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Nr. 37.

für den

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Kreis flersfesö.

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Amtliches.

Hersfeld, den 24. Februar 1886.

Zur Vornahme des diesjährigen Ersatz- Geschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:

Freitag den 2. April d. J.

von Morgens präcis */28 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus der Stadt Hersfeld und den Landgemeinden Allmershausen mit Hählgans, Aua, Biedebach, Bingartes, Eich- Hof, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Hil- Perhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meck- bach, Mecklar und Meisebach.

Sonnabend den 3. April d. J. von Morgens präcis/28 Uhr ab

(Nachdruck verboten.) Der Gröe von KoMngsried.

Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.

Von Maximilian Schmidt.

Den schönen Würmsee im Rücken, eröffnet sich dem Wanderer ein eigenthümlich beschaffenes Land voll Seen, Weihern, Teichen, Tümpeln, von Sümpfen. Mösern und Mooren. Viele Bäche und Flüßchen speisen, träge dahinschleichend, mit bräunlichem Filzwasser die zahlreichen Becken. Auf den Rücken der Hügel breiten sich artige Dörfer aus, und manch stattlicher Bauernhof schaut trotz Sumpf und Moor von buschiger Höhe. Selbst in diesem Chaos von Erde und Wasser finden sich viele fruchtbare Stellen, und es war nicht das geringste Verdienst der Mönche aus den umliegenden Klöstern, namentlich von Polling, daß sie vor vielen Jahrhunderten gerade diesen Gau sich wählten, um ihn zugänglich und urbar zu machen. Er wird noch heute vom Volke in scherzhafter Weise derPfaffenwinkel" genannt.

Die südwestlich von Seeshaupt gelegenen Hügel erheben sich zu einer ziemlichen Höhe, sie sind be­stockt mit prächtigen Tannenwaldungen, die jetzt sämmtlich im Besitze des Staates sind und sich unter strenger Forstkultur befinden. Aus einer der hervorragendsten dieser Höhen, dem sogenannten Rohrmoosbüchl, erregt eine riesige Buche, die hoch über das sie umgebende Nadelgehölz emporragt, schon aus weiter Ferne die Aufmerksamkeit des Reisenden, welcher sich auf dem den Wurmsee durch­furchenden Dampfer befindet. Ueber diesen Baum hinweg streift der Blick zum Ettalermanndl und zu der hinter demselben sich auslhürmenden,

Musterung der Militärpflichtigen aus den Land­gemeinden Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Peters­berg, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Wippershain, Wilhelmshof, Niederaula, Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Engelbach, Frielin- gen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Heddersdorf und Holzheim.

Montag den 5. April d. J.

von Morgens präcis ViS Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land­gemeinden Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederjossa, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode, Solms, Stärklos, Willingshain, Friedewald, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen und Kleinensee.

Dienstag den 6. April d. I.

von Morgens präcis */28 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land­gemeinden Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Widdershausen, Wölfershausen und sämmtlichen Gemeinden rc. des Amtsgerichtsbezirks Schenk- lengsfeld.

Mittwoch den 7. April d. I.

von Morgens präcis 8 Uhr ab Loosung und Classification derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz- Reserve I. Classe, welche wegen häuslicher, ge­werblicher oder Familienverhältnisse eine Zurück­stellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen.

Das Ersatz-Geschäft wird, wie bisher, im hiesigen städtischen Rathhanse vorge­nommen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises selbstverständlich auch die Herren Ortsoerwalter werden ange­wiesen:

1) die militairpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden 2c. und zwar:

a) die in der Zeit vom 1. Januar bis ein­schließlich den 31. December 1866 ge­borenen, soweit sie nicht bereits in das Militair eingestellt sind oder einen Aus­stand erhalten haben,

majestätischen Zugspitze. Fremde wie Einheimische fühlen sich in eine gehobene Stimmung versetzt, wenn ihnen die Gunst der Witterung und der Beleuch­tung die unbeschreibliche Schönheit der sich vom Starnbergersee darbietenden Gebirgsansicht gewährt. Das trunkene Auge glaubt sich an dieser HerrUch- keil nicht satt sehen zu können und sehnsuchtsvoll schweift es nach dem von magischem Duste um- flossenen Gebirge.

