Nr. 2.
KreisMlaü
Dienstag den 5. Januar 1886.
DaS „Kreisblatt" erscheint wSchent« lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 M. 10 Pfg. pro Quartal.
Kreis ^ersfefö.
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Amtliche».
Der Herr Minister des Innern hat unterm 9. d. Mts. dem Comitö für den Pferdemarkt zu Königsberg i/Pr. die Genehmigung ertheilt, bei Gelegenheit des im nächsten Jahre daselbst statt- findenden Weltmarktes eine öffentliche Lerloosung K von Equipagen, Pferden 2C., zu welcher 40,000 Loose ä 3 Mark ausgegeben werden dürfen, zu veranstalten und die betreffenden Loose im ganzen Bereiche der Monarchie abzusetzen.
Caffel, den 19. December 1885, Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Der Herr Minister des Innern hat unterm 14. d. Mts. dem Verein zur Förderung der Pferde- und Viehzucht in den Harzlandschaften zu Quedlinburg die Genehmigung ertheilt, im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres eine öffentliche Ver. loosung von Equipagen, Pferden, Reit-, Fahr- M^uM Jagd-Utensilien 2C., zu welcher 25000 Loose Fä 3 Mark ausgegeben werden dürfen, zu veranstal- ten und die betreffenden Loose in dem ganzen Bereiche der Monarchie abzusetzen.
Caffel. den 23. December 1885.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Der Herr Minister des Innern chat-ÄntMiu^ d. Mts. dem landwirthschaftlichen Centrulverein zu Frankfurt a/M. die Genehmigung ertheilt, bei Gelegenheit der im April und October k.J. daselbst stattfindenden beiden Pserdemärkteje eine öffentliche Verloosung von Equipagen, Pferden und Pferdegeschirren 2CV zu deren jeder 40,000 Loose ä^Mark
ausgegeben werden dürfen, zu veranstalten und die betreffenden Loose in dem ganzen Bereiche der Monarchie abzusetzen.
Caffel, den 28. December 1885. Königliche Regierung, Abtheilung-Hrs-Jnnern.
Berlin, den 8. Juli 1882. Warnung.
In Läden und Geschäften, welche alsLotterie- Komtor, Lotterie-Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet find und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Collekteur bezeichnen, werden Loose der preußischen Klassen-Lotterie und Antheilsweine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilfcheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinn-Abzüge für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung auf Looseerneuerung und auf Gewinnzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loos- antheilschein-Verkäufern haben herausgestellt, daß olche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, ndem sie die Loose, auf welche sie Antheile verlaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres Loosebesitzes erlaubt, oder endlich indem sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und^uit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotterie- Direkt." und die gedruckte Unterschrift „Königl. Preuß. General-Lotterie-Direktion" tragen.
Zur Unterscheidung Mischenden sich als „Lot- Lerie-Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie-Einnahme" oder „Lotterie-Komtor" bezeichnenden Privat-Verkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie - Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie- Einnahmen" oder „Königliche Lotterie-Einneh
mer" sich namhaft machen.
Königliche General-Lotterie-Direktion.
A. 1318. Dammas. Lilienthal.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Zum Regierungsjubiläum Sr. Majestät des Kaisers als König von Preußen fand am Sonntag in der Kapelle des Königl. Schlosses zu Berlin ein feierlicher Gottesdienst und nach demselben im Weißen Saale des Schlosses die Gratulationscour statt.
Die englischen Zeitungen haben schon am Freitag dem Kaiser Wilhelm ihre Glückwünsche zu seinem RegierungZKbiläum dargebracht. „Times" sagen, sein Regierungsantritt bezeichne den Zeitpunkt, in der ein neues Frieöensbollwerk, eine Anerkennung der Rechte anderer begann.
Während Prinz Wilhelm von PreußW-Von den Masern völlig genesen ist, ist seine Gemahuw- leicht erkrankt.
Aus Anlaß der Vorkommnisse, welche jüngst die Verhaftung vieler Zahlmeister zur Folge hatten, ist von dem preußischen Kriegsminister an sämmtliche Regiments-Kommandeure ein Schreiben gerichtet worden, durch welches die strengste Ueber- wachung und Kontrole der Zahlmeister wie auch der Verwaltungsbeamten der Armee angeordnet wird.
Bereits vor längerer Zeit hatte verlautet, daß eine Vorlage, betreffend die Ermäßigung der Gerich t s g e b ü h r e n, in der laufenden Session des Reichstags nicht unwahrscheinlich sei. Inzwischen ist bekannt geworden, daß das Reichsjustizamt die Einzelregierungen zu Gutachten über diese Angelegenheit aufgefordert hat. Die Ausarbeitung einer bezüglichen Vorlage an den Reichstag soll nunmehr angeordnet sein.
(Frankreich.) Die mit aus dem alten Jahre übernommene M in iste rkrise ist noch nicht beendet. Briffon will durchaus und trotz allen Zuredens Grevys zurücktreten; Freycinet hat schon Rücksprache mit politischen Freunden genommen, um seinerseits ein Kabinet zu bilden; es ist ihm aber noch nicht gelungen.
(E n g l a n d.) China verlangt bekanntlich einen
(Nachdruck verboten.)
Verlassen.
Novelle von F. Stück er.
(Fortsetzung.)
