, nachdem die Generalräthe ihre Sitzungen geschlossen haben. Er entgeht so den Bemerkungen der Opposition. Mitte September sollen dann Absetzungen und Versetzungen der mißliebigen Richter in drei Proskriptionslisten, die von acht zu acht Tagen erscheinen, erfolgen. D e r Kriegs­minister traf am letzten Sonnabend auf der letzten Station seiner Grenzinspeetionsfahrt ein, die in Verdun begann und über Saint Mihiel, Toul, Nancy, Luneville und Epinal nach Belfort führte. Belfort hat jetzt sieben neue Forts, welche die umliegenden Höhen krönen. Thibaudin wollte drei Tage in Belfort bleiben.

D e r T i m e s " wird vom 23. d. aus Hongkong gemeldet, die Franzosen hätten Hai Dzuong einge­nommen und dabei 150 Kanonen und 50 000 Dol­lars erbeutet. Die Anamiten hätten sich in das Innere des Landes zurückgezogen. (?)

Schweden.

In Narwegen hat am 17. ein Proceß vor einem