Nr. 94.
Hm-
Sonnabend den 8. September 1883.
Das „KreiSblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstag« und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Psg. pro Quartal.
«Kreis ^ersfesö.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 5. September 1883.
Es ist von einer Seite dahier zur Sprache gebracht worden, daß Zweifel darüber bestehen, welche Personen der Pflichtfeuerwehr einzureihen und welche von dem Feuerwehrdienste befreit sind.
Ich sehe mich daher veranlaßt, im Allgemeinen darauf aufmerksam zu machen, daß, wie sich das auch bereits aus dem Eingang der generellen Vorschriften für die Regelung des Feuerlöschwesens der Königlichen Regierung vom 23. August 1875 ergibt, der Feuerwehrdienst ein Gemeindedienst gemäß §. 78 der Gemeinde-Ordnung vom 23. October 1834 ist und sind diese Bestimmungen daher, insoweit nicht etwa ein vor Erlaß jenes Gesetzes bestandenes Herkommen Beachtung finden muß, für die in Rede stehenden Fragen maßgebend.
11191. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
# Die ßemeinben im Deutschen Reich und Preußen.
Am Tage der letzten Volkszählung, dem 1. Dezember 1880, waren im Deutschen Reich 80,039, im preußischen Staate 54,784 Gemeinden vorhanden. Von diesen Gemeinden giebt es im Deutschen Reich 14 mit 100,000 Einwohnern und darüber, 102 mit 20,000 bis 99,999 Einwohnern, 641 mit 5000 bis 19,999, 1950 mit 2000 bis 4999 und 77,332 mit weniger als 2000 Einwohnern. Im preußischen Staat giebt es von denselben Größenkatego- rien 7, bezw. 64, — 408, — 1130, — 53,175 Gemeinden. In der ersten Größenklasse (mit 100,000 und darüber) wohnen von der Gesammtbevölkerung Deutschlands 7,24 Procent, von der Gesammtbevölkerung Preußens 7,$1 Procent; in der zweiten Klasse 8,9 0, bezw. 9,38 Procent; in der dritten 12,;4, bezw. 13,34 Procent, in der vierten 12,71, bezw. 12,2, Procent und in der letzten 58,61 bezw. 57,5 2 Procent der Bevölkerung. Ueber die Hälfte der Bevölkerung wohnt also in kleinen Gemeinden von weniger als 2000 Einwohnern. Wenn man die vorstehenden Procentzahlen Preußens mit denen des Reichs vergleicht, so ergiebt sich, daß in Preußen in den größeren Gemeinden von 5000 Einwohnern und darüber verhältnißmäßig eine größere Zahl von Menschen wohnt als in den gleichgroßen Gemeinden des Reichs, und daß die Zahl der Einwohner von Gemeinden unter 5000 Einwohnern in Preußen verhältnißmäßig geringer ist als die in den gleichgroßen Gemeinden des Reichs, — mit anderen Worten, daß der Zudrang vom Lande nach den größeren Städten in Preußen größer gewesen ist, als im gesammten Reiche.
Nach der politischen Eintheilung giebt es im Reich 2352, im preußischen Staat 1287 städtische Gemeinden. Unter den Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern sind auch Landgemeinden vorhanden, wie anderseits unter den Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern sich auch Städte befinden. In Preußen giebt es 595 Landgemeinden mit mehr als 2000 und weniger als 5000 Einwohnern, 76 Landgemeinden mit 5000—10,000 Einwohnern und sogar 16 mit mehr als 10,000 Einwohnern. Es waren dies Altendorf bei Essen
(22,229), Borbeck (21,592), Nixdorf bei Berlin (18,729), Longerich (16,525), Oberneuenkirch (14,647), Meiderich (13,323). Altenessen (13,050), Lichtenberg bei Berlin (12,626), Hardenberg (11,689), Bredow (11,255), Schöneberg bei Berlin (11,180), Dudweiler (10,891), Sulzbach (10,386), Zaborze (10,366), Bensberg (10,350) und Rondorf (10,067). Abgesehen von einigen Gemeinden in der nächsten Umgegend von Berlin, liegen diese Communaleinheiten fast ohne Ausnahme in den ...
