Nr. 32.
reisMblatl
Dienstag den 16. März 1886.
Das „Kreisblatt" erscheint wöchent- lich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Preis desselben mit „Jllustrirtem Unterhaltungsblatt« 1 Mk. 40 $fg. pro Quartal exel. Postaufschlag.
Kreis ßersfesö.
Bekanntmachungen aller Art werden ausgenommen und die einspaltige Sar- mondzeile oder deren Raum mit 10 Pis« berechnet und wird bei Wiederbo« lung entsprechender Rabatt gewährt.
Amtliches.
Kreis KersfeLd.
_ k c Hersfeld, den 9. März 1886.
Es darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, daß eine kriegsmäßige Ausbildung der Truppen nur möglich ist, wenn letztere außerhalb des Exercirplatzes ausreichende Gelegenheit zu Uebungen im Gelände haben. Selbstredend wird dabei von den Commandoführern auf thunlichste Schonung der Feldfrüchte geachtet; sollten indeß Flurschäden entstehen, so werden solche von dem Truppentheile auch vergütet, und muß in diesem Falle der gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung bet dem ^-^oruund, welcher das Weitere zu verminen hat) eingehalten werden. In keinem June aber kann es iür zulässig erachtet ArerLell^-datz Derjenige, auf dessen Grund und Boden die Uebung stattfindet, die Truppen in irgend welcher Form zum Verlassen der Grundstücke nöthigt und dadurch den Gang der Uebung stört. Ich hege das Vertrauen zu der Einsicht der Kreisbewohner, daß dieselben in der Erkenntniß der hohen Wichtigkeit einer möglichst vollkommenen kriegsmäßigen Ausbildung unserer Truppen bet den Felddienstübungen derselben solchen nicht nur keinerlei Schwierigkeiten bereiten, sondern ihren patriotischen Sinn durch weitmöglichstes Entgegenkommen dabei bethätigen werden.
2492, Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schletnitz.
Hersfelb den 15. März 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 29. Januar d. JS. Nr. 1330 im Kreisblatt Nr. 14, die Eintragung der Gemeinde-Grundstücke in das Grundbuch betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis spätestens zum 25. d. M l s. bei Meibung von 3 Mark Strafe erinnert.
1330. Der Königliche Landrath ______________________Freiherr von Schleinttz.
Hersseld, den 13. März 1886.
In der heutigen Kreistagssitzung wurden die
(Nachdruck Berieten.)
Am einen Aosenürauß.
Novelle von Th. tz e m p e l.
(Fortsetzung.)
Graf Kronau saß etwas entfernt von den Uebrigen, anscheinend in ein Schachspiel mit einer Dame vertieft. Er wendete keinen Blick von den Figuren, als erwäge er genau, welche Züge er thun müsse, um seine Gegnerin in die Enge zu treiben:
„Hüten Sie sich Herr Graf," — rief diese letzt aus, — „Sie thaten soeben einen Zug, welcher Ihnen verhängnitzvoll werden dürfte."
„Schade, daß gerade heute Prinz Adolph durch den strengen Dienst abgehalten ist unter uns zu sein, in ihm lebt noch etwas fort von dem alten Ritterthum." — rief Marka mit immer erregterer Stimme aus. „ „ ,
Schach dem König und matt," — ertönte es triumphirend aus dem Munde von Kronau's Gegnerin. Wie war es möglich, daß ich Ihnen, Herr Graf, die Partie abgewann. Sie sonst Aller Meister und vor Kurzem noch in der günstigsten Stellung s"
„Schicksalstücke, gnädiges Fräulein, ich fühlte mich zu sicher, die führte meinen Sturz herbei."
Er erhob sich mit einer Verbeugung und näherte sich Marka mit den Worten: „Gnädiges Fräulein, Sie warfen uns den Fehdehandschuh hin, ich nehme ihn auf im Namen aller anwesenden Herren, und werde Ihnen die Rosen bringen, mein Wort darauf!'
„Es ist unmöglich, Graf, Sie scheinen den Weg, nach Neuburg nicht zu kennen, —" warf ihm einer der Anwesenden ein. c _
„Ich kenne ihn nicht, aber ich werde ihn fin« den, —* war die kurze Entgegnung Kronau s,
neugewahlten Kreistagsabgeordneten durch den Unterzeichneten gemäß pos. 1 der Tagesordnuna Angeführt. Zu 2 der Tagesordnung wurden die ammt ichen Wahlen der Kreistagsabgeordneten ur gültig erklärt. Als Mitglieder des Kreisaus- chuffes wurden gemäß pos. 3 der Tagesordnung folgende Herren gewählt: u
1) Bürgermeister Braun hier,
2) Gutsbesitzer Bippart zu Hermannshof,
3) Muhlenbesitzer L. Roll zu Bingartesmühle,
4) Bürgermeister Reinhard zu Landershausen,
5) Bürgermeister Ruhn zu Asbach......,u«ien.
6) Gutsbesitzer Gliermv^tstonigliche Landrath
3237. Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versamm- lungen für die Mannschaften des Beurlaubtenstandes im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
1) zu Unterhaun
Donnerstag den 8. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Holzheim, Kathus, Kohlhausen, Kruspis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Roßbach, Wilhelmshof, Rotensee, Stärklos, Sieglos, Sorga, Unterhaun, Wippershain und Bingartes.
2) zu Hersfeld
Freitag den 9. April d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus Her Stadt Hersfeld mit dem Hof Meisebach und dem Hermannshof, sowie aus den Gemeinden Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklar und Meckbach, sowie dem Gutsbezirk Eichhof.
