Nr. 16,
Sonnabend den 6. Februar 1886,
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# Die Gast- und Schankwirthe und das Branntweinmonopol.
Daß die systematische Opposition, welche gegen das Branntweinmonopol bereits seit Monaten unter der oberen Leitung von Herrn Eugen Richter in Scene gesetzt worden ist, sich, wie dies fortgesetzt geschieht, in erster Linie an die Gast- undSchank- wirlhe wenden würde, kann nicht Wunder nehmen. Für den Fall, baß das Monopol zur Einführung gelangt, gehl der gesammle Handel und Verkauf des Branntweins in die Hände des Staates über. Es bedarf daher keiner sehr großen Ueberredungs- kunst, um alle diejenigen, welche bisher in irgend welcher Weise bei dem Verkauf und Handel von Branntwein betheiltgt gewesen sind, gegen den Monopolgedanken einzunehmen und aus den Reihen derselben in dem Kampfe gegen das Monopol Bundesgenossen zu gewinnen, deren Unterstützung um so höher zu veranschlagen ist, als in Folge der Gepflogenheiten unseres Volkes der Gast- und Schankwirth in dem öffentlichen Leben eine keineswegs unbedeutende Rolle spielt.
Die Sache hat indessen doch noch eine andere Seite, und auf diese nachdrücklich aufmerksam zu machen, hat sich Fürst Bismarck die Gelegenheit der jüngsten Debatte im Abgeordneleuhause nicht entgehen lassen; in sehr bestimmter Weise eröffnete er die Aussicht, daß wenn der Reichstag zu einer Ablehnung deS Monopols gelangen sollte, die preußische Regierung gezwungen werden wurde, aus ihre früheren Vorschläge, nach welchen der Branntwein-
(Nachdruck verboten.)
Irauenherzen.
Novelle von L. E a l m.
(Schluß.)
„Sie hier gnädige Frau 1 Verzeihung, ich wollte Sie vorbereiten" — er legte seine Last auf dem Sopha nieder.
Ich bewegte mich nicht von der Stelle, ich fühlte meine Füße wie Bleigewichte unter mir.
„Er ist nicht todt, nicht wahr V* fragte ich endlich. „Wir hatten uns ja noch nicht versöhnt. Er kann nicht gestorben sein, ohne erfahren zu haben, baß ich ihn noch liebe wie einst.--
Der Osficier wandte sich ab.
„Er fühlte gleich, daß es mit ihm zu Ende ginge,* antwortete an seiner Stelle schluchzend der Bursche, „er wollte zu Ihnen getragen sein, aber unterwegs kam der Tod."
„Er sendet Ihnen seinen letzten Gruß!" vollendete der Osficier den Bericht mit bebender Stimme.
Das war meine unendliche Liebe! Treue bis in den Tod hatte ich ihm geschworen, und in dem Augenblicke, wo er sie am nöthigsten brauchte, hatte ich ihn mit Verachtung von mir gestoßen.
Der Officier sprach viel Worte zu mir, ich glaube, es sollte Trost sein; er bot mir auch den Arm und führte oder trug mich zu einem Stuhl.
Ich wandte den Kopf so daß ich in Viktors Antlitz sehen konnte. Die dunklen Locken liebten feucht um die bleiche Stirn, auf den Lippen schwebte ein wehmüthiges Lächeln — es war derselbe Zug den ich auf seinem Antlitz bemerkt hatte, als er sich liebend über mich beugte, um meine Versöhnung zu erflehen,
consum mit einer hohen Gewerbesteuer belegt werden sollte, zurückzukommen. Fürst Bismarck betonte dabei, daß diese Steuer so hoch zu bemessen sein würde, daß einerseits der Branntweingenuß eingeschränkt, andererseits aber ein erheblicher Mehrbetrag an Steuern erzielt werde. Gleichzeitig wies er darauf hin, daß in diesem Falle das gesammte Schankgewerbe und nicht nur der Branntweinschank getroffen werde würde.
