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für den

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M8rL Zum Geburtstag des Kaisers. seZW

Heut deutscher Aar, heut rege deine Schwingen, Heut deutsche Sonne spende goldnen Schein, Heut deutsches Lied sollst jubelnd du erklingen; Ihr deutschen Völker stimmt begeistert ein! ^ Dem Kaiser gilt heut unser freudig' Grüßen, Es ist der Tag, da Gott ihn uns geschenkt; Den Glückwunsch legen wir zu seinen Füßen, Und fleh'n zu dem, der alle Welten lenkt: O schirme Gott, des theuern Kaisers Leben, Den Du zum Herrn und Herrscher uns gegeben!

Und Vater ist er uns sein eifrig Sinnen, War stets das Glück der Seinen zu erhöhn, Stets krönten nur Erfolge sein Beginnen Und Heil dem Land, wo seine Banner wehn! Ein ruhmvoll Alter ist ihm nun beschieden, Es fiel ihm wohlverdient in seinen Schooß, In blut'gem Kampfe wie im holden Frieden, Hat glänzend er erfüllt sein Herrscherloos, Mit Ruhm und Ehre schmückt er seine Krone: Heil! Dreimal Heil Louisens großem Sohne!

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(Nachdruck verboten.)

Um einen Aosenftrauß.

Novelle von Th. H e m p e l.

(Fortsetzung.)

Er ging, um nie zurückzukehren, ein edles Gut, welches sie beglückt haben würde für das ganze Leben, warf sie achtlos hinweg, ein Gut, dessen vollen Werth sie erst erkannte, nachdem es zu spät war. Dort drüben erglänzte des Grafen Kronau Schloß im goldnen Abendsonnenscheine öde und ver­lassen, vielleicht in kurzer Zeit das Eigenthum eines Fremden, während Kronau bemüht war, den kurzen Aufenthalt daselbst zu vergessen, wie einen bösen Traum.

Plötzlich wurde sie aus ihren schweren Gedanken aufgeschreckt. Gellende Hülferufe ertönten aus dem nahen Dorfe. Aus einem kleinen Hause des Dor­fes drang dicker Rauch, mit Funken untermischt. Marka eilte dahin. Nur wenig Menschen hatten sich noch an der Unglücksstätte eingefunden, da die Landleute auf dem Felde beschäftigt waren. Schon ergriff die gierige Flamme das Strohdach. Niemand rührte dieHände.um zu löschen, man vereinigte sich in der Ansicht, die Hütte ruhig niederbrennen zu lassen.

Da stürzte, verzweifelt die Hände ringend, eine Frau herbei, schon von Weitem rufend:

Mein Kind, mein Kind, rettet mein Kind!"

Aber Niemand entschloß sich, das Leben für das Kind zu wagen, denn das ohnehin baufällige Haus drohte jeden Augenblick zusammenzustürzen. Marka stand seitwärts, hörte schaudernd die Bitten der jammernden Mutter und sprang, schnell entschlossen in das brennende Haus. Die Flammen schlugen

Das ist des treuen deutschen Mannes Bitte, Dem eignes Glück in zweiter Reihe steht Im prächtigen Palast, in niedrer Hütte, Tönt für den Kaiser heut ein Dankgebet, Und edle Frauen winden Lorbeerkränze, Und Bild und Büsten werden reich geschmückt, Damit des Kaisers Bildniß täglich glänze, Wie täglich er sein treues Volk beglückt. Welch herrlich Beispiel auf dem Welttheater: So danken Kinder dem geliebten Vater!

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Amtliches.

Kreis Hersfeld.

Hersfeld, am 20. März 1886.

Die Grund- und Gebäudesteuer-Rollen für das Etatsjahr 1886/87 liegen vom 23. März bis incl. 4. April d. I. zur Einsicht der Steuerpflichtigen, von Vormittags 8 bis 1 Uhr, bei der unterzeich­neten Kasse offen.

ihr in's Gesicht, erstickender Rauch hemmte ihr den Athem, sie beachtete es nicht, nur vorwärts drängte sie, ehe es zu spät war. Noch war die Treppe un­versehrt, sie flog die Stufen hinauf, riß eine Kammer­thür auf, da lag das Kind, ahnungslos schlummernd, rings von Todesgefahr umgeben. Sie nahm es an sich und trat den Rückweg an. Schon hatten die Flammen die Treppe erreicht, doch Marka rang sich muthig hindurch und gewann das Freie, wenige Augenblicke früher als hinter ihr die Hütte in sich selbst zusammenstürzte.

Ein Jubelruf der angewachsenen Menge, ein Freudenschrei der Mutter, empfing die Muthige.

Als Marka das Kind im Mutterarm geborgen sah, eilte sie davon, um sich den Beifallsbezeigungen zu entziehen.

