Erscheint wöchentlich drei Mal, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis:
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postausschlag.
Die Jnsertionsgcbühren betragen für den Raum einer Spalt-eile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Beigrößeren Aufträgen entsprechenderRabatt.
Herssel-tl Kreisbilltt
Mit wöchentlicher Hratis-Meilage „Illustrirtes Anterhaltmlgsbkatt".
Nr. 80. Sonuabeild den 10. Juli 1886.
EJ^ST Bestellungen auf das „Kreisblatt" werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstal- ten, Landbriefträgern und von der Expedition cnt- gegengenommen,
Amtliches.
Hersfeld, den 7. Juli 1886.
Nach einer Mittheilung des Königlichen Land- rathsamtes zn Homberg ist unter den Schaaf- Heerden der Schäfer Johannes Müller, Johannes Schwarz und Johannes Caspar zu Mühlbach die Räudekrankheit ausgebrochen, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
7674, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
__________
Nach einer Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Homberg ist unter den Schaaf- Heerden der Schäfer Justus Lippert, Heinrich Hermann Dippel und Heinrich Steube zu Ra- boldshaufen die Räudekrankheit ausgebrochen, was hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
7675. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 6. Juli 1886.
Als Gutsvorsteher sind bestätigt und verpflichtet worden:
für den Gutsbezirk Bingartes Herr Domamenpächter Freist zu Bingartes,
für den Gutsbezirk Eichhof Herr Domainenpächter Suntheim zu Eichhof,
für den Gutsbezirk Wilhelmshof Herr Oberamtmann Oldenburg zu Wilhelmshos,
für den Gutsbezirk Oberförsterei Hersfeld Herr Oberförster Lentz zu Hersfeld,
für den Gutsbezirk Oberförsterei Hersfeld-Wip- Pershain Herr Oberförster Aumann zuHersfeld, für den Gutsbezirk Oberförsterei Hersfeld-Meck- bach Herr Oberförster Gies zu Hersfeld, für den Gutsbezirk Oberförsterei Neuenstein Herr Oberförster Aßmann zu Neuenstein,
für den Gutsbezirk Oberförsterei Niederaula Herr Oberförster Rausch zu Niederaula,
für den Gutsbezirk Oberförsterei Friedewald und Heimboldshausen Herr Oberförster Faber zu Friedewald,
für den Gutsbezirk Oberförsterei Heringen und Heimboldshausen Herr Oberförster Spreugel zu Heringen,
für den Gutsbezirk Meisebach Herr Gutsbesitzer Franz Roll zu Meisebach,
für den Gutsbezirk Engelbach Herr Gutsbesitzer Alexander Scheffer zu Engelbach, für den Gutsbezirk Oberrode Herr Gutspächter Richard Braun zu Oberrode.
J. A. Nr. 48. Der Königliche Landrath
_________________Freiherr von Schleinitz.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur vfstnMcheu Keniilni-ß-gebracht, daß die aus Anlaß der Vermehrung der Zahl der Loose der Königlich Preußischen Klaffen- Lotterie von der 175. Lotterie ab neuerrichteten Kollekturen bis auf einige wenige Stellen, für welche jedoch bereits bestimmte Personen designirt sind, in Berlin, sowie in den Provinzen besetzt sind. Weitere Bewerbungen um diese Kollekteur- stellen sind daher zwecklos.
Bei der unverhältnißmäßig großen Zahl der eingegangenen Bewerbungsgesuche, können besondere Bescheide auf dieselben nur insoweit ertheilt werden, als dazu noch eine besondere Veranlassung vorliegt.
I Zugleich wird mit Bezug aus den in der 2. i Beilage der Nr. 138 des „Deutschen Reichs- und I Preußischen Staatsanzeigers" veröffentlichten
Plan zur 175» Lotterie noch besonders bekannt gemacht, daß der Verkauf der Loose zu derselben bei sämmtlichen Lotterie-Einnehmern spätestens am 16. August d. I. zu beginnen hat, daß ein erheblicher Theil dieser Loose in Achtelabschnitten, sogenannten Achtelloosen, zum Verkauf gelangen und zu diesem Zwecke jeder Königlichen Lotterie- Einnahme eine entsprechende Anzahl solcher Ach- telloose überwiesen werden wird.
Berlin, den 2. Juli 1886.
Königlich Preußische General-Lotterie-Direktion.
M a r tz y. T h i e l e i. V.
ad A. 8609.
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Die Abreise Sr. Majestät des Kaisers nach dreiwöchigem Kuraufenthalte in Ems ist auf Sonntag, 11. d., verschoben worden.
Fürst Bismarck in Kissingen empfing am Mittwoch den Besuch des bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Lutz.
Der Bundesrath hat am Dormeritaa fein? UMe Sitzung vor den Sommerferien abbehalten.
Vor kurzem machte (seit dem Kriege von 1866 zum erstenmale) eine österreichische Korvette, die „Donau", dem Kieler Hafen einen Besuch. Wie die „Kieler Ztg." meldet, würde das Panzerschiff „Friedrich Karl" nächstes Jahr im österreichischen Kriegshafen Pola einen Gegenbesuch machen. Es wäre dies das erstemal, daß ein deutsches Kriegsschiff einen österreichischen Kriegshafen anläuft.
