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itrsftliicr Kttisblatt
Mit wöchentlicher Hratis-Weikage „Mustrirtes AnterhattungsötaLt".
Nr. 103. Donnerstag den 2. September 1886.
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# Sedan.
Der glorreiche Sieg von Sedan krönte die vereinten Anstrengungen der deutschen Führer und Truppen durch einen in der Geschichte fast beispiellosen Erfolg. Nachdem die Franzosen in der Schlacht selbst an Todten, Verwundeten und Gefangenen 38 000 Mann verloren hatten, streckten in Folge der Kapitulation weitere 83 000 Mann die Waffen. 550 Geschütze und schier " zahlloses Kriegsgeräth fielen in die Hände der
< Sieger, Das deutsche Heer bezahlte diesen gi- / gantischen Waffenerfolg mit dem Verhältniß mäßig / geringen Opfer von 9000 Todten und Verwundeten. Mit dem Untergang eines ganzen Heeres bricht zugleich der Napoleonische Kaiserthron in Frankreich zum dritten Male zusammen. Blitzschnell durchstiegt die überraschende Kunde die deutschen Gaue und ganz Europa, theils mit freudig aufwallender Begersterung, theils mit ungläubigem Staunen empfangen. Viele Herzen —■ r^foni hiff znnpi'siNfflicho HEminH auf-einen Unmittelbar bevorstehenden, ruhmvollen Friedensschluß und baldige Rückkehr des siegreichen Heeres in die Heimath.
Gingen zwar diese letzteren Hoffnungen nicht in Erfüllung, bedurfte es noch großer Anstrengungen unserer braven Truppen, bis der zähe Feind f —™? , ■ --------‘■"■■"‘"!^^^ 11 "h ” (Nachdruck verboten.)
Aus bat Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortsetzung.)
Der alte Herr wiegte bedenklich sein Haupt.
„Es ist doch wieder so, wie ich vermuthete, Du reift mit Couriergeschwindigkeit; aber mit den allzuschnellen Vorsätzen läßt sich nichts erreichen. Außerdem ist das Motiv zu diesem Beschlusse nicht bestimmend genug. Meine Frau wie Asta befanden sich gestern in eigenthümlicher Verfassung, dem mußt Du Rechnung tragen. Asta's Heftigkeit kennst Du zur Genüge, um ihr nicht jeden AuSspruch übel zu deuten — sie spricht's eben hin ohne Ueberlegung."
„Es macht mich traurig, Vater, daß Du mir nicht glauben magst, es fei Asta Ernst mit ihrer Meinung über mich; infolge dessen kannst Du auch meine gerechtfertigte Entrüstung nicht begreifen und wirst das feste Beharren meines Aus- spruches für Eigensinn oder übereilte Willkür halten; ich hoffte einen Helfer zu finden, und beichtete einem Widersacher."
„Deine letzte Bemerkung ist nicht zutreffend; ich halte es für meine Pflicht, über Dich zu wachen und Deine Schritte zu prüfen! Dein Widersacher bin ich deshalb doch nicht, was Du recht wohl wissen solltest."
„Zürne nicht, Väterchen," bat Lisbeth; »Die Worte klangen anders als sie gemeint waren — doch zurück zur Sache. Wenn ich nun nicht ginge,
gänzlich niedergeworfen war: so ist dennoch der stolze Tag von Sedan von entscheidendem Einfluß auf den ganzen Gang des Feldzuges geblieben. Und nicht allein das: dieser Tag sachte das seit Ausbruch des Krieges bereits mächtig emporwallende deutsche Bewußtsein unseres Volkes zu so starkem Gefühle an, daß der Sieg bei Sedan mit Recht als der Tag der Wiedergeburt alter deutscher Herrlichkeit, als Geburtstag des neuen deutschen Reiches angesehen wird. Bezeugt doch ein socialistischer Historiker, daß die nationale Begeisterung jener Zeit selbst in die Glieder der Socialdemokratie breite und tiefe Lücken gerissen habe.
Seitdem sind sechzehn Jahre in's Land gegangen, aber die Freude und den Stolz am Sedan- tage hat unser Volk noch nicht verloren, wie die alljährlich wiederkehrende patriotische Feier des zweiten September bezeugt. Freilich das stolze deutsche Nationalbewußtsein und Einheitsgefühl jener Zeit hat im Volke manches von seiner Frische und Stärke eingebüßt, und da jeder rechte Festtag auch ein Tag innerer Einkehr sein soll, wollen wir nicht unterlassen, am heutigen Tage hieran zu erinnern. Zwietracht und innere Fehde, Nörgelsucht und Kleinlichkeit wachsen und gedeihen wieder üppig im deutschen Reiche und schädigen und umranken es, wie Schlingpflanzen den gesunden Baum. Den äußeren Feind haben wir zu Boden geschlagen, aber im Innern zeigt die Socialdemokratie noch immer ihr Medusen- haupt, befehdet eine andere Partei, die sich anmaßend deutsch und freisinnig nennt, die Bestrebungen unserer nationalsten Männer für des Reiches Wohl.
