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Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes IlnLerhaktungsötatt".
Nr. 72.
Dienstag den 22. Juni
1886.
Amtliches.
Finanz-Ministerium.
Berlin, den 16. Mai 1886.
Ew. Hochwohlgeboren erwidere ich auf den Bericht Dom 3. d. Mts., daß die Fassung der Ziffer 4 der „allgemeinen Vorschriften" auf dem durch die Versüguug vom 3. Dezember 1873 an- georducteu Formular zu den von den Standesbeamten an die Erbschaftssteuerämter einzusenden- den Todtenlisten allerdings nicht ganz zutreffend ist. Denn während in jener Ziffer nur die Mit- aufnahme derjenigen Fälle in die Todtenlisten vorgeschrieben wird,
1) wo ein Inländer im Auslande mit Hinterlassung von Vermögen, welches im Jnlande liegt, oder
2) wo ein Ausländer mit Hinterlassung von diesseits gelegenem Grundvermögen gestorben ist, ist die diesseitige Erbschaftssteuer
zu 1 auch von dem im Auslande befindlichen beweglichen Vermögen eines inländischen Erblassers zu erheben, falls davon im Auslande keine, oder eine geringere Erbschaftssteuer zu entrichten ist, (§ 9 Satz 2 und 3 des Erbschaftssteuergesetzes) und ist ferner zu 2 auch das im Jnlande befindliche bewegliche Vermögen eines verstorbenen Ausländers unter Umständen der diesseitigen Erbschaftssteuer unterworfen (§ 10 Abs. 2 des genannten Gesetzes).
Von einer Abänderung des Formulars zu den TMenlisten ist zwar bis auf Weiteres Abstand genommen.
Ew. Hochwohlgeboren wollen indessen an die Standesbeamten Ihres Verwaltungsbezirks das Ersuchen richten, in die Todtenlisten auch diejenigen Fälle aufzunehmen, wo ein Inländer im Auslande mit Hinterlassung von im Auslande befindlichem beweglichem Vermögen, oder wo ein
Ansländer mit Hinterlassung von im Jnlande befindlichemVermögen (gleichviel ob unbeweglichem oder beweglichem) verstorben ist.
Der Finanzminister.
Im Anstrage: gez. H a s s e l b a ch.
*
Cassel, den 9. Juni 1886.
Abschrift zur Kenntnißnahme und weiteren Ver- anlaffung mitgetheilt.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Althaus, i. V.
An die Königlichen Landräthe rc. A. I. 5450.
* * *
Hersfeld, den 19. Juni 1886.
Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung mitgetheilt. 7017. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 19. Juni 1886.
Die Herren Ortsvorstände rc. des Kreises haben in ihren Verwaltungsbezirken bekannt machen zu lassen, daß diejenigen Pferdezüchter, welche mit Zahlung des Fohlengeldes an den Gestütewärter dahier noch rückständig sind, dieses bis spätestens jum 22. d. Mts. an den besagten Gestütewärter einzusenden haben.
Zugleich werden diejenigen Herren Bürgermeister 2c., welche die Abfohlungsliste noch nicht an den Gestütewärter eingeschickt haben, angewiesen, dieses ebenfalls noch bis zum obigen Termine, bei Meidung von 3 Mk. Strafe zu thun.
7065. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 18. Juni 1886.
Zur Zahlung der pro term. den 30. Juni c. fällig werdenden Zinsen und Capital-Abträge von aus der Landescreditkasse zu Cassel erborgten Capitalien werden folgende Zahlungstermine anher anberaumt:
1. den 5. Juli 1886 für die Gemeinden: Holz- heim, Kruspis, Stärklos, Asbach, Beiershausen, Kohlhausen, Kerspenhausen, Hilperhausen und Roßbach.
2. den 6. Juli 1886 für die Gemeinden: Nie- deraula, Mengshausen, Solms, Kleba, Kirchheim, Reckerode, Notterterode, Kemmerode, Goßmanns- rode, Gershausen und Reimboldshausen.
3. den 7. Juli 1886 für die Gemeinden: Frie- lingen, Allendorf, Gersdorff tzeddersdorf, Willings- hain, Hattenbach und Niederjossa.
4. den 8. Juli 1886 für die Gemeinden: Aua, Obergeis, Untergeis, Gittersdorf, Allmershausen, tzeenes, Kalkobes, Biedebach, Tann, Rohrbach, Reilos, Friedlos, Mecklar und Meckbach.
5. den 9. Juli 1886 für die Gemeinden: Kathus, Sorga, Petersberg, Wippershain,Rotensee, Unter- haun, Oberhaun, Sieglos und Eitra.
Die Herren Bürgermeister der vorgenannten Gemeinden werden ersucht, den für ihre resp. Gemeinde angesetzten Termin wiederholt in ortsüblicher Weise mit dem Bemerken alsbald bekannt machen zu lassen, daß die angesetzten Zahlungstermine Seitens der Zahlungspflichtigen genau einzuhalten find.
Königliche Steuerkasse. H e ck e r.