gewerbfleißigsten Gegenden unserer westlichen Pro- gemeldet. Mehrere Läden wurden erbrochen und Vinzen. verwüstet. Die Ruhestörer waren zumeist Hand-
! Anderseits giebt es 294 preußische Städte, bezw. i im Stande der Städte vertretene Flecken mit weniger als 2000, aber mehr als 1000 Einwohnern, und 70 Städte sogar mit weniger als 1000 Bewohnern. Die kleinste städtische Communaleinheit in Preußen war der im Kreise Diepholz belegene Flecken Vornan mit nur 373 Bewohnern; sodann folgen die Städte Breidenstein im Kreise Bieden- kopf mit 447, Lagow im Kreise Ost-Sternberg mit 482 und der Flecken Diepenau im Kreise Nien- burg mit 491 Bewohnern.
politische Nachrichten.
Deutschland»
1 Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist mit seinen militärischen Begleitern von seiner Inspektionsreise in Bayern rc. am 5. d. M. früh wohlbehalten wieder in Potsdam eingetrsffen.
In der unter dem Vorsitze des Staatsministers von Boetticher am 4. September abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths legte der Vorsitzende die Beschlüsse des Reichstags vor, betreffend die am 6. Mai 1882 unterzeichnete internationale Convention zur polizeilichen Regelung der Fischerei in der Nordsee außerhalb der Küstengewässer und den Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung dieser Convention; den am 12. Juli d. J. unterzeichneten Handels-und Schifffahrtsvertrag mit Spanien. Dem von dem Reichstage angenommenen Entwürfe eines Gesetzes betreffend die Ertheilung der Indemnität für die durch die Bekanntmachung vom 9. August 1883 angeordneten Zollermäßigungen, sowie die Verallgemeinerung der Zollermäßigungen in den Tarifen A. zu dem deutsch-italienischen und dem deutsch-spanischen Handels- und Schifffahrts-' vertrage, ertheilte die Versammlung ihre Zustimmung. Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorberathung überwiesen: die Resolution des Reichstags wegen Ermäßigung des Zolles auf Cacao in Bohnen; der Beschluß des Reichstags zu den Petitionen wegen Ermäßigung des Zolles auf Rosinen und Corinthen; die Rechnung der Kasse des Rechnungshofs für 1881/82 behufs deren Dechargirung. Nachdem auf Anregung des Herrn Reichskanzlers eine Abänderung der Artikel „Weinbeeren" und „Weinmaische" des amtlichen Waaren- verzeichnisses beschlossen worden war, faßte die Versammlung Beschluß über die geschäftliche Behandlung zahlreicher Eingaben von Privaten.
Für den Zusammentritt des preußischen Lan- deseisenbahnraths ist der 22. September in Aussicht genommen. Die Geschäfte dürften wohl in einem Tage erledigt werden, da nur die Geschäftsordnung zur Berathung gelangen soll.
Der bayerische Landtag ifLauf den 28. d. M. einberufen worden.
Der Zusammentritt der Rei.chskommission für die Untersuchung der Ursachen der Hochwasserschäden am Rhein und seinen Nebenflüssen, um deren Einsetzung der Reichskanzler infolge deS zu dem Antrag TyileniuS gefaßten Beschlusses des Reichstages ersucht worden ist, steht noch in dem laufenden Jahre bevor. Zum Reichskommissar dürfte der schon mit der Leitung der Untersuchung der Korrektion im Rheingau mit großem Erfolge
betraut gewesene Unterstaatssekretär im Ministerium für Landwirthschaft Marcard designirt sein.
Lei der am 5. d. in Rakel stattgehabten au» derweitigen Wahl eines Landtagsabgeordneten wurde der Oberregierungsrath Hahn mit 291
Stimmen wiedergewühlt; der nationalliberale Can- didat Falkenberg erhielt 82, der Pole Komicrowski erhielt 81 Stimmen.
Oefi erreich-Ungarn.