Mit freudigem Danke gegen Gott begrüßen wir es, daß die Heroengestalten des Sedantages noch unter uns weilen: unser geliebter neunzigjähriger Kaiser; Graf Moltke, der große Schlachtendenker, der an diesem Tage als erster
wie sollte es werden, sobald Mary aus England heimkehrt?*
„Kommt Zeit, kommt Rath. Vorläufig können noch vier bis sechs Wochen darüber vergehen, und bis dahin läßt sich noch Manches in Ruhe überlegen. Vielleicht gestattet Mary sogar, daß Du ihr Zimmer theilst!" wendete der alte tzerr zuversichtlich ein und klopfte Lisbeth auf die Schulter.
„Deine Vermuthung enthält für mich sehr viel Trost; doch mußt Du mir zugestehen, liebster Vater, daß die Erfüllung dieser Hoffnung nur auf Möglichkeiten basirt. Mary glaube ich wohl so weit zu kennen, daß sie sich der Nothwendigkeit fügen würde. Doch schließt der gute Wille nicht aus, daß meine, namentlich aber des Kindes Anwesenheit störend auf ihre Studien einwirkte, denn hierzu sind Ruhe und Stille ein tzaupterforderntß, welche oftmals durch die bloße Anwesenheit eines Zweiten völlig entwerthet wird. Dann aber vermag Mutter die, durch unser Hiersein erhöhten Kosten des täglichen Bedarfes nicht mehr zu bestreiten und ist auf Asta's Hilfe angewiesen. — Alles zusammen bestärkt mein Vorhaben, welches ich aus die eine oder andere Art zur Ausführung bringen muß!" sagte die junge Frau bestimmt und sah dem Rath fest in's Antlitz.
„Hm!" meinte dieser überlegend und schlug die Augen zu Boden. „Du sprichst für Deine Sache, wie ein guter Anwalt für seinen Clienten — mag's nun kommen wie es will, ich verlasse Dich nicht. Vorher aber werde ich mit der Mutter reden und hören, wie sie denkt. Kleide Deinen Buben an
hinter dem Kaiser genannt werden muß, und Fürst Bismarck, des Reiches großer und unermüdlicher Werkmeister. Vergessen wir niemals, daß nicht die Schönredner, welche von der deutschen Einheit in Vereinen und Volksversammlungen redeten, deren Schöpfer find, sondern die Männer, welche den Träumen Wirklichkeit und der Idee Gestalt gaben: Kaiser Wilhelm und seine Paladine. Möge Gott sie uns noch lange erhalten!
Möge Gott uns auch die Sittenreinheit erhalten, die die Römer an unseren Vorfahren rühmten, und die das Geheimniß unserer Kraft ist. „Nur weil die deutsche Nation — urtheilt eine englische Zeitung — nüchtern, enthaltsam und tugendhaft geblieben ist, waren ihre Kinder so furchtbar in der Schlacht! Wer persönliche Erfahrung und Bekanntschaft unter der Jugend verschiedener Länder hat, wird bereitwillig einräumen, daß in einer Beziehung wenigstens unter den jungen Leuten in Deutschland ein reinerer Ton herrscht, daß man dort ein längeres Knabenalter, ein festeres Familienregiment und daher anch ein gesunderes und unschuldigeres Mannesalter hat, als anderswo." Diese gute Meinung des Auslandes ist ehrenvoll und erhebend für uns, aber sie ist auch moralisch verpflichtend.
Und so wollen wir uns des heutigen Tages wie alljährlich zwar dankerfüllten Herzens freuen, aber wir wollen an diesem Tage deutschen Ruhmes auch geloben, allzeit deutsch zu handeln und zu leben, wie unsere Väter, auch nicht vergessen, daß Gott die Siege giebt, und daß Sein die Ehre ist!
Politische Nachrichten.
(Deutschland.) Se. Majestät der Kaiser hatte am Sonntag mit dem Reichskanzler auf Babelsberg eine längere Conferenz. Das Kaiser-
und komm' zu uns herein."
Mit diesen Worten schritt er der Thür zu, um zu gehen.
„Vater" — sagte Lisbeth zögernd.
„Was wünschest Du, mein Kind?"
„Ach Vater, es wird mir so schwer zu fragen — aber Du hast mir noch so gar nichts von gestern mitgetheilt" — fügte sie tonlos hinzu. „Und erfahren muß ich es ja doch — nur als Du gestern am späten Nachmittag nach Hause kamst, gewährtest Du mir einen Blick, so voller Weh und Herzeleid, daß ich mir meine einzige Frage, welche ich an Dich richten wollte, allein beantworten konnte; aber jetzt vermag ich nicht länger an mich zu halten, bei aller Gewißheit diese Unsicherheit — es ist unerträglich. Sage mir ohne Umschweife, welche und wie lange Strafe erhielt Hubert für sein Vergehen ?"
Der Gefragte lehnte sich gegen die Wand und preßte eine Hand aus den Thürgriff; im selben Moment wurde die Thür von außen geöffnet und die Räthin rief:
„Aber, Alterchen, wo steckst Du denn? ich habe Dir etwas Frühstück servirt!"
„Du weißt doch Antonie, daß ich im Hause nie frühstücke!" —
„Heut' aber thust Du mir's zu Liebe und ißt einige Bissen; Du hast gestern Abend kaum etwas genossen."
„Der Appetit war mir bei Tisch plötzlich vergangen", entgegnete der Gatte zerstreut; ich komme sogleich."