Dann als Herta von der projektirten Reise Wally's und Angiolina's hörte, begann sie ihre Reise zu schildern; sie hatte ein eigenes Talent malerische, anziehende Gegenden zu beschreiben. Da ^^war ein Felsenabhang, an welchem sie gestanden, v einsam, träumerisch, unter ihr hatte ein tosender Gebirgsstrom gerauscht, rings herum die hohen dunklen Bergriesen der Tyroler Alpen mit ihren schweigenden schneebedeckten Häuptern, erzählte sie jetzt mit leiser, fast trauriger Stimme. Man sah kaum ein Stückchen Himmel und der Himmel war arau, grau wie die Landschaft. Der Gedanke ewiger Einsamkeit zog durch meine Seele," jammerte sie, „er entlockte mir heiße Thränen. Plötzlich brachen sich die Strahlen der untergehenden Sonne durch das graue Gewölk. Wie mit einem Zauberschlag war Alles verändert, die schneebedeckten Gipfel der Berge waren in rosige Muth getaucht, und auch in mein Herz senkten sich tröstend rosige Hoffnungs- > strahlen."
Sie schwieg, ihr Blick streifte Waldau, ein Aus- , druck von warmem Interesse lag auf seinem Antlitz.
„Tante, beste einzige Tante, Du mußt uns be- I gleiten aus unserer Reise!" rief jetzt Wally begeistert. v~w®u wirst uns dann überall hinsühren nach all den herrlichen Punkten, die wir ja ohne Dich gar nicht ausfinden würden. Ueber Angiolina's Hellem Antlitz zuckte es fast schmerzlich, als jetzt Herta freudig jmflimmle, die jugendlichen Reisenden zu begleiten. " Rit der Frau, von der sie gehaßt wurde, hinaus-
zuziehen in die ferne, fremde Welt, ohne ihren Vormund und Beschützer, der Gedanke war ihr unsagbar qualvoll. Sie sah zagend zu Waldau auf, aber dessen Blicke hingen an dem Antlitz der schönen Frau, die so geistreich, fesselnd zu plaudern verstand."
„Und Sie, Hubert, werden Sie uns nicht begleiten?" wandte sich soeben Herta zu ihm.
„Meine Zeit wird es mir nicht gestatten, vielleicht, daß ich später Nachkomme und die Damen zurück- begleite."
„Ich halte Sie beim Wort!" rief Herta fröhlich und reichte ihm die schmale weiße Hand. „Richt eher kehren wir zurück, als bis Sie kommen und uns holen."
Still und traurig schritt Angiolina auf dem Heimwege neben dem Oberförster her, dieser führte Herta, welche wie gewöhnlich ihren Wagen im Gasthause des Dorfes hatte stehen lassen, um in der Oberförsterei vorzusprechen.
„Run Angiolina, Kind, hast Du denn das Sprechen verlernt, freust Du Dich denn gar nicht auf die Reise mit Frau von Steinbach?" fragte endlich Waldau.
Angiolina zuckte zusammen, es klang wie ein leiser Vorwurf durch die Frage hindurch.
„Mir bangt vor der Trennung von Dir, von der Tante, von dem Grabe meines Vaters," erwiderte sie sich entschuldigend.
„Mein Gott, wie empfindlich ist das Kind!" rief Herta. „Sie sollte doch dankbar sein für all das Gute, Schöne, was ihr geboten wird. Ich fürchte, Sie haben das Kind ungemein verzogen, Hubert, die Trennung wird für alle Theile gut fein."
_ Waldau erwiderte nichts, ahnte er was in der Seele des jungen Mädchens vorging? Die Hand, die sie ihm später zum Gutenacht-Gruß reichte, war kalt und zitterte merklich.
„Was ist Dir, Angiolina, Deine Hand ist so kalt?" fragte er besorgt.
„O nein, mir ist ganz wohl," erwiderte sie, ihm schnell die Hand entziehend. —
Sie eilte hinauf auf ihr Zimmer. In ihrem Lebensbuche hatte sich ein Blatt gewendet; die goldene Kindheit entfloh, langsam begann das junge Herz zu erwachen.
In einer malerisch gelegenen Villa an einem der herrlichen Schweizer Seen finden wir Herta mit ihren beiden Pflegebefohlenen wieder. Das Bild, was sich hier unsern Augen erschließt, ist berückend schön, blendend in seiner Farbenpracht. Die Villa, im griechischen Stiel gebaut, mit dersäulengetrage- neu Veranda ist fast ganz von Kletterrosen umsponnen, die weißen und rothen Blüthen leuchteten im hellen Sonnenglanz. Der See, die hohen Berge, Alles ist von diesem Sonnenglanz übergossen; das strahlt und funkelt zauberisch, märchenhaft. Und dort die Frauengestalten in der Veranda, alle in weißen Kleidern, Blumen in den glänzenden Haaren, sie passen so recht in den Rahmen dieser farbenprächtigen Landschaft.
Auch einige Herren befinden sich darunter, es war eine Gesellschaft, wie sie eben nur durch das Reisen zusammengewürfelt wird: Künstler, einige schlanke Engländerinnen, Osficiere in Civil, ein dicker Commerzienrath mit Frau und Töchter. In der Mitte des Tisches, um welchen man sichgrup- pirt, steht eine riesige, geschliffene Bowle, und in