Nr. 2L
reisMblatt
Donnerstag den 18. Februar 1886;
Das „Krcisblatt" erscheint wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 10 Pfg. pro Quartal.
Jinis ^ersfcfö.
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
tzersfeld, den 16. Februar 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver- sügung vom 27. November 1876 Nr. 11906 im Kreisblatt Nr. 96, die zur Erfüllung ihrer Mili- lairpflicht heranzuziehenden Personen beireffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2 4. d. M t s. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.
2039. Der Königliche Landrath ________________Freiherr von Schlein itz^
Hersfeld, den 16. Februar 1886.
Die 24 Jahre alte Maria P l e t s ch von Nieder- jossa hat um Ertheilung 'eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
2055. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 15. Februar. Der Reichstag nahm zunächst die Mittheilung von dem am Sonnabend plötzlich erfolgten Ableben eines seiner Mitglieder, des Abg. von Redecker sdeutschkons.) entgegen, genehmigte den Antrag seiner Geschästsordnungs-Kommission, welcher die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung zweier Provinzial- blätter wegen Beleidigung des Reichstages ablehnt, und verwies dann nach längerer Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Ergänzung des §. 809 der Cioilprozeßord- nung, sowie den Gesetzentwurf, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Eisenbahnbetriebsmitteln, an eine besondere Kommission von 14 Mitgliedern. Endlich wurde nach längerer, aber unerheblicher Debatte der Gesetzentwurf, betreffend die Fürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes in Folge von Betriebsunfällen, in dritter Lesung definitiv angenommen. Nächste Sitzung Mittwoch: Antrag des Abg. Grafen v. Moltke, betreffend die Abänderung des Militairpensionsgesetzes, sowie Diätenantrag Hasenclever.
Berlin, 16. Februar. Im Abgeordnetenhaufe wurde zuerst der Etat der Bauverwaltung erledigt. Die Fragen, die dabei zur Erörterung kamen, bezogen sich namentlich auf die Berliner Bauordnung, die Durchlegung der Zimmer- straße in Berlin und die Gehaltserhöhung der Bau-Jnspec- loren, welche nach Ansicht der meisten Redner kein Aegui- valent dafür biete, daß diesen Beamten fernerhin die
(Nachdruck verboten.)
Eine blaue Schleife.
Historische Novelle von Emma Handen. (Fortsetzung.)
Als der Eindruck einigermaßen verwischt war, den diese Scene hervorgerufen, sprach der König weiter zu Catharinen:
„Katty, Wir haben Dir auch noch eine Neuigkeit mitzutheilen: Wir haben die Stelle Deines Oberstallmeisters neu besetzt und am Ende hat sie gar noch ein Bekannter von Dir erhalten, denn der junge Mann soll aus Harrowgate sein. Unser lieber Graf Norfolk kam heut um für ihn zu bitten, und mußten Wir uns schon sehr gnädig zeigen, um so mehr da der junge Mann ein vorzüglicher Reiter sein soll."
„Und sein Name?" fragte Katharina, der ein ahnungsvoller Schauer die Brust zusammenschnürte.
„Herr Suffolk," antwortete der König, „kennst Du ihn?"
