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itrsftlhtr KrtisdiM.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeitage „Mustrirtes Hlnterhattungsblatt".
Nr. 105. Dienstag den 7. September 1886.
Amtliches
Die im Gebrauch befindlichen Gasmesser sollen aichamtlich geprüft und vorschriftsmäßig gestempelt sein. Der Gebrauch ungestempelter oder nicht gehörig gestempelter Gasmesser ist in hohem Grade geeignet, die Interessen des das Leuchtgas verwendenden Publikums zu schädigen. Das letztere hat daher allen Anlaß, darauf zu achten, daß die Vergütung für den Verbrauch an Gas nur nach gehörig gestempelten Gasmessern berechnet wird. Die Stempelung eines Gasmessers kann nur dann für zureichend erachtet werden, wenn jeder Eingriff in das Innere des Umschlußgehäuses ohne Verletzung eines Aichstempels unmöglich ist. Bei den kleineren Gasmessern, bei welchen das Gehäuse meistentheils aus mehreren durch Löthung zusammengefügten Theilen besteht, sind soviel Aichstempel nöthig, daß keiner jener Theile ohne Vernichtung eines Stempels abgetrennt werden kann. Bei den nassen Gasmessern sollen sich in der Regel wenigstens drei, bei den trockenen Gasmessern wenigstens fünf Aichstempel vorfinden. Bei den in neuester Zeit geaichten Gasmessern bleiben hierbei diejenigen Stempel außer Rechnung, welche das dieHerkunft, den Fassungsraum u. s. w. bezeichnende Schild gegen Abtrennung schützen.
Das betheiligte Publikum wird wohl daran thun, die in seinem Gebrauch befindlichen Gasmesser nach diesen Anhaltspunkten zu prüfen und in Zweifelsfällen eine amtliche Untersuchung her- beizuführen.
Cassel, den 23. August 1886.
Der Regierungs-Präsident. I. V.: Althaus.
Hersfeld, den 4. September 1886.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche trotz der Erinnerung vom 17. August er I. Nr. 9112 - Kreisblatt Nr. 97 - mit der Erledigung der Verfügung vom 6. Mai
(Nachdruck verboten.)
Auf den Wogen des Lebens.
Novelle von E. Schlegel.
(Fortjetzung.)
Asta stand vor dem Spiegel und ordnete das letzte ihrer Toilette; sie war trotz der strengen Züge des nicht mehr jugendlichen Gesichtes eine fesselnde, elegante Erscheinung. Kleine Schönheitsmittel halfen treulich und unter diesen Geheimnissen mochte man die Dame jünger schätzen, als sie in Wirklichkeit war. Nur Jugendfreunde wußten, daß der vierzigste Geburtstag nahe bevorstand und Unwissenden gern verschwiegen, oder um fünf bis acht Jahre zurückbatirt wurde. „Gnädigstes Fräulein, Sie haben sich gar nicht verändert'" lautete die bekannte Parole der alten Bekannten, und Asta's Liebenswürdigkeit war erobert. Doch genug — das hochrothe Bandeau schmückte dieses Haupt ganz vortrefflich und der zierliche Fuß wußte die rauschende Schleppe meisterhaft zu dirigiren. Schöne graue Augen spielten zuweilen mit wunderbarem Ausdruck die harte gebietende Physiognomie hinweg — doch nur in seltenen Fällen und ausschließlich in den Kreisen der Vornehmen. Eine hohe Stirn, Scharssinn und Verstand bergend, sehr stark her- vortretende Nase verliehen dem Gesicht etwas Männliches; es war eine Erscheinung, der man wohl Interesse, Achtung entgegenbringen konnte, nie aber Liebe und Zuneigung.
„Ich finde," sagte die Räthin stolz, zu der Hereintretenden gewendet; „daß Asta wieder brillant
1879 Nr. 5554 (Kreisblatt Nr. 37) bezw. 20. Juni 1882 Nr. 8170 (Kreisblatt Nr. 49) die stattgefundenen Wasserbauten und Beseitigung der Hindernisse des freien Flußlaufes betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran nochmals m i t Frist bis zum 15. d. Mts. bei Meidung der Aussprechung der bereits angedrohten Strafe erinnert.
9112. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
» An die konservativen Leser freisinniger Zeitungen.
Ein neuerer Vorfall hat wieder die Untersuchung der Frage angeregt, woher es kommt, daß viele freisinnige Blätter eine so große Verbreitung haben und selbst von Leuten gehalten werden, die in dem Königthum den Hort des Vaterlandes sehen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir hervorheben, daß von früherer Zeit her sich noch das Vorurtheii erhalten hat, die conserva- tiven Blätter seien „langweilig' redigirt und trügen den geistigen Interessen der Nation, den literarischen und wissenschaftlichen Erscheinungen nicht genug Rechnung. Wer indessen die Zeitungsliteratur, sei es aus Beruf, sei es aus Interesse, aufmerksam verfolgt, der wird einräumen müssen, daß die eonservative Presse an Raschheit der Berichterstattung der liberalen Presse nicht Nachsicht und dem geistigen und praktischen Bedürfnisse voll genügt. Allerdings kann aber eine eonservative Zeitung das, was vorzugsweise als „interessant" und „pikant" in der freisinnigen Presse gilt, ihrerseits nicht bringen.
Worin besteht zumeist dies „Interessante" und „Pikante?" In dem Bestreben, der niedrigsten Sensationssucht zu dienen, der es nicht darauf ankommt, Wahres mit Falschem zu mengen, zu übertreiben, zu erdichten, und in einer betrüben
aussieht; die Robe ist nach der Aenderung sehr effeetvoll geworden."
