Einzelbild herunterladen
 

Nr. 23.

AMS

Blatt

Dienstag den 23. Februar 1886.

DasKreisblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40 Pfg. pro Quartal exel. Postaufschlag.

Kreis gersfefö.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Sar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Aöonnements-Kintadung.

Bestellungen auf das

KreisMatt für den Kreis Hersfeld mit der wöchentlichen Gratis - Beilage Mustrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Aus den Parlamenten.

Berlin, 19. Februar. Der Reichstag beendigte die erste Berathung des Gesetzentwurss, betreffend die Ver­längerung der Gültigkeitsdauer des Socialistengesetzes. Die Debatte wurde heute vom Herrn Minister v. Pult« kamer eröffnet, welcher sich namentlich gegen den Abg. Bebel wendete, der gestern wieder einmal seinem unaus­löschlichen Haß gegen die Monarchie Ausdruck gegeben und von zerstörtenIllusionen" gesprochen habe. Das Hauptargument gegen den Gesetzentwurf gehe dahin, ent. weder habe das Gesetz geholfen, dann brauche man es nicht mehr, oder dasselbe habe nicht geholfen, dann sei es nutzlos und müsse aus diesem Grunde beseitigt werden. Diese Argumentation wies der Herr Minister als falsch nach. Der Zweck des Gesetzes sei von Hause aus gewesen, die revolutionäre Form der socialistischen Bewegung zu treffen und zurückzuhalten. Diesen Zweck müsse es bei der jortdauernden Gährung auch noch ferner erfüllen. Abg. Weysr Halle (deurschsr.) «klärt sich Namens seiner Partei gegen die Verlängerung des Gesetzes, während ebenso bestimmt der Abg. von Schlieckmann (deutschkons.) für die Nothwendigkeit der Verlängerung eintrat. Der Abg. Windthorst (Centrum) empfahl hauptsächlich seine in der Kommission einzubringenden Milderungsanträge bezw. Resolutionen, während der nat.-lib. Abg. Marquardsen sich prinzipiell für den Gesetzentwurf aussprach, aber die Ab- änderungsanträge für die Kommission beachtenswerth hielt. Den Standpunkt der Socialdemokraten vertrat dann noch einmal der Abg. Geiser. Darauf wurde die Debatte ge­schlossen, und die Vorlage einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überliefern Morgen 1 Uhr: Gesetz­entwurf, betreffend die Errichtung des Nord-Ostseekanals.

Im Abgeordnetenhause, dem die Sekundärbahn- Vorlage zugegangen ist, begann heute die Berathung des Etats der Eisenbahnverwaltung, bei dem zunächst die Frage einer vereinsachteren Aufstellung des Etats zu einer länge­ren Diskussion sührte, in welche auch der Minister für die

(Nachdruck verboten.)

Eine blaue Schleife.

Historische Novelle von Emma Handen.

(Fortsetzung.)

Unsere Gemahlin war mit Ihrem Oberstall. Meister allein, man fand Beide im vertrauten Ge­spräch, und Katharina verbot, Uns die Sache mit- zutheilen, was bedeutet das?*

D Majestät werden doch einem harmlosen Vor­fälle keine schlimme Deutung geben? Das sollte mir bitter leid thun, wenn ich das durch meine Erzählung veranlaßt hätte."

Wurde das Pferd wirklich scheu und ging durch, oder wurde es zu solch tollen Jagen gespornt, um das Alleinsein herbeizuführen!"

Majestät," rief der Kanzler in gut gespieltem Schrecken,Sie werden doch nicht an der flecken­losen Tugend der schönsten Königin zweifeln!"

Ja zweifeln, wer ist Herr über einen einmal aufgestiegenen Zweifel! Welcher Dämon hieß Uns auch den Jugendfreund Unserer Gemahlin an Unsern Hof führen."

Es liegt ja in der Hand Eurer Marestat ihn wieder zu entfernen, wenn Sie glauben, daß er in Ihre Gattenrechte eingreift."

Nein, Wir wollen Beweise von der Schuld, und verlangen von Ihnen, Herr Kanzler, daß Sie Uns solche bringen, wenn Sie sie entdecken, hören Sie wohl. Vor Unsern Augen wird man eine Schuld sorgfältig zu verbergen wissen, in Ihnen wird man keinen Aufpasser fürchten, und Sie werden daher leichter dahinter kommen. Wir verlassen Uns aus Ihre oft erprobte Treue."