Die Gast- und Schankwirthe werden sich gegenüber diesen Aussichten die Frage etwas näher zu überlegen haben, ob es richtig ist, mit fliegenden Fahnen in das Richter'sche Lager Überzugehen. Das Monopol, wie es von der preußischen Regierung projectirt ist, bezieht sich nur auf den Branntwein. Der Gastwirthschastsdetrieb wird von demselben ebensowenig berührt, wie der Ausschank von Bier. Lediglich der Branntweinschank und -Handel wird dem Staate zufallen. Dabei ist jedoch vorgesehen, daß diejenigen, welche sich von demselben bisher genährt haben, angemessen entschädigt werden, soweit nicht ihre künftige Verwendung als Branntwein- verschlecht, was wohl in der Regel eintreten wird, stattfinden kann. Der Eingriff in den freien Ge- werbebetrieb ist daher bei dem Monopol so weit beschränkt, als dies ohne Beeinträchtigung der Zwecke desselben nur irgend möglich war. Ganz anders gestaltet sich die Sache, wenn das Monopolprojekt in Fortfall kommt, und an Stelle desselben eine Gewerbeconsumsteuer tritt. Daß die letztere nicht nur relativ höhere Beträge, als die jetzige Gewerbesteuer für Gast- und Schankwirthe, sondern absolut sehr hohe Beträge würde liefern müssen, darüber kann ein Zweifel nicht aufkommen; der Branntwein ist thatsächlich das steuersähigste Objekt. Fällt daher das Monopol, so bleibt, da weder eine Erhöhung derMaischraumsteuer, noch die Einführung der Fabrikalsteuer in Aussicht genommen werden kann, nur übrig, dem Konsum annähernd denjenigen Steuerbetrag direct auszuerlegen, der durch das Monopol eingebracht werden sollte. Hierbei den Branntwein allein zu besteuern, Bier und Wein dagegen frei zu lassen, würde unmöglich sein, da eine derartige Unterscheidung bei der Veranlagung und Erhebung der Steuer mit Rücksicht auf Die sich hierbei ergebenden Schwierigkeiten nicht
Ich bat noch, die Leiche dicht zu mir zu legen, und was daraus geschah, weiß ich nicht; ich weiß nur, daß es böse, gräßliche Stunden waren. — Alle meinten, ich würde wahnsinnig werden; aber stehst Du, ich bin eben eine so kräftige Natur, ich habe Alles überstanden und rede jetzt davon, als wäre es einer Anderen passirt."
Meine Eltern waren benachrichtigt worden, die Mutter kam zu mir herübergeeilt, großmüthig vergessend was uns entzweit hatte. Sie wollte mich mit sich nehmen, und da ich erklärt hatte mich nicht von der Leiche meines Gatten trennen zu wollen, so hatte sie dieselbe auch mitgenommen. Man begrub sie in unserer Familiengruft; so gönnte man Viktor wenigstens im Tode die Ehre, die man ihm im Leben versagt hatte.
Ich blieb nun im Elternhause. Niemand erwähnte des Vorgefallenen. Alle waren gut und freundlich zu mir, und ich selbst bewies mich so ruhig, daß Alle ihre Freude daran hatten. Freilich mein Haar ergraute in wenigen Monaten, und die mich früher gesehen hatten, sagten, ich sei nicht wiederzuerkennen; aber ich bin Niemanden mit meinen Klagen lästig gefallen über ein Loos, das ich mir selbst erwählt hatte."
Die Erzählerin schwieg.
