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rrsfrlöcr firnsblntt.

Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllustrirtes MnterhakLungsötatL".

Nr. 85.

Donnerstag den 22. Jnli

1886.

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Kersfelder Krrisvtatt mit der wöchentlichen Gratis - Beilage

Jllustrirtes Unterhattungsblatt" für die Monate Angnst und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Land­briefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 17. Juli 1886.

Durch Verfügung Königl. Regierung vom 9. d. Mts. A. 11. 8417, sind mir Druckexemplare eines Verzeichnisses der für den Anbau im Regie­rungsbezirke Cassel sich vorzugsweise eignenden Obstsorten zur Vertheilung an die Königlichen Localschulinspectoren, Volksschullehrer und die Gemeinden des Kreises übersandt worden, welche ich in diesen Tagen per Post absenden werde.

Die Königlichen Localschulinspectoren ersuche ich zugleich, von den Ihnen zugehenden Druck­exemplaren einem jeden der Ihnen unterstellten Lehrer ein Exemplar gefälligst zu behändigen, um nach Anleitung desselben für die möglichste Ver­breitung guter Obstsorten zu wirken.

8004. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz^

Hersfeld, den 19. Juli 1886.

Die Wittwe des Tagelöhners Jakob Möller, Anna Margretha geb. Landsiedel von Conrode hat für sich und ihre minderjährigen Kinder um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 8058. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

r .................. '."»!-=^

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Tom Sawyer's Aöenteuer.

Nach dem Englischen des Mark Twain.

(Fortsetzung.)

Tom überzahlte rasch die Wochentage und sah entsetzt auf Huck.Oh je, Huck, daran habe ich doch gar nicht gedacht/'

Ja, ich auch nicht; auf einmal fährt es mir durch den Hopf, daß Freitag ist/

Schändlich, Huck, man kann doch nie vor­sichtig genug sein. Da hätten wir in eine heillose Patsche kommen können, wenn wir dergleichen an einem Freitag unternommen hätten 1"

Können I sage lieber müssen. Es soll ja Glücks« tage geben, aber Freitag ist keiner."

Das weiß jeder Tropf I Ich glaube schwerlich, daß Du das ausgesunden hast, Huck."

«Habe ich auch nicht gesagt, oder sagte ichs etwa? Und der Freitag ist's nicht allein, ^ch hatte einen bösen Traum vorige Nacht von Ratzen!"

Nein, wahrhaftig! Das bedeutet Unheil. Bissen sie sich?

Nein."

Na, dann ist's nicht schlimm, Huck. Wenn sie sich nicht beißen, so bedeutet das nur, daß Gefahr im Anzüge. Da muß man nur die Augen offen halten und sich nicht hineinbegeben. Wir lasseu's für heute bleiben und spielen. Huck! kennst Du Robin Hood?"

Nein, wer ist das ?"

Hersfeld, den 20. Juli 1886.

Mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28, Juni d. J. A, Nr. 43 im Kreisblatt Nr. 77, die Bestellung der Textausgabe der Neuen Preußischen Verwaltungsgesetze für die Provinz Hessen-Nassau betreffend, sind trotz meiner Erin­nerungsverfügung vom 10. d. Mts. A. Nr. 43, im Kreisblatt Nr. 81, immer noch 33 Ortsvor­

stände des hiesigen Kreises im Rückstände.

Ich erinnere dieselben hierdurch nochmals an die Erledigung gedachter Verfügung mit Frist bis zum 26. b. Mts.

J. A. Nr. 43. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

#Zur Aera der neuen Wirth- schaftspolitik."

