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DaSKreiSblatt" erscheint wöchent­lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit Jllustrirtem Unterhaltungsblatt" 1 Mk. 40Pfg. pro Quartal excl. Postousschlag.

Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Gar­mondzeile oder deren Raum mit 10 Psg. berechnet und wird bei Wiederho­lung entsprechender Rabatt gewährt.

Sireis ßersselü.

Amtliches.

Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß zum Besten des Fonds für die Wiederherstellung der Stadtkirche zu Biedenkopf eine einmalige Samm­lung freiwilliger Beiträge bei den evangelischen Einwohnern der Provinz Hessen-Nassau im Laufe dieses Jahres durch polizeilich legitimirte Collee- tanten abgehalten werden darf. Cassel den 20. Februar 1886. Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

Kreis Hersfeld.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versamm- lungen für die Mannschaften des Beurlaubten­standes im Kreise Hersseld finden wie folgt statt:

1) zu Unterhaun

Donnerstag den 8. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kathus, Kohlhausen, Kruspis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Roß­bach, Wilhelmshof, Rotensee, Stärklos, Sieglos, Sorga, Unterhaun, Wippershain und Bingartes.

2) zu Hersfeld

Freitag den 9. April d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus der Stadt Hersfeld mit dem Hof Meisebach und dem Hermannshof, sowie aus den Gemeinden Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar und Meckbach, sowie dem Guts­bezirk Eichhof.

3) zu Obergeis

Sonnabend den 10. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden All- mersyaufen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Heenes, Obergeis, Reckerode, Rohrbach, Rotterterode, Tann und Untergeis.

4) zu Niederaula

Montag den 12. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Frielingen, Gers-

dorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Reim­boldshausen, Solms, Willingshain und Engel­bach mit Hof Sternberg.

5) zu Oberlengsfeld

Dienstag den 13. April d. I. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Aus­bach, Conrode, Dünkelrode, Hillartshausen, Hil- mes, Lampertsfeld, Landershausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Ransbach, Schenklengs- feld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

6) zu Heimboldshausen

Dienstag den 13. April d. J. Nachmittags 2 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ben- gendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenffausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philippsthal, Widdershausen, Wöl- fershausen und Unterneurode.

Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirks-Commando fol­gende Bemerkungen hinzu:

1) Zu den Frühjahrs-Control-Versammlungen haben sich sämmtliche gediente Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche zu der Land­wehr, der Reserve und zu den Dispositions­Urlaubern gehören, sowie die zur Disposition der Ersatz-Behörden Entlassenen einzufinden.

Nur diejenigen Wehrleute, die in der Periode vom 1. April bis 30. September 1874 eingetreten und in Folge dessen in diesem Herbste zum Landsturm übergeführt werden, sind von der Frühjahrs-Control- Versammlung entbunden.

2) Wie den Mannschaften schon früher mitge­theilt ist, werden Ordres nicht ausgegeben, sondern es findet die Beorderung lediglich durch diese Bekanntmachung und durch Aus­rufen in den verschiedenen Ortschaften statt.

Die Betheiligten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach dieser Art der Beorderung die Fehlenden ebenso strafbar sind, als wenn sie, wie früher, per­sönliche Ordres erhalten hätten.

3) Die Mannschaften aus einzelnen, hier nicht genannten Höfen, Mühlen 2c. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.

4) Die Mannschaften haben ihre sämmtlichen Militairpapiere mit zur Stelle zu bringen.

5) Etwaige Dispensationsgesuche sind rechtzeitig an den betreffenden Bezirks-Feldwebel zu richten und können nur durch das Bezirks- Commando genehmigt werden. Ist bis zum Tage der Control-Versammlung die Ent­scheidung auf ein Gesuch noch nicht erfolgt, so muß der Betreffende unfehlbar bei der­selben erscheinen.

6) Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungsfälle müssen durch ärztliche oder vrtspolizeiliche Atteste, welche spätestens auf dem Controlplatz abzugeben find, beschei­nigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Control-Versammlung ge­hindert ist, ohne Angabe des Grundes, wer­den nicht angenommen.

Hersfeld, den 28. Februar 1886.

Königliches Landwehr-Bezirks-Commando.

H emmerich, Major z. D. und Bezirks-Commandeur.

»fc *

Hersfeld, den 2. März 1886.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des hiesigen Kreises werden hier­durch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung wiederholt in ihren Bezirken auf ortsübliche Weise vollständig zu veröffentlichen und na­mentlich zur Kenntniß aller betheiligten Mann­schaften zu bringen.

2789. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 3. März 1886.

Von verschiedenen Seiten ist wiederholt darüber Klage geführt worden, daß von einer Anzahl Ge- ; meinden des Kreises die Landwegezüge von den Schneeanhäufungen nicht frei gelegt werden.

I Die Herren Ortsoorstände des Kreises haben dafür Sorge zu tragen, daß bei eintretendem

(Nschüruck verboten.)

Eine Halte Schleife.

Historische Novelle von Emma H anden. (Schluß.)

