Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeilr 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Hersftliitl Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt",
Nr. 54. Sonnabend den 8. Mai 1886.
Aöonnements-Ginladung,
Bestellungen auf das
Kersfetder KreLMalt mit der wöchentlichen GratiS - Besage
„Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" für die Monate Mai u. Jnni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 4. Mai 1886.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am
Dienstag den 8. Juni d. J. und
Mittwoch den 8. Juni d. J.
jedesmal von Morgens präcis ^S Uhr an im hiesigenstädtischenRath- H a u s e st a t t, und zwar gelangen zur Vorstellung
a. am 8. Juni d. J.
1) die beim diesjährigen Ersatzgeschäft wegen häuslicher Verhältnisse zur Ersatz- Reserve II. Classe in Vorschlag gebrachten Militairpflichtigen,
2) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve I. Classe designirten Militairpflichtigen,
3) die zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,
4) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,
5) die von den Truppentheilen abgewiesenen Einjährig-Freiwilligen,
6) die gemäß §. 14 pos. 5 der Landwehr-Ord
(Nachdruck verboten.)
Der Gröe von Uoüingsried.
Erzählung aus den bayerischen Vorbergen.
Von Maximilian Schmidt.
(Schluß.)
In ihrem Glücke aber vergaßen sie nicht, sich nach dem kranken Salerl umzuschen; sie trafen sie mit freudestrahlenden Augen. Sie fühlte sich zum ersten Male wieder glücklich und Mutter und Tochter dankten gerührt dem edelmüthigen Manne.
Der Filzlersepp erhob zwar Einspruch gegen den achttägigen Aufenthalt, indem er meinte:
„I hon's aber dengelst g'lobt, daß i 's Dirndl wieder hoamfahr."
„Der Rücktransport ist meine Sache," sagte Laurenz; „auf dem Schubkarren erfolgt er aber keinesfalls."
„O, in acht Tag kann i hoam laufa", versicherte Salerl. „D' Muatla Gottes hilft mir tag scho' weiter surt. I verhoff' fest, daß i wieder gsund werd."
„Das wünsche ich dir auch," sagte Laurenz, sich von den Leuten verabschiedend und dem Wirthe noch den nöthigen Auftrag ertheilend.
Laurenz besuchte dann mit den Damen noch das Observatorium des Pfarrers und mittelst des ausgezeichneten Tubus drangen sie ein in die Welt der Alpen und sahen über die Ebene hinweg dietzöhen- züge der rauhen Alp, die Kuppen des Fichtelge- birges und die blaue Kette des Bayer- und Böh- merwaldes. Im heiteren Sonnenschein lachten Städte und Flecken, aus dem frischen Grün wink
nung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,
7) diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist,
8) sämmtliche Zugänge, und
- 9) die in den Vorstellungslisten Av B. und
C. a. b. d. geführten Individuen; diese jedoch nur insoweit, als dieselben mit spezieller Vorladung versehen werden.
b. am 9. Juni d. J. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtige, soweit sie nach Vorstehendem (a, Nr. 7) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises werden angewiesen, die ihnen später zugehenden Vorladungen alsbald den betreffenden Militairpflichtigen auszu- händigen und mit den letzteren pünktlich in dem besagten Termine zu erscheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung iprer Namen im Mufterungslokale nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 24 bezw. 65 der Ersatz-Ordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Reklamationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht werden, sowie die Rcklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbeits- oder Nichtarbeits - fähigkeit es bei Beurtheilung der Reklamationen ankommt, (also auch
ten freundliche Dörfer und über die Tannenwip'el schauten Schlösser und Kirchen zahllos, wie die Sterne des Himmels. Wie war die Welt so schön! Wie schön erschien sie besonders heute den Glücklichen!
Nachdem der Abstieg Dom Berge erfolgt, ließ Laurenz seinen Einspänner nach Hohenberg zurück- fahren. Er selbst begleitete die Damen mit dem Bahnzug über Tützing nach Seeshaupt.
„Und ist's kein Traum?" fragte der Glückliche beim Abschiede. „Du gehörst mir? Du gehst mit mir?"
Und Emma erwiderte, indem sie den geliebten Mann mit beiden Armen umschlang:
»Ich gehe mit Dir, ich bin Dein, heute und allezeit, so lange die Sonne über uns aufgeht."
Wenige Wochen später fand die Trauung beim Standesamte in Arnried statt und ward Hochzeit gefeiert aus Hohenberg. Die alte Pollingsriederin war wieder eine vermögliche Frau geworden und so sehr es sie auch schmerzte, ihren Sohn wieder scheiden sehen zu müssen, so gab sie sich doch darein, da es ihm ja neuen, sicheren Gewinnn brächte und er versprach, nach drei Jahren für immer in die Heimath zurückzukehren. Sie hoffte, diese Rückkehr noch zu erleben.
Salerl, deren Gesundheit sich in der That gekräftigt, ward ihr von Laurenz als Pflegerin beigegeben und der Hohenberger wollte über die alte Frau wachen und für sie sorgen, als wenn sie seine eigene Mutter wäre.
Von Thränen und Glückwünschen der Zurück
die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termine mit zu erscheinen haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffen- denRekl amationen nicht stattfinden kann.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Bezirken wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch haben sie den Militairpflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche zuer - scheinenhaben.
Bis zum 3 0, d. Mts. ist mir von dem Geschehenen Bericht zu erstatten.
5126. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 5. Mai 1886.
Der Oeconomie-Verwalter Adam Mildner, gebürtig zu Vockerode (Kreis Melsungen) z. Z. wohnhaft zu Eichhof, hat für sich und seine Ehefrau um Ertheilung eines Reisepaffes behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
5179. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schletnitz.
Zugelaufen: dem Schäfer Caspar Nennstiel zu Hof Weißenborn ein grauer Schäferhund mit weißer Kehle und langem Schweif. Der Eigenthümer kann denselben bei ic. Nennstiel in Empfang nehmen.
Aus dem Landtage.
Berlin, 5. Mai, Das Abgeordnetenhaus beendigte die Generaldiskusjion über die kirchenpolitische Vorlage. Abg. Rickert (deutschsreis.) erklärte sich namens eines Theiles seiner politischen Freunde gegen die Vorlage, da dieselbe nicht geeignet erscheine, den definitiven Frieden herbeizu» sühren, «bg. Stöcker (kons.) erblickte dagegen in der
bleibenden begleitet, trennte sich das junge Ehepaar. Glücklich war ihre Fahrt, segenvoll ihr Aufenthalt im fernen Lande. Und als sie nach drei Jahren wieder heimkehrten und die Zurückgelassenen frisch und gesund antrafen, bedurfte es keiner Frage nach .ihrem Glücke. Es strahlte aus ihren Augen und wurde bestätigt von einem zweijährigen, rothwangigen Knaben, dem kleinen Laurenz.
Auch Hanni, die Schwarzbäuerin, sah als das Weib des wackeren Bert wieder bessere Tage. Der Filzlersepp war brav geworden und Salerl gesund und schön. Ihr Bräutigam, ein braver Bauernbursche, stand bereits in Sicht.
Martin Meier hatte sein Schicksal erreicht. Er fiel der Gerechtigkeit in die Hand, ward einge- kerkert und starb in Gram und Verzweiflung, denn er hatte kein Herz.
Das empfindende Herz aber ist der Gott in uns, der uns stark erhält in allen Lebenslagen durch die unendliche Allmacht der Liebe.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen.
Von Robert Schweichel.
Joseph Oppenrieder saß mit seiner Frau vor seinem Hause und schmauchte seine Abendpfeife. Beide waren gar wohl genährt und ihre vollen Gesichter ließen Runzeln und Falten nicht auskommen. Die Sonne war bereits von den Höhen