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«Kreis ffersfesö.

Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, am 5. Februar 1886.,

Der seitherige Bürgermeister Heinrich Schnei­der zu Schenksolz ist als solcher auf weitere 8 Jahre gewählt und von mir bestätigt worden.

1599. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 5, Februar. Der Reichstag erledigte heute zunächst den Gesetzentwurf, betreffend die Bürgschasl des Reichs für die Zinsen rc. einer egyptischen Staatsanleihe, ohne jede Debatte in erster und zweiter Lesung und ging dann zur Berathung des'Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des g. 137 des Gerichtsverfasfungsgesetzes, über, gegen welchen ein prinzipieller Widerspruch von keiner Seite erhoben wurde. Demnach beschloß denn auch das Haus, die weitere Erledigung der Vorlage im Plenum vorzunehmen. Zum Schluß beschäftigte sich das Haus mit Wahlprüfungen. Für gültig erklärt wurden die Wahlen der Abgeordneten Dr. Birchow, Prinz Handjery, Noppel, Dr. Detbrück, Klemm und Fährmann. Wegen der Wahl des Abg. Dr. Kropatscheck wurde die Ergänzung der Beweisausnahme und wegen der Wahl des Abg. Richter die Aussetzung des Beschlusses über die Gültigkeit be, schloffen. Montag: Dritte Lesung des Etats.

Berlin, 6. Februar. DaS Abgeordnetenhaus trat heute in die Berathung des Etats des Ministeriums des Innern ein. Die Einnahmen wurden ohne erhebliche Debatte bewilligt, dagegen knüpfte sich an die Gchaltspo- sition des Ministers eine sehr lange Diskussion, in welcher das Bestäligungsrecht der Regierung bezüglich der Cominu- nalbeamten den Mittelpunkt bildete. Während die Linke das Verfahren des Ministers aus diesen» Gebiete zum Gegen­stand einer heftigen Kritik machte, legte der Minister mit großer Klarheit dar, daß nur eine monarchische Regierung in Preußen die ihr auf txiefem Gebiete zustehenden Rechte mit großer Milde und Nachsicht handhaben könne, wie es thatsächlich der Fall sei, und zwar ganz im Gegensatz zu einem parlamentarischen Regiment in anderen Staaten, wo die Parleiregierung unvermeidlich sei. Aus dem Grunde würde auch eventuell ein liberalparlamentarisches Ministe, rium in Preußen viel schärfere Prinzipien zur Anwendung bringen als das gegenwärtige. Im Weiteren wurde dann noch die ganze parlamentarische Situation und das Ver- Hältniß der Parteien im Allgemeinen besprochen. Nachdem das Gehalt des Ministers bewilligt, wurden die übrigen Titel des KapitelsMinisterium" debattelos genehmigt und sodann die Berathung aus Montag 11 Uhr vertagt.

(Nachdruck verboten.)

Eine blaue Schleife.

Historische Novelle von Emma Hände n.

Vier Gemahlinnen König Heinrichs VIII. von England, Katharina von Aragonien, Anna Loleyn, Jane Seymour und Katharina Howard schlummerten bereits in ihren Gräbern und den Königsthron Heinrichs theilte seit wenig Wochen eine junge schöne Frau, Katharina Parr, die Wittwe Lord Latimers.

Es war eine späte Nachmittagsstunde, Ende April. Die Sonne sandte ihre letzten Strahlen in eines der hohen Bogenfenster des St. Jamespalastes, in dessen Nische die junge Königin faß. Bor ihr stand ein Tischchen, mit weiblichen Handarbeiten; ihre schönen Hände, die auf den Schooß htnabgeglitten waren, hielten eine Stickerei, ohne daran zu arbei­ten, indeß sie in den klaren Abendhimmel hinaus- sah. Neben ihr auf einem Tabouret, saß ihre Hofdame, Lucy Albemarle, der König Heinrich diese Stelle bei seiner Gemahlin gegeben hatte. Die Lady arbeitete an derselben Stickerei, die müßig in den Händen der Königin ruhte, und schaute D|t auf die sinnende Gebieterin, ohne es zu wagen, »dieselbe in ihrem Nachdenken zu stören.