Die überseeische A u s w a n d e r u n g aus dem Deutschen Reich (über deutsche Häfen und Antwerpen) betrug im Monat Mai 1886 11094 Personen, vom 1. Januar bis 31. Mai 33 977 Personen. Wie in den vorhergehenden Monaten dieses Jahres, so bleiben auch diesmal die Ziffern
(Unbefugter Nachdruck verboten).
Aus dem Kranmethof.
Eine Geschichte aus den Alpen. Von Robert Schweichel.
(Fortsetzung)
Anstatt jedoch an Franzens Brust zu sinken, wich Cenzi plötzlich vor ihm zurück und streckte die Hände abwehrend gegen ihn aus.
„Um Gotteswillen, Cenzi, was hast Du auch letzt noch?" riet Franz bestürzt, indem er ihre Hände faßte. „Liebst Du mich denn nicht mehr ?
Da riß sie ihre Hände aus den seinigen und umschlang ihn und preßte ihn an sich und küßte ihn mit einer wild über alle Ufer schäumenden Selbem ^O,°Franz, Dich nicht mehr lieben?" murmelte sie zwischen den Küssen erstickt von den seinigen. Seine braunen Augen leuchteten wie zwei Sonnen und sie küßte ihn auf die Augen, auf die Stirn, das Haar. Dann riß sie sich von ihm los, bedeckte das Gesicht mit den Händen und ließ sie in der nächsten Minute wieder sinken, um abermals an seine Brust zu stürzen, indem sie mit verwehender Stimme rief:
„Jetzt, Maria, laß mich sterben!"
Ihr Kopf sank aus seine Schulter.
„Nein, herzallerliebster Schatz, jetzt saugt erst das Leben an," protestirte er und legte ihr seine kräftige Rechte mit leichtem Drucke auf das gelbe Haar. „Das Land ist ja deutlich in Sicht. Mein Schtfflein, das hängen wir zu Lausers in der
licher Heimkehr in einem kleinen schmucken Hause in irgend einer von den nordischen Hafenstädten. Sie hörte ihm still zu und auf der Wellenlinie ihres Mundes tauchte nach langer langer Zeit wieder ein glückliches Lächeln auf. Ein rosiger Schimmer verbreitete sich über ihre Züge.
Aber er verflüchtete nur zu bald wieder. Noch befand sie sich auf dem Kranwethofe. Die Schwarzwälder Uhr schlug und ihr Herz erzitterte. Die Uhr war bei dem Tode Marlingers angehalten worden. Heute Morgen hatte Gundl sie wieder aufgezogen. Es war Cenzi, als ob der heißere Ton ihr zuriefe: „Gedenke!" Die schönen Zu- kunftsbilder versanken wie in einem erstickenden Nebel.
„Ach, Franz, das ist zu schön, um wahr zu werden," seufzte sie und schüttelte traurig den Kopf.
„Ja, warum denn nicht, liebes Herz?" fragte er. „Es steht ja in unserer Macht, es wahr zu machen."
„Ach, Franz," flüsterte sie kaum hörbar, „ich hab' eine große Schuld auf mir, die laßt kein Glück aufkommen. Ich habe gewünscht, daß der Marlinger sterben möchte und — er ist gestorben."
Sie verbarg das Gesicht in ihren Händen."
„Wie Du Dich doch zu quälen verstehst," sagte er beschwichtigend und legte den Arm um ihre Hüften. „Wäre er nicht gestorben, könnten wir ja nimmer glücklich sein. Du fürchtest Dich vor einem Schatten. Es hat manch' Einer den fliegenden Holländer geschaut und ist doch grau
Kirche auf als Dank, daß die schwere Fahrt über- standen ist und wir doch noch glücklich in den Hafen einlausen."
„Ach, Franz," seufzte sie, sich ausrichteud, „Du hast mir selber einmal erzählt, daß so manches Schiff noch gescheitert ist, das schon die Küste im Auge gehabt hat.
„Laß doch die schwarzen Gedanken endlich fahren," bat er. „Komm, komm ich will Dir sagen, was ich mir ausgesonnen habe für uns." Er zog sie nach der Ofenbank und ihre Hand in der seinigen haltend, begann er: „Schau, zur Landratte bin ich halt verdorben. Ich habe mich noch einmal darauf ernstlich gefragt, seitdem Du frei bist. Es wäre gefehlt, wenn ich hier oben als Dein Mann Wirthen wollte. Dir kann's auch nicht lieb sein, auf dem Kranwelhof zu bleiben. Da hab ich gemeint, wir lichten beide die Anker."
Ein Strahl der Freude blitzte in Cenzi's Augen auf.
„Ach ja, das bin ich zufrieden, Du denkst immer das beste," rief sie und er fuhr fort.
„Es muß leider erst wieder Winter werden, ehe ich Dich als mein liebes Weibl heimführen darf. Derweilen findet sich wohl Gelegenheit, daß Du den Krauwethof verkaufen kannst, und ich thu' mich um, daß ich als Kapitän ein Schiff kriege. Es kann nicht fehlen, und nachher nehm' ich Dich an Bord als meine Frau Kapitänin."
Sein männliches kühnes Gesicht leuchtete froh und er walte ihr das Leben aus, das sie auf seinem Schiffe führen würden, oder nach glück.