Eine Eiseskälte rann durch Katharinens Adern beim Klänge dieses Namens. Henry Suffolk, der ihr Bruder gewesen, er sollte an den Hof kommen als ihr unmittelbarer Untergebener! Sie fürchtete keine weibliche Schwäche ihm gegenüber, denn er war ihr ja nur Bruder gewesen, und ihre irdische Liebe ruhte in William Latimers Sarg, aber welche Frau war am Hofe Heinrich VIII. als seine Gattin sicher, nachdem die Häupter Anna Boleyns und Katharina Howards einer königlichen Eifersucht zum Opfer gefallen waren! Sie wartodten- bleich und schloß einen Moment die Augen- Sie sah den Blick, den Heinrich ihr zugeschleudert, als
sie wider seinen Willen in Latimerhouse bei ihm wurden entlassen, Alle entfernten sich, auch Katha-
Uebernahme von nebenamtlichen Beschäftigungen untersagt werden solle. Im Uebrigen wurde der Etat dieser Verwaltung, welcher von der Budgetkommission in keinem Punkte beanstandet war, vom Hause im Ordinarium und Extraordinarium, an welches, wie gewöhnlich, wiederum verschiedene lokale Wünsche sich knüpften, unverkürzt bewilligt, nur die Position zum Neubau einer Brücke über den Vorgraben bei Kosel nebst Wehranlage (1. Rate 280,000 M.) wurde an die Budgetkommission zur nochmaligen Prüfung zurückverwiesen. — Es wurde dann noch in die Berathung des Etats der Berg-, Hütten - und Salinen-Verwaltung eingetreten. Dabei gaben die Ausführungen des Abg. Schmieding (nat'-lib.) dem Minister für die öffentlichen Arbeiten Maybach Veranlassung, dem Wunsche desselben nach Ermäßigung der Eisenbahn- tarife für die westfälischen Kohlenreviere mit Bestimmtheit entgegenzutreten, indem er darauf hinwies, daß die Staatsregierung die allseitigen Interessen des Landes und auch die finanzielle Seite berücksichtigen müsse. Nachdem auch Abg. Natorp gleichfalls für Tarifermäßigung im Interesse der Montan-Jndustrie gesprochen, wurde die Berathung abgebrochen. Morgen: Jnitiativ-Anträge, Wahlprüsungen und Petitionen,
Notitische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser ertheilte am Sonntag den Ministern v. Goßler -und v. Puttkamer Audienzen.
Aus dem Reichshaushaltsetat ist noch hervor- zuheben, daß die an die Einzelstaaten zu überweisenden Beträge um rund 53 Millionen gewachsen und dem gegenüber die Matrikularbeiträge nur um 16 Millionen gegen das Vorjahr gestiegen sind, so daß das Gesammt-Resultat der Berechnung aus Matrikularb'eiträgen und Ueberweisungen für die Einzelstaaten sich um 37 Millionen Mark günstiger als im vorigen Etat gestaltet.
Die zur Berathung einheitlicher Grundsätze für die Bezeichnung des Fahrwassers und der Untiefen an den deutschen Küsten zusammengetretene Kommission hat ihre Arbeiten zu Ende geführt.
Die Annahme der dem preuß. Landtage zugegangenen kirchenpolitischen Vorlage gilt als völlig gesichert.
Propst Dinder wird sein neues Amt als Erz- bifchof von Posen-Gnesen am Palmsonntage antreten. -
Die schlesNMviffeinische Regierung hat den Befehl erhalten, sämmtliche Deutsch-Amerikaner
eingetreten war, sah das Schaffst auf Töwerhjll i rina. Wenn Wriothesley auch grollte sich erheben und eine jugendliche Frauengestalt die -----
Stufen desselben ersteigen, das war sie selbst; sah den Henker das Richtschwert erheben und eine
Geisterstimme rief vor ihrem Ohre den Namen „Durham I"
Aber nur einen Moment dauerte die Anwandlung. Die Gattin Heinrich VIII. durfte Fantomen nicht nachhängen, thatkräftig mußte sie in das wirkliche Leben eingreifen und sümpfen mit dem Schicksal, so lange sie den Ehering dieses Königs trug. Noch war das Unheil vielleicht abzuwenden, noch Suffolks Herkommen vielleicht zu hindern, wenn sie offen das geschwisterliche Verhältniß eingestand, das sie einst mit ihm verbunden, denn würde der eifersüchtige Tyrann auf Englands Thron nicht einen zweiten Durham in dem Adoptivbruder seiner Gattin ahnen und ihn fern von ihr zu halten suchen?
Die Farbe war ihren Wangen zurückgekehrt und anscheinend ruhig antwortete sie:
„Ich kenne ihn, er ward von meinen Eltern an Kindesstatt angenommen, und als mein Bruder mit mir zusammen erzogen."
Das verhängnitzvolle Wort war gesprochen, das über zwei Menschenleben entscheiden konnte, wie würde Heinrich VIII. es aufnehmen?
„So mußt Du Dich ja freuen, Katty, über Unsere Entscheidung und es ist auch Uns eine Freude, Dir eine solche gemacht zu haben." Das war des Königs öffentlicher Richterspruch über das heut noch ungetrübte Verhältniß mit seiner Gattin.
„Jch danke, Majestät," erwiderte Katharina, des Königs Hand küssend.
