Nr. 140.
Ams
Dienstag den 25. Dezember 1885.
DaS „Kreisblatt" erscheint wöchent» sich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben bei der Expedition 1 Mark 40 Psg. pro Quartal.
für den
ausgenommen und die einspaltige Gar« mondzeile oder deren Raum mit 10 Pfg. berechnet und wird bei Wiederho» lung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches.
Bekannt m a ch 11 it g die Haupt-Ergebnisse der Rechnung der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse für den Regierungsbezirk Cassel Dom Rechnungsjahr 1. April 1881/82 betreffend.
Unter der Schaafheerde des Schäfers George Sch m i d t dahier ist die Räudekrankheit ausgebrochen.
Leimbach, den 19. December 1883.
Der Bürgermeister Rudolph.
Nachdem die vorgedachte, von der Königlichen Regierungs-Hauptkasse dahier aufgestellte Rechnung revidirt, den Kaffen-Curatoren nebst den Belägen vorgelegt, von denselben als richtig anerkannt und daraufhin abgeschlossen, sowie die Dtzcharge von uns ertheilt worden ist, theilen wir deren Haupt-Ergebnisse nach §. 48 der Statuten den Mitgliedern dieser Witwen- und Waisenkasse in Nachstehendem mit.
Z u s a in m c n st e l l u n g der Einnahme und Ausgabe bei der Elementarlehrer-Witwen- und Waisenkasse des Regierungs- Bezirks Cassel für das Rechnungsjahr 1881/82.
Sott
8
Dagegen ist "
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Gegenstand
Ist. Rest
1122046
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# Weihnachten!
Friede auf Erden! Mit diesem Engelsgruß wurde der Welt die Geburt beS Heilandes verkündet, und diesen Friedensgruß sendet uns alle Jahre von Neuem das Fest zu, welches die Christenheit zum Andenken an die Menschwerdung des Gottessohnes feiert. Damals, als die alte Welt in Trümmern versank, senkte sich die frohe Botschaft wie Balsam in die Wunden, welche Zweifelsucht und Egoismus geschlagen hatten: für die Leiden der Menschheit gab es m den alten Religionen und Philosophien kein Heilmittel; Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, religiöse, sittliche und politische Versuukenheit hatten sich der Menschheit bemächtigt, die kein höheres sittliches Ziel mehr kannte und sich über die wichtigen ! Fragen des Lebens durch Sinnengenuß hinweg« zutäuschen suchte. Diese zerrüttete und gequälte Welt nutete sich allmählig an dem Friedensgruß und ander frohen Botschaft wieder auf: während die antike Bildung in ihrem letzten Ende nur zu Zweifelsucht, Egoismus und Hoffnungslosigkeit geführt hatte, predigte das Christenthum Glaube, Liebe, Hoffnung! Diese neue ße^ hat nichvnur Staaten gegründet und die Welt eriobert, sondern für alle Zeiten auch demHerzen eines jeden einzelnen Menschenkindes einen festen Halt und sicheren Leitstern auf dem Pfade des Lebens und demjenigen, der in ihr Frieden sucht, auch Frieden gegeben.
Diese weltgeschichtliche Entwickelung erneuert sich auch noch heute in jedem einzelnen Menschen, wie in ganzen Völkern. Wo der Kampf um's Dasein zum nackten Egoismus und zur Verzweiflung führt, da bethätigt sich immer wieder m neuer Kraft und Herrlichkeit die Macht des Christenthums, und wo diese wirklich herrscht, wo sich die Menschen und Völker wirklich von ihr durchdringen lassen, da herrscht auch „Friede auf Erden".
1
E i n na h me
Bestand aus der vor.Rechnung 11220 46 2769 48 1838242 i .
•11220 46- 2864 481.
-- 2693 — h 2693 - 17148 •--16829 4216829 421553- -- 235714il 2357 14 — — ‘
188 62 26222 27 26410 89 604 231
309 — 21600— 21909 —! 245 55
24H 306 86 330 86$ 18-4
-1- - - .------—
11742 08 70008 69 81750 77 2592 26 235714 81985 89
17148
2357
14i
682 86 682
18175 0518175
50750$- 50750
400 78 400
235
217
5153
502
12
95
95
34
5874 06
95
_____ .Antrittsgelder . .
• 18382 42 Ha. Kapitalzinsen . . .
i_ iib. angelegte Kapitalien . .
~..... Jahresbeitr. d. Kassenmitgl.!26956 08 59.04
Beiträge der Gemeinden . ’ —
Sonstige Einnahmen
2701512IIL
22154 55IV.
90081
— 5125234
181 400 60
18 75882 75
21868155 286'—
34886 -I—
sonstige Einnahmen . . 34818b —;—
! Zuschuß aus der Staatskasse M r~ —i—
Summa der Einnahmen 815-15 85 440 04
8 n n h p
Ausgaben.
I. i Verwaltungskosten . . . 90081
Zur Anlegung als Kapital 23329 — Pensionen ...... 5098151:
IV. Sonstige Ausgaben . . . 40060$
II. i in.
270 83
Summa der Ausgaben 7561192 270 83
Mithin Bestand 5933 93
Cassel, den 17. Dezember 1883.
Königliche Regierung, Abthellung für Kirchen- und Schulsachen. M i t t l e r.
Ierjährt!
Bon Ewald August König.