„O Tante," sprach die junge Frau nach einer Pause, „ich war vorhin ein thörichtes Kind; aber ich will Gustav vergeben und nie wieder klagen, wenn er —"
„Und er selbst wird Dir hinfort keine Gelegenheit zur Klage mehr geben," sprach ein junger Mann, der längst von den beiden Frauen unbemerkt an der Thür des Zimmers gelehnt hatte. Verzeihe mir Tante, daß ich ungerusen Zeuge Deiner Erzählung
durchzuführen sein würde. Die Folge hiervon würde demnach sein, daß, während durch das Monopol nur der Ausschank von Branntwein berührt werden wird, bei der Consumsteuer der gesammte Gast- und Schankwirthschastsbetrieb unterschiedslos in Mitleidenschaft gezogen werden müßte und daß hierdurch, sowie durch die Höhe der aufzuerlegenden Steuer der Eingriff in diesen Gewerbebetrieb viel tiefer und nachhaltiger empfunden werden würde, als es bei dem Monopol der Fall sein könnte. Mit vollem Rechte sagt daher im Hinblick hierauf zum großen Verdruß von Herrn Richter das Organ des Gastwirthsverbands, daß das Monopol für die Gastwirlhe eine kaum fühlbare Wandlung bringen würde. In ganz gleicher Lage wie diese befinden sich aber auch die Bierwirthe, die Weinhändler, Cafetiers, Konditoren u. s. f., für welche der Verkauf von Spirituosen nur nebensächlich ist, und die auch nach dem Monopolentwurf das Recht behalten werden, derartige Spirituosen zu führen und zu verkaufen, nur mit dem für sie gleichgültigen Unterschiede, daß sie ihren Bedarf künftighin statt von einem Spiritushändler von der Monopolverwaltung zu entnehmen haben werden. Dieser Theil der zum Schankgewerbe gehörigen Personen hat daher an der Ablehnung des Monopols nicht nur kein Interesse, sondern im Gegentheil ein sehr wesentliches Interesse daran, daß das Monopol zu Stande kommt, da im Falle der Ablehnung die hohe Consumsteuer, für welche der gesammte Gewerbestand solidarisch zu haften haben würde, die unausbleibliche Folge sein müßte. Die Entscheidung, auf welche-Seite die betreffenden Gewerbetreibenden zu treten haben werden, dürfte denselben unter diesen Umständen nicht schwer fallen.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 3. Februar. Der Reichstag beschäftigt« sich heute mit dem Gesetzentwürfe, betreffend die Unsall- und Krankenversicherung der in land- und sorstwirthschaft» lieben Betrieben beschäftigten Arbeiter. Der Entwurf, wie er jetzt vorgelegt ist, enthält verschiedene Abänderungen demjenigen des Vorjahres gegenüber, sowohl in formaler, wie in materieller Beziehung, mit welchen Abänderungen im Wesentlichen den Wünschen der vorjährigen Kommission entsprochen wird. Der Abg. Frhr. von Franckenstein (Centr.) wünschte nur die Grundprinzipien der Versicherung durch
gewesen bin. Sie soll nicht ohne Nutzen an mir vorüber gegangen sein. — Theure Fanny, kannst Du vergeben?"
Sie hing schon an seinem Halse, sie vergab ja so gern!
„Und keinen Schritt weiter will ich auf der gefährlichen Bahn weiter fortwandeln," betheuerte der junge Mann ernst. „Das erschütternde Beispiel, das ich eben gehört, soll mir als Warnung dienen. Gottlob daß sich noch gut machen läßt, was bereits geschehen ist. Und nun, theure Fanny, noch einen Kuß — nie, nie wieder soll diesen schönen Augen um meinetwillen eine Thräne entquellen."
„Das gebe Gott!" fügte die Tante hinzu. Aber eines merkt wohl: „Ich habe Euch die ungeschminkte Wahrheit erzählt: doch hütet Euch, über den Unglücklichen, von dem Ihr gehört, verdammend den Stab zu brechen. Er war ein Mensch und seine Fehler waren Schwächen, durch böse Umgebung hervorgerufen, aber nicht Eigenschaften seines Charakters. Ich fordere, daß Ihr seinen Namen mit Achtung nennt."
— Man schreibt aus München: In der Nähe von Winhöring wurde am Sonntag Morgen ein grauenhafter Raubmord ausgeführt, indem der Sol- lingerbauer in seiner Wohnung von drei Männern Überfällen, aufgehängt und erstochen wurde. Die Mörder nahmen alles Werthvolle mit. Ein Kind mit dem Hunde wurde von den Mördern in ein Zimmer eingesperrt.
— Brüssel. Im Dorfe Maxenzeele ermordete ein Trunkenbold feine Frau, seinen Schwager, seine Schwägerin und drei Kinder.