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Kreis ^erssesb.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 11. Februar 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung der Verfügung vom 30. Mai 1879 Nr. 6474 im Kreisblatt Nr. 44, das Einbinden der Kreisblätter betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 20. d. Mts. bei Mei- dung von 3 Mark Strafe erinnert.
1863. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 10. Februar 1886.
Der am 10. Februar 1850 zu Reilos geborene Bauer Nikolaus Klump hat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
1827. Der Königliche Landrath
Freiherr von S chleinitz.
# Branntweinmonopol und Arbeiter.
Der Branntwein ist für einzelne Arbeiterklassen ein nothwendiges Lebensbedürfmß, mäßig genossen, dient er namentlich bei schwerer Arbeit zur Auffrischung der Uralte. Würde das Monopol, wie ein Theil seiner Gegner behauptet, eine erhebliche Ler- theuerung des Trinkbiauniwelns mit sich bringen, ~ "--f-o Mtoen allerdings diejenigen mehr oder weniger hart getroffen, für welche jetzt der Branntwein das billigste und dabei unschädliche oder nothwendige Getränk ist und der Arbeiter hätte ein wirkliches Interesse daran, baß diese Steuermaßregel nicht durchgeführt werde. Jene Behauptung ist aber nicht begründet, wie ein anderer Theil der Gegner, voran die Freisinnige Zeitung Eugen Richters, selbst anerkannt hat. Nach den Motiven des preußischen Antrags haben sorgfältige Erhebungen im preußischen Staate, der denjenigen Theil Deutschlands umschließt, wo der Branntweingenuß am verbreitetsten und auch relativ am nothwendigsten ist, den kälteren Norden, das Ergebniß ge
liefert, daß ein Liter Trinkbranntwein im glas- weisen Ausschank durchschnittlich auf 91 Pfennige zu stehen kommt. Unter dem Monopol soll der Liter reiner Alkohol mindestens 2 und höchstens 3 Mark, also durchschnittlich 2 Mark 50 Pf. kosten, aus einem Liter Alkohol werden 2*/2 bis 3 Liter Trinkbranntwein hergestellt, der Monopolpreis würde also für den Liter Trinkbranntwein 80^3 Pf. bis 1 Mk. betragen. Das entspricht ungefähr den gegenwärtigen Durchschnittspreisen für den glasweisen Ausschank, während im sonstigen Kleinverkehr die Preise jetzt etwas niedriger stehen. Es ist ja auch ganz klar, daß das Monopol, um einen großen Ertrag für den Fiscus zu sichern, nicht nöthig hat den Schnaps zu vertheucrn, da die Gestehungskosten für den Staat gering sind gegenüber den enorm hohen Gewinnen, die jetzt der Zwischenhandel macht.
Was somit den Preis des Schnapses betrifft, so hat der Consument, wenn wirklich einen, so doch einen empfindlichen Nachtheil vom Monopol nicht zu gewärtigen. Dagegen erwachsen dem Staat aus dem Monopol Früchte moralischer, gesundheitlicher und finanzieller Art, an deren Genuß der Arbeiterstand in vollstem Maße Theil nimmt. Offenbar ist, abgesehen vom finanziellen Ertrag, das Ideal einer guten Spirilussteuer diejenige, welche den — sagen wir — legalen Genuß des Branntweins nicht verlheuert und dennoch den übermäßigen, für Gesundheit und Moral verderblichen Genuß nach Möglichkeit einfchränkt. In dieser Beziehung ist im Monopol, wie ein Blatt mit Recht sagte, das Ei des Kolumbus gefunden. Es liefert für denselben Preis ein reines, durchaus fuselfreies Getränk und es regelt die Zahl der Tankstellen nach dem vorhandenen Bedürfniß. Bekanntlich beruht die Branntwcinpest wesentlich auf dem Genuß nicht genügend entfuselten Schnapses und ist nach den Erfahrungen anderer Länder die Einschränkung der Schankflätten das beste Mittel, der Schnapstrunksucht Einhalt zu thun. Wie jede andere Steuerform, die auf einen erheblich höheren Ertrag abzielt, den Trinkdrannt- Wein mehr oder weniger verlheuern würde, so giebt es schlechterdings keinen Weg, auf dem einfacher und sicherer, als es beim Monopol geschieht, die
moralischen und gesundheitlichen Ziele der Spiri- tussteuerreform erreicht werden können. Gerade der Arbeiterstand hat aber hierbei das größte Interesse. Der Arbeiter, namentlich Norddeutsch- lands, ist den Gefahren, die mit dem übermäßigen Genuß von Schnaps, namentlich von schlechtem schädlichem Schnaps verbunden sind, am meisten ausgesetzt; er ist es, an den in erster Linie der fuselhaltige Schnaps verkauft wird, auf seinen Verdienst ist vornehmlich die Ueberzahl von Schnaps- schenken und Destillationen berechnet.