Sie fühlten sich schuldig, die Beiden, gegen Katharinen und in ihre Hand war die Entscheidung gelegt, die mindestens Verbannung vom Hofe lauten mußte, wie sie meinten.

Ich denke, Majestät," erwiderte sie lächelnd, die führen wir sobald wie möglich zum Altar, damit ihre vertrauten Zusammenkünfte mich nicht mehr verdächtigen."

Mylady, Sie könnten uns vergeben," sprach Suffolk, aus Katharina zutretend, und die zögernde Anna mit sich ziehend.

Seid glücklich in neuen Verhältnissen," sagte sie, ich zürne nicht.Majestät", wandle sie sich schelmisch zum König,Ihre Gemahlin steht vor Ihrem königlichen Angesicht Hand in Hand mit ihrem Oberstallmeister, ich hoffe, Sie werden das Verbrechen nicht auf Towerhill sühnen."

Als Antwort nahm der König die verhängnißvolle blaue Schleife vom Tisch und reichte sie Katharinen mit den Worten:

Sieh diese Schleife, Katty, sie drohte Uns für immer auseinander zu reißen; nimm sie jetzt von Mir als ein Zeichen Unserer Versöhnung und zeige sie mir, sobald sich je wieder etwas zwischen Uns drängen sollte. Dann will Ich mich erinnern, daß Ich meiner Katty eine trübe Stunde bereitete, und immerdar fortan bemüht sein, Dich dieselbe vergessen zu machen."

O, mein Heinrich," rief jetzt Katharina weich und glücklich über die Liebe, die ihr sichtlich in

dieser Stunde von Englands König entgegengetragen wurde, denn nur diefer hatte sie den errungenen Sieg zu danken und diesmal erwiderte sie des Königs Umarmung, indem sie die vollen, weißen Arme um seinen Nacken schlang.

Es war ein heiliger, weihevoller Augenblick, als dieses königliche Paar sich in Liebe wiederfand, nachvem der Geist und die Energie dieser zarten, kleinen Frau die Schranke niedergerissen, die die Eifersucht ihres königlichen Gatten bereits aufge­baut hatte, und wie ein leiser Geisterhauch wehte es durch das Zimmer, in dem es stille ward, als Arm in Arm oas Königspaar die neue Vereinigung feierte, die zwar kein irdischer Priester segnete, wohl aber der große Priester droben.

(Nachdruck verboten.)

Am einen Wosenkrauß.

Novelle von Th. tz e m p e l.

1.

An einem sonnigen, warmen Augustnachmittage bemühten sich zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere, die letzten Aehren einzusammeln, welche auf den entleerten Feldern liegen geblieben waren, während vier Kinder, müde der Arbeit, auf dem angrenzenden Fahrwege spielten.

Die ältere der Frauen begann:

Ich bin neugierig, od's nun hier auf der stillen Straße wieder Leben geben wird, seit der neue Besitzer drüben im Dorfe das Schloß bezogen hat. War das sonst hier ein Reiten und Fahren, bis der alte Graf plötzlich starb und alles Vergnügen ein Ende hatte".

»Ich glaube nicht," entgegnete die jüngere

Frau,der junge Graf soll ein sehr ernster Herr sein, welcher den ganzen Tag studirt, auch wird er nur kurze Zeit hier bleiben, dann geht er wieder auf Reisen, verheirathet ist er auch nicht, also hält ihn nichts fest. Es müßte sich denn zu dem reichem Besitz bald eine Frau finden, vielleicht die schöne Tochter des Barons Schönau, die es mit ihren glänzenden Augen ja allen Männern anthun soll."

Gott behüte ihn vor der," rief die alte Frau erregt aus,die erscheint mir bei aller Schönheit immer wie ein böser Geist, wenn sie auf ihrem wildem Pferde die ganze Gegend unsicher macht. Paßt es denn für ein Mädchen, für eine Baronesse, wie toll umherzureiten? Auf die Jagd soll sie auch gehen, und alle Männer, die um sie werben, lacht sie aus und dreht ihnen schnippisch den Rücken zu. Die Baronesse würde auch keinen glücklich machen, sie besitzt Reichthum und Schönheit, aber kein Herz."

Ihr thut dem Fräulein Unrecht, Mutter, die alte Wirthschafterin in Schönau, der ich oft Beeren Hintrage, hat mir versichert, daß das Fräulein gar nicht so schlimm sei, wie die Leute erzählen, sie sei eben nur ein vom Glück verwöhntes, launisches Menschenkind. Sie thue den Armen Gutes, aber erfahren dürfe Niemand davon. Vor einigen Tagen hat sie selbst mit ihrem Ponnygeschirr ihre Jungfer nach einem mehrere Stunden entfernten Dorfe gefahren, .da deren Mutter schwer erkrankt und des Fräuleins Kutscher nicht zur Stelle war."

Die Frauen hatten sich, Aehren sammelnd, ein ganzes Stück von der Landstraße entfernt, in der eifrigen Unterhaltung die Beaufsichtigung ihrer Kinder unterlassend, als deren lautes Geschrei sie