3) zu Obergeis
Sonnabend den 10. April d. J. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden All- mershaufen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Goßmannsrode, Heenes, Obergeis, Reckerode, Rohrbach, Rotterterode, Tann und Untergeis.
4) zu Niederaula
Montag den 12. April d. I. Vormittags 10 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Frielingen, Gers-
„Es führt an der halben Bergeshöhe ein steiniger Pfad hinüber, unten schlängelt sich der Waldbach, welchen ein Wetter wie das heutige, zum reißenden Flusse verwandelt, ein falscher Tritt Ihres Pferdes in der Finsterniß und Sie stürzen in den Abgrund."
„Mein treues Roß trug mich schon oft auf steilen Pfaden sicher durch Sturm und Nacht, nicht alle steinigen Straßen lassen sich im Leben vermeiden, —" entgegnete mit einem melancholischen Lächeln der Graf.
Herr von Schönau erfuhr erst jetzt, um was es sich handle:
„Ich bitte, ich beschwöre Sie, lieber Graf, —* bat er angstvoll, — „setzen Sie Ihr Leben nicht aus das Spiel, um einen kindischen Wunsch meiner Tochter zu erfüllen!"
„Ich gab mein Wort, Herr Baron, ich werde es halten, aus welchem Grunde, das ist gleichgültig."
Trotz dieser, in festem Tone ertheilten Antwort, befahl der Baron Marka, dem Grafen sein Wort zurückzugeben, all ihre Beredsamkeit aufzuwenden, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Marka hatte sich erhoben, stolz aufgerichtet stand sie da, mit bleichem Gesicht, in welchem ein heftiger Kampf sich spiegelte. Endlich entgegnete sie:
„Ich forderte den Grafen Kronau nicht auf, er war an unserm Gespräch unbetheiligt, ich richtete an ihn keine Bitte, deshalb kann ich nichts in dieser Angelegenheit entscheiden."
„Und ich werde mein Wort halten um jeden Preis." Bei diesen Worten verneigte sich der Graf vor dem versammelten Kreise und wendete sich zum Gehen, seiner Partnerin beim Schachspiel zurufend:
„Ihnen gnädiges Fräulein, werde ich die Revanche nicht schuldig bleiben, wenn--nun wenn
dorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Reimboldshausen, Solms, Willingshain und Engelbach mit Hof Sternberg. B
, 5) zu Oderlengsfeld Dienstag den 13. April d. J. Vormittags 9 Uhr für die Mannschaften aus den
Tchenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.
6) zu Heimboldshausen
Dienstag den 13. April d. I. Nachmittags 2 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Ben- gendorf, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Kleinensee, Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Röhrigshof mit Nippe, Philivpsthal, Widdershausen, Wöl- fershausen und Unterneurode.
Zur strengen Nachachtung für die betheiligten Mannschaften fügt das Bezirks-Commando folgende Bemerkungen hinzu:
1) Zu den Frühjahrs-Control-Versammlungen haben sich sämmtliche gediente Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche zu der Landwehr, der Reserve und zu den DispositionsUrlaubern gehören, sowie die zur Disposition der Ersatz-Behörden Entlassenen einzufinden.
Nur diejenigen Wehrleute, die in der Periode vom 1. April bis 30. September 1874 eingetreten und in Folge dessen in diesem Herbste zum Landsturm übergeführt werden, sind von' der Frühjahrs-Control- Versammlung entbunden.
Wie den Mannschaften schon früher mitgetheilt ist, werden Ordres nicht ausgegeben, sondern es findet die Beorderung lediglich durch diese Bekanntmachung und durch Ausrufen in den verschiedenen Ortschaften statt.
Die Betheiligten werden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß nach dieser Art der Beorderung die Fehlenden ebenso strafbar sind, als wenn sie, wie früher, persönliche Ordres erhalten hätten.
2)
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das Schicksal es erlaubt."
Marka hatte einige Schritte vorwärts gethan, als wollte sie ihn zurückhalten, bei seinen Worten blieb sie aber zögernd stehen, da schloß sich hinter ihm dieThür, und sie rief mit erzwungenem Lachen:
„Der Diener des Grasen thut mir leid, er wird den Handel bezahlen müssen und wohlgerüstet mit Laterne und Gebirgsstock den Gang für seinen Herrn thun. Ich hoffe Papa, Du wirst dem Diener ein anständiges Trinkgeld nicht vorenthalten."
Der Baron wagte es, der launischen Tochter einen erzürnten Blick zuzuwerfen. Auch die Gesellschaft setzte den spitzigen Bemerkungen Marka's tiefes Stillschweigen entgegen. Auf allen Gesichtern er« blickte sie die Mißbilligung ihres Thuns, zum ersten Male fand sie keine Vertheidigungihres Uebermuths.
Man war daran gewöhnt, daß in Baron Schö- naus Zirkel die Stunden nur zu schnell entflohen, heute dehnten sie sich zu Ewigkeiten aus. Aller Bemühungen unerachtet, wollte keine rechte Unterhaltung in Gang kommen und man kam immer wieder auf Kronau's Wagnitz zurück. Man berechnete, wann der kühne Wanderer zurück sein könne, bei Hellem Tageslicht betrug der Weg für einen guten Fußgänger eine Stunde, bei der Finsterniß konnte auch ein Reiter kaum früher das Ziel erreichen. In allen Variationen hatte man dieses Thema erörtert, wieder trat eine Pause in der Unterhaltung ein.
Das Toben der Elemente steigerte sich von Minute zu Minute. Man nahm Platz an der reich besetzten Abendtafel, aber keiner vermochte den leckeren Gerichten zuzusprechen. Der Schlag der Uhr verkündete laut die zehnte Stunde.
„Es ist unbegreiflich, wo der Graf bleibt, erging