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Nr. 18.

Donnerstag den 11. Februar 1886;

DaSKreiSblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.

für den

Kreis ^ersfefö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltig» Gar» mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat zu der von dem Comil^ für den Pferdemarkt in Fritzlar beabsich­tigten Verloosung von Pserden, Wagen, Fahr- und Reit-Requisiten zc., welche mit dem am 14. und 15. Juli d. Js. stattfindenden Pserdemarkie verbunden werden soll, mit der Maßgabe die Ge­nehmigung ertheilt, daß nicht mehr als 7000 Loose ä 3 Mark ausgegeben werden dürfen, und daß deren Vertrieb auf den Umfang der Provinz Hessen-Nassau beschränkt bleibt.

Cassel, den 2. Februar 1886. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Kreis Keesfeld.

Hersfeld, den 8. Februar 1886.

Diejenigen Herren OrlSvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit Emretchung der Rekru- tirungs-Slammrollen rc. im Rückstände find (cfr. meine Verfügung vom 2. Januar c. Nr. 41 im Kreisblatt Nr. 3) werden hieran mit Frist bis zum 15. d. M l s. bet Nielbung von 3 Mk. Strafe erinnert.

41. Der Königliche Landrath

________________Freiherr von Schleintß.

Gefunden: Eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümers bet dem Ortsvorstand zu Gitlersdorf.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestell- gange ein Annahmebuch mit sich, in welches er Die von ihm angenommenen Sendungen mit Werth- angabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen, sowie etwa von ihm erhobene Zeitungs-Abonne- mentSbeträge einzutragen hat. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so hat der Land- briefträger demselben das Buch vorzulegen. Bei der Eintragung des Gegenstandes durch den Land- briesträger muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegung deS Buches die Ueberzeugung von der stattgehablen Eintragung gewährt werden.

Cassel, den 5. Februar 1886.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector: zur Linde.

(Nachoruck verboten.)

Eine blaue Schleife.

Historische Novelle von Emma Handen. (Fortsetzung.)

Ach! der Wittwenschleier deckte freilich den Frauenblick, der sonst scharf ist, wo es gilt, Männer­gefühle zu errathen, die Motive seines Handelns," fuhr die Königin in ihrer Erzählung fort.Mit welchen Entschlüssen er am anderen Morgen Lati- meryouje verließ, und wie bald er zurückkehren würde, ich ahnte es damals noch nicht; ich lebte abgeschieden von der Welt weiter in meinem stillen Schloß nur dem Andenken an meinen verstorbenen Gatten.

Doch kaum war das Trauerjahr vorüber, kaum hatle^meineL William Todestag im Jahreswechsel sich erneut, da kamen König Heinrichs Boten und trugen mir seine Hand und Englands Königsthron an. Schon wollte ich ein kurzes, entschiedenes Wein* sprechen, denn noch blutete frisch die Wunde um den Tod des geliebten Gallen, und ich ver- meinle nicht die Kraft zu haben, mit einem Anderen zum Allar zu treten. Doch wieder sah ich den Blick, den Heinrich mir zugefchleudert hatte, als ich gegen seinen Willen sein Zimmer betrat, und ich zitterte diesRein" auSzusprechen, denn der König, der mich zur Herrin von Latimerhouse gemacht hatte, besaß die Macht, mich seine Rache fühlen zu lassen, schlug ich die Ehre aus, die er mir bot. Zum Tode betrübt, ging ich zu Williams Grab, und da kam es über mich wie eine heilige Offen­barung von oben; ich bedachte, daß Alles im Leben Fügung einer höheren Hand war, daß ja auch dieser königliche Antrag Gottes Fügung war, daß sein

Der von der hiesigen Prüfungskommission abzu- haltende Termin zur Prüfung der Hufschmiede ist auf den 24. März d. I. festgesetzt.

Meldungen hierzu sind, unter Beifügung des Geburtsscheines, etwaiger Zeugnisse über die tech­nische Ausbildung und 10 Mark Prüfungsgebühren an den Unterzeichneten, spätestens bis zum 24. Februar d. I. abzugeben und wird dann den Prüflingen, welchen dieAnleitung zum Bestehen der Hufschmiedeprüfung von Professor Dr. Möller" zur Vorbereitung empfohlen wird, das weiter Nöthige mitgetheilt werden.

Fulda, den 29. Januar 1886.

