Nr. 139.
Zmmabmd den 22. Dezember 1883.
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für den
Kreis ^ersfefb.
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Die Expedition.
Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 21. Dezember 1883.
Die Herrey Ortsvorstände zu:
Allmershausen, Biedebach, Eichhof, Eitra, Friedlos, Goßmannsrodc,Hattenbach, Kathus, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kohl- Haufen, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Mengs- Haufen, Niederaula, Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Reilos, Reimboldshausen, Roten- see, Sieglos, Solms, Sorga, Tann, Unter- Haun, Wilhelmshof, Bengendorf, Friedewald, Gethsemane, Herfa, Heringen, Landershausen, Leimbach, Oberlengsfeld, Ransbach, Röhrigshof, Unterneurode, Wehrshausen, Widdershausen, Wölfershaufen und Wüstfeld werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 12. October c. Nr. 12884, im Kreis-
Verjährt!
Von Ewald August König.
(Fortsetzung.)
»Schließ ein Bündniß mit dem Mörder, und dann sagt Deine alte Mutter sich von Dir los, und ihr Fluch wird noch in der Todesstunde auf Dir ruhen."
„Na, na, bei Licht betrachtet kann man ihm nicht —"
„Betrachte es von welcher weite Du willst, ich bleibe dabei, daß er ein Mörder ist! Soll ich mein eigenes Kind mit einem solchen Menschen gemeinsame Sache machen sehen? Da sei Gott vor, daß dies jemals geschehe und thuest Du es dennoch, so trifft Dich mein Fluch."
Der Schreiber blickte seine Blätter einige Secunden lang betroffen an, dann zuckte er gering- schätzend mit den Achseln.
„Von einem Bündniß ist dabei keine Rede," sagte er, „ich verkaufe ihm nur ein Geheimniß, welches für ihn Werth hat."
„Du weißt, wie ich es meine, es ist unnöthig, daß wir darüber viele Worte machen. Du hast der Frau versprochen, das Geheimniß zu wahren und sie hat Dir für dieses Versprechen Geld gegeben, wie darfst Du nun Dein Wort brechen und dieselbe Frau verrathen, die Du zu schützen gelobt hast! Ich sag's Dir noch einmal, mein Fluch trifft Dich, wenn Du Deine schändlichen Absichten ausführst."
Jacob Lange zuckte abermals mit den Achseln und zündete die eine Kerze wieder an.
„In dem schweren Kampf um's Dasein ist es Thorheit, Rücksichten auf Andere zu nehmen,"
blatt Nr. 110, die abgestorbenen Obstbäume betreffend, mit Frist bis zum 28. d. Mtv. Nachmittags 2 Uhr bei Meidung der Zusendung eines Dtrasboten erinnert.
12884. Der Königliche Landrath
_____Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 21. Dezember 1883.
Die Herren Ortsvorstände zu:
Biedebach, Eichhof, Eitra,Hattenbach, Kathus, Kleba, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Mengs- Hausen, Niederaula, Reimboldshausen, Roten- see, Rotterterode, Sieglos, Sorga, Stärklos, Tann, Unterhaun, Wippershain, Bengendorf, Gethsemane, Herfa, Lampertsfeld, Landershausen, Oberlengsfeld, Ransbach, Röhrias- Hof, Unterneurode, Wölfershaufen und Wüst- feld werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 16. März 1878 Nr. 904, im Kreis- blatt Nr. 28, die Einsendung der Protokolle über die Revision der im Verkehre befindlichen Maße und Gewichte betreffend, mit Frist bis zum 28. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr bei Mei- duua der Zusendung eines Strafboten erinnert. 16085. Der Königliche Landrath
Freiherr von Broich.
Hersfeld, den 20. Dezember 1883.
Unter Bezugnahme auf das unter'm 15. Juni 1883 erlassene Gesetz, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter, (R. G. Bl. S. 73) und die unter'm 26. v. Mts. erlassene Anweisung zur Ausführung desfelben (Extra-Beilage zu 9ir. 54 des Amtsblattes) veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises hierdurch, mir unfehlbar bis zum 27. d. Mts. (Nachmittags 2 Uhr) über die Höhe des in dem Gemeindebezirk ortsüblichen Tagelvhues gewöhnlicher T a g e a r b e i t e r 31t berichten und zwar ist der Lohn gemäß Pos. 6 der Anweisung gesondert
a) für erwachsene (d. h. mehr als 16 Jahre alte) männliche Arbeiter,
b) für erwachsene weibliche Arbeiter,
c) für jugendliche (d. h. unter 16 Jahren stehende) männliche Arbeiter,
sagte er. „Du hast das in Deinem ganzen Leben nicht gethan, Du nahmst nicht einmal Rücksichten auf Deinen eigenen Sohn. Hättest Du es gethan, so wäre ich nicht der arme Schreiber geblieben, jetzt muß ich mir selbst helfen, wenn ich es in meinen alten Tagen noch zu etwas bringen will."
Damit ging er hinaus, um in seinem Bureau über seine Pläne ungestört nachzudenken.
Zehntes Kapitel.
Nach einer schlaflos verbrachten Nacht dachte Faber noch einmal über seine Unterredung mit dem Schreiber und dessen Mutter nach.