Sie war nur wenige Schritte gegangen, als sie erschöpft stehen blieb, erst nachdem die Aufregung vorüber war, fühlte sie ihre Glieder wie gelähmt, dazu brannte eine ziemlich tiefe Wunde an ihrer rech­ten Hand, die sie anfangs gar nicht bemerkt hatte. Sie schloß einen Augenblick die Augen, aheK-MSy Gedanke belebte sie und half ihr den SWierz ertragen, sie hatte ein Menschenleben gerettet.

Darf ich Ihnen meine Hülse anbieten, Sie haben bei Ihrem edlen Werke Ihre Kräfte er­schöpft und die Wunde muß heftig schmerzen." So ertönte plötzlich eine nur zu bekannte Stimme neben ihr. Marka schreckte zusammen, die glühende Röthe auf ihrem Gesicht verwandelte sich in tödtliche Blässe, kaum vermochte sie das Zittern ihrer Lip­pen so weit zu beherrschen, daß sie antworten konnte:

Graf Kronau, Sie hier? Ich danke, ich be­darf der Hülse nicht."

Die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des hiesigen Kassenbezirks werden ersucht, Vor­stehendes in ihren betr. Gemeinden bekannt machen lassen zu wollen.

__Königliche Steuerkasse. Heck er.

Gefunden: im Orte Asbach ein Sack mit einigen Pfund Kaffee und etwas Kautaback. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand daselbst._________________________________________

Steckbrief.

Gegen den unten beschriebenen Maurer Georg Schäfer V. aus Widdershausen, Kreis Hersfeld, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen am 8. März 1886 zu Widdershausen be­gangener schwerer Körperverletzung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das nächste Amtsgerichtsgefängniß abzuliefern, bei Nachricht hierher zu den Akten J. II. 452/86,

Caffel, den 18. März 1886.

Der Königliche Erste Staatsanwalt.' I. A.

Chuchul.

Beschreibung: Alter: 39 Jahre. Augen: grau. Haare: blond. Bart: Vollbart.________

Der Steckbrief hinter der ledigen Barbara B o d e s aus Hersseld vom 24. August 1885 ist durch Ergreifung erledigt.

Caffel, den 19. März 1886.

Der Erste Staatsanwalt.

I. A.

Chuchul. «^^

Zum 22. März 1886.

Kaiser Wilhelm steht an der Schwelle des neun­zigsten Lebensjahres, ein erhabenes Lebens­alter, das nur wenigen Sterblichen zu erreichen vergönnt ist und welches den, der es erreicht, als einen von Gott besonders Begnadeten erscheinen läßt. Wenn Kaiser Wilhelm mit seltener Frische des Geistes und des Körpers in dieses Lebens­alter tritt, wenn er in so hohen Jahren das Scepter in Kraft und Weisheit führt, um noch, so lange es Tag ist, unablässig für die innere Sicherheit und die äußere Befestigung des von

Sie setzte ihren Weg fort, aber sie vermochte nicht ihre Abspannung zu verbergen, auch brannte die Wunde von Minute zu Minute heftiger.

Bedenken Sie, daß die Kunst des Arztes sich stets auf neutralem Boden bewegt,* fuhr Graf Kronau, ihr zur Seite bleibend, fort,ob im Feindesland, ob unter Freunden, sie tritt da ein, wo ihre Hülfe nöthig ist. Ihre Hand muß heftig schmerzen," sagte er, dieselbe ergreifend. Ohne daß Marka einen Widerspruch erhob, netzte er ihr Taschentuch an der nahen Quelle und legte es um die beschädigte Stelle.Wollen Sie nur einige Augenblicke sich gedulden, ich hole Ihnen ein lin­derndes Mittel."

Ich danke," entgegnete Marka,ich ziehe es vor, rasch nach Hause zu gehen."

Aber nicht allein, sie müssen schon gestatten, daß ich mit Ihnen gehe, trotz aller Anstrengung können Sie doch nicht verbergen, daß es Ihnen schwer wird allein zu gehen, Ihre hochherzige That hat Ihre Kraft erschöpft."

^ Da 5thre Lippen stumm blieben, legte er den Arm um ihre Schulter und führte sie nach dem Schlosse. So gern auch Marka seinen Beistand verschmäht hätte, so fühlte sie doch bei jedem Schritte mehr, wie ihre Kräfte ihr untreu geworden, sie sah sich sogar genöthigt, sich fest auf ihren Führer zu stützen. Ohne ein Wort zu wechseln, gingen sie eine Zeit lang neben einander, endlich unterbrach Kronau das peinliche Stillschweigen:

Die Heimath bietet mir kein freundliches Will­kommen, überall wohin ich blicke, schreckensbleiche Gesichter, man hatte mich zu den Todten gelegt, erzählte sich wohl mit Grausen von meinen tm Wüstenlande modernden Gebeinen und glaubte mei»