Nr. 34.
Sonnabend den 20. März 1886;
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Kreisblatt für den Kreis Hersfeld
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Amtliches.
Kreis Hersfeld.
Hersfeld, den 16. März 1886.
Die 2. Schulstelle zu Sorga wird mit dem 1. Mai er. vacant.
Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspector Herrn Pfarrer Host- bach dahier oder dem Unterzeichneten einreichen. 3370. Der Königliche Landrath
__Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld den 17. März 1886.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, M.M——■—"I r»W ■»—M—
(Nachdruck verboten.)
Alm einen Aosenstrauß.
Novelle von Th. H e m p e l.
(Fortsetzung.)
Die Abwesenheit des Prinzen liest sich ohnehin nicht länger verschweigen, mochte daraus entstehen, was wollte, dieser Zustand mußte ein Ende nehmen.
Endlich nahte die Erlösung. Ein Arzt erschien mit dem Diener des Prinzen, ein Verband ward angelegt, der Prinz. Seufzer und Verwünschungen ausstoßend, nach dem ander Thür haltenden Wagen getragen, und im langsamen Schritt in die Stadt nach seiner Wohnung befördert.
In den Vormittagsstunden fuhr der Wagen des Grafen Kronau nach der Bahnstation, er selbst lehnte in einen Reisemantel gehüllt, fröstelnd in den Kissen. Auch er hatte in dieser Nacht kein Auge geschlossen, er ordnete seine Angelegenheiten, trieb seinen Diener zur größten Eile beim Packen der Koffer an. Nur fort von hier, so schnell wie möglich, war jetzt sein einziger Gedanke. Er hoffte wieder erleichtert aufathmen zu können, und zu überwinden, was ihm Kopf und Herz beklemmte, wenn Länder und Meere zwischen ihm und der Heimath lagen. Er ging, den Bahnzug erwartend, in der Halle auf und nieder. Nur vereinzelt fanden sich Reisende auf dieser kleinen Station ein. Ein Diener kam eilig angesprengt, übergab sein Pferd einem Bahnbediensteten und verschwand im Telegraphenamt. Als er nach kurzer Zeit wieder heraus- trat, sagte einer der Unterbeamten zu ihm:
„Wollen Sie noch mit dem Zuge fort? Seien Sie unbesorgt, Sie hätten nicht nöthig gehabt, sich so zu beeilen, Sie haben noch Zeit."
in deren Gemeinden sich Schulstellen befinden, werden hierdurch beauftragt, den betreffenden Herren Lehrern, oder wo die Stelle vakant sein sollte, dem betreffenden Vikar alsbald zu eröffnen, daß sie die Zinsen von den bei der hiesigen städtischen Sparkasse verzinslich angelegten Ablösungskapitalien vom 1. April d. I. ab dahier im Bureau des Königlichen Landrathsamtes in Empfang nehmen können.
3620. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus den Parlamenten.
Berlin, 16. März. Der Reichstag setzte die Berathung des Theiles des von den sozialdemokratischen Abgeordneten eingebrachten Gesetzentwurfs, betr. die Arbeiterschutzgesetzgebung, fort, welcher am Montag schon diskutirt war, und stimmte schließlich der von der Kommission' beantragten Resolution zu, in welcher der Herr Reichskanzler ersucht wird, dahin zu wirken, daß die Vermehrung der Zahl der mit der Beaussichtigung der Fabriken betrauten Beamten unter thunlichster Verkleinerung der Aussichtsbezirke überall da herbeigeführt werde, wo sich das Bedürfniß einer solchen Maßregel zur vollkommenen Erreichung der Aussichtszwecke bereits herausgestellt hat oder noch herausstellen wird. Morgen: Schlssfahrtsabgabe auf der Unterweser und Zuckerbesteuerung in zweiter Lesung.