Vergessen wir endlich auch nicht, daß die Zwecke, denen der Monopolertrag dienstbar gemacht werden soll, eine Erleichterung der Lage des Arbeiters einschließen. An der Spitze des Verwendungsprogramms steht die Entlastung der Communen in den Einzelstaaten und die Verminderung der di- recten Steuern und der Schullasten. Wenn durch das Monopol die Mittel geschafft werden, damit den Gemeinden die Grund- und Gebäudesteuer ganz oder theilweise überwiesen und die Schullasten ganz oder zum Theil auf den Staat übernommen werden, so wird ein tzauptantheil an diesen Erleichterungen den Arbeitern zu Gute kommen.
Die Führer der Socialdemokratie wissen jedenfalls ganz genau, was das Branntweinmonopol für die Arbeiter bedeutet. Sie wollen aber, weil von der Unzufriedenheit der Massen lebend, „diesem Staate der Reaction* die Mittel nicht gewährt sehen, die Arbeiter zufriedener zu machen. Würde ihnen das Wohl der Arbeiter wirklich am Herzen liegen, so müßten sie einer Maßregel zustimmen, die in so hohem Grade geeignet ist, die Gesundheit und Moral der Arbeiter zu fördern und einen großen Theil der Steuerlast ihnen abzunehmen. Glücklicherweise sind diese Vortheile so offenkundig, daß es weder den freisinnigen noch den socialdemokratischen Gegnern des Branntwein-Monopols bisher gelungen ist oder noch gelingen wird, im arbeitenden Volke eine begeisterte Anhängerschaft gegen dasselbe zu finden.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 10. Februar. Der Reichstag setzte heute bei der dritten Berathung des Etats die Diskussion über die Währungssrage fort. Abg. v. Schalscha (Centr.) suchte
(Nachdruck verboten.)
.Eine blaut Schleife.
Historische Novelle von Emma Handen.
(Fortsetzung.)
„Auch kann ich es als Staatskanzler nicht riskiren, ihn zu besuchen, wo die Königliche Ungnade auf ihn lastet, und dennoch muß er unser Werkzeug werden, das Wie werde ich schon finden,* bemerkte Wriothesley seinem Freunde weiter.
„Nun, ich weiß jetzt die Sache in guten Händen und kann getrost meinen Weg in Nacht und Dunkel sortsetzen*, sagte Eduard Latimer.
„Aber nicht heut, nicht jetzt, Du wirst erst Erfrischungen einnehmen, und unter meinem Dache nächtigen. Mein Kammerdiener ist verschwiegen und treu, und verräth uns nicht, und auf's Ungewisse lasse ich Dich überhaupt nicht wieder fort. Erst müssen wir das Mittel ersinnen, Mr. Suffolk an den Hof von England zu bekommen, und dann in Sekt anstoßen auf einen frohen Einzug in Lati- merhouse.*
III.
Einige Wochen später saß Graf Norfolk an einem stürmischen Maitag in der Dämmerstunde in seinem noch nicht erleuchteten Zimmer und schaute sinnend in die erlöschende Gluth des Kamins, indeß sein Leben an dem sinnenden Auge des Greises vorüberzog.