Eber Hardt, Kreisthierarzt.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 8. Januar. Der Reichstag verwies wider

Erwarten die Vorlage, betreffend die Bürgschaft für die egyptische Anleihe, die in erster und zweiter Lesung dc- batlelos genehmigt worden war, in die Budgetkommission, nachdem die Abg. Kayser (Soz.-Dem.), Dr. Windthorst (Centr.) und Dr. Bamberger (veutjchsr.) dazu gesprochen hatten. Im Uebrigen wurde bei der dritten Lesung des Etats in die Generaldebatte eingetreten, dieselbe auch be­endet. Es kamen dabei mit Ausnahme der Polen und der deutschen Vollspartei alle Fraktionen des Reichstags zum Wort: Abg. Liebknecht (Soz.-Dem.), v. Karborff (Reichspartei), Dr. Windthorst (Centr.i, Dr. Hänel und Rickert fbcutschfr.), von Lenz (nat.'lib.) und v. Helldorff (deutschkons.). Die Debatte führte über das eigentliche Finanz- und wirthschastliche Gebiet ziemlich weit hinaus und drehte sich wesentlich um die Stellung und das An­sehen des Reichstags den Einzellandtagen und dem Reichs­kanzler gegenüber. Ferner wurde die Polendebatte sowie die Verhandlungen der neuesten Zeit überhaupt in den Kreis der Erörterungen gezogen, so daß die ganze Debatte wesentlich sich als eine Rekapitulation der letzten Vorgänge in diesem Hause wie im preußischen Landtage darstellte. Morgen wird bei der dritten Lesung des Etats in die Spezialdebatte eingetreten.

Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung über den Etat des Ministeriums des Innern fort und erledigte eine Reihe von Kapiteln ohne wesentliche Debatte. Zu einer ausführlicheren Diskussion führte nur das Kapitel Landräthliche Behörden", bei welchem vom Vicepräsidenten des StaatSministeriums, Minister des Innern von Putt- kamer, die Erklärung abgegeben wurde, daß dem Zigeuner­unwesen, soweit es sich dabei um die ausländischen Zigeuner handle, nur durch eine gemeinschaftliche Aktion der Bundesstaaten, die bereits in Anregung gebracht wor­den fei, mit Erfolg begegnet werden könne. Bei dem Titel

Wille mich auf Englands Königsthron rief, auf dem ich Gutes wirken könne an der Seite eines Heinrich VIII. Ich bezwäng mich selbst und mei­nen heißen Schmerz um mein im Grabe ruhendes Lebensglück, opferfreudig wollte ich für Englands Volk diese Ehe eingehen und sandte dem Könige mein Jawort. Es ward mir namenlos schwer, denn ich sah Anna Boleyns und Katharina Ho­wards blutige Schatten als unversöhnte Geister vor mir stehen. Ein grollendes schweigen empfing mich in den Straßen von London, als ich als Heinrichs junge Gattin hier einzog, denn man be­schuldigte mich ehrgeiziger hochmüthiger Absichten, als ich ungewarnt durch das Schicksal von vier Vorgängerinnen, die sechste Gemahlin eines Königs ward, an dessen Hand Gattinnenblut klebt. Aber ich beklage mich nicht, ich habe nicht vergebens meinem Vaterlaude das Opfer einer zweiten Heualy gebracht," setzte sie gepreßt hinzu,ich bin glücklich. Mich schreckten nicht mehr Anna BoleynS und Katharina Howards blutige Schatten, ich stehe in König Heinrichs Liebe, denn uns vereint der hei­lige feste Bund der Geister, der die Grundlage jedes Eheglückes ist."

Königin Katharina schwieg und Luch wagte nicht mehr ihr Sinnen zu stören. Nur so viel durfte die Gattin Heinrichs sagen, sie wußte aber selbst nur zu gut, daß sie um kein Haarbreit fester stand als ihre Vorgängerinnen, daß sie nur sicher sei, so lange sie um den König war und er ihre Stimme hörte. Gelang es Jemand, hinter ihrem Rücken ihn gegen sie einzunehmen, so daher sie verdammen wollte, ohne sie gesehen und gehört zu haben, dann mußte auch sie fallen, wie Anna Boleyn und Katha­rina Howard gefallen waren.

Polizeiverwaltung in den Provinzen" gelangte auf den Antrag der Budgetkommission eine Resolution bezüglich der Uebernahme der Polizeiverwaltung in einzelnen Städten aus die Kommunen und anderweiten Regelung der staat­lichen Beitragspflicht zu der örtlichen Polizeiverwaltung zur Annahme, nachdem sich der Vertreter der Staatsregierung im Wesentlichen mit derselben einverstanden erklärt hatte. Zum Schluß gab noch die PositionDistriktskommissarien" in der Provinz Posen zu einer längeren Debatte Veran­lassung, in welcher der Herr Minister des Innern für diese «camlenkategorie dem aus dem Hause ausgesprochenen Wunsche entsprechend schon in dem nächsten Etat eine Gt- haltsausbesserung in Aussicht stellte. Darauf wurde die Berathung abgebrochen und aus morgen 11 Uhr vertagt.