Katharina Latimer war keine stolze blendende Schönheit, wie Anna Boleyn und Katharina Ho­ward gewesen, sie mar eine liebliche, zarte Erschei­nung, aus deren zaubervollen, fast kindlichen Augen, ein unbeschreiblicher Reiz strahlte. Noch hatte sie sich indeß in ihrer neuen Stellung wenige Herzen gewonnen, denn man konnte das Borurtheit nicht besiegen gegen eine Frau, die die sechste Gemahlin

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser gab am Donnerstag den Offizieren der Berliner und Potsdamer Garnison einen Hosball, dem der Monarch selbst sowie seine hohe Gemahlin bis Mitternacht beiwohnten.

Die Berathungen der Ausschüsse des Bundes­rathes über die Monopolvorlage haben, wie man erfährt, einen bedeutenden Umfang gewonnen. Täglich haben Sitzungen von mehrstündiger Dauer stattgefunden. Bon vier Seiten sind dem Ver- nehmen nach Abänderungsanträge von mehr oder weniger einschneidender Bedeutung zu der Vorlage eingebracht worden, nämlich von Bayern, Württem­berg, Hessen und Mecklenburg,

Der Bundesrath hat dem Anträge Preußens wegen Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Socialistengesetzes zugestimmt.

Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung zugegangen, welcher in sieben Paragraphen die Befugniß des Bundesrathes regelt, Jnnungsverbänden die Rechte einer juristischen Person zu verleihen.

Die angekündigten Gesetzentwürfe zum Schutze des Deutschthums in den Ostprovinzen sollen be­reits so weit gefördert sein, daß sie dem preuß. Abgeordnetenhause in kurzer Zeit zugehen können.

Der bekannte fr. Abgeordnete v. Unruh ist am Donnerstag im Alter von fast 80 Jahren gestorben.

Die Fraktionen der Deutsch-Konservativen der Reichspartei und der Nationalliberalen haben die Wiedereinstellung der in der zweiten Berathung be­kanntlich abgelehnten ersten Rate zum Bau eines Avisos, 800,000 M., in den Etat beantragt.

Ueber die in der jetzt abgeschlossenen Militär- Konvention mit Braunschweig festgesetzten Aenderungen in der Uniform des braunschweigischen Militärs verlautet derKreuz-Ztg." zufolge, daß das Infanterie-Regiment Nr. 92 und die Artillerie preußische Uniform und weiße Achselklappen mit einem W. in rother Farbe (Namenszug des ver­storbenen Herzogs Wilhelm) erhalten. Die öster­reichischen Käppis, die bisherigen Gradabzeichen der Offiziere und Unteroifiziere fallen natürlich auch fort, und es werden fortan der preußische Helm mit dem braunschweigischen Löwen und

eines Heinrich V11I. geworden war, ein Schritt, den man nur von der Eitelkeit gethan wähnte. In London war sie kühl ausgenommen, und am Hofe hatte man ihr nichts entgegengebracht.als frostige Etikette, die erzitterte unter dem Tyrannenblick des Königs, der eine Verletzung seiner Gemahlin schwer geahndet hätte. Das hatte die zartfühlende Cutha- rtna schmerzlich empfunden und gab daher auch nur Etikette, wo man ihr solche entgegenbrachte.

Ihr kurzes Eheglück an Lord Latimers Seite war mit dem ersten Gatten für immer begraben und kehrte ihr nie zurück, das wußte sie. Der Glanz des Königsthrones konnte ihr die Leere ihrer Brust neben Heinrich VIII, nicht ausfüllen, das that nur ein Gefühl: das Bewußtsein Mittlerin zu sein zwischen einem Tyrannen und seinem unter­drückten Volke. Einsam und freundlos wandelte sie am Hof von St. James, denn, daß sie ihre Macht über den König zum Wohle Anderer an- wandte, das that sie nur im Stillen und so ahnte Niemand, daß sie das Diadem von England wie eine Dornenkrone trug, nicht als ein Symbol des Triumphes weiblicher Eitelkeit.

Erst jüngst war die Schranke, die Königin und Unterthanen trennt, zwischen Mylady Katharina und Lucy Albemarle niedergerissen von der Hand des Vertrauens, als Letztere Katharinen zur Ver­trauten ihrer Herzensangelegenheiten gemacht, aber eine Freundin, im wahren Sinne des Wortes hatte die junge Königin doch nicht gefunden; mit ganzem, vollem Vertrauen konnte die Gattin Heinrich VIII, die Nachsolgerin Anna Boleyns und Katharina Howards, Niemand entgegenkommen.