Man lieft jetzt wieder sehr viele offene und versteckte Angriffe auf die deutsche Wirthschastspolitik. Aus der nunmehr auch in der deutschen ^iioufttic hervorgetretenen Stockung des Absatzes wird von den Anhängern des Frei­handels Kapital zu schlagen gesucht, wobei so stark auf die Gedankenlosigkeit der Leser gerechnet wird, daß man schwer begreift, wie eine solche Speculation überhaupt unternom­men werden kann. Statt nämlich zu zeigen, wie und wa­rum unsere Erwerbsthätigkeit unter den Zöllen gelitten hat und noch leidet, wie und warum wir bei Fortdauer der Freihandelsä.a wirthschastlich viel besser gefahren wären, wird einfach mit einer gewissen Genugthuung auf die zahlreichen Zeichen wirthschasllichen Niederganges ver­wiesen und gesagt: Da habt Ihr den Segen der neuen Wirthschaftspolitik. Aber es ist noch niemandem einge­fallen, zu behaupten, daß Zölle ein absolutes Schutzmittel gegen Rückschläge seien.

Der Beweis, den die Freihändler zu erbringen hätten, wenn sie Verständige wirklich überzeugen wollten, läßt sich schlechterdings nicht führen. Bei der großen Verschieden- artigfeit der Interessen ist es möglich, daß ein bestimmter Zoll, der einen großen Erwerbszweig schützt, einem an- deren unerwünscht ist, und es muh in diesem Falle die Größe des Jnteressenkreises, seine Bedeutung für die All­gemeinheit den Ausschlag geben. So konnte man z. B. einräumen, daß der Königsb.rger Handel von einer Be-

Robin Hood war einer der größten und besten Männer Englands. Er war ein Räuber."

Sapperment, das möchte ich auch sein. Wen beraubte er denn?"

Oh. nur Bischöfe, Gerichtsbeamte, reiche Leute, Könige und dergleichen. Arme Leute ließ er in Frieden, er war ihr Freund und theilte stets mit ihnen, was er hatte ganz ehrlich."

Himmel, muß das ein Kerl sein."

Ja, ein ganzer Kerl, Huck. Oh, er war der edelste Mensch, der je existirte. So welche giebt S nicht mehr» das kaun ich Dir sagen. Mit einer Hand aus den Rucken gebunden, kriegte er jeden Mann in England unter; auf anderthalb Meilen traf er ein Zehncentstück mit seinem Eibenbogen, Schuß für Schuß."

Was ist denn ein Eibenbogen?"

Das weiß ich nicht natürlich irgend ein Bogen und wenn er das Geldstück nur an der Kante traf, da setzte er sich hin und weinte und fluchte. Wir wollen Robin Hood spielen, das ist ein nobles Spiel. Ich werde es Dir zeigen."

Schön."

So spielten sie denn Robin Hood den langen Nachmittag und warfen nur dann und wann einen Blick voll Verlangens auf das Gespensterhaus und die sie dort am nächsten Tage erwartenden Chancen und Aussichten. Als die Sonne im Westen sank, machten sie sich in den langgezogenen Schatten der Bäume aus den Heimweg und verschwanden bald in den Wäldern des Cardiff Hügels.

Der Sonnabend Nachmittag fand sie wieder bei

| schränkung der russischen Getreideeinfuhr durch Zölle eher | Nachtheil als Vortheil haben werde. Aber das Interesse der Getreidebauer, das Interesse des Staates an der Er­haltung der Landwirthschaft war doch jedenfalls viel ge­wichtiger, als das der Königsberger Handelsfirmen, die nur einer geringen Anzahl von Menschen Brot und Nah­rung geben. Nebenbei führt jetzt die Königsberger Kauf­mannschaft selbst als Dauptursachen des Rückganges ihres Handels die russischen Zölle auf Thee, Eisen, Maschinen rc., die russische Eisenbahntarifpolitik, welche die Zufuhren nach Libau außerordentlich begünstigt, und die Concurrenz Odessas auf.