„Die Deutschenhetze in Frankreich," so schreibt die „Nordd. Allg. Ztg." an hervortretender Stelle, „fährt fort, wunderbare Blüthen zu treiben". Dies wird wie folgt näher ausgeführt: Einige Zeitungen haben jetzt besondere Rubriken eröffnet, in denen täglich auf die Gefahren hinge« wiesen wird, welche den Franzosen aus der Anwesenheit der Deutschen in Frankreich erwachsen sollen. Die Lügen und Verdrehungen, die dabei zu Tage treten, sind äußerst boshaft und aufregend, gleichzeitig aber auch so kindisch, daß sie sich jeder ernsten Widerlegung entziehen. So erfindet z. B. die „France", daß der deutsche Generalstab ein
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Auf dem Krauwethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schwetchel.
(Fortsetzung)
Frau Oppenrieder mußte selbst Hand anlegen, da die Mägde bereits zur Kirche gegangen waren, aber sie duldete nicht, daß Cenzi ihr half.
Franz hatte sich dem Fenster zugewendet und hauchte eifrig auf die befrorenen Scheiben. Cenzi blickte still auf ihre Hände, die sie im Schooße zusammengelegt hatte. Sie war erschreckt gewesen, als Marlinger ihr den Vorschlag gemacht, nach Täufers zu fahren. Die Mitternachtsmesse hatte sie von den wühlenden Schmerzen in ihrem Busen befreit. Sie hatte unter reichlichen Thränen inbrünstig gebetet, und Frieden war über sie gekommen, Frieden mit Gott und der Wett. Zum Sterben reif, hatte sie die Kirche verlassen, und jetzt sollte sie in die bereits überwundenen Schmerzen zurückgestürzt werden, indem ihr Mann sie nöthigte, Franz noch einmal wieder zu sehen! Aber war ihre Angst davor nicht Feigheit? War es nicht vielmehr eine freundliche Fügung des Himmels, daß ihr so unverhofft gegönnt wurde, von dem Geliebten selbst, wenigstens mit den Blicken, einen letzten, ewigen Abschied zu nehmen? Ihr Herz hatte sich freilich mit stürmischer Gewalt geregt, als er ihr dann begegnet, aber nun war sie wieder gefaßt und während ihr Mann und Oppenrieder von Holz- und, Futterpreisen mit einander redeten.
hob sie die Wimpern und schaute sich in der Stube um. Wohin sie blickte, quollen ihr Erinnerungen aus ihrer glücklichen Mädchenzeit entgegen und die frischen Tannen-weige, die zwischen den Decken-- balken steckten, umwoben sie mit einem festlich poetischen Dust. Eine wehmüthige Weiche kam über sie und lächelte von ihren Lippen, als sich nun Franz auf die Kante der Ofenbank in ihrer Nähe setzte. Er wollte ein Gespräch anfangen und wußte nicht, was er sagen sollte. Die Furcht, sein Herz zu verrathen, verschloß ihm den Mund; sie aber sagte:
„So lieb ist's nirgends auf der Welt, wie hier! Schau, dort im Herrgottswinkel, da saß ich gar so gerne zwischen Licht, besonders zur Winterszeit wie jetzt, da war es so heimlich!"
„Ja, da sitzt es sich schon gut, wann Einer was zu denken hat," murmelte er.
„Nachher kommt es doch immer anders, als es sich Einer ausgesonnen hat," äußerte sie leise und mit aufschwellendem Busen fügte sie hinzu: „Gewiß ist das nur, was Einer verloren hat, und das war sein Bestes."
„Aber das ist gar traurig", sagte Franz.
Hier brächte seine Mutter die Weinsuppe und Cenzi erhob sich und holte Teller und Löffel herbei. Sie wußte noch, wo alles sich befand, und Franz verfolgte sie mit seinen Blicken, indem er über ihre Worte nachsann. Wie leicht und doch sicher und bestimmt sich ihre schlanke Gestalt bewegte ! Er blieb auf seinem Platze, von dem aus er sie beobachten konnte, während sie mit ihrem
Manne aß. Sie genoß nur wenig, und es fiel ihm aus, daß ihr Gesicht, welches bei ihrer Ankunft in so lebhaften Farben geblüht hatte, sehr blaß war. Auch seine Mutter, die verstohlen in ihren Mienen spähte, bemerkte es, und als später ihr Mann den GaKzu einer Besichtigung seiner Wirthschaft ein- lub;>gab sie Franz einen Wink, sich ihnen anzu- schließen.
^Du kannst Dir gar nicht vorstellen, was ich für eine Freud' hab', daß Du gekommen bist," begann sie dann. „Es muß Dir doch erschrecklich einsam auf dem Kranwethofe vorkommen."
Cenzi schüttelte verneinend den Kopf und die Muhme fuhr fort:
„Ich kann mir so ein Leben gar nimmer ausdenken, wo Einer zu keiner menschlichen Seele kommen kann. Es ist wie auf einer Insel, die mitten in der See liegt, meint der Franz. Freilich es ist ein großes Wesen und da giebts immer zu schaffen. Aber der Mensch lebt von der Arbeit nicht allein. Bist du zufrieden ? Ist der Marlinger gut zu Dir?"
Sie erwartete mit ängstlicher Spannung, die sie nicht ganz zu verbergen vermochte, die Antwort ihres Gastes.
„Er ist so gut zu mir, wie er es versteht," erwiderte Cenzi, indem sich ihre Wangen leise röthe« ten. Die Theilnahme der Bäuerin bewegte sie.
Freilich, freilich, wie es die Männer verstehen," seufzte diese. „Und Du bist jung, und er ist so viel älter als Du."
„Das hab' ich Halt gewußt, wie ich ihn nahm,*,