Ich bin eine schlechte Gesellschafterin, Lady Al- bemarle, wo Ihr junges Herz jetzt in Lust und

schwarzem Haarbusch, Epauletts und Tressen ge­tragen; die Offiziere behalten den Schleppsäbel. Die Uniform des Herzoglichen Husaren-Regiments Nr. 17 bleibt dieselbe, nur wird statt der öster­reichischen Mütze die preußische eingeführt; die Unteroffiziere erhalten analog der Infanterie auch die preußischen Gradabzeichen. Auch das preußische Portepee wird eingeführt.

Die Abgeordneten Frege, von Kardorff und von Landsberg haben im Reichstag den Antrag einge- bracht, den Reichskanzler zu ersuchen, mit den be- theiligten Staaten Frankreich, England, Nord­amerika in Verhandlung zu treten, um die Ein­führung einer internationalen Doppelwährung zu ermöglichen.

In der Sonnabend-Sitzung der badischen zweiten Kammer erklärte Staatsminister Turban in Be­antwortung einer auf das Branntwein-Monopol bezüglichen Interpellation: Eine Aenderung der norddeutschen Branntweinbesteuerung würde für Baden bei längerer Absonderung schwere Nachtheile herbeiführen. Er hoffe, der Bundesrath werbe den Entwurf derartig gestalten, daß angesichts der überwiegenden Vortheile desselben Baden die Zu­stimmung möglich sei. Die Regierung werde übrigens diese Zustimmung erst aussprechen, wenn beide Kammern mit dem Aufgeben des bezüglichen Reservatrechts sich einverstanden erklärt hätten.

(Frankreich.) Die Besprechung der Petition wegen des Verkaufs der Krondiamanten, die natür­lich von der Rechten lebhaft bekämpft wurde, rief in der Deputirtenkammer äußerst tumultuartsche Scenen hervor, wie sie ja daselbst nichts Neues sind. Die Radikalen haben den Antrag gestellt, daß alle Prinzen aus den Herrscherhäusern, die ehemals in Frankreich regiert haben, aus dem Lande gewiesen werden sollen. Dieser Antrag wird jedoch wahrscheinlich als unzweckmäßig zurückgezogen werden. Die Arbeiterunruhren mehren sich in besorgnißerregender Weise. Noch ist die öffentliche Meinung in Frankreich in hochgradiger Erregung über die Exzesse in Decazeville, wo die Minenar- beiter den Direktor Watrin buchstäblich zu Tode traten und schon laugen aus St. Quentin Mel­dungen ein, nach denen daselbst durch streikende Arbeiter Ruhestörungen stattsanden, zu deren Be­seitigung Gendarmerie einschreiten mußte. In

Freude übersprudelt, des Bräutigams harrend, der Sie zum Traualtar führen soll. Aber vergeben Sie einer Frau, an die der Ernst des Lebens früh herangetretenist, und gestatten Sie mir, JhreOffen- heit von neulich zu erwidern, indem ich Ihnen von meiner Vergangenheit erzähle.*

Das wollen «sie, Mylady,* rief Lucy beglückt.

Sie sind dieEinzige, zu der ich an diesem Hofe, wo man mich so kalt ausgenommen, Vertrauen fassen kann. Ich bin in Harrowgate geboren, in so einfachen, bescheidenen Verhältnissen, daß mir nie eine Ahnung kam, welche Größe und welcher Glanz mir hienieden noch ausbewahrt seien. Meine Eltern mußten sich sehr einschränken, trotzdem nah­men dieselben noch einen entfernten Verwandten zu sich, Henry Suffolk, dessen Eltern gestorben waren, und der mittellos in der Welt dastand. Mit ihm ward ich zusammen erzogen, wir wuchsen auf wie Bruder und Schwester und betrachteten uns als solche. Bald gesellte sich uns noch eine dritte Gefährtin, Anna Dorset, deren Eltern nach Harrowgate zogen, und wir führten ein frohes, glückliches Kinderleben, selbst da noch, als Georg schon zwanzig, ich acht­zehn, Anna fünfzehn Jahre zählte. Dies Leben erhielt seinen Abschluß mit meiner Verheirathung mit Lord Latimer, denn das einfache, schlichte Naturkind hatte das Herz des hohen Herrn gewon­nen, dessen Besitzthum nicht fern von Harromgate lag. Ich zog in Latimerhouse ein, und er machte mich reif für die hohe Bestimmung, der ich auf Englands Königsthron entgegenging, nachdem das Glück des Lebens mir zusammengebrochen war in Todes­schauern. An meines William Seite fand ich das Glück, das die Welt nicht rauben kann und das man in der Ehe auszubauen vermag, mitten unter