Graf Norfolk hatte sich einst unter Heinrich V. RichmoudS Augen in der Schlacht von Bosworth die Sporen verdient, an jenem Tage, der dem Mörder von Eduards Söhnen Thron und Leben kostete. Nach langem, treuem Liebeswerben hatte er endlich die Hand Ellen Glendowers erhalten,
die einem Andern bestimmt gewesen; aber Norfolks und Ellens Liebe hatte gesiegt über Vaterwillen und Ellen Glendower war als Gräfin Norfolk in das Haus ihres Gatten eingezogen. Fünf Jahre waren dem jungen Paare dahingerauscht im seligen Liebesglück, eine Tochter hatte dasselbe noch erhöht, da schlug die erste Stunde der Trennung. Der Krieg wider Schottland begann, auch Norfolk mußte mit Heinrich fort und erwarb sich dessen Gunst für immer aus dem Schlachtseide von Floddensiel, wo er die Brust des Königs vor schottischen Lanzen schützte.
Endlich kehrte Heinrich heim, an seiner Seite, an Sieg und Ehren reich, Graf Norfolk. Hoch schlug sein Herz bei dem Gedanken an die theuren Lieben daheim, an Weib und Kind, seine beiden Ellen; hoch auf jubelte auch die junge Gräfin, das leichte Unwohlsein nicht achtend, das sie seit einigen Tagen gefühlt.
Eilenden Schrittes betrat Norfolk sein Haus, kein Jubelruf des Willkomms tönte ihm daraus entgegen, Alles war still und öde; warum kam Ellen nicht jubelfroh demGatten entgegen s Schweigend grüßten ihn die Diener, und wiesen stumm nach dem großen Erkerzimmer droben. Ahnungs- bang eilte Norfolk hin, riß die Flügelthüre auf und sah seine Ellen, aber kalt und stumm im dunkeln Sarg.
Sein Lebensglück war vernichtet, mit diesem einen fürchtlichen Schicksalsschlag und mit heißem Sehnen schaute er ihr nach in's Jenseits, wohin sie gegangen. Nur eine Freude war ihm geblieben, der schwache Abglanz jenes Glückes, das mit Ellen für immer schlafen gegangen, seine Tochter, die die todte Gattin ihm zurückgelassen, blühte empor, das
Ebenbild der Mutter, die letzte und einzige Freude ihres schwer gebeugten Vaters. Doch auch dies Glück sollte ihm früh entrissen werden; als Ellen Norfolk achtzehn Jahre zählte, folgte sie der Mutter in die Ewigkeit.
Da war die letzte Freude, der Stolz von Norfolks Leben geknickt und er stand da, ein einsamer verlassener Mann am Grabe seiner Hoffnungen und feiner Lieben; ganz England trug ihm Mitleid und Sympathie entgegen. Selbst der Tyrann auf Albions Thron empfand ein menschlich Rühren bei Norfolks Schmerz, und wenn königliche Gunst die Wunde heilen könnte, die das Leben schlägt, so hätte der Graf wieder aufleben müssen in der Sonne königlicher Huld, die ihm allein dauernd von Heinrich VIII. geschenkt wurde. Den Stachel aber, der tief im Herzen dieses Mannes saß, konnte keine Fürstenhuld daraus ziehen, er trug seinen Schmerz als Mann und Christ Gott ergeben, aber kein Strahl der Freude zog je wieder ein in seine Brust.
Daß er das Schicksal der Günstlinge seines Monarchen nicht theilte, das heißt mit den Gattinnen des Tyrannen zu stehen und zu fallen, verdankte er wohl nur dem Umstand, daß er die meiste Zeit seines Lebens fern auf Gesandtschaftsposten sich befand. Vor Kurzem hatte ihn sein hohes Alter gezwungen, die diplomatischen Geschäfte in jüngere, kräftigere Hände niederzulegen, und er war nach England zurückgekehrt, zu spät, um Katharina Howards Haupt vor dem Henkerbeil zu retten.
Der geschehenen Thatsache gegenüber schwieg er und machte dem Könige keine Vorwürfe über den gewaltsamen Tod der fünften Gattin, den er mißbilligte. So erhielt er sich Heinrich des VIII. Gunst auch nach seiner Rückkehr ungeschmälert,