Die Audienz war zu Ende, die Anwesenden
aus Schleswig-Holstein auszuweisen, die vor Eintritt des militairpflichtigen Alters nach den Vereinigten Staaten ausgewandert, dort Bürgerrechte erworben und später zurückgekehrt sind.
Im elsässischen Landesausschuß haben zehn Abgeordnete ein Gesetz beantragt, welches die Organisation der Bezirke aufhebt und die Kom- munaleinrichtung der Bezirke auf die Kreise über- trägt. Nach dem Entwurf würde die Kreisverwaltung direkt der Landesverwaltung unterstehen.
Krakauer Nachrichten zufolge beabsichtigen polnische Aristokraten eine Bank zu gründen zum Ankäufe von Ländereien in Posen, um so den Germantsirungsplänen des Fürsten Bismarck ent- gegenzutreten. Die Bestätigung dieser Nachricht bleibt abzuwarten.
(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) Dem ungarischen Parlamente wurde ein Landsturmgesetz vorgelegt. Dasselbe unterscheidet zwei Aufgebote, von denen das erste aus jüngeren gedienten Soldaten gebildet und über die Landesgrenze geführt werden kann. — Die Bestimmung begegnet in allen Parteilagern einem lebhaften Widerspruch.
(Frankreich.) Wie Italien, so haben auch andere Staaten sich sehr zurückhaltend über die für 1889 geplante Ausstellung in Paris ausgesprochen; dieselbe dürfte daher nur eine nationale werden, was namentlich den Wünschen des Ministerpräsidenten Freycinet entspricht. Es verlautet auch, daß bereits beschlossen wurde, keine internationale, sondern nur eine nationcäe Ausstellung zu veranstalten. ——------——----—
(England.) Neuere Ruhestörungen in Birmingham und Aasmuth sind von der Polizei schnell unterdrückt worden. — Mehrere Sozialisten, deren aufrührerische Reden zu den bekannten Scenen auf dem Trafalgar Square in London geführt haben, sind vor die Gerichte geladen worden. — Das Ministerium hat eine Sitzung gehalten, in der es sich mit der Lage der beschäftigungslosen Arbeiter befaßte. In London sind sehr ergiebige Geldsammlungen zum Besten der Arbeitslosen veranstaltet worden.
(Belgien.) Die Repräsentantenkammer hat bet der Berathung des Kriegsbudgets die Amen- dements des Kriegsministers, betreffend die Ein
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-öffentlichen Niederlage, die er erlittW^-ststriumphirte er doch im SUllen, daß es 4ne1etzte sei, die er er
leiden würde, dem>~Henry Suffolk war ja am Hofe, nun war Mylady's Fall unvermeidlich. Norfolk zweifelte ebenfalls nicht an diesem Fall, denn ein einmal gefaßtes Vorurtheil ist nicht mit einem Schlage zu besiegen, das Mißtrauen stirbt nicht an der Bewunderung einer guten That, die öffentlich gethan, Blendwerk sein konnte. Wriothesley hatte ihn richtig beurtheilt, er wollte den Eklat nicht herbeiführen, die Ehe zu trennen, deren Schließung er hatte hintertreiben wollen. Er wollte versuchen, das Unheil abzuwenden, das er seiner Meinung nach, ahnungslos angerichtet. Er ging nicht als die Anderen sich entfernten, er trat vielmehr in höchster Erregung auf den König zu und bat mit erbarmender Stimme:
„Majestät, ich flehe Sie an, machen Sie die Ernennung Mr. Suffolks zum Oberstallmeister Mylady's rückgängig, ehe das Dekret der Anstellung ausgefertigt ist. Geben Sie ihm eine Stellung fern vom Hof, fern von London."
„Warum, lieber Norfolk? Weßhalb diese ungewöhnliche Erregung? Vorhin waren Sie Uns sehr dankbar für Unsere Entscheidung. Was bedeutet die plötzliche Sinnesänderung?"
„Weil ich jetzt erst erfahren habe, daß Mr. Suffolk der Adoptivbruder Mylady's ist."
„Was wollen Sie mit dem Adoptivbruder sagen, ein Wort, das Sie so betonen?"
„Majestät, glauben Sie wirklich nach den trüben Erfahrungen, die Sie gemacht haben, Mr. Suffolk ohne Gefahr für Ihr Gattenrecht herführen zu können, wo wir eben erst Zeuge gewesen sind der