Auf die können sich Majestät stets verlassen,

öffentlichen Arbeiten wiederholt eingriff, um darzulegen, daß diese Anregung keineswegs den Zweck verfolge, das Bud­getrecht des Hauses oder die Uebersichtlichkeit des Etats zu beeinträchtigen. Mehrfache von Mitgliedern des Hauses erhobene Beschwerden fanden gleichfalls sofortige Beant­wortung von Seiten des Herrn Ministers, die Einnahme­positionen selbst wurden indeß unbeanstandet genehmigt. Bei den Ausgaben berichtete Abg. v. Tiedemann-Bomst über die zahlreichen, zu diesem Etat vorliegenden Petitio­nen von Eisenbahnbeamten, dann wurde die Berathung abgebrochen und auf morgen vertagt.

Berlin, 20. Februar. Der Reichstag erledigte den Gesetzentwurf, betreffend die Herstellung des Nord-Ostsee- Kanals in zweiter Berathung und genehmigte den grund­legenden §. 1 desselben einstimmig. Die Kommission hatte die Vorlage nur insofern geändert, als die Tariffestsetzung für Benutzung des Kanals seitens der Handelsschiffe nicht durch den Bundesrath sondern durch gesetzliche Regelung erfolgen solle. Das Haus trat diesem Beschiusse bei, nahm aber einen Zusatzantrag an, wonach die Festsetzung des Tarifs für das erste Betriebsjahr dem Bundesraihe über­lassen bleibt. Im Uebrigen blieb die Vorlage vollständig unverändert. Die nächste Sitzung findet Dienstag den 23. Februar Nachmittags 1 Uhr statt. (Abänderung des §. 137 der Gerichtsverfassung und Antrag Reichensperger, betr. Wiedereinführung der Berufung.)

Das Abgeordnetenhaus beendigte heute die Spezialberathung über den Etat der Eisenbahnverwaltung und genehmigte die sämmtlichen Positionen mit Ausnahme der ersten Rate von M. 20 000 zum Umbau des Bahnhofs in Potsdam, welche nach dem Beschlusse der Budgetkom­mission gestrichen wurde. Im Uebrigen kamen in der De­batte verschiedene Wünsche in Bezug auf Verbesserung der Verkehrsverhältnisse rc. zum Ausdruck, und der Minister für die öffentlichen Arbeiten gab wiederholt die Erklärung ab, daß die Verwaltung allen berechtigten Forderungen möglichst zu entsprechen suche, soweit die finanzielle Lage dies gestatte, daß man aber ntzht übersehen dürse, wie es für die Staatsverwaltung untrüglich fei, alle Uebelstände, die sie von den Privatbahnen überkommen habe, mit einem Male zu beseitigen. Am Montage werden die auf die Sicherstellung des Deutschthums in den östlichen Provinzen gerichteten Gesetzesvorlagen zur ersten Berathung gelangen.

Politische Nachrichten.

(Deutschland.) Am Sonnabend Vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser zunächst den Vor- trag des Ober-Hof- und Hausmarschalls Grafen Perponcher und nahm hieraus, im Beisein des Kommandanten, Generals von Derenthall, die persönlichen Meldungen mehrerer höherer Offiziere entgegen. Mittags arbeitete der Kaiser mit dem

auch ohne daß ich die Beweise bringen kann, die Majestät fürchten, denn Mylady steht engelrein und ohne Fehl da."

So, als Anwalt Kalharinens war er stets ge­sichert, daß man ihn nicht als feindseliger Angeber würde verurtheilen können. Er wußte genug, der König war vorbereitet, der entscheidende Schlag konnte fallen.

Ich werde diese Beweise bringen," sprach er zu sich selber, als er £>t. James verließ,meine Macht wird wieder unumschränkt sein, und Eduard Latl- mer in Latimerhoufe einziehen."

VI.

In den Sälen von St. James war eine glän­zende Gesellschaft versammelt gewesen. Als die Mitternachtsstunde schlug, zog sich das Königspaar zurück, und die Säle begannen sich allgemach zu leeren. Still und öde ward's in dem Corribor, der zu den Zimmern Wylady's führte, wo keine Posten standen, denn das eintönige Auf- und Ab­schreiten derselben in dem hallenden Gange zur Zeit nächtlichen Schweigens, hatte Katharinen, die dessen ungewohnt in der ersten Zeit am Einschlafen gehindert, während sie die Ablösung oft im Schlummer gestört, da sie ein feines Ohr und einen leisen Schlaf hatte.

Was regt sich dort in der Nische? Es ist ein Mann, in dem wir trotz der herrschenden, nächt­lichen Dämmerung Henry Suffolk erkennnen an seiner glänzenden Uniform. Was will er hier? Hier ist Alles längst zur Ruhe, Mylady mit ihren Damen in ihren Zimmern. Aber nein, Anna Dor- set ist noch nicht vorüber, auf sie wartet er, sie will er heute noch sprechen. Was will er von ihr in

Chef des Militair-Kabinets, General-Lieutenant v. Albedyll, und ertheilte dann Audienzen.