„Ja," bestätigte die Gerufene mit jenem Ausdruck in der Stimme, welcher jede rege Theilnahme ausschließt. „Das Arrangement ist bis in's Einzelne ein sehr gewähltes und der seine Geschmack überall sichtbar."
„Du sprichst ja wie im Schlafe, so wie Du stets redest, ohne jegliche Färbung, ewig langweilig oder ungezogen."
„Du hast für mich immer Vorwürfe, Asta; ich weiß nicht mehr, wie ich das Rechte finden soll."
„Schon wieder verletzt? wirst mit Deinem Zartgefühl oft noch anlaufen — Leute, die nichts besitzen, sind immer empfindlich und eingebildet, worauf, weiß ich nicht."
Die Räthin lief unruhig auf und ab; wie dem Zusammenstoß eine Wendung gebend, fragte sie: „Liebe Asta, soll das Mädchen jetzt den Wagen holen? hast Du auch Geld, Handschuhe, Noten?"
„Natürlich habe ich das, brauchst gar nicht zu erinnern — aber meine Uhr steht ja; hättest auch daran denken können."
„Schnell das Fichu über den Kopf, Schleier, Regenmantel, das weißt Du doch Mutter — ob ich wohl je in Ruhe fort kann!" suhr Asta in befehlendem Tone fort.
„Hier, so Astchen, nun viel Vergnügen!" sagte die Matrone saftig und geleitete die Tochter zur Thür hinaus.
„Bestes Amüsement!" rief die Davoneilende höhnisch von der Treppe herauf und verschwand
den Verlotterung des sittlichen Gefühls selbst vor dem Heiligsten nicht Halt zu machen. Auf die „Fixigkeit" kommt es mehr an, als auf die Richtigkeit. Da wird wochenlang von 'einem die höchsten Gesellschaftskreise compromittirenden Brillanttaubendiebstahl gefaselt, der sich schließlich als eine alte Criminalschnurre herausstellt. Die Dreistigkeit der Weiterverbreitung gefälschter Proclamationen, unbeglaubigter Gerüchte, „reizender" Lügengeschichten wird nur übertroffen von der Prahlerei, mit der man sich stets als wohl unterrichtet und eingeweiht ausgiebt, und von dem Zutrauen, welches man in die Vergeßlichkeit und Gutmüthigkeit des Lesers setzt. Hin- tertreppeureporter werden ausgeschickt, um in intime Familienverhältnisse einzudringen und Unglücksfälle breitzutreten, und werden diese Reporter übel ausgenommen, so schreien sie über Mißachtung der geheiligten Rechte der Presse. Man glaubt geistreich zu sein, wenn man stark in banalen Wortwitzen ist, und nennt es z. B. pikant, wenn man alljährlich zu Beginn der Badezeit ein „allerliebstes Feuilletonette" über die Leiden und Freuden des Strohwittwerthums mit frivolen Anspielungen an den Mann bringt. Allerdings giebt es auch Ausnahmen unter den freisinnigen Blättern, die gelegentlich selbst die Sensationssucht ihrer Kolleginnen verspotten und von vornherein einer Nachricht viel eher Glauben beimessen, wenn sie in einem conservativen Blatte steht; aber wie selten sind solche Ausnahmen.
Vor Allem aber darf, ^venn man den inneren Werth der freisinnigen und regierungsfreundlichen Presse richtig abschätzen will, nicht übersetzen werden, daß die Aufgabe der letzteren viel schwieriger, weil positiver Natur ist. Wer in Deutschland rücksichtslos schreibt, namentlich gegen die Regierung, wer das Herunterreißen sich zur I Aufgabe macht, der kann immer auf ein größeres I Publikum rechnen, welches, ohne grade den po-
ohne Adieu. Lisbeth benutzte die Zeit, um sich zurückzuziehen — sie hätte aufschreien mögen vor innerer Qual. —
Drinnen begannen die Vorbereitungen zum Empfange der Verlobten. Kaum waren sie beendet, als die Erwarteten eintraten. Nach üblicher Vorstellung folgten die Segenswünsche und darauf kurzes Stillschweigen. Gustav sah sich befremdend um und fragte nachdrücklich: „Bist Du allein, liebe Mutter?"
„Nein — mein Sohn; der Vater wird sogleich erscheinen. Asta ist leider durch Stundengeben verhindert, Euch zu begrüßen, die Gute ist wirklich mit Arbeit überladen — aber setzt Euch, Kinder, und Sie mein werthes Fräulein, heiße ich nochmals willkommen und hoffe, Sie werden mir eine liebe Tochter sein."
„Gewiß, Frau Räthin," erwiderte die junge Dame unter Verbeugung etwas verlegen.
Gustav lachte laut aus und sah über seine Brille hinweg. „Ihr habt wohl Eure Anreden direct von Knigge bezogen! meine Braut wünscht Emmy genannt zu sein, und jene Dame ist, plötzlich eingetretener Umstände halber, für Dich mein Schatz, die gute alte Mutter — doch pardon, Mama, ich denke, Du verzeihst mir diese Auseinandersetzung?"
„Du wehst uns mit Sturmwind zusammen, doch ich kenne meinen Sohn!" Beide Damen reichten zum Zeichen des Einverständnisses einander die Hände, als der Geheimrath eintrat.
„Ah, mein Sohn, mein liebes Fräulein!"
„Mein Vater, Fräulein Emmy Möller, meine