(Fortsetzung.)
„Sie sagen, Hedwig sei meine Tochter", erwiderte er nach einer langen Pause, „ich bestreile das."
„Und vorhin waren Sie davon überzeugt!"
„Nicht doch, mein Herr, das habe ich nie behauptet. Hedwig ist die Tochter der Cour merzien- räthin, ich aber kann sie als mein Kind nicht anerkennen. Sollten Sie denn nicht wissen, aus welchen Gründen ich meine Frau verließ?"
„Ich erfuhr es eR heute, Doctor Weise theilte es mir unter den^Siegel der Verschwiegenheit mit."
„Nun wohl, jener Mann, den ich damals niederschoß, um meine schwer gekränkte Ehre zu rächen, er ist der Vater Hedwigs."
„Sie richten rasch, Herr Faber!" sagte Romberg entrüstet. „Sie klagen an und fällen das Urtheil, ohne —"
„Wenn Sie Ihre Frau in den Armen eines andern Mannes fänden, würden Sie dann noch an ihrer Schuld zweifeln?" unterbrach der alte Mann ihn. „Würden Sie die Schuldigen auffordern, sich zu vertheidigen und Ihnen Zeit lassen, Lügen zu ersinnen?" Ich that es nicht, und ich würde heute unter denselben Verhältnissen wieder so handeln, wie ich damals gehandelt habe."
Gustav Romberg konnte nur mühsam seine wachsende Entrüstung zurückdrängen.
„So rasch würde ich an meiner Gattin nicht zweifeln", sagte er. „Ja, ich würde sie auffordern, sich zu rechtfertigen, und könnte sie es nicht, so ließ ich sie in Frieden mit dem anderen Manne ziehen."
„Möglich, daß Sie die Sache in dieser Weise erledigten, erwiderte Faber achselzuckend, „aber nicht Jeder hat so sanftes Blut in den Adern. Mir ist schon in meiner frühesten Kindheit der Grundsatz eingeimpft worden, daß die Ehre das höchste und heiligste Gut des Menschen sei, und daß ich niemals einen Makel auf ihr dulden dürfe."
„Ich will das ja zugebcn, aber es würde zu weit führen, wollten wir diesen Punkt ausführlich erörtern. Es handelt sich hier um das Glück Ihrer Tochter —"
„Ich habe keine Tochter!"
„Ach, das ist stark!" erwiderte Romberg, sich erhebend. „Sie verleugnen Ihr eigenes Kind. -"
„Ich würde es freudig in meine Arme schließen, wenn man mir beweisen könnte, daß es wirklich mein eigenes Kind ist", sagte Faber in herbem Tone. „Selbst die Mutter verleugnet es, in diesem Kinde sieht sie den Beweis ihrer Schuld."
„Sie würden nicht so reden, wenn Sie das edle Herz, den ernsten Character und das tiefe Gemüth Hedwig's kennen lernten! Und setzen wir den Fall, ihre Mutter sei in der That schuldig, soll das Kind für diese Schuld büßen?"
„Nein, aber bin ich verpflichtet, das Kind eines Anderen als meine Tochter anzuerkennen.
„Sie haben keine Beweise!"
„Ich habe sie, und es wäre nutzlose Mühe, wollten Sie versuchen, diese Beweise zu widerlegen !"
„So gedenken Sie gar nichts in dieser Angelegenheit zu thun?" fragte Romberg, in dessen Augen es zornig aufblitzte.
„Was verlangen Sie von mir? Wollte ich
wirklich die Rechte eines Vaters geltend machen, so würde das Gericht sich veranlaßt sehen, sich ebenfalls mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Und wenn es sich dann herausstellte, daß die Mutter Hedwig's bei Eingehung ihrer zweiten Ehe nicht alle gesetzlichen Formen beobachtet hat —"
„Sie wird es gethan haben!"
„Glauben Sie das wirklich? Ich bin vom Gegentheil überzeugt. Stätte sie es gethan, so würde sie nicht nöthig haben, die Verschwiegenheit dieses schuftigen Schreibers zu erkaufen, sie könnte ihre Tochter mir zuschicken und ihrer Begegnung mit mir ruhig entgegen sehen. Nie dürfte in diesem Falle ein solcher Lump wagen, ihr zu drohen und unverschämte Forderungen geltend zu machen?"
„Ja, ja, Sie haben Recht", nickte Romberg beslürzt, der au diese Möglichkeit in der That noch nicht gedacht hatte, „ich hoffe, daß Sie keine unedle Rache nehmen werden!"
„Gewiß nicht, ich gebe Ihnen die Versicherung, daß eine solche Rache nicht in meiner Absicht liegt. Wie aber die Verhältnisse ohne mein Zuthun sich gestalten können, das vermag augenblicklich Niemand zu sagen."
Gedankenvoll blickte Romberg ihm nach, wie er langsam auf und nieder wanderte.
„Die Mutter Hedwig's muß vor dieser Schmach, die ja auch auf ihr Kind zurückfallen würde, be- mahn bleiben", sagte er. „Sie dürfen Ihre früheren Rechte jetzt nicht mehr geltend machen —"
„Habe ich gesagt, daß ich es thun wolle?"
„Nein, nein, aber irgend ein unbedachter Schritt könnte zu gerichtlichen Nachforschungen Veranlassung geben. Es ist wohl nicht anzunehütkn,