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Nr. 63
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_____Tommbend den 29. Mai
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Amtliches
Die nachstehende gemeinschnstltchr. BersuguuF- der Herren Minister des Innern und der Justiz zur Ausführung des §. 153 Absatz 2 des deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877 bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Lasset am 25. Mai 1886.
Königliche Re gierung, Abtheilung des Innern.
Im Anschlüsse an die Cirkular-Verfügung vom
15. September 1879 A Just. M
11. 13997
M V Just. M. I. 7757 7' treffend die Ausführung des §. 153 Absatz 2 des deutschen Gerichtsverfassungs-Gesetzes vom 27. Januar 1877, wollen wir diejenigen Königlichen Fischereibeamten, welche
1) die Stellen als Fischmeister, Fischerei-Aufseher, Schonrevier-Aufseher, Fischpaß-Aufseher gegen Gehalt oder fixirte Remuneration als Hauptamt verwalten oder
2) die Fischerei-Aufsicht zwar nur im Neben- amte führen, aber in ihrer Hauptstellung ein etatsmäßiges Gehalt beziehen, hinsichtlich der in ihren Revieren vorkommenden Fischerei-Vergehen oder Fischerei-Uebertretungen
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweichel.
(Fortsetzung.) _ , s
Wiederholt mußte Cenzi die Hand Stephans zurückschieden, die sich um ihre Hüfte stehlen wollte, indem er ihr Worte in das Ohr flüsterte, über die sie erröthete. Dann lachte er. Das war ein seltener Ton in dem ssaale, in dem man nur das Klappern der Teller und Messer, kaum ein lautes Gespräch vernahm. Ein feierlicher Ernst lag auf den Gesichtern und mit schweigender Energie wurden die guten Dinge vertilgt, welche in ungeheuren Massen aus der Tafel erschienen. Der Pfarrer von Täufers, welcher den Ehrenplatz neben Cenzi inne hatte, brächte in einem salbungsvollen Spruche die Gesundheit des jungen Paares aus. Die Stühle wurden geschoben, die Gläser klangen aneinander und dann senkte sich wieder Schweigen auf die Speisenden. Mancher Westenknops wurde geöffnet, aber die Zungen blieben gefesselt; die Gesichter wurden roth und röther, aber fröhlicher wurden sie nicht. Bei einem bäuerlichen Begräb- nißmahle pflegt es lustiger herzugehen.
Doctor Röber, der dem Bräutigam gegenüber saß, versuchte einen heiteren Geist zu erwecken, indem er auf launige Weise an den 'Namenstag der Frau Oppenrieder erinnerte. Er hatte auch Erfolg, denn hier und da flatterte ein Lachen aus. Bevor
hierdurch zu Hülfsbeamten der Staatsanwaltschaft ernennen.
Berlin, den 27. Februar 1886.
Der Minister des Innern. Der Justiz-Minister. ___v. Puttkamer. Fr iedberg.
Hersfeld, den 27. Mai 1886.
, Zufolge ergangener Verfügung foll auch im laufenden Jahre mit der Tilgung der Schafräude nachdrücklichst fortgefahren werden. Zu diesem Zwecke ist es erforderlich, noch schleunigst vor der m Kurze beginnenden Wollschur alle verdäch - l-!Z en Heerden untersuchen zu lassen. Als ver- dachtig sind alle Heerden anzusehen, welche durch Ankäufe ergänzt und bei denen Schafe aus ande- ren Gemeinden für die Dauer des Weideganges welche auf §«tungen71&if^^ heit gegeben war, mit rauvigen Heerdenzusammen zu kommen.
Die Herren, Ortsvorstände des Kreises mit
penhausen, Reckerode, Rotensee, Tann, Unter- geis, Wippershain, Friedewald und Widdershausen,
welchen bereits specielle Verfügung zugegangen ist, erhalten hiermit die Weisung, mir umgehend, spätestens jedoch bis z u m 3. I u n i d. I. be- richtlich anzuzeigen, ob in ihren resp. Gemeinden Heerden, bei denen obige Voraussetzungen zutreffen, vorhanden und welche somit als „räudeverdächtig" anzusehen sind.
6086. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlein itz.
Hersfeld, den 26. Mai 1886.
Der Ackermann Caspar Reuber zu Kleba ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde bestätigt und verpflichtet worden.
6050. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
er jedoch dazu kam, das Hoch aus die Gefeierte auSzubringen, unterbrach diese selbst ihn mit dem Aus schrei:
„Jesus Maria, der Franz!"
