Donnerstag den 27. September 1883
Nr. 102.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchent» lich dreimal, Dienstags, Donnerstag« und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Pfg. pro Quartal.
Kreis Hersselü.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar. mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederholung entsprechender Rabatt gewährt.
Abonnements-Einladung.
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf das
Kreisölatt für den Kreis Kersfeld.
Wir bitten dasselbe rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt. Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt mit der wöchentlichen Beilage „ProvinziaU CorreSpondenz" beträgt 1 Mark 40 Pfg.
Inserate haben, da das „Kreisblatt" die größte Verbreitung im hiesigen Kreise hat, sichern Erfolg, und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreis- blatt vom Tage der Bestellung an bis 1. Oktober c. gratis und franco zugesandt.
Die Expedition.
ÄmUiches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 22. September 1883.
Zufolge erhaltener Mittheilung erscheint dem- nLchft im Verlage des Königlichen statistischen Bureaus da^tanbeäamMe^^
Staates", welches im amtlichen VeMUe für E Standesämter sehr zweckmäßig sein und einem mannichfach hervorgetretenen Bedürfnisse entgegentreten soll. Namentlich ist aus diesem Buche ersichtlich, zu welchem Standesamtsbezirk die einzelnen Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke des preußischen Staates gehören, wo der Sitz des Standesamtes und die Poststation desselben sich befinden, zu welchem Amtsgericht rc. das betreffende Standesamt gehört u. f. w.
Das Standesamts-Lexikon des preußischen Staates ist ungefähr 38 Druckbogen stark und kostet bei Bestellung durch das Königliche Landrathsamt pro Exemplar 5 Mk. Diejenigen Herren Standesbeamten des Kreises, welche zur Anschaffung dieses Werkes geneigt sind, haben solches bis zum 1. Oktober d. I. behufs Bestellung dahier anzuzeigen.
12006. Der Königliche Landrath ________ Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 26. September 1883.
Die Herren Bürgermeister zu:
Allmershausen, Siebebad), Eitra, Frielingen, Hattenbach, Heenes, Kathus, Kleba, Meck- bach, Mecklar, Mengshauseu, Niederaula, Oberhaun, Petersberg, Reilos, Roßbach, Sorga, Stärklos, Tann, Wippershain, Geth- semane, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Hilmes, Kleinensee, Lampertsseld, Landershausen, Leimbach, Lengers, Oberlengsfeld, Ransbach, Röhrigshof, Schenksolz, Unter- neurode, Wehrshausen, Widdershausen und
Wölfershausen werden hierdurch an die Erledigung meiner Ver- fügmig vorn 28. Februar 1880 Nr. 2182 im Kreisblatt Nr. 18, die Einzahlung des Forstgel- des betreffend, mit Frist bis zum 2. Oktobers. erinnert.
12181. Der Königliche Landrath Freiherr von Broich.___
Hersfeld, den 25. September 1883.
ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach einer Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Rotenburg a/F. unter dem Rindvieh des Sandel Rosenbaum zu Baumbach die Maul- unb Klauenseuche ausgebrochen ist. 12120. Der Königliche Landrath ___________________________________________Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 24. September 1883.
Die Ortspolizeiverwaltungen und die König
liche Gendarmerie des Kreises benachrichtige ich hierdurch Älter Bezugnahme auf meine Verfügung vorn 1. August c. Nr. 9771 im Kreisblatt Nr. 79, daß die vorläufige Beschlagnahme der Druckschrift „die Wunder der Zeugung von Dr. F. G. K. Hildebrand in Berlin (1. Lieferung) aus dem Verlag von E. Mecklenburg in Berlin" wieder aufgehoben ist, da in der Hauptverhandlung nicht festgestellt werden konnte, daß der Angeklagte diese Druckschrift verkauft, zum Verkauf ausgelegt oder sonst verbreitet habe.
12093. Der Königliche Landrath
-Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 24. September 1883.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 11. d. Mts. Nr. 11605 im Kreisblatt Nr. 97 setze ich die Herren Ortsvorstände der zum 1,1. Ober br and meisterbezirk gehörigen Gemeinden des Kreises davon in Kenntniß, daß etwaige Feuer-Meldungen aus Ihren Ortschaften durch die betreffenden Feuerboten in der Wohnung des Herrn Oberbrandmeisters Louis Volkmar, Hanfsack Nr. 611, zu geschehen haben, und des Nachts die daselbst am rechten Thürpfosten angebrachte Nachtschelle hierbei zu benutzen ist.
11987. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 18. September 1883. G EL_w»rK hierdurch veröffentlicht. daß die Kreis-
Gesetzes vom 12. März 1881 betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, aus den sachverständigen Eingesessenen des Kreises für das Jahr 1884 folgende als Schiedsmänner zu den Schätzungs-Lommissionen heranzuziehende Personen gewählt hat:
1) Oekonom Peter Heil zu Hersfeld.
2) Oekonom Friedrich Friedrich zu Hersfeld.
3) Oekonom Carl Schimmelpfeug zu Hersfeld.
4) Gutspachter Richard Braun zu Oberrode.
5) Domaiuenpachter Freist zu Biengarles.
6) „ Oldenburg zu Wilhelmshof.
7) „ Suntheim zu Eichhof.
8) Gutsbesitzer Schwarz zu Unterbaun.
9) Laudwirth Wilhelm Jacob zu Unterbaun.
10) Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach.
11) Landwirth Opfer zu Obergeis.
12) „ Johannes Claus zu Mecklar.