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich zunächst mit dem Etat der Lotterieverwaltung, zu welchem die Budgetkommission eine Verdoppelung der Zahl der Lotterielvofe und dementsprechend eine Erhöhung der Einnahmen aus dem Verlaus der Lotterieloose beantragt hatte. In der Debatte über diesen Antrag kamen von Neuem die prinzipiellen Gegensätze bezüglich der Zulässigkeit des staatlichen Lotterie-Unternehmens zum Ausdruck, daneben wurden aber auch politische Gesichtspunkte in die Diskussion hineingezogen und namentlich das Verhalten der Reichstagsmajorität der Branntweinmonopolvorlage gegenüber scharf kritisirt. Der Herr Finanzminister betonte, daß die Regierung nach wie vor der Landesvertretung die Initiative in dieser Frage vorbehalten müsse, doch nehme er keinen Anstand, zu erklären, daß die Regierung für den Fall der Annahme des Kommissionsantrages demselben stattgeben werde. Der Monopolkommission müsse auch er den Vor- wurs machen, daß sie mit der Ablehnung der Vorlage ihre Aufgabe für erledigt betrachtet habe. Dem konstitutionellen Brauche widerspreche es keineswegs, wenn man sich dazu entschlossen haben würde, in eine Diskussion über etwaige neue Steuervorschläge einzutreten, nachdem das Bedürfniß nach Vermehrung der Einnahmen ziemlich allgemein anerkannt worden sei. Der Antrag der Kommission wurde in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 131
„Ich will nicht mitsahren, ich gab nur ein Telegramm ab, welches Elle hat. Unser gnädiges Fräulein, oben im Schlosse zu Schönau liegt zum Tode krank, der Hausarzt will die Behandlung nicht allein übernehmen, nun soll möglichst schnell ein Geheimrath aus der Residenz kommen, ich warte auf seine Antwort. Bei uns oben ist es, nach dem Leben der letzten Tage so schauerlich still geworden, als läge schon eine Leiche im Hause."
Der Zug brauste heran, der Graf stieg ein, und hinaus ging es in rasender Elle in eine ferne, unbekannte Zukunft. Aber so schnell wie er gewünscht und gehofft, ließen seine Gedanken sich nicht hineinlenken in andre Bahnen. Marka, das schöne, blühende Mädchen, gestern noch voll Leben und Uebermuth, heute vielleicht eine Leiche. Liebte sie diesen Prinzen so über Alles, daß die Liebe zu ihm, sie, Anstand und Sitte vergessend, Hinauslrieb in Nacht und Sturm, welcher so rauh für diese zarte Blüthe, ihr Leben zu vernichten drohte? Oder war es ein anderer Beweggrund, der sie hinausführte in den Wald? Sie wollte sich vor ihm rechtfertigen, er aber hatte sie nicht angehört und war von ihr hinweggeeilt.
Es war vorbei. Hinter ihm lag ernst und düster ein Abschnitt seines Daseins. Er ging hinaus in das große, blühende Leben, sie vielleicht in den Tod.
Nur zu wahr hatte Marka am gestrigen Abend gesprochen:
„Ob ich mich morgen noch nach Rosen sehne, ist fraglich." Die herrlichen Blüthen waren welk unscheinbar zur Seite geworfen. Die schöne Tochter des Hauses lag selbst, einer geknickten Blüthe gleich, auf ihrem Kissen. In kurzen Zwischenpausen kehrte ihr Bewußtsein zurück, dann blickten die weitgeöff-
Stimmen angenommen und sodann nach Erledigung einiger Positionen im Extraordinarium des Etats der Bauver. waltung und der Staatsarchive die Berathung deS Reste» des Etats auf morgen vertagt.
Berlin, 18. März. Der Reichstag genehmigte in zweiter Berathung ohne Debatte den Gesetzentwurf, betr. eine Schiffsahrisabgabe auf der Unterweser, und trat dann in die zweite Berathung de» Gesetzentwurf», betr. die Besteuerung des Zucker», ein. Die Regierungsvorlage nor- mirt die Zuckersteuer im § 1 für das Betriebsjahr 1. August bis 31. Juli 1887 auf Mk. 1,70; vom 1. August 1887 auf Mk. 1,80. Die Kommission schlägt den einheitlichen Satz von Mk. 1,60 vor; außerdem weicht sie principiell von der Vorlage darin ab, daß sie eine Melasfebesteuerung vorschlägt.