Das Auge des jungen Mannes aber, welcher bei der letzten Rundfahrt am Vorabend des Lauren- tiustages, Anfang September, am vorderen Theile des Schiffes stand und .gleich den anderen Passa­gieren nach den Bergen hinblickte, war von Thrä­nen umflort. Er trocknete sich dieselben fortwäh­rend mit seinem Taschentuche ab; er war tief bewegt, doch war es ein freudiger, glücklicher Zug, welcher sich auf seinem ansprechenden Gesichte zeigte, und oft athmete er hoch auf, als müßte er mit Gewalt den freudigen Ausruf unterdrücken, mit dem er die Heimath die lang entbehrte, theure Hei- math begrüßen wollte.

Er mochte nicht viel über dreißig Jahre zählen und war von mittlerer Größe. Ein schwarzer Vollbart umrahmte sein etwas bräunliches Gesicht, aus welchem zwei dunkle Augen blickten. Ueppige schwarze Haare ragten unter dem großen, weißen Panamahute hervor. Seine Kleidung bestand in einem elegant gearbeiteten lichtgrauen Sommeran- zuge, und um die Schulter trug er an einem Rie­men ein schwarzledernes Geldtäschchen. Im Knopf­loche des Rockes trug er die bayerische goldene Tapserkeitsmedaille und dasEiserne Kreuz" en miniature. Schirm und Ueberzieher lagen neben ihm auf der Bank. Er war so ganz im Anschauen

b) die in den Jahren 1865, 1864,1863 oder früher geborenen, welche in den Ersatz- Geschäften des vorigen Jahres zurückge­stellt, überzählig geblieben, oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vor­bezeichneten Musterungsterminen vorzu- laden,

2) dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militairdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermine ebenfalls einfinden,

3) in den Terminen sich persönlich einzufinden oder im Falle einer Verhinderung dafür zu sorgen, daß der Vicebürgermeister anwesend ist,

4) für die rechtzeitige Gestellung der Militair­pflichtigen 2c. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröff­nen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.

Militairpflichtige, welche ohne ge­nügenden Entschuldigungsgrund tm Musterungstermine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft biszu3 Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vortheile der Loosung ent­zogen werden. JstdieVersäumnißin böswilliger Absichtoder wiederhol t er folgt, so kann die alsbaldige Ein­ziehung zum Militairdienst als un­sichere Heerespflichtige erfolgen.

Reklamationen Militairpflichtiger um Zu- rückstellung bezw. Befreiung vom Militairdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve I. Classe um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung des Heeres, sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschriebenen, in L. Funk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) dahier

der paradiesisch schönen Landschaft und in seine Gedanken vertieft, daß er fast erschrak, als er sich von einer älteren, neben ihm stehenden Dame an­gesprochen hörte.

Entschuldigen Sie, mein Herr, sind Sie hier bekannt?" fragte sie ihn.

Zu dienen," entgegnete der junge Mann, sich vor der eleganten Dame verneigend.

So wissen Sie vielleicht, wie man zu jenem hohen Baume dort auf der waldigen Höhe gelangt, der die ganze Umgebung beherrscht und ob es überhaupt lohnend ist, denselben aufzusuchen?"

Jener Baum," erwiderte der Gefragte,steht auf dem Rohrmoosbüchl zunächst Pollingsried, etwa eine Stunde von Seeshaupt. Es führt ein leidlicher Fahrweg nach dem kleinen Weiler und seinem Kirchlein. Von dort ist die Höhe leicht zu ersteigen; die Aussicht ist großartig, wie ich mich aus meiner Jugend erinnere, jetzt dürften vielleicht die inzwischen hochgewachsenen Fichten und Tannen dieselbe beschränken oder gar unmöglich machen/

Nun, man kann ja den Versuch wohl wagen," meinte die Dame,wenn der Weg nach sagten Sie nichtPollingsried?" nicht zu verfehlen. Gleich morgen früh unternehme ich mit meiner Nichte wir wohnen in Seeshaupt zur Sommer­frische diesen Ausflug."

Morgen dürften Sie dorthin manche Begleitung finden," entgegnete der junge Mann,denn es wird im dortigen Kirchlein das Patrozinium, das Laurentiusfest, gefeiert, und von der ganzen Um­gegend finden sich Leute zusammen zum Gottesdienst und zur Kirchweih."

Tante, wo giebts Kirchweih?" fragte jetzt eine Helle, frische Mädchenstimme. Es war die Nichte,