13) „ Johannes Wetze! 2r. zu Meckbach.
14) „ Andreas Strüber zu Friedlos.
15) Gastwirth Peter Grebe zu Friedlos.
16) Landwirth Heinrich Schaub zu Tann.
17) „ Heinrich Fey zu Taun.
18) „ Conrad Hildebrand zu Rohrbach.
19) Bürgermeister Glebe zu Kohlhaufen.
20) Gutsbesitzer Eschstruth ir zu Frielingen.
21) „ Baron von Lepel zu Hattenbach.
22) Oekonom Philipp Schäfer zu Mengshauseu.
23) Landwirth Jacob Grenzebach zu Niederaula. 24) Oekonom Bezzeuberger zu Kirchheim.
25) Rittergutspachter Schlabach zu Kirchheim.
26) Oekonom Conrad Schüler zu Reckerobe.
27) Landwirth Heinrich Aiaurer zu Kerspenhausen.
28) Bürgermeister Ruhn zu ASbach.
29) Landwirth Philipp Thiel zu Eruspis.
30) Landwirth George Weitz zu Harnrode.
31) Gutsbesitzer Gerlach zu Rippe.
32) „ Sandrock zu Lautenhausen.
33) „ Hoßbach zu Hof Weisenborn.
34) „ Ernst Bippart zu Hermannshof.
35) „ Gliemroth zu Wölfershausen.
36) Gastwirth Schimmelpfeug zu Widdershausen.
37) Landwirty JohS. Schimmelpfeug zu Heringen.
38) Gutsbesitzer Schlosser zu Kleinensee.
39) Ackermann Johs. Bolkenaud zu Bengendorf.
40) Oekonom Theodor Rehren zu Oberlengsfeld. 41) Landwirth Burghard Rügerzu Unterweisenborn. 42) Oekonom Adolph Reinhard zu Unterweisenborn.
43- Ackermann Heinrich Burghard zu Ransbach. 44) Gutsbesitzer August Aulepp zu Philippsthal.
45) Schmied Scheer zu Schenklengsfeld.
46) Ackermann Georg Deisenroth 1r zu Hilmes.
47) „ Rudolph zu Ausbach.
48) „ Peter Bock zu Eonrode.
49) „ Oswald Steinhauer zu Wüstfeld.
Aus der Zahl dieser Personen hat die Ortspolizeibehörde die Schiedsmänner für jeden einzelne)! Schätzungsfall zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Thierarzt und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission, und sind die Schiedsmänner von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Thierarztes ein nicht beamteter Thierarzt zugezogen wird, für diesen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten und Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse bestritten.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die vorstehend genannten Personen alsbald von der auf sie gefallenen Wahl in Kenntniß zu setzen und denselben zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet seien, auf amtliche Requisition erforderlichen Falls an allen Orten des Kreises Abschätzungen vor- zunehmen.
11895. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
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Wer jemals in der Lage gewesen, einen Sturm an der See zu beobachten, weiß, daß die Wellenbewegung an der Küste noch eine Weile fortdauert, wenn da, wo diese Bewegung ihren Anfang genommen d. h. auf der hohen See, die Ruhe bereits wiedergestellt und die Gewalt des Windes gebrochen ist.
Aehnlichen Erscheinungen begegnet man zuweilen im politischen Leben. Parteien, deren Bedeutung im Centrum des staatlichen Treibens längst in der Abnahme begriffen ist, spielen in den weiteren Kreisen oder, um einen mathematischen Ausdruck zu brauchen, an der Peripherie noch eine Weile die frühere Rolle weiter fort; es bedarf einiger Zeit, bis die neue Bewegung der Geister sich über das gesammte Kreisgebiet fortgepflanzt hat.
Wenn — wie das neuerdings vorgekommen — fortschrittliche und secessionistische Candidaten in weiter Obliegenheit, oder von dem Einfluß des vorgeschrittenen Liberalismus bisher unberührt gebliebenen Einflüssen Wahlerfolge erringen, so erinnert das lebhaft an öie oben erwähnte Naturerscheinung. — An den im Verlauf der letzten Jahre gefallenen wichtigen Entscheidungen haben Fortschritt und Secession so gut wie gar keinen Antheil gehabt; der Widerstand, den diese Parteien der socialpvlitifchen Reform, dem neuen Wirth- schaftSsyslem, dem Abschluß der Verwaltungsgesetzgebung u. s. w. geleistet haben, wird in den Kreisen der liberalen Politiker von Einsicht und Erfahrung grade so ungünstig, zuweilen noch ungünstiger beurtheilt, wie von den Conservativen. Daß für ein parlamentarisches Parteiregiment in Preußen und Deutschland alles Material fehlt, — daß ein starkes, von einer kundigen Hand gelenktes nationales Heer die unentbehrlichste Bürgschaft für den Frieden und die Sicherheit des Vaterlands bildet, — daß das dringendste aller Zeitbedürfnisse die Besserung der materiellen Lage der besitzlosen Klassen ist, — und daß unsere „Vorgeschrittenen" bezüglich dieser entscheidenden Punkte, wie mit Blindheit geschlagen sind, darüber besteht unter ernsthaften politischen Männern schon seit einiger Zeit Uebereinstimmung!
Das verhindert aber nicht, daß die fortschrittlich- secessionistische Agitation an manchen Orten noch immer ihre kleinen Geschäfte macht und daß Wähler, für welche die lautesten und rücksichtslosesten Agitatoren und Schreier alle Male Recht haben, sich