Es war nichts Greifbares in dem, was sie ihm auf seine Fragen geantwortet hatten, dennoch fand er gerade durch ihre Aeußerungen seine Vermuthungen bestätigt.
Er wußte nicht, was er thun sollte, er konnte noch immer nicht zu einem Entschluß kommen.
War er in dieser Minute entschlossen, der Hei- math auf Nimmerwiedersehen den Rücken zu wenden und nach Amerika zurückzukehren, so drängte es ihn in der nächsten Minute wieder mit unwiderstehlicher Gewalt dahin, wo die einst so heiß geliebte Frau weilte.
Haß und Liebe stritten in seinem Herzen, es war ein zäher, böser Kampf, der ihn nicht zur Ruhe kommen ließ. . . .
In Sinnen versunken wanderte er in seinem Zimmer auf und nieder, der Wunsch, Leonore wiederzusehen, wurde immer mächtiger in ihm.
Ein kurzes energisches Pochen an seiner Thür weckte ihn aus seinem Brüten, er blieb stehen und blickte erwartungsvoll den eintretenden Herrn an, der ihm völlig unbekannt war.
d) für jugendliche weibliche Arbeiter anzugeben. Tantiemen und Naturalbezüge (freie Wohnung, Feuerung, Beköstigung, Viehweide 2c.), welche als Bestandtheil des Lohnes gelten, sind zu Ortsdurchschnittspreisen zu veranschlagen und neben dem baaren Lohn gesondert anzugeben.
Sodann erwarte ich von denselben bis zum 10. Januar 1884 (Nachmittags 2 Uhr) die Vorlage einer Uebersicht über die Zahl und Gattung der in dem Gemeindebezirk beschäftigten verficherungspflichtigen Personen, (§. 1 des Gesetzes) sowie unter Berücksichtigung der bereits bestehenden Kasseneinrichtungen die Aufstellung und Einreichung eines Planes darüber, in welcher Weise die Versicherung am zweckmäßigsten zu organisiren ist. Pos. 5 der Anweisung.
Zu diesem Zweck sind die Besitzer von Fabriken und ähnlichen gewerblichen Anlagen, welche fünfzig oder mehr dem Versicherungszwang unterworfene Personen beschäftigen, und für deren Arbeiter eine Fabrikkrankenkasse nicht bereits besteht, von den Herren Ortsvorständen binnen einer ihnen zu fetzenden kurzen Frist zur Erklärung darüber aufzufordern, ob sie von der nach §. 60 des Gesetzes ihnen zustehenden Berechtigung, eine Be- triebs-(Fabrik-)Krankenkasse zu begründen, Gebrauch machen wollen; ferner hat sich jede Gemeindebehörde darüber schlüssig zu machen, für welche Kategorien (Classen) der versicherungs- pflichtiae« Personen Ortskrankenkaffen (ß. 16 des Gesetzes) zu errichten und welche Kategorien dieser Personen der Gemeindekrankenversicherung (§. 4) zu überweisen sind. Gleichzeitig ist ein Verzeichnis der in jedem Gemeindebezirk domizilirten Kranken- I küssen nach dem mittelst der gedachten Anweisung ! mitgetheilten Schema A (Po;. 7 der Anweisung) aufzustellen und mir unter Beifügung der Kassen- : statuten mit einem gutachtlichen Berichte über die zu Pos. 7 a—d besagter Anweisung anfge- führten Punkte einzureichen.
, Die pünktlichste Erledigung dieser Verfügung ; muß ich Seitens der Herren Ortsvorstände erwarten, da ich sonst etwaigen Säumigen sofort den Strafboten zusenden müßte. Bezüguch solcher
1 Gemeinden, wo sich derartige versicherungspflichtrge
„Kaufmann Gustav Romberg," stellte der Fremde sich vor. „Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich störe, eine Angelegenheit, die Sie persönlich betrifft, führt mich zu Ihnen."
Faber bot ihm einen Sessel an und nahm ihm gegenüber Platz.
„Sind Sie ein Verwandter des Herrn Gymnasiallehrers Romberg?" fragte er.
„Ich bin sein Bruder, kennen Sie ihn persönlich ?-
„Ich lernte ihn vor einigen Abenden kennen, als er seine Braut zum Bahnhöfe brächte."
„Er ist am nächsten Tage nachgereist."
„Und was hofft er dadurch zu erreichen?"
„Direct wohl nichts, er mußte seine Stelle hier quittiren —"
„Weshalb mußte er es?"
Romberg blickte den alten Herrn eine Weile forschend an, dann wiegte er mit sichtbarer Verlegenheit das Haupt.
„Ich weiß nicht, ob Sie den Vorfall kennen, der sich hier während der Anwesenheit des Herrn Com« merzienrath Seemann zugetragen hat," sagte er ausweichend. \
„Ich kenne ihn."
„Wohlan, dann können wir offen mit einander reden. Sie wissen, in welcher Weise und aus welchen Gründen ein häßlicher Verdacht auf meinen Bruder geworfen wurde, damit noch nicht zufrieden, haben die Leute auch dem Director des Gymnasiums diesen Verdacht berichtet."
„Wer that das?" fragte er überrascht.
„Die Mutter der Braut."
„Unmöglich! Was hat ihr der junge Mann gethan —"