Von Pest werden unterm 4. September wiederum neue antisemitische Unruhen in Szigetvar
Werksgesellen, von denen einer durch die einschrei- tende Polizei erschossen wurde, während zwei schwer verwundet wurden; einer derselben ist inzwischen gestorben. Gestern Nachmittag traf eine Schwadron Husaren in Szigetvar ein; in Folge dessen fanden weitere Unruhen nicht statt. Dagegen machen sich an vielen anderen Orten beunruhigende Symptome bemerkbar.
Frankreich.
Der Krieg zwischen Frankreich und China scheint in ziemlich naher Aussicht zu stehen. Alles hängt von den in den nächsten Tagen stattfindenden Verhandlungen ab, die zwischen dem chinesischen Botschafter Marquis Tseng, welcher sich am 5. d. von London nach Paris gegeben hat, und dem französischen Ministerpräsidenten Ferry gepflogen werden sollen. Falls Frankreich nicht auf den abgeschlossenen Vertrag verzichtet und einräumt, keinen Theil Tonkins annectiren zu wollen, ist der Krieg unvermeidlich, denn China würde solche Annexion als gleichbedeutend mit einer Invasion Chinas selbst ansehen. Die öffentliche Meinung der chinesischen Regierungskreise ist ungemein feindlich gegen Frankreich. China will durchaus nicht Frankreich als Nachbar haben, da hierdurch eine vollkommene Ruhelosigkeit an der Grenze entstände. Die Franzosen heben übrigens in Anam die Zölle ein, halten die Forts am Flusse besetzt und haben den Betrieb der Bergwerke übernommen; sie legen auch den Telegraphen zwischen Saigon und Haiphong. In Haiphong wurde der Blokadezustand erklärt. — Ein Telegramm aus Paris, 4. d., berichtet inzwischen : In dem am 6. d. Vormittag stattgehab« ten Ministerrath wurde beschlossen, ansehnliche Verstärkungen nach Tonkin zu senden; dieselben sollen dem algerischen Truppenbestande entnommen werden. — Der „Temps" schreibt, über den von englischen Blättern gemeldeten Marsch chinesischer Truppen nach Tonkin sei der französischen Regierung keinerlei Kunde zugegangen. Ferner publicirt der „Temps" eine Unterredung eines seiner Redakteure mit dem hiesigen chinesischen Geschäftsträger, wobei der letztere gleichfalls erklärte, daß auch der hiesigen chinesischen Gesandtschaft über den Einmarsch chinesischer Truppen in Tonkin keinerlei Nachricht zugekommen sei. Der chinesische Geschäftsträger habe hinzugefügt, möglich sei, daß die chinesische Regierung in Folge des dem König von Annam auferlegten Vertrags die Grenztruppen verstärkt habe; da die chinesische Regierung Suzerän von Tonkin sei, könne sie sich im Nothfalle auch für berechtigt halten, in Tonkin Truppen einrücken zu lassen.
AuS H-ffen-Naffa«.
* Nach der soeben im Druck veröffentlichten übersichtlichen Darstellung der Betriebsergebnisse und der (Vermögenslage der Landeskreditkasse für das Rechnungsjahr 1882 beträgt die Hauptsumme der Passiva (die nachfolgenden Zahlen unter Weglas- sung der Pfennige) 82,534,393 M., denen 82,617,708 M. Activa gegenüberstehen, was einen Ueberschuß von 83,315 M. ergibt, die an den Reservefonds abgcliefert sind. Der Letztere hat sich überhaupt vermehrt um 122,897 M., so daß derselbe Ende des Jahres 4,375,893 M. erreichte. Die Aus- stände Ende 1882 betrugen 78,065,063 M. Dar- lehngesuche gingen 1549 mit 7,233,751 M. ein, bewilligt wurden 1282 mit 5,696,000 M., ausgezahlt 1300 mit 5,750,815 Mark. Schuldverschreibungen auf den Inhaber (verloosbar, Seitens des Inhabers unkündbar, Serie XH1 zu 4"/o) wurden 5,735,100 M. ausgegeben.
* Der Titular-Professor Dr. Daube zu Münden ist zum Professor der anorganischen Naturwissenschaften ernannt und demselben die durch das Ausscheiden des Professors Dr. Mitscherlich aus dem Staatsdienste erledigte etatsmäßige Professur für anorganische Naturwissenschaften an der Forstaca- demie zu Münden übertragen worden.