Die Freisinnige Zeitung hat sich eine besondere Spitz­marke -Zur Aera der neuen Wirthschaftspolitik" ange- fertigt, unter welcher sie Zeugnisse von Handelskammern rc. für die schlechte Lage der Industrie veröffentlicht. Da ist z. B. in Dortmund die Kohlenförderung eingeschränkt wor­den, hat die Borsig'sche Fabrik den Locomotivbau ausge­geben; beides erscheint ohne Weiteres als Wirkung der Wirthschastspolitik. Wenn das richtig wäre, so müßte doch jedenfalls die Kohlen- und Eisenindustrie von Freihandels­ländern in beneidenswerth besserer Lage sein als die deutsche. Thatsächlich liegt sie in der ganzen civillkirten Wett oarntcvcr, wie uveryaupl die Erscheinungen einer Krisis in der ganzen Welt und mit am frühesten und stärksten in dem Freihandelsland England zu Tage getreten sind. An diesem Einwand, welchen Jeder erhebt, der nicht blos aus freisinnigen Blättern sich zu unterrichten gewohnt ist, muß jene Speculation auf die Gedankenlosigkeit und Unwissenheit nothwendig scheitern. Uebrigens ist die Mehrzahl der freihändlerischen Handelskammern klug und ehrlich genug, bei Beuriheilung der ungünstigen wirth« schastlichen Lage die Zölle aus dem Spiel zu lassen und die Gleichartigkeit der Erscheinungen in den verschiedensten Ländern des Freihandels und Schutzzolls, der Gold- und der Doppelwährung monarchischer und republikanischer Verfassung hervorzuheben.

Wir befinden uns in einer Krisis nicht wegen, sondern trotz der Wirthschastspolitik, ohne welche unsere Industrie sich zweifellos aus dem großen Krach gar nicht wieder hätte emporarbeiten können und jetzt jedenfalls noch viel schwerer, da ihr nicht einmal der einheimische Markt einigermaßen gesichert wäre, zu leiden haben würde. Unter allen Umständen ist es eine ganz unehrliche Taktik, den deutschen Zöllen, die doch den Weltmarkt nicht vor Ueberproduction schätzen können und sollen, eine jener pe­riodisch eintretenden Krisen zur Last zu legen, welche auf

dem umgestürzten Baum; erst rauchten und schwatzten sie ein wench im Schatten des Waldes, dann gruben sie in ihrem letzten Loche noch etwas weiter, zwar nicht mit großer Hoffnung auf Er­folg, sondern weil Tom der Ansicht war, es käme so oft der Füll vor, daß der Schatzgräber sechs Zoll vom Schatz ab aushörle und dann käme ein anderer und höbe ihn mit einem Spatenstich heraus. Dieses ytal mißlang die Sache; so nahmen sie denn ihr Werkzeug und entfernten sich in dem Bewußtsein, daß sie dem Glück die Hand geboten und alle dem Schatzgräber obliegenden Verpflichtungen aus das Gewissenhafteste erfüllt hätten.

Die tiefe Stille, die das Spukhaus umgab, wie es in der glühenden Nachmittagssonne da lag, hatte so etwas Gespenstiges und Grauliches, die vollständige Einsamkeit und Verlassenheit so etwas Niederdrückendes, daß die Jungen, nachdem sie es erreicht, im ersten Augenblick von Furcht und Zittern erfüllt, es nicht zu betreten wagten. Zitternd schlichen sie zur Thür und warfen einen Blick hinein. Ein mit Unkraut bewachsener Raum, ohne Fußboden, mit zerfallenen Wänden, eine öde tzeerdstelle, leere Fensteröffnungen, eine zertrümmerte Treppe bot sich den scheuen Blicken dar; überall Trümmer und unzählige Spinngewebe. Flüsternd, mit schlagenden Pulsen auf das leiseste Geräusch aufmerksam horchend, schlichen sie sich hinein, jeden Augenblick zur schleunigen Flucht bereit.

Die Furcht nahm mit der Zeit ab, so daß sie, voll Erstaunen und Bewunderung über ihre Un»