Die Steuervergütung für 100 kg Rohzucker will die Kommission vom 1. Oktober 1887 statt aus Mk. 18,20 (Regierungsvorlage), auf Mk. 16,80 normiren. — Der StaatS« jecretär des Reichsschatzamts v. Burchard erklärte sich mit Bestimmtheit gegen die Melassebesteuerung, die aus formellen und materiellen Gründen unthunlich erscheine. Bbg. Rohland (deulschfreis.) empfahl einen Antrag, welcher eine erhebliche Herabsetzung der Besteuerung bezweckt. Die Abgg. v. Wedell-Malchow (deutschkons.) und Lohren (Reichspartei) sprachen für die KommisfionsantrSge. Abg. Graf Uhdo zu Stollberg (deutschkons.) empfahl einen Vermittelungsantrag, welcher die Melassebesteuerung beseitigt, außerdem aber die Exportbonifikation weiter als die Kommission herabsetzt. Abg. Dr. Buhl befürwortete die KommisfionSanträge. Minister Dr. Lucius trat für die Regierungsvorlage ein, weil sie die Interessen der Landwirthschaft und der Zuckerindustrie besser wie die Kommissionsbeschlüsse berücksichtige. Die Melasfebesteuerung fei undurchführbar. Abg. Heine bekämpft die Unterstützung der nothleidenden Industrie, zumal man sich um das nothleidende Volk nicht kümmere. Abg. Haerle rechtfertigte den Kommissionsbeschluß, betreffend die Melasfebesteuerung. Abg. Struckmann andererseits erklärte sich gegen diese Besteuerung und überhaupt für die Regier rungsvorlage. Daraus wurde die weitere Berathung auf morgen 1 Uhr vertagt.
Das Abgeordnetenhaus ermächtigte zunächst daS Präsidium, Sr. Majestät dem Kaiser und König an seinem be- vorstehenden Geburtstage die ehrfurchtvollsten Glückwünsche deS Hauses dar,»bringen und setzte sodann die Berathung des Etats fort. Zu einer längeren Debatte sührte die Position betreffend die Verlegung deS Archiv» von Magdeburg nach Halle, die von der Budgetkommission gestrichen worden. Für die Verlegung wurde insbesondere die Nothwendigkeit einer Verbindung des Archivs mit der Universität, gegen dieselbe dagegen geltend gemacht, daß die Archive keineswegs von den Professoren und Studirenden ausschließlich benutzt würde», auch sonstige sachliche Gründe nicht für eine Verlegung sprächen. Das Haus schloß sich denn auch dem Vorschläge aus Streichung der Position an, Bei dem Etat des Abgeordnetenhauses, der im fiebrigen die Zustimmung fand, gelangten die zu demselben vorlie«
neten Augen angstvoll suchend um sich, bald schloffen sie sich müde wieder zu. Bald sprach sie wirr und unverständlich durcheinander, bald lag sie still, als wenn der Engel des Todes schon um ihr Lager schwebte.
Umsonst erschöpften die Aerzte alle Mittel, keines führte eine Aenderung ihres Zustandes herbei. Der Baron eilte unruhig aus einem Zimmer in das andere, immer nach den Aerzten ausspähend, von denen allein er die Rettung seines Kindes erhoffte. Händeringend lehnte die Baronin in einem Sessel, unfähig sich an Marka's Pflege zu betheilgen.
Viele Wochen gingen in Furcht und Hoffen dahin, bis endlich die Macht des Fiebers gebrochen und Marka langsam der Genesung zugeführt ward. Sobald ihre Kräfte es erlaubten, reiste die ganze Familie nach Italien. Von der milden Luft des Südens hoffte man völlige Genesung.
Auf dem Schlosse zu Schönau war das heitere Leben erstorben und kehrte, zum Bedauern vieler ehemaligen Gäste noch nicht wieder in seiner alten Weise zurück. Die Familie verlebte die Winter im Süden, die Sommer in Bädern und war nur im Herbst einige Monate auf ihrem Landsitze.
Man erzählte sich, daß Fräulein von Schönaus Gesundheit noch immer sehr viel Schonung erfordere. Andre wollten bestimmt wissen, daß ein Verhältniß zwischen Marka und dem Prinzen bestehe, welches erst veröffentlicht werden würde, wenn ein Zerwürfniß zwischen dem Prinzen und seinem Oheim, dem regierenden Fürsten, ausgeglichen und Prinz Adolph Erlaubniß erhalte, aus der Verbannung in die Residenz zurückzukehren. Die zunächst Betheiligten hüllten sich in Schweigen