Se. K. &. der Prinz Wilhelm, der bekannt­lich einer Einladung des Fürsten Anton Radzi- will zur Jagd auf dessen Güter bei Warschau gefolgt ist, wird am Dienstag Abend von dort in Berlin zurückerwartet.

DerPost" zufolge soll in nächster Zeit eine Berufung des Staatsraths zu erwarten sei».

Wie mitgetheilt wird, haben im Bundesrath Hamburg und Bremen gegen den Branntwein- Monopol-Entwurs gestimmt und die süddeutschen Staaten mit Rücksicht aus ihr Reservatrecht sich der Abstimmung enthalten. Von einigen anderen, kleinen Staaten waren die Vertreter noch ohne Instruktionen.

Wie zuverlässig verlautet, wird am 1. April die neue Prüfungsordnung für die Kandidaten des höheren Schulamts erscheinen. In derselben wird u. a. der dritte Grad des Zeugnisses, den mehr­fach geäußerten Wünschen des akademisch vorge­bildeten Lehrerstandes entsprechend, beseitigt, so daß in Zukunft nur derjenige das Examen bestan­den haben wird, der in zwei Fächern die volle Fakultats erworben.

Generalfeldmarschall Graf Moltke ist jetzt völlig genesen und hat in den Mittagsstunden der letzten Tage bereits wieder längere Spaziergänge machen können.

Am Freitag ist der General der Infanterie und General-Adjutant des Kaisers, v. Boyen, in Jena an der Lungenentzündung gestorben. -Der Ver­storbene war ein Sohn des ehemaligen Kriegsmi­nisters v. Boyen und zuletzt, ehe er 1879 seinen Abschied nahm, Gouverneur von Berlin.

Aus Hamburg wird auf Grund von Nachrichten aus Sansibar mitgetheilt, daß, nachdem bereits vor vier Wochen Dr. Jühlke und Lieutenant Quehl Sansibar verlassen haben, nunmehr auch Lieute­nant Schmidt, Herr Söhnge und Maler Hellgrewe diesem Platz wieder Lebewohl gesagt haben, da sie das Klima in den Territorien der deutsch-ostafri- konischen Gesellschaft nicht ertragen konnten.

Das Militärpensionsgesetz wird am Mittwoch im Reichstage zur Verhandlung kommen.

In der Kommission zur Vorberathung über den

so seltsamer Stunde?

AIs er heute Nachmittag, einige Stunden vor Beginn des Hoffestes, in den Königlichen Ställen gewesen war, drängte sich ein Fremder an ihn heran, drückte ihm schweigend einen Brief in die Hand und verschwand eben so schnell wie er gekommen ohne zu sagen wer ihn schicke und ohne dem über­raschten Stallmeister Zeit zu einer dahin zielenden Frage zu lassen. Das kleine zierliche Blättchen in Suffolks Hand verrieth eine Dame alsAbsenderin, nicht sowohl der Form nach, als auch durch den ihm entströmenden Veilchenduft, die Adresse zu ent­ziffern, dazu war es indeß schon zu dunkel. Neu­gierig ging Suffolk in sein Zimmer, und zündete Licht an. Sein Herz schlug nicht schneller, es ge- hörie Anna Dorset, die würde in solcher Weise nicht mit ihm verkehren, das wußte er, und jede Andere war ihm gleichgültig. Die Handschrift war sichtlich verstellt, der Inhalt lautete also:

Geliebter, schon lange trage ich die Liebe zu Dir im Herzen. Das Gefahrvolle derselben erwä­gend, habe ich mich bis jetzt bezwungen, ich kann es nicht länger. Komm heute Abend nach dem Hoffest in den Gartenpavillon, ich muß Dich ohne Zeugen sehen und sprechen. Eine blaue Schleife."

Er lachte als er das Billet an der Kerze ver­brannte. Also eine richtige Eroberung sollte er gemacht, und noch dazu eine verheirathete Frau schien es zu sein, da sie von Gefahr sprach. Nun, dem war ein für allemal entgegen zu treten, wenn er nicht nach dem Gartenpavillon ging, dann würde die Spielerin erkennen, daß sie keine Gegenliebe gefunden, und ihn künftig mit ihren Anträgen in Ruhe lassen. Neugier war das einzige Gefühl, das ihn beseelte, als er zu dem Hoffest ging, keine