Berlin, 9. Februar. Der Reichstag trat heute in die Spezialberathung des Etats in dritter Lesung ein. Die Ordinarien der meisten Speztaletats wurden ohne jede De­batte genehmigt. Eine Diskussion knüpfte sich erst an den Etat des Reichsamts des Innern, bei welchem bezüglich des Reichsgesundheitsamts und des Reichsversicherungsamt« Wünsche bezw. Beschwerden geäußert wurden. Im Etat der Militairoerwaltung wurde heute, abweichend von dem Beschlusse zweiter Lesung, die für die Zahlmeister geforderte Gehaltserhöhung vom ganzen Hause gegen die Stimmen der Socialdemokraten bewilligt. Beim Etat des Reichsschatz­amts kam der Antrag zur Debatte, worin die verbündeten Regierungen ersucht werden, der Währungsfrage erneut die eingehendste Prüfung zu Theil werden zu lassen und dem Reichstage von dem Resultate dieser Prüfung Mittheilung zu machen, Nachdem der Antrag von dem Abg. Frhrn. von Huene (Centrum) und namentlich von dem Abg. Leuschner (Reichsp.) eingehend begründet worden war, er­klärte der Schatzsekretair v. Burchard, daß er die Annahme des Antrages dem Hause ganz anheimgeben müsse; derjelb« gehe indeß insofern von einer falschen Voraussetzung au«, als er anzunehmen scheine, es hätten die verbündeten Re­gierungen diese wichtige und schwierige Frage jemals aus den Augen verloren. Bis jetzt wäre von keiner einzigen der verbündeten Regierungen der Wunsch nach Aenderung des bestehenden Zustandes ausgesprochen. Abg. Woermann (nat.'lib.) erklärte, daß die Nationalliberalen trotz der Harm­losigkeit des Antrages demselben nicht zustimmen würden, da sie vor allen Dingen wünschten, daß die Frage endlich einmal zur Ruhe komme. Im Uebrigen trat er den Aus­führungen des Abg. Leuschner über die Vorzüge der Doppelwährung entgegen. Um 5 Uhr wurde die weitere Debatte aus morgen vertagt.

Das Abgeordnetenhaus setzte in seiner Sitzung am 9. d. Mts. die Berathung des Spezial-Etats de« Ministeriums des Innern fort. Bei dem TitelLandgen­darmen" entspinnt sich eine heftige Debatte zwischen den Führern der Obstructionsparteien und dem Staatsminister des Innern v. Putlkamer bezüglich der Ausweisungen, wo­bei letzterer in scharfer und zutreffender Weise die Noth-

Das war es, was sie Luch Albemarle nicht sagen durfte, was die jugendliche Frau, die England em so großes'Opfer gebracht, allein tragen mußte. Wie hatte keine Ahnung, daß, als sie jene Worte sprach, das Netz des Verderbens um sie gesponnen wurde, daß zwei einflußreiche Männer sich die Hand reichten zu ihrem Sturze.

II.

Tief verhüllt durch einen hochgezogenen Mantel» kragen und einen niedergekrämplen Hut betrat in dieser Dämmerstunde ein Mann die Wohnung des Staatskanzlers Wriothesley, und antwortete auf die Frage des hinzutretenden Dieners, wer er sei und was er wolle: Er wünsche den Herrn Kanzler zu sprechen, wer er sei und was er von ihm wolle, werde er ihm selber sagen, denn er sei ein alter Bekannter des Herrn Kanzlers. Der Verhüllte hatte etwas Gebietendes und Befehlendes in seinem Auftreten, so daß der Diener sofort zu seinem Herrn ging, um ihm den Fremden zu melden. Bald darauf kam er wieder, und hieß ihn eintreten. Als die Thüre sich hinter dem Diener geschlossen und der Fremde sich überzeugt hatte, daß er mit dem Hausherrn allein sei, warf er Hut und Man­tel ab, und erstaunt und freudig eilte der Kanzler auf ihn zu mit den Worten:

Eduard Latimer, bist Du es wirklich?"

Ja Christoph, ich bin es wirklich, Eduard La­timer, einst der reichste Lord Altenglands, jetzt ein Bettler, laut Königsspruch um einer Frau willen. Ein Verfehmter, der sich bei Nacht und Nebel in das Haus eines Freundes schleichen muß, weil er i das stolze Wappen der Latimer nicht öffentlich zeigen darf. Aber ich habe ihr Rache geschworen