Sie wollte sich erheben, sank aber w eder zitternd auf ihren Sitz. Schon eilte von der Thür her, in deren Namen er vor wenigen Sekunden getreten war, ein junger Mann um die Tische herum auf sie zu und schloß sie mit dem Rufe: „Ja, Mutter, ich bin es!" in seine Arme, Die Gäste fuhren von den Stühlen auf; die beiden merkten jedoch von dem Aufruhr nichts, sie hielten sich umschlungen, als wollten sie nimmer von einander lassen, und der Mutter rannen die Freudenthränen über die Wangen. Der Vater starrte unbeweglich in das vor ihm stehende Weinglas; sein rothes Gesicht hatte eine fast violette Farbe angenommen. Cenzi, die zu ihm getreten war, legte ihm die Hand auf die Schulter und flüsterte erregt:
„Jetzt werdet Ihr nimmer allein sein, wann ich aus dem Haus gehe, Ohm. Schenket es mir zur Hochzeit, daß Ihr ihm verzeiht, das wäre das Schönste." , r _
Er bewegte die Lippen, brächte aber keinen Ton hervor. Unterdessen hatte sich Franz aus den Armen der Mutter losgemacht und wendete sich zu dem Vater, dem er bittend die Hand entgegen- streckte. Es wurde plötzlich still im Saal und Aller Augen richteten sich gespannt auf Vater I und Sohn. Franz war ein hübscher schlanker I Bursche mit einem wetterbraunen Gesicht, aus dem
Gefunden. auf der Straße von Obergeis nach Aua ein Regenschirm. — Meldung des Eigen- thumers be: dem Ortsvorstand zu Obergeis.
Bekanntmachung ~
, ®*e tönten Ortsvorstände des hiesigen Steuer- mssebezirks werden ersucht, in Ihren respectiven Gemeinden gefällig bekannt machen zu lassen, daß dav Dienstlokal der Steuerkasse am 2. Juni d. I wegen auswärtiger Dienstgeschäfte derselben ge- schloffen ist.
Friedewald, den 26. Mai 1886.
Königliche Steuerkasse. Schenk.
Aus idÄ^tl^eordnetenhaus beschäftigte
>«»9.uic mit Petitionen, von denen nur diejenigen von Handwerksinnungen wegen anderweiter Beschäftigung der Gefangenen zu einer eingehenden Debatte Veranlassung boten. Das Petitum geht darauf, eine Neuregelung des Gesängnißwesens dahin herbeizuführen, daß ein größerer Theil der Gefangenen für Kulturarbeiten verwendet und die für gewerbliche Arbeiten bestimmten Sträflinge nur mit Herstellung von Halbfabrikaten, außerdem nur für die eigenen Bedürfnisse der Strafanstalten und mit Anfertigung von Militairausrüstungsstücken beschäftigt werden möchten. Der Regierungsvertreter betonte die Nothwendigkeit, die Gefangenen mit produktiver Arbeit zu beschäftigen. Das Haus beschloß demnächst, unter Anerkennung der Nothwendigkeit einer den Zwecken der Strafrechtspflege ent- sprechenden Beschäftigung der Strafgefangenen, die Petitionen der Staatsregierung zur Erwägung in der Richtung auf eine zweckmäßige, die freie Gewerbthätigkeit möglichst wenig schädigende Arbeiterorganisation der Strafanstalten zu überweisen und ihr zugleich anheimzugeben, bei der öffentlichen Verdingung der Gefangenenarbeit die Innungen vorzugsweise zu berücksichtigen. Eine Petition des Vorstandes der Vereinigung Berliner Blumenfabrikanten und Grossisten um Beseitigung der Fabrikation künstlicher Blumen und Blätter in den Strafanstalten wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Eine Reihe anderer Petitionen wesentlich lokalen Interesses fand noch nach den Beschlüssen der Kommission ihre Erledigung. Morgen: namentlich zweite Berathung des Militär-Kommunalsteuer- gesetzes; dritte Berathung der Kanalvorlage.
die dunkeln Augen offen und ehrlich, aber auch mit der ruhigen Festigkeit eines Mannes schauten, der gewohnt ist, Gefahren die Stirn zu bieten. Jetzt leuchteten diese Augen freudig bewegt von dem Wiedersehen der Mutter und wie er so, nach Matrosenart etwas breitbeinig, vor dem Vater stand und die kräftige Rechte bittend ihm entgegen- streckte, hatte er die weiblichen Hochzeitsgäste schon alle auf seiner Seite. Und wie aus dem Herzen heraus klang nicht seine Bitte, daß der Vater ihm seinen Ungehorsam und den Kummer vergeben möchte, den er ihm und der Mutter gemacht hätte! , . ,
„Joseph, Joseph, es ist ja unser Franz" rief diese mit Thränen und schlang ihren Arm um seinen Nacken. Cenzi war ein wenig zurückge- treten.
Oppenrieder hob die Augen. Er sah seine Frau an, den Geistlichen von Täufers, der die Hände wie zum Gebet gefaltet hatte, die Hochzeitsgäste und zuletzt seinen Sohn.
„Herzlichster Vater!" bat dieser.
„Es ist schon gut," sagte Oppenrieder endlich. „Wir reden noch später mitsammen."
Da ging es wie ein Brausen durch den Saal, während »die Mutter ihren Mann ein über das andere.Mal aus die Wange küßte, und Franz seine Hände schüttelte und fröhlich rief:
„Land! Land!" ' . w
Dann umarmte er in seiner Herzensfreude den Pfarrer von Täufers, weil dieser ihm just zunächst