Einzelbild herunterladen
 

Nr. 15,

blatt

Donnerstag den 4. Februar 1886;

DaSKreisblatt" erscheint wSchent- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtcm Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.

«Kreis ßersfesö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Aöonnements-Kinladung.

Bestellungen auf das

KreisviaLL

für den Kreis Hersfeld

mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

^erSfelb, den 2. Februar 1886.

Die Herren Standesbeamten des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Lerfügung vom 6. März v. I. Nr. 2599 im Kreisblatt Nr. 30, die Bewegung der Bevölkerung während des abge- laufenen Jahres betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 12. d. Mts. erinnert.

13591. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schle initz.

Hersseld, den 1. Februar 1886.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Bersugung vom 13. Januar er. Nr. 661, die mit ihren Eltern ungeimpst in die Gemeinden über­zogenen Kinder betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 8. d. M. beiMeidung von je 3 Mark Strafe erinnert.

661. Der Königliche Landrath _____________Freiherr von Schleinitz.

Cassel, den 29. Januar 1886.

Der mit Verrichtung der Landpostfahrten bei dem Postamte in Linz (Rhein) beauftragte ständige Posthülssbote Johann Lück hat sich der Unter­schlagung amtlich ihm anvertrauter Gelder im Betrage von etwa 677 Mark schuldig gemacht und

(Nachdruck verboten.) Irauenherzen.

Novelle von L. E a l m.

(Fortsetzung.)

Gewiß, er bereute ernstlich, er war so verändert in der letzten Zeit, er würde nie wieder die alten Bahnen einschlagen, wenn er nur diese Stadt und seine verführerische Umgebung verließ. Es blühte uns noch ein stilles, friedliches Glück, wenn ich ihn retten konnte und ich Glückliche, ich konnte es!

Mit einem Jubelruf sprang ich empor. Alle Thränen, alle Sorgen, alle qualvollen Stunden waren vergessen in diesem Moment. Frei und leicht wie nie zuvor eilte ich an meine Kommode und öffnete sie, ein schwarzes Sammetetui herauszuneh- men. Ein Druck auf die Feder, und ein schimmern- der Brillantschmuck funkelte mir entgegen. Er war unversehrt. Ich drückte ihn in meiner Aufregung an die Lippen, war er doch das Mittel, mir das verlorene Glück wieder zu geben. Er war von enormen Werth, ein Erbstück meiner Großmutter, das einzige, welches ich aus dem stolzen Elternhause mitgenommen hatte. Oft war er bewundert wor­den, wenn ich mich damit geschmückt, er hatte den Neid aller meiner Bekannten ausgemacht aber was kümmert mich das indiesem Augenblick! Ich hatte nur einen Gedanken. Viktor! Wie würde er glücklich sein, wenn ich das Geld, das ihn retten konnte, in seine Hände legte, wie frei, wie leicht würde er sich dann fühlen! Ich warf in fieberhaf­ter Angst einen Mantel um und machte mich auf den Weg.

Der Abend dämmerte bereits, als ich auf die Straße trat. Bald stand ich vor dem glänzend er­

ist seit dem 20. d. Mts. Abends flüchtig. Der­selbe steht im Alter von nahezu 20 Jahren, ist etwa 1,75 m groß, schlank, bartlos, hat dunkel­braunes Haar und war bei seinem Entweichen mit schwarzer Joppe, grauer Hose und hellgrauem weichem Filzhut bekleidet. Derselbe befindet sich wahrscheinlich in Begleitung eines etwa 1,57 m großen Schuhmachergesellen Namens Kleufer.

Das Königliche Landrathsamt ersuche ich erge- benst, aus Lück fahnden und ihn im Betretungs- falle verhaften zu lassen, sowie von seiner Ergreifung die Kaiserliche Ober-Postdirection in Koblenz be­nachrichtigen zu wollen.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector: zur Linde. An das Kgl. LandrathSamt in tzersfeld. 2084, * *

*

tzersfeld, den 1. Februar 1886.

Wird den Ortspolizeibehörden und der König­lichen Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme und Fahndung nach dem 2C. Lück mitgetheilt.

1393. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlein itz.

# Der zweite Tag der Polendebatte.

Der zweite Tag der Polendebatte brächte uns zunächst das Eingeständniß der Polen durch den Abg. von Stadlewski, daß die Polen an der Idee der Wiederherstellung des polnischen Reichs in den Grenzen von 1772 festhalten und dies thun, um nicht in die Absichten der göttlichen Weltre­gierung einzugreifen." Mit diesem Eingeständniß muß die Politik der Staatsregierung gegenüber den Polen auch selbst ihrem verblendetsten Gegner, wenn er ein guter Preuße und Deutscher ist, völlig gerechtfertigt erscheinen. Der Bicepräsident des Staatsministeriums von Puttkamer ergriff das Wort, um seinerseits noch mehr Beweise für das Vorhandensein jener polnischen Bestrebungen beizu- bringen und der Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß die Absichten der göttlichen Weltregierung wohl entgegengesetzte seien, was man aus der historischen Thatsache folgern dürfe, daß die Polen es nicht verstanden haben, ihr Reich zu erhallen. Des Weiteren ließ er sich über die Ausweisungs- maßregeln selbst aus, bezeichnete die Behauptung,

leuchteten Laden des ersten Juweliers der Stadt. Mein Herz pochte doch angstvoll, als ich eintrat. Es waren mehrere Käufer da, und ich wollte warten, bis ihre Geschäfte erledigt seien; aber der Besitzer des Ladens kam mir nach meinem Begehr fragend entgegen, und bedenkend, daß neue Ankömmlinge mich zu langem Warten verurtheilen könnte, folgte ich ihm an den Ladentisch.

Ich möchte diesen Schmuck verkaufen," sagte ich so ruhig, als mir dies möglich war und reichte ihm das Etui.

Er öffnete die geheime Feder mit einer Gewandt­heit, die mich in Erstaunen setzte und nahm das Halsband heraus, um es mit eigenthümlichem Lächeln zu betrachten. Ich erwartete in beklommen- der Angst sein Urtheil.

Verzeihung, gnädige Frau," hob er endlich zögernd und mit sichtlicher Verlegenheit an,die Fassung dürfte etliche hundert Thaler werth sein"

Nicht auf diese, sondern auf die Steine kommt es hier an," fiel ich ihm in's Wort.Ich will, wie ich sagte, den ganzen Schmuck verkausen."

Er warf einen schnellen, forschenden Blick auf mich. Ich war froh über meinen dichten Schleier; denn das Blut stieg mir heiß ins Gesicht.

Die Steine sind nicht echt, gnädige Frau," ent- gegnete er in einem Ton der zwischen Verdacht und Zweifel schwankte.Es ist kaum ein Jahr her, daß ich selbst auf Befehl des Herrn Hauptmann v. C. die Brillanten herausgenommen und diese Steine aus böhmischem Glas eingesetzt habe. Ich erinnere mich, daß er eine hohe Summe für jene Steine empfing, die in der That von seltner Güte waren."

Mir war, als würde mir der Schleier vom Ge-

dieselben seien auf konfessionelle Motive zurückzu- führen, als vollständig unrichtig und stellte zu großer Befriedigung der Versammlung und unter wiederholtem lebhaftem Beifall all die haarsträu­benden Geschichten, welche Polen, Ultramontanen und Fortschrittler auf Grund von unwahren Zei­tungsberichten im Reichstage betreffs der unerhörten tzärten erzählt haben, richtig: unerhörte Lügen seien darüber verbreitet worden, was er an jedem einzelnen Falle auf Grund amtlicher Untersuchung nachwies. Nach dem Vicepräsidenten ergriff der Kriegsminister das Wort, um seinerseits Zeugniß dafür abzulegen, daß die polnische Agitation sich auch aus die polnischen Soldaten als zugänglich erweist, was er an vielen Beispielen, namentlich an der Fahnenflucht aus dem Regiment, welches 1863 die Grenze zu besetzen hatte, darthat.

Hieraus nahm Fürst Bismarck in einer längeren Rede Gelegenheit, auf die Angriffe und Unter­stellungen zu antworten, deren sich Abg. Windthorst am ersten Tage schuldig gemacht hatte. Er wies namentlich nach, daß von Rechten der Polen, die aus einemVertrage" als welchen man das Besitzergreisungspatent von 1815 bezeichnet hatte herrühren, nicht die Rede sein könne. Von allgemeiner politischer Bedeutung waren die Aus­führungen, die der Fürst an die Bemerkung des Abg. Richter im Reichstage anknüpfte, wonach er der Kanzler um das Branntweinmonopol durchzudrücken, mit einemStaatsstreiche" gedroht haben sollte. Weder an eine Auflösung noch an einen Staatsstreich gegen den Reichstag habe er gedacht, sondern mit seinen Erklärungen am ersten Tage nur angedeutet, daß wenn der Reichstag seine Obstruetionspolitik fortsetzen wolle, die ver­bündeten Regierungen ihneinrosten" lassen und sich wieder mehr den einzelnen Landtagen zuwen­den müßten. Das werde z. B. nach Ablehnung des Branntweinmonopols in Preußen durch Ein­führung einer hohen Licenz- und Gewerbesteuer geschehen, welche den Schankwirthen recht unange­nehm werden könnte, so daß dieselben sich noch nach dem Monopol zurücksehnen würden. Die Parteiverhältnisse, wie sie der Reichstag zeigt, stellte der Fürst mit den englischen zusammen; dort wie hier gebe es Jntransigenten, deren sich

stEt gerissen und die höhnischen Gesichter der An­wesen grinsten mich an. Aber es ist ein Vortheil meiner Natur, daß ein Schmerz mich nicht gleich im ersten Augenblicke mit zermalmender Gewalt trifft, sondern erst nach und nach von mir Besitz ergreift. So behielt ich Fassung genug, mit kühler Stimme zu antworten:

Dann verzeihen Sie. Es ist ein Mißverständniß."

Er reichte mir das Kästchen zurück, in seinen Blicken lag Etwas wie Theilnahme.

Fort, fort!" rief es in meinem Innern. Ich verabschiedete mich und verließ mit ruhigen Schritten den Raum.

Eben so gefaßt ging ich durch die Straßen und in meine Wohnung. Hier warf ich den Mantel ab, schleuderte das verhängnißvolle Kästchen weit von mir und ging mit ruhelosen Schritten auf und ab.

Verrathen! Betrogen!" rief es in mir. Be­trogen von dem Manne, den Du so sehr geliebt, um den Du Vater und Mutter verlassen, dem Du Dein Kind geopfert, dem Du in demüthiger, skla­vischer Liebe gedient.

Und dann vergegenwärtigte ich mir Viktor's hohe, edle Gestalt, sein stolzes Antlitz, vor dessen Stirn­runzeln ich gebebt, ich, die sich nie sonst vor Menschen gebeugt hatte, und ich dachte mir diese stolze männ­liche Erscheinung heimlich in mein Zimmer schlei­chen, die Kommode mit entwendetem Schlüssel öffnen leise, leise, daß ihn sein Weib nicht höre und dies Alles, um mich zu bestehlen!

Ich lachte laut und höhnisch auf, aber ich erschrak vor dem Ton meiner eigenen Stimme. Und dann trieb es mich wieder vorwärts ohne Aufhören mir war, als könne ich durch das Geräusch meiner Schritte